Spoken-Word-Poet

Gil Scott-Heron 1949-2011

29. Mai 2011, 17:44
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    foto: fischer

    Trat 2010, nach seinem überraschenden Comeback, bei der Nova Jazz and Blues Night in Wiesen auf: Gil Scott-Heron.

Der US-Musiker und große Spoken-Word-Poet Gil Scott-Heron, ein Säulenheiliger der HipHop-Szene, starb 62-jährig in New York - nach seiner Rückkehr von einer Europatournee

Wien - Den Ehrentitel "Godfather of Rap" lehnte er höflich, aber bestimmt ab. Zwar beruft sich die halbe HipHop-Welt auf seine Ende der 1960er-Jahre entwickelte, aus der Beat-Literatur kommende Sprechgesangstechnik. Gil Scott-Heron aber bezeichnete sich selbst lieber als Bluesologist.

1949 in Chicago als Sohn einer Englischlehrerin und eines jamaikanischen Fußballspielers geboren, kam er über den Umweg Tennessee bald nach Harlem, New York, wo er bis zuletzt lebte. Nachdem Gil Scott-Heron einen vielversprechenden Roman, The Vulture (Der Aasgeier), veröffentlicht und sich als Spoken-Word-Poet einen Namen im Underground gemacht hatte, wollte er 1970 das Publikum vergrößern: Er vertonte seine um Fragen der Bürgerrechte, Rassismus, Drogen, Unterdrückung, Kapitalismus- und Medienkritik kreisenden Texte gemeinsam mit seinem Studiumkollegen Brian Jackson.

Sein Debütalbum Small Talk at 125th & Lenox Ave. enthielt bei anfangs sparsamer perkussionslastiger, später zwischen Blues, Soul und Jazz mäandernder Begleitung den Klassiker The Revolution Will Not Be Televised. Dieses Stück gilt bis heute als zentrales Statement, wenn es um schwarzes Selbstverständnis und den Aufruf zum (gesellschafts-)politischen Widerstand in Schwarzamerika geht.

Mit sonorem, wortgewaltigem Sprechgesang zwischen harter politischer Anklage und schwarzem Humor und immer wieder auch sanfteren Tönen klagte Gil Scott-Heron fortan mit Arbeiten wie Winter In America, From South Africa To South Carolina oder Songs wie Home Is Where The Hatred Is eine gerechtere Welt ein. Möglicherweise zerbrach er an diesem Spagat zwischen Anspruch und Realität. Obwohl er in Songs wie Angel Dust zuvor die Drogenabhängigkeit und deren politische und ökonomische Ursachen in der zerfallenden afroamerikanischen Community seziert hatte, verfiel er selbst dem Alkohol, Heroin und Crack.

Nach dem hochgelobten Album Spirits von 1994 begann ein unterbrochener Abstieg. Es kam wegen illegalen Drogenbesitzes oder Verletzung der Bewährungsauflagen immer wieder zu Verhaftungen und zuletzt zu einem längeren Gefängnisaufenthalt auf Riker's Island. Dort entstanden die Texte für sein 2010 veröffentlichtes, unerwartetes Comeback, von Gil Scott-Heron gallig I'm New Here betitelt. Es enthielt späte Karrierehöhepunkte wie Me And The Devil oder New York Is Killing Me. Gil Scott-Heron rechnete gnadenlos mit seiner Vergangenheit ab, vergaß dabei aber nicht, einen zart-optimistischen Blick in die Zukunft zu wagen. Nach einer Europatournee starb Gil Scott-Heron am Wochenende 62-jährig in einem New Yorker Krankenhaus an den Folgen einer HIV-Infektion. (Christian Schachinger, DER STANDARD/Printausgabe 30.5.2011)

Kommentar posten
14 Postings
BobaFett
00
15.6.2011, 12:46
RIP!

neben dem erwaehnten
»I'm New Here«

auch sehr zu empfehlen:
Gil Scott-Heron & Jamie XX
»We're New Here«

Anyuser
 
00
auweh

das ist aber schade, viel zu bald abgetreten.
der war ein superguter.

ham sta
12
30.5.2011, 13:27

naja, ein rotes strichl im standard forum is mir der gil schon wert. jetzt werden wir's nie erfahren, wenn's wo heisst "Is that Jazz ???".
thanks for your poems, gil, r.i.p.

pcyco
12
30.5.2011, 09:24

rote stricherl für anteilnehmende posts??

dann auch eines für mich

r.i.p.
only the good die too young

lucarelli
13
30.5.2011, 07:22

peace go with you brother gil scott-heron

word8
12
30.5.2011, 01:02
well,

traurig irgendwie, aber damit mussten wir alle rechnen. lege jetzt "the revolution will not ne televised" ein zum gedenken.

r.i.p. man

tschortsch
13
29.5.2011, 23:37
auferstehung

es war seine zweite auferstehung (2010), ich hatte das glück ihn 1995 in einem new yorker club zusehen, he was more dead than alive then, aber so präsent und intensiv auf der bühne. gestern habe ich "me and the devil" als klingelton auf meinem BB eingestellt, und mir das ganze album noch im auto angehört - wer sonst bringt so eine persönliche cd heraus !?!? heute lese ich, daß er tot ist. RIP man, thank You for every moment !!!
You can tear a building down, but You can't erase memory (living colour)

das ist synallagmatisch oida!
16
29.5.2011, 20:37
sehr traurig!

aber gut, dass er 2010 zumindest sein comeback geschafft hat! rest in peace gil!
http://www.youtube.com/watch?v=ADoCh8HfdKM

p_h
10
30.5.2011, 18:42

traumhafter track von beiden seiten!!! R.I.P

johann weissmueller
14
29.5.2011, 19:51

ein großer mann. viel zu früh!

word8
10
30.5.2011, 01:05
wenn es zeit ist, dann ist es zeit

ob mit 5, 21, 62 oder 99. sterben muss jeder, wann auch immer.

und er hat uns vieles hinterlassen. und ich bin davon überzeugt, er hatte das, was man ein "erfülltes" leben nennt.

Countblue
15
29.5.2011, 18:05
The Godfather of Rap

left the building.
RESPECT to the man.
Farewell Gil.

CB

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