Bei Kristian Smeds' Festwochen-Produktion Der Kirschgarten / Vysniµ Sodas hat das Publikum leider nicht Platz
Wien - Das Publikum ist ein nicht unerheblicher Bestandteil einer Theateraufführung. Bei Kristian Smeds' Festwochen-Produktion Der Kirschgarten / Vysniµ Sodas hat es aber leider nicht Platz. Spielstätte ist ein Gartenhäuschen in der Flüchtlingssiedlung Macondo in Simmering. In dieser von Regalen mit Gießkannen, alten Tennisschlägern oder Bananas-Schachteln gesäumten Hütte finden neben den Bein an Bein sitzenden elf Schauspielern nur mehr ein Dutzend Zuseher eine Sitzgelegenheit. Das Gros des Publikums folgt dem Geschehen auf einer in Nachbars Garten aufgestellten Leinwand - wie beim Open-Air-Kino.
Dass man sich dort nicht ganz dem Sommerkino überantwortet fühlte, dafür sorgten einerseits die spätabends kühlen Temperaturen sowie das "Smeds Ensemble", das hie und da aus der in Sichtweite stehenden Hütte herauspreschte, um sich seinerseits der Anwesenheit des Publikums zu versichern. Und auch dieses war um die wenigen Live-Theater-Krümel froh, die es dabei zugeworfen bekam.
Kamera-Einsätze sind am zeitgenössischen Theater natürlich vollkommen etabliert und berechtigt, solange sie künstlerische Beweggründe haben. Daran musste man bei diesem Kirschgarten allerdings zweifeln. Zwar hat der zweite Akt (Akt vier folgt heute im Schauspielhaus) in ein paar schönen Close-ups seinen filmischen Charakter zu legitimieren versucht, doch blieb die Kamera in dieser litauisch-finnischen Produktion generell ein logistisches Instrument: Denn die Übertragung auf Leinwand hatte keinen Wert generiert.
Dabei hätte das Naturareal für Tschechows Kirschgarten ein guter Schauplatz sein können. Dieses wurde bis auf eine platte und ungenaue Schlusspointe, die die Geschichte der aufgelösten Guerilla-Gärten Macondos mit der Auflösung des Adelsbesitzes kombinierte, nicht genützt. (Margarete Affenzeller, DER STANDARD/Printausgabe 30.5.2011)