derStandard.at aus Madrid

Spaniens Unzufriedene tragen den Protest in die Vorstadt

30. Mai 2011, 16:19
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    Großer Andrang bei der Barrio-Versammlung in Aluche

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    Der Redner berichtet von der Puerta del Sol

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    Abstimmung über die vier Grundforderungen: Niemand ist dagegen

     

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    Das "Respekt-Kommittee" verteilt Wasserflaschen und Sonnencreme.

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    Am Sonntag wurden die Ergebnisse der Barrio-Versammlungen auf der Puerta del Sol verkündet.

Ein Lokalaugenschein von der Barrio-Versammlung im Arbeiterstadtteil Aluche

Seit zwei Wochen wird auf der Madrider Puerta del Sol debattiert, welche Veränderungen man erreichen will. Am Samstag hielten die Protestierenden in zahlreichen Städten und Staddteilen Versammlungen ab, um auch Bevölkerungsteile, die es nicht ins Zentrum schaffen, einzubeziehen.

***

Im Arbeiter-"Barrio" Aluche (Landkarte), mit der U-Bahn eine halbe Stunde vom Sol entfernt, kamen über 1.500 Madrider in der prallen Mittagshitze vor einem Einkaufszentrum  zusammen. Spanienweit waren es den Organisatoren zufolge 20.000.

Zuerst wurde über die vier Grundforderungen der Demonstrierenden abgestimmt, gegen die kaum jemand etwas einzuwenden hatte.

Komplizierter wurde die Debatte über die Wünsche der lokalen Bevölkerung: Aluche gehört mit  sieben anderen "Barrios" zum Wahlbezirk Latina, weshalb die in den 50er Jahren für Zuwanderer aus der armen Provinz Extremadura aus dem Boden gestampfte Wohngegend von der konservativen PP regiert wird.

Für oder gegen Abspaltung Aluches?

Ein älterer Herr, der berichtete, noch gegen das Franco-Regime gekämpft zu haben, forderte deswegen die Abspaltung Aluches: "Dieser Bezirk wächst und wächst, schneller als (das Industriegebiet, Anm.) Getafé, warum sollen wir nicht selber bestimmen dürfen, wer uns regiert?"

Ein Redner, der gegen die "franko-deutsche Diktatur" wetterte und gleich auch noch die Monarchie abschaffen wollte, erntete skeptische Blicke. Mittlerweile hatten sich die letzten Wolken verzogen, und es wurde debattiert, ob man die nächste Stadtteilversammlung nicht an einem schattigeren Platz oder am Abend abhalten sollte.

Sprecherin für die Puerta del Sol

Für die spanienweite Debatte am Sonntag auf der Puerta del Sol wurde eine Sprecherin gewählt. Mittlerweile war es 15 Uhr geworden, und immer mehr Leute verließen den Platz.

Die Rednerin, die eine geschlechtergerechte Sprache einforderte (das Spanische kennt kein Binnen-I, weshalb dann von "todas y todos" die Rede ist), hatte kaum noch Publikum, und schließlich wurde die Veranstaltung unter "Aucha lucha"-Rufen (Alucha kämpft) plangemäß beendet.

Zwei Minuten pro "Barrio"

Bei der Versammlung auf der Sol am Sonntagmittag kamen das die Sprecher der einzelnen Versammlungen zu Wort. Der Andrang war groß, so dass pro Person nur zwei Minuten Redezeit eingeplant sind. Alle Versammlungen waren unerwartet gut besucht, viele Barrios wollen sich in Zukunft regelmäßige Treffen abhalten.

Als eine Solidaritätsbekundung der 20.000 Protestierenden, die vor der Pariser Bastille standen, verlesen wurde, brandete Jubel auf. Auch die rumänischen Immigranten in Spanien schickten eine Nachricht geschickt und versicherten, die Bewegung des 15. Mai nach Bukarest tragen zu wollen.

Die Erwartung, dass die "Erste spanienweite Generalversammlung" eine Entscheidung über einen möglichen Abzug aus dem Madrider Stadtzentrum bringen könnte, wurde nicht erfüllt: man entschloss sich zu bleiben, bis die Bewegung in den Barrios gefestigt ist. Danach will man nur noch einen Infostand auf der Puerta des Sol belassen, sich aber am 15. jedes Monats dort treffen. (Bert Eder aus Madrid/derStandard.at)

Kommentar posten
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Peter Jan
04
31.5.2011, 19:51
Übertragungen

"#cams34…
…shows live-streams broadcasted by mobile webcams directly and live from on-site action. In times of insufficient and inadequat news coverage caused by mainstreaming of media, it becomes more and more important to gain access to crude information and clear facts. “The revolution will not be televised” – it will be aired online."

http://www.spanishrevolution.eu/

Öffentliche Versammlungen aus Griechenland, Direktübertragung
(min. 100.000 um 19:51, 31.5.11)

http://www.kalinixta.co/athens-gr... ream/1057/

Peter Jan
02
31.5.2011, 22:47
Videos aus ganz Europa

Amsterdam, Brüssel, Paris, Lyon, London, Manchester, Edinburgh, Dublin, Berlin, München, Hamburg, Frankfurt, Wien, Prag, Budapest, Gdansk, Zürich, Rom, Bologna, Mailand, Turin, Florenz, Lissabon, Bergen, Stockholm, Helsinki, Reykjavik

http://roarmag.org/2011/05/s... a-real-ya/

CyberCop
00
danke für die links

Peter Jan
01

Bitte, gern geschehn :)

Eine ganz liebe Botschaft aus Wisconsin, dem "deutschesten aller USA-Staaten" (und das will ja was heißen), findet man hier:

http://www.youtube.com/watch?v=l_jnOXhDF6c

"The Solidarity Sing Along in Madison, Wisconsin sing a Spanish-language version of "We Shall Not Be Moved" in solidarity with our brothers and sisters protesting in Spain. iSolidaridad!"

Peter Jan
00
31.5.2011, 20:08

Na gut, vielleicht sind's in Athen auch nur 50.000 oder weniger...

goldameir
01
31.5.2011, 18:05

diese sinnlosen demonstrationen führen zu nichts. in einer demokratie der parteien und der medialen aufmerksamkeitsökonomie wird es ohne parlamentarische vertretung nicht gehen. wann begreifen das endlich die spaßdemonstranten ? wo ist eine partei, die die neuen gedanken endlich vertritt ?

kuserutzky
05
31.5.2011, 18:52
demoktratie ernst nehmen

genau, Sie fragen es: wo ist eine partei, die die neuen gedanken vertritt? darum gehen menschen auf die straße. und einen schritt weiter, denn: was, wenn die neuen gedanken erst entstehen müssen, in einem austausch von gedanken, ideen, erkenntnissen, und dieser nicht in den parlamenten und gemeinderäten stattfindet? darum gehen die menschen auf die plätze, in den öffentlichen raum und bilden eine sogenannte öffentlichkeit, die dann druck auf die bestehenden institutionen und parteien macht oder neues hervorbringt. in österreich ist mensch da noch nicht so weit wie in anderen ländern, aber es zu versuchen bedeutet, demokratie ernst nehmen - also vonwegen spaßdemonstranten: das kann doch nicht Ihr ernst sein!

Peter Jan
00
31.5.2011, 18:35

Partizipation

kuserutzky
01
31.5.2011, 17:40
wiener karlsplatz besetzt

in wien ist seit zwei tagen der karlsplatz besetzt, ein solidaritätscamp unter dem motto: yes we camp! ein kleiner anfang, den mensch nutzen sollte. in österreich ist zwar der leidensdruck noch nicht so groß und vieles wird noch von den ersparnissen der eltern- und großelterngeneration aufgefangen, aber es läuft dieselbe geschichte: wir lassen uns von den reichen und ihren lobbyitikern verarschen! geht hin, diskutiert, bringt euch ein! zum beispiel wird allerorts wieder das begehren nach privatisierungen laut. da könnten wir (ähnlich den hamburgern) ein gesetz einfordern, dass der verkauf von öffentlichen unternehmen, die gemeinwohl, infrastruktur etc. dienen, nur mehr mit volksentscheid möglich ist... und vieles mehr. demokratie jetzt!

Solemnly Somnabulating Soliloquist
00
31.5.2011, 22:34
ich glaub das ist die volxtheaterkarawane

mit den ubiquitären themen wie rassismus und sog. struktureller rassismus usw.

grahmatik
00
31.5.2011, 16:05

*madrilenen

081547112
00
31.5.2011, 13:44
die sitzen das locker aus

damit meine ich aber nicht die protestierenden sondern die politiker.

Adam Markus
06
31.5.2011, 11:09

Ja, so langsam geht auch die Angst in den europäischen Regierungen um und die Politiker sind heil-froh die Anti-Terror Gesetze beschlossen zu haben.

Ich schätze aber, dass es noch viel dicker kommen wird, schließlich spitzt sich die ökonomische Lage weiter zu und die neoliberalen Think-Tanks sind erst vor kurzem wieder in die Offensive gegangen, wie zB. der Europakt beweist.

Zwar versucht das Establishment den Ärger über die sich verschlimmernde ökonomische Lage mit Ausländerfeindlichkeit zu kanalisieren, ganz wird sie das aber wohl nicht schaffen und für jene die für ihre Rechte aufstehen gibt es dann die bereits erwähnten anti-Terror Gesetze.

goldameir
10
31.5.2011, 18:12

aha, für welche rechte wird denn aufgestanden ? in spanien hatte man jahrzehntelang kein problem sich von immobilienspekulanten den reichtum finanzieren zu lassen, die griechen haben eins der besten sozialsysteme dank krediten. wenn die lösung, die pösen banken sind schuld, so einfach wäre, meinen sie, es hätte nicht schon längst jmd einen weg- jenseits von neoliberalismus- beschritten ?

Adam Markus
01
31.5.2011, 20:51

Du warst aber noch nicht in einem griechischen Krankenhaus, oder?

Und meinst du eigentlich, dass man sich wegen einem funktionierenden Sozialsystem schämen sollte?

Dann geh und lies die Krone.....

ER22
11
31.5.2011, 12:49
Immigration

Ein älterer Artikel zu England:
Who gains from immigration?
Jun 27th 2002
From The Economist print edition
(...)
Most of the research on the impact of immigration on wages has been done in America. The NRC report concluded that, overall, immigration had reduced the wages of groups competing with immigrants—predominantly low-paid people—by 1-2%.
The people most affected by new immigrants were immigrants who had arrived earlier. Several studies have looked at local labour markets in America, comparing areas with high levels of new immigration to those with low levels, or looking at changes in wages over time. One such study, published in 1991, found that a 10% rise in the number of immigrants depressed the wages of earlier immigrants by 4%.

Herr und Frau Österreicher
 
02
31.5.2011, 13:40

Lohndumping steht aber ganz hinten an, wenns ums Thema "Auslända" geht.
Oder ist "Daham statt Islam" eine Kritik an Lohndumping?

Könnte auch daran liegen, dass jene die von Lohndumping profitieren auch jene sind, die den FPÖ Dauerwahlkampf finanzieren... reine Vermutung!

linksextremer kampfposter, von der öh bezahlter
26
31.5.2011, 06:52
auch in wien wird bereits kampiert,

und zwar in wien im resselpark (karlsplatz). besonders viel tut sich dort noch nicht, aber was nicht ist, kann ja noch werden...

http://acampaviena.blogsport.eu/

dr.no3
00
31.5.2011, 13:25
neben wien auch graz - spanische vorstadt

letzten So
http://www.facebook.com/event.php... 2453810397

rosa flieder
00
31.5.2011, 09:08

Das Foto auf dieser Seite ist schlicht manipulativ, es zeigt die Leute, die halt zu dem Termin um 18h gekommen sind und sich dann im Kreis hingesetzt haben (mehr meditativ, wies in einem posting hieß) - irgendwer wird das schon vorgeschlagen/organisiert haben. hatte mich eh schon gewundert.

Zwischen Sitzen und besetzen/campieren ist aber ein großer Unterschied.

Dass hier die Solidarität für DRY für andere Zwecke vewendet wird, wurde auch schon geschrieben. Ähnliches geschieht in Spanien. Das aber führt zur Schwächung. s.z.b.:

http://sobreunademocraciareal.blogspot.com/2011/05/t... as-vs.html

hackler
02
31.5.2011, 13:41

geh hin und besprich deine sicht der dinge mit den leuten dort. die können zuhören und sind offen, verlangen aber auch, dass mensch zuhören kann.

ich halte nichts davon das engagement anderer madig zu reden und selbst nicht die chance zu nutzen, die ja geboten wird (!!!), sich einzumischen und mitzugestalten.

ich war gestern und vorgestern dort und kann bestätigen, dass die leut sich freuen, wenn menschen sich partizipieren. und ich konnte auch beobachten, dass es überwindung kostet da zu stehen und seine/ihre meinung zu sagen. auch bei mir. das lässt sich jedoch lernen. dort wird mensch nicht ausgelacht, angepöpelt oder sonstiges

übrigens finde ich europaweite besetzungen die beste soli, die dzt. gegeben werden kann

rosa flieder
00
31.5.2011, 16:02

wie du meinen älteren ptgs entnehmen kannst, war ich eh dort, den genaueren Ablauf der Reden dort will ich gar nicht schildern. und über "anpöbeln ... etc." läßt sich streiten. Nein, nochmal geh ich nicht hin.

Weisst du, ich denk in letzter Zeit sehr oft an die BBB (Botschaft der Besorgten BürgerInnen von anno dazumal) - die ist auf ganz anderer Grundlage entstanden (aus einem breiten Aufbegehren heraus) hatte daher ein anderes "standing" und konnte sich über zwei Jahre am Heldenplatz halten und wurde dort auch gebraucht.
viel Vergnügen.

hackler
00
31.5.2011, 19:03

kann mich an die bbb erinnern, weiß aber nicht mehr ob damals auch so viel geraunzt wurde

FAIL
02
31.5.2011, 11:35
sie waren dort und haben mitdiskutiert?

wenn nicht einfach mal, eh schon wissen ...

ich war nämlich dort und die debatte, sosehr auch eine debatte unter 100 leuten nicht funktioniert, war offen. jeder konnte reden, jedem wurde zugehört, alles wurde basisdemokratisch "beschlossen".

rosa flieder
00
31.5.2011, 16:00

s.o. re auf hackler.
mehr gibts zu diesem thema von mir nicht mehr.

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