Eine hochverspielte Schnörkellosigkeit, die nicht einmal an sich selbst scheiterte

29. Mai 2011, 18:14
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Die Analyse der drei häufigsten Passbeziehungen dokumentiert das derzeit wohl stabilste Dreieck des Weltfußballs: Wie in einem Flipperautomaten rotierte der Ball zwischen Xavi, Iniesta und Messi hin und her: insgesamt mehr als 160 Mal im Verlauf der Partie. Zudem fiel den dreien mit mehr als 40 Prozent auch der Löwenanteil am gesamten Passspiel von Barcelona zu. Einmal mehr primus inter pares: Xavi Hernández mit überragendem Schlüsselspieler-Index (Summe der gegebenen und erhaltenen Zuspiele: 280!).

Abseits dieser kaum zu überbietenden Beziehungsintensität verfügte Barcelonas Netzwerk über eine Reihe ebenfalls dreiecksförmiger Zentrum-Peripherie-Verknüpfungen: Sowohl in den defensiven Rückraum (Busquets) als auch auf die Flügel (Alves-Villa bzw. Abidal-Pedro) setzen sich die triangulären Muster in geradezu kristalliner Regelmäßigkeit fort. Würde man das Gefüge weiter abstrahieren, käme die Grundform einer Spirale zum Vorschein, deren hochenergetisches Zentrum dauerhaft schwindelerregende Impulse in die Spitze sendet. Oder: eine hochverspielte Schnörkellosigkeit, die, einmal in Gang gesetzt, nur an sich selbst scheitern kann.

Schon vor dem Spiel war klar, dass Manchester nur dann eine Chance hat, wenn es gelingen würde, dem Treiben dieser hochfrequenten Triadenkopplung mit vertikalen Störmanövern zu begegnen. In den ersten zehn Minuten gelang dies in Bezug auf Messi ordentlich. Weshalb das Spielfeld dann innerhalb von drei Minuten zu einer schiefen Ebene in Richtung Manchester-Strafraum mutierte, wird wohl ein United-Geheimnis bleiben. Was bleibt, ist ein reaktives Netzwerk mit Isolationstendenzen: Zwar finden sich Dreiecke (Giggs-Carrick-Rooney, Evra- Park-Giggs), doch mangelt es an der Einbettung. Rooney bildete das spielerische Zentrum der Offensive, allerdings erwiesen sich seine potenziellen Anspiel- oft als Endstationen (Park, Hernández). (Helmut Neundlinger, DER STANDARD Printausgabe 30.05.2001)

  • FC BARCELONA

DIE MEISTEN PÄSSE/PASSVERSUCHE

1. Iniesta-Xavi 34

2. Messi-Iniesta 33

3. Xavi-Messi 32

4. Xavi-Iniesta 28

5. Iniesta-Messi 26

6. Alves-Xavi 21

6. Messi-Alves 21

8. Xavi-Alves 18

8. Messi-Xavi 18

10. Iniesta-Abidal 17

11. Busquets-Xavi 16

11. Iniesta-Busquets 16

13. Pedro-Iniesta 15

SCHLÜSSELSPIELER*

1. Xavi 280 (143/137)

2. Iniesta 237 (116/121)

3. Messi 212 ( 96/116)

4. Busquets 144 ( 73/ 71)

5. Alves 141 ( 74/ 67)

6. Mascherano 100 ( 56/ 44)

7. Abidal 99 ( 55/ 44)

8. Pedro 92 ( 37/ 55)

9. Villa 82 ( 30/ 52)

10. Piqué 77 ( 46/ 31)

11. Valdés 42 ( 28/ 14)

*Gegebene und angenommene Pässe

ERFOLGREICHE PÄSSE IN PROZENT

1. Busquets 98,63 ( 72 von 73)

2. Xavi 96,50 (138 von 143)

3. Pedro 94,59 ( 35 von 37)

4. Iniesta 93,97 (109 von 116)

5. Messi 93,75 ( 96 von 90)

6. Piqué 93,48 ( 43 von 46)

7. Abidal 92,73 ( 51 von 55)

8. Alves 87,84 ( 65 von 74)

9. Mascherano 87,50 ( 49 von 56)

10. Villa 86,67 ( 26 von 30)

  • MANCHESTER UNITED

DIE MEISTEN PÄSSE/PASSVERSUCHE

1. Ferdinand-Vidic 12

1. Rooney-Van der Sar 12

3. Park-Evra 9

3. Giggs-Rooney 9

5. Park-Giggs 8

5. Rooney-Park 8

5. Rooney-Giggs 8

8. Rooney-Carrick 7

8. Hernández-Giggs 7

8. Hernández-Carrick 7

8. Van der Sar-Ferdinand 7

8. Valencia-Ferdinand 7

8. Giggs-Carrick 7

8. Vidic-Ferdinand 7

SCHLÜSSELSPIELER*

1. Rooney 103 (42/61)

2. Giggs 82 (38/44)

3. Ferdinand 79 (44/35)

4. Park 68 (30/38)

5. Valencia 61 (29/32)

5. Carrick 61 (32/29)

5. Vidic 61 (36/25)

8. Hernández 50 (18/32)

9. Evra 49 (31/18)

10. Van der Sar 48 (32/16)

*Gegebene und angenommene Pässe

ERFOLGREICHE PÄSSE IN PROZENT

1. Ferdinand 95,45 (42 von 44)

2. Scholes 92,31 (12 von 13)

3. Park 90,00 (27 von 30)

4. Hernández 88,89 (16 von 18)

5. Valencia 86,21 (25 von 29)

6. Vidic 86,11 (31 von 36)

7. Carrick 84,38 (27 von 32)

8. Giggs 84,21 (32 von 38)

9. Evra 83,87 (26 von 31)

10. Rooney 83,33 (35 von 42)

Die Analytiker

FAS.research mit Sitz in Wien und New York war schon bei den Weltmeisterschaften 2006 und 2010 sowie bei der EURO 2008 im Einsatz und beobachtet exklusiv für den Standard Österreichs EM-Quali-Spiele.

Team: Ruth Pfosser, Helmut Neundliger, Wolfgang Streibl und Harald Katzmair.

Der Ansatz

Die Spielzüge werden aufgenommen und codiert. Der Datensatz wird netzwerkanalytisch ausgewertet, das Ergebnis wird interpretiert. In der Grafik werden die Ballwege zu den drei wichtigsten Passpartnern verdeutlicht. Die Kreisgrößen ergeben sich aus den Summen angekommener und abgegebener Pässe. (red)

  • Artikelbild
    foto: fas
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