Der "Stillstand" und das Schwächeln der Grünen

29. Mai 2011, 17:59

Die grünen Studenten schwächelten bei der Hochschülerschaftswahl auf mittlerem Niveau - Für die grüne Partei ist das keine Ermutigung

In Deutschland gibt es keine länderübergreifenden Studentenwahlen. Deshalb kann man keine direkten Vergleiche mit Österreich anstellen. Aber dort, wo heuer gewählt wurde, gab es wie bei Landtagswahlen starke Gewinne für die Grünen.

Im Frankfurter Studentenparlament beispielsweise haben die Grünen 24 Prozent der Stimmen erreicht - als stärkste Gruppe vor den Jusos (15 Prozent) und den sogenannten Giraffen (16 Prozent). Der CDU-Ableger RCDS erreichte im Jänner zwölf Prozent. Auch in Hamburg, wo rund ein Viertel der Studenten zur Wahl ging, sind die Grünen mit acht Sitzen die relativ Stärksten - vor der "bunten" Liste Regenbogen.

In Österreich ist bei den Hochschulwahlen in der Vorwoche die Gras zwar nicht eingebrochen - aber sie schwächelt mit Ausnahme der Uni Wien auf mittlerem Niveau. Für die grüne Partei ist das keine Ermutigung. Denn der Nachschub aus den Unis ist für sie, mehr als für andere Parteien, eine politische Lebensfrage.

Die Nachrichten über Fukushima erzeugten also keinen Rückenwind für die grüne Sache. Österreich hat zwar keinen Atommeiler, aber das globale Problem mit der Atomkraft hätte sich auswirken müssen. Tat es nicht.

Das bedeutet: Eva Glawischnig & Co haben ein tieferliegendes Problem. Die Regierungsbeteiligung in Oberösterreich hat den Grünen generell nicht geschadet. Und eine Beurteilung von Maria Vassilakous Koalition mit Michael Häupl wäre zu früh angesetzt.

Was also ist es?

Man kann trefflich spekulieren und je nach Einstellung Kritik üben. Eine Ursache jedoch dürfte ziemlich klar sein: Die Grünen greifen zwar immer wieder Themen auf und Missstände an. Aber eine Alternative zum "Stillstand" in Österreich sind sie nicht. Bieten sie nicht. Ganz abgesehen davon, dass ihnen eine charismatische Persönlichkeit fehlt, hinter der sich die grünen Wähler versammeln könnten.

Wenn man die Berichte über den grünen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann in Stuttgart liest, der in seiner Regierungserklärung eine "neue Gründerzeit" ausrief und unter Beifall sagte, man werde die schwäbische Autoindustrie "stimulieren", aber nicht "strangulieren", wird klar, wie groß der Unterschied zwischen Deutschland und Österreich ist.

Die Grünen sind in Deutschland im Moment jene Partei, die in Österreich herbeigewünscht wird. Sie ziehen dort auch (ohne Fremdenfeindlichkeit) Wutbürger aller sozialen Schichten an - bis zu den "Bankiersgattinnen, die Golf spielen und vor vergifteten Gurken Angst haben" (zitiert die FAZ einen SPD-Politiker).

In Österreich wird - offen oder geheim - für die FPÖ gevotet, die an den Universitäten nach wie vor eine untergeordnete Rolle spielt. Sie profitiert von einer Stimmung, die im Zweifel immer noch zu autoritär-rechts statt zu Mitte-links tendiert.

Das zu ändern ist zweifellos auch eine mediale Aufgabe. Die Grünen hätten sie genauso. Widerstand gegen die offizielle Ausländerpolitik ist sehr wichtig. Aber das ist zu wenig. Es bedarf einer Unterfütterung durch eine Neudefinition von Politik.  (Gerfried Sperl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30.5.2011)

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Hyla Arborea
02
30.5.2011, 20:47

„Grün“ und „Bio“ sind gleichermaßen und in enttäuschender Weise im Laufe der Jahre zu Mogelpackungen geworden. Nix mehr da von der Frische und vom Pioniergeist der frühen Jahre. Aus Idealismus haben wenige Bauern früher gegen alle Widerstände vernünftig und biologisch gearbeitet, heute sind die Subventionsabstauber die „Biologisten“ unten dem Agrarpersonal. Und die Grün- Politik in Österreich in zu einem Minderheitenprogramm von dauerbetroffenen Ideologieverwaltern geworden. Vielleicht wäre es von Vorteil, sich wieder einmal den Hinten in einer winterlichen Au abzufrieren … aber dort darf man ja die Wege nicht mehr verlassen.

Alvy Singer
 
00
30.5.2011, 18:58
Die Grünen müssen in die Mitte rücken, wollen sie Erfolg haben

Der erste grüne Ministerpräsident ist ein Mann mit grauen Haaren über 60. EIN MANN, EIN SILBERRÜCKEN!!! Das wäre bei unseren Grünen DENKUNMÖGLICH. Die beiden ÖH Spitzenkandidatinnen symbolisieren schon durch ihr Äußeres aus welchem
weltfremden linksextremen Biotop sie kommen. Dass eine davon "GENDERSTUDIES" studiert passt perfekt in das Bild. Die Menschenrechtssprecherin der Grünen Alev Korun vertritt de facto jene "bricknerische" Haltung bezüglich Migration/Integration die von mind. 95% der Bevölkerung (mir inklusive)
abgelehnt wird. Diese Liste ließe sich noch lange
fortführen. Solange sie nicht in die Mitte rücken werden sie keine Wähler dazugewinnen können.
Unter Glawischnig besteht keine Chance auf einen Kurswechsel.

Mirabeau
01
30.5.2011, 18:18

Die Grünen haben bei den ÖH Wahlen hauptsächlich deshalb Simmen verloren, weil sie zwei sexistische, chavinistische Spitzenkandidatinnen aufgestellt haben.

Und für die Bundesgrünen gilt:
Wenn man Politik nur für eine Minderheit macht, darf man sich nicht wundern, wenn man nur von einer Minderheit gewählt wird.

Zaphod Beeblebrox
00
30.5.2011, 16:58
@ Illudure et al: ... die Grünen sind eine linke Partei...

das ist so schon eine ziemlich einseitige (wenn nicht sogar dumme - Gegenbeispiel zu links siehe die Koalition auf Landesebene in Oberösterreich oder auf Gemeindeebene in Mödling) Aussage, wie ich meine. Eher sind die Grünen eine vielfältige Bewegung als eine linke oder rechte Partei. Aber wenn die Grünen in Österreich es nicht schaffen (weiter unten im Thread stand es eh mal zu lesen), sich als "Bewegung" und nicht als "Partei" (die dann immer die Konnotation des "Teils" und nie "des Ganzen" hat) zu präsentieren, dann verdienen sie es eben nicht anders, als mit den Roten oder Schwarzen auf niedrigen Niveau herumzugrundeln. Aber bei vielen Grünen ist jenes Feuer irgendwie erloschen: zu wissen, dass alle (Grünen) immer noch auf dem richtigen

Rigglerobber
03
30.5.2011, 16:38

wie sollen die grünen Studenten auch den Rückenwind des Themas Energiewende nutzen, wenn sie mit Wahlkampfthemen wie "Pro Binnen-I und gegen [beliebigen Ismus hier einsetzen]" antreten.

Gilgamesch
09
30.5.2011, 15:46

in österreich werden die grünen nicht gewählt, weil sie "für die ausländer sind" - das hab ich x-mal von teilen des proletariats gehört.
die aufdeckung von korruption, der einsatz für eine energiewende, ausbau des öffentl verkehrs, etc. wird entweder nicht wahrgenommen, oder teilweise wohlwollend wahrgenommen - allein gewählt werden sie deswegen nicht.
grund: "weli sie für die ausländer sind" - traurig aber wahr!

alion
11
30.5.2011, 16:50
was bleibt denn übrig??

aufdeckung korruption:
dafür habens ja vollzeit den pilz angestellt - der presht zwar eh ständig vor, fordert u-ausschuss und rücktritte etc... aber was hats bislang gebracht? u-auschüsse kosten nur unnötig geld und sind primär dazu da kleinpolitisches geld zu machen (mit dem a bissl packeln bei der abstimmung, dafür sind wir euch dort gewogen, usw). korruption gehört vor gerichten abgestraft!
energiewende:
was soll man denn wenden?? ö hat keine akws. gegen wasserkraftwerke wird auch regional von grünen listen demonstriert. solaranlagen sieht man heut eh schon auf jedem neugebauten familienhaus, erdwärme etc ist auch grad modern.
öffis:
in wien wurde von den grünen eine 100 euro jahreskarte versprochen ... neulich wurde angekündigt die ticke

alion
11
30.5.2011, 16:55

tpreise zu erhöhen!! was soll man da noch glauben?
und zum thema ausländer müssen die grünen mal differenzieren zwischen asyl und migration (was zwei komplett verschiedene dinge sind) aber immer als eine sache behandelt wird.

Kondratjew -Zyklus
 
06
30.5.2011, 15:07
Das Hauptproblem der "Grünen" ist, dass ihre Exponentinnen und Exponenten so wenig drauf haben.

! Österreichische Verbrecher Partei !
00
30.5.2011, 17:21
flohimpelz
01
30.5.2011, 16:28
Ja leider,

die GrünInnen sind von einer gut gemeinten Bewegung zur Partei verkommen.

Kondratjew -Zyklus
 
00
30.5.2011, 19:13
Nicht die Form der Partei (von "pars", ein Teil des Ganzen sein, sich be-teil-igen) liegt es, sondern an der persönlichen Substanz.

rorschach
03
30.5.2011, 15:57
das bitte kann kein kriterium sein da müste die fpkö

ja bei minus 10% liegen soviel wie die "drauf haben"

Kondratjew -Zyklus
 
00
30.5.2011, 19:13
Die haben "wenigstens" was auf dem Kerbholz.

materazzi
02
30.5.2011, 14:32

Während sich die deutschen Grünen mit der Energiewende beschäftigen und dadurch riesige Erfolge einfahren, beschäftigen sich unsere Grünen mit der Ehrenbürgerschaft vom unsäglichen Schickelgruber!

edurkheim
01
30.5.2011, 14:05
Die Grünen sind gegen direkte Demokratie, deshalb bekommen sie meine Stimme nicht

F.S.K
00
30.5.2011, 13:56
wo gibts das zitat von kretschmann?

in wirklichkeit schrieb man "Kritik prasselt auf Kretschmann ein"
http://www.focus.de/politik/d... 21302.html

Der GrünInnen
31
30.5.2011, 13:34
Eine Glawischnig macht noch keinen Sommer !!

In DEUTSCHLAND liegt der inhaltlicher Schwerpunkt der GRÜNEN in der Umweltpolitik. Leitgedanke grüner Politik ist ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeit UND DAS Rotationsprinzip, die Trennung von Amt und Mandat sowie eine Frauenquote. In ÖSTERREICH liegt der inhaltliche Schwerpunkt im Nepotismus, dem Erhalt der Macht für untereinander verwandte Parteifunktionäre und Angestellte mit TOP Gehältern (!) DAS ROTATIONSPRINZIP wurde vor Jahren abgeschafft und die Trennung von AMT UND MANDAT – was ist das (?) Bei der AT_KPÖ Splittergruppe, die sich GRÜNE nennt , vollkommen UNBEKANNT!!!

Das ist echt SCHADE, die Umwelt bräuchte eine starke Vertretung (!) in ÖSTERREICH

Aber das ist das nur eine Frage der Zeit

Ben Hemmens
01
30.5.2011, 14:32
DAS ROTATIONSPRINZIP wurde vor Jahren abgeschafft und die Trennung von AMT UND MANDAT

bei den deutschen Grünen aber auch, oder?

santa fe
 
72
30.5.2011, 13:22

wie in ihrer deutschen schwesterpartei nimmt auch bei den österreichischen grünen die diskussion um das

BEDINGUNGSLOSE GRUNDEINKOMMEN

zu. während die diskussion in D offen geführt wird und die partei attraktiver macht, befinden sich die österr. grünen bzgl. des BGE in einem pseudokirchlich-geheimen erstickungs-clinch.

nur eine radikale sozialpolitische offensive kann verhindern, dass der nächste bundekanzler strache heisst. und da sind nicht nur die grünen aufzurufen.

Der GrünInnen
04
30.5.2011, 13:37
Bei den Österr. Grünen gibt es nur eine familieninterne Diskussion. "basisdemokratische" Vorgänge wie bei der SPÖ gestern SIND UNDENKBAR !!

Diese Partei ist verknöchert, eingemauert und huldigt sich selbst und den eigenen ???? was eigentlich ???

zeit_lupe
03
30.5.2011, 13:21
univertretung ist nicht nationalrat

ich find den kommentar recht unsinnig. das schwächeln der grünen im vergleich zu deutschland liegt sicher AUCH an den grünen, aber dass D keine fpö hat, liegt z.b. nicht an den grünen.

und überhaupt: ich hoffe die studierenden haben ihre studierendenvertretung gewählt und nicht die bundespolitik. dort gibt es z.b. keine fachschaftslisten, die auch tendenziell im linken spektrum konkurrenz machen, aber vor allem als sichtbare und pragmatische vertreter/innen der studierenden gewählt werden und nicht weil sie rot, grün, schwarz, blau oder sonstwie eingefärbt sind.

aber journalisten müssen halt jeden tag was schreiben, da kann nicht immer die topqualität erwartet werden, wie man ja auch gut bei "leistungsträger" hans rauscher sehen kann.

Illudure
26
30.5.2011, 12:44

Die Grünen schwächeln bei uns weil sie keine grüne Partei mehr im eigentlichem Sinne sind
Unsere Grünen sind einfach eine links Linke Partei und das hintert die meisten bürgerlichen Wähler sie zu wählen

knuuuut
11
30.5.2011, 12:54

was bitte ist an den grünen links-link?

Jene Grüne Straßenkatze
11
30.5.2011, 15:43
...

Lassen Sie's gut sein. Wer "links-links" schreibt, hat meist keine Ahnung, was links und rechts wirklich bedeuten, sondern hat einen der Attitüde von Fußballfans vergleichbaren Zugang zur Politik - also "die andere Mannschaft [links] ist pfui, wir sind hui".

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