GP von Monaco

Die Turbulenzen, das Risiko und der Triumph

29. Mai 2011, 19:56

Sebastian Vettel war auch beim GP von Monaco der Souverän - Witali Petrow und Sergio Pérez wurden am Wochenende bei Unfällen verletzt

Monte Carlo - In der 72. von 78 Runden wachelten die Streckenposten mit roten Flaggen, brachen den Grand Prix von Monaco zunächst einmal ab. Zu diesem Zeitpunkt führte Sebastian Vettel im Red Bull knapp vor Fernando Alonso im Ferrari und Jenson Button im McLaren. Ursache für den Abbruch war ein Unfall des Russen Witali Petrow, der mit seinem Lotus-Renault in die Leitschiene krachte. Petrow kam mit einem verstauchten Knöchel glimpflich davon.

"Es war ein heftiger Einschlag", zitierte der Rennstall Petrow auf seiner Pressemitteilung nach dem Grand Prix. "Ich konnte meine Beine nach dem Crash nicht gut spüren." Er habe sich sicherheitshalber von den Rettungskräften aus dem Wagen heben lassen, da die Beine eingeklemmt waren. "Ich habe nicht das Bewusstsein verloren, aber ich hatte im Auto große Schmerzen", sagte der 26-jährige Russe.

Das Rennen wurde 21 Minuten später hinter dem Safety Car neu gestartet, und Sebastian Vettel kurvte souverän zum Sieg. Es war sein erster im Fürstentum, sein fünfter im sechsten Saisonrennen, der 15. in seiner Karriere. Der 23-Jährige, der als jüngster Weltmeister der bisherigen Formel-1-Geschichte amtiert, baute seine WM-Führung deutlich aus, hat sich bisher bemerkenswerte 143 von 150 möglichen Punkten genommen. "Danke, Jungs. Ihr habt es vorbereitet, wir haben es geschafft", sprach Vettel nach der Zieldurchfahrt in den Boxenfunk.

"Unglaublich. Ich bin extrem glücklich, dass nun auch mein Name in der Siegerliste dieses Rennens steht", sagte er später in der Fürstenloge. Dort hörte er von Fürst Albert: "Ich bin glücklich, dass Sie es sind." Und von der angehenden Fürstin Charlene erhielt er zwei Bussis auf die Wange.

Der Grand Prix war durchaus turbulent verlaufen, und nicht immer sah es nach einem Sieg für Vettel aus. Von der Poleposition enteilte der Champion dem Feld zügig, nach vier Runden hatte er schon vier Sekunden Vorsprung auf die Verfolger. Nach 15 Runden begann er mit dem Überrunden der Nachzügler. Wenig später verpatzte Red Bull den ersten Boxenstopp. Button übernahm die Führung. Auf den schnellen Supersoft-Reifen baute der Ex-Weltmeister die Führung zunächst kontinuierlich aus, auf bis zu 15 Sekunden. Noch schlechter verlief der erste Stopp beim Teamkollegen Mark Webber, der dadurch schon nahezu alle Chancen auf eine Podiumsplatzierung einbüßte und am Ende lediglich Vierter wurde.

Das Safety-Car kam erstmals in dem Moment heraus, als Vettel durch den zweiten Boxenstopp von Button und Alonso wieder die Führung übernommen hatte. Alonso und Button kamen in der Folge immer näher. Der Deutsche entschied deshalb, trotz anderslautender Anweisung aus der Box mit dem härteren Reifensatz fertig zu fahren. "Meine Reifen waren zwar langsamer, haben aber auch länger gehalten", erklärte Vettel. "Wir haben riskiert und gewonnen." Button musste noch ein drittes Mal in die Box, später hielt Vettel zum zweiten Mal an.

In der Schlussphase lief das Trio auf einen großen Pulk Überrundeter auf, die Karambolage mit zwischenzeitlichem Rennabbruch sorgte wieder für ein völlig neues Bild. Die Teams durften Reifen wechseln, Vettel war sein entscheidendes Problem los.

Der Fortschritt

Im Qualifying am Samstag war Sauber-Pilot Sergio Pérez schwer verunglückt. Der Mexikaner prallte nach der Tunnelausfahrt, wo bei fast 300 km/h in die Bremsen gestiegen wird, gegen die gepolsterte Streckenbegrenzung, erlitt eine Gehirnerschütterung und eine Oberschenkelprellung. Er wurde ins Spital verfrachtet, wo er noch bis heute, Montag, unter Beobachtung bleibt.

An der gleichen Stelle hatte 1994 der Tiroler Karl Wendlinger, ebenfalls in einem Sauber, einen schweren Unfall, lag daraufhin 19 Tage lang im Koma. Damals war die Leitschiene an dieser mittlerweile etwas veränderten Passage noch mit einem Reifenstapel gesichert. Und die Autos hatten noch nicht die heutigen Sicherheits-Standards. (bez, APA, sid, DER STANDARD Printausgabe 30.05.2011)

Kommentar posten
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The Man with the Plan
00
30.5.2011, 14:47

Interessant war v.a. der 1.Boxenstop:

Button kommt rein, womit bei Red Bull die Panik ausbricht und man sofort, als sich herausstellt, dass Button schneller fahren kann, Vettel hereinholt, und dabei darauf vergisst, dass in dieser Runde Webber's Boxenstop geplant ist. Daraufhin versauen sie Vettel's Stop und Webber's gesamtes Rennen. Offenbar gibt es bei Red Bull ja nur noch Vettel, wie bereits letzte Saison.

Von der Strategie her sehr matte Performance, und hätte sich den glücklichen Sieg durch die Unterbrechung eigentlich nicht verdient gehabt.

macstar
00
nachdem webber schon am start dafür gesorgt hat

dass nicht nur button, sondern auch alonso vettel unter druck setzen kann, m.e. nur gerecht, wenn sich der australier dann beim pitstop eben hintenanstellen muss. er soll sich zuerst mal als loyaler teamplayer erweisen. da richten ihm die mechaniker so ein supertolles auto her, und was macht webber? verpennt den start im wohl wichtigsten rennen (weil man eben nicht überholen kann)

The Man with the Plan
00

Vielleicht sollte das Team, dem gegenüber sich Webber ihrer Meinung nach so illoyal verhält, einmal ein funktionierendes KERS entwickeln, womit man gleich mal konsistent bessere Starts hinlegen könnte, und Marko nicht permanent das Blaue vom Himmel lügen bzgl. dessen Funktionieren/Nicht-Funktionieren.

Und, ohje! Jetzt muss sich Vettel gar mit der Konkurrenz herumschlagen? Wie ungerecht!

theFan
10
31.5.2011, 06:53

bei hamilton in q3 einen satz weiche reifen zu sparn war aber auch nicht grad eine taktische meisterleistung

es ist bei allen teams aufgefalln wie planlos sie sind wenn sie nicht auf daten vergangener rennen zurückgreifen können

war auch wirklich erstaunlich: vettel fährt fast 60 runden mit einem reifen, bei mercedes gehn sie nach ein paar runden ein

DER BUKARESTER
01
30.5.2011, 13:43
Na Moment!

Schaut sehr nach einem Theaterstueck (Autor Moliercclestone, Regie: Jean Todt) aus.
Schauspieler:
- der Alte, der bereits gescheitert ist
- der heissbluetige Spanier im roten Auto
- der Afro-Englaender, der sich benachteiligt fuehlt
- der junge, sexlose, aber perfekte Deutsche
- der huebsche, talentierte Englaender mit den Ueberhasen
-der reiche aber talentlose Brasilianer mit Papa
Nanana.....alles glauben wir auch nicht.
Aber gut gespielt! Bravo

macstar
00
reicher, talentloser brasilianer?

ich hoffe mal, sie meinen damit barrichello. denn massa kanns nicht sein, man kann ihm vielleicht nachsagen, dass er nach seinem unfall nicht mehr der gleiche ist, aber reich ist er nun wirklich nicht. im gegenteil!
von den genannten ist er der einzige, der keinen finanzkräftigen sponsor hatte, sondern sich alles selber erarbeiten musste.
daher macht er auch gerne (?) mal die nummer 2 im team, er weiss, dass wenn ers nicht tut, seine karriere vorbei ist. ihn füttert nicht santander, vodafone oder nobby haug persönlich durch.

theFan
10
30.5.2011, 14:15

talentlos naja

bin kein massa fan aber wie er im tunnel gegengehalten hat, und das mit einem aus der Loews-Kurve beschädigten auto außen auf der schmutzigen seite, hätte ich ihm nichtmehr zugetraut

The Man with the Plan
00
30.5.2011, 14:35

...das war vielleicht mutig, aber dumm. Ob das Auto vorher bereits beschädigt war, weiß niemand. Rausgerutscht ist er jedoch primär, weil's dort schmutzig ist, und man eben nicht voll durchfahren kann.

Er hätte wissen müssen, dass er auf dieser Linie nicht gegenhalten kann.

sleepyc
02
30.5.2011, 12:44
gut, dass die crashes glimpflich ausgegangen sind.

und: es hat schon fadere rennen in der piratenstadt gegeben...

theFan
10
30.5.2011, 13:53

bin auch froh daß nochmal alles halbwegs gut ausgegangen ist (der perez unfall war furchtbar anzuschaun)
was die sicherheit in monte carlo extrem verbessert hat ist die haltbarkeit der motoren (1 schreckgespenst weniger)
auch bei der streckenbegrenzung tut sich jedes jahr was
aber gerade die auffahrunfälle, wie es passiert ist als hamilton wegen sutil bremsen mußte und der petrov unfall seinen lauf genommen hat, werden immer gefährlich bleiben. zum glück wars an einer langsamen stelle und das auto ist nicht aufgestiegen

Is.no.gud
01
30.5.2011, 11:48
Das mit dem reifenwechsel...

hab ich nciht kapiert. RTL meinte extra, dass die fia-leute drauf schaun, dass keiner reifen wechselt.
mit den alten reifen, wäre noch was drin gewesen auch beim start. alonso hätte sicher noch was riskiert und button hätte vielleicht davon profitiert.

freeye
01
30.5.2011, 14:03
deswegen schaut man orf

die wissen grundsätzlich immer besser bescheid als die von rtl.

Burgherr
31
30.5.2011, 11:18
Black Flag for Hamilmose!

Lukasz Szopa
00
30.5.2011, 10:19
Eine Frage zum Regelment:

War es in Ordnung lt. Regelment, dass Vettel & Alonso nach dem Abbruch aber vor dem Restart nochmal die Reifen gewechselt hatten (stehend am Start, nicht in der Box)? Oder habe ich das falsch mitbekommen?

SagServus
02
30.5.2011, 10:51

Dürfte wohl korrekt gewesen sein nachdems alle gemacht haben.

theFan
00
30.5.2011, 13:30

nach einem abbruch darf am auto gearbeitet werden (ich glaube ohne einschränkung)

Carlos Bruni
00
31.5.2011, 23:00

Nicht ganz. Nachtanken darf man nicht.

nachtflug71
36
30.5.2011, 08:39
wenn...

.... der bursche die entscheidung auf dem einen satz reifen fertig zu fahren selbst getroffen hat, dann ist er noch besser als ich geglaubt habe.
respekt!

MisjÖ
00
31.5.2011, 14:13
Inszenierung!

Man tut ja alles damit die Marke keinen Kratzer bekommt auch auf Kosten vom Webber...

The Man with the Plan
01
30.5.2011, 14:40

Ob die Entscheidung ohne die Mithilfe der Crash-Kids, die den Abbruch verursachten, so toll gewesen wäre, ist zweifelhaft. Das war mehr Glück als Verstand.

So musste er nur knapp über 50 Runden statt über 60 mit dem Satz fahren. In den restlichen 8 Runden wäre es tatsächlich sehr knapp geworden, weil sowohl Alonso als auch Button noch einiges probiert hätten. Die Wahrscheinlichkeit, dass Vettel's Reifen dann jeden Moment wirklich ganz "aufgeben", wäre Runde für Runde stark angestiegen.

Norrin Radd
00
30.5.2011, 17:10

Ich hab die Zeitabstände über den Rennverlauf nicht mehr 100% im Kopf, aber wenn überhaupt gab es nur ein sehr knappes Zeitfenster für Vettel, dass er bei einem zweiten Stopp noch Zweiter hätte bleiben können. Und ich glaub nicht dass er gewonnen hätte, wenn er hinter Alonso und Button rausgekommen wäre.

War halt eine (kalkulierte) Risikoentscheidung. Unfälle sind in Monte Carlo durchaus wahrscheinlich. Wenn das Rennen nicht unterbrochen geworden wäre, wärens halt ein paar Runden lang hinter dem Saftey Car hergegondelt, und Vettel hätte nur mehr drei, vier Runden zu überstehen gehabt. Dazu hatte Alonso auch nicht mehr die frischesten Reifen.

War sicher etwas Glück dabei, aber ganz verkehrt war die Überlegung sicher nicht.

theFan
00
30.5.2011, 14:18

da sieht man auch wieder eine grobe fehleinschätzung bei mclaren: die haben in q3 mit hamilton noch 1 satz weiche reifen fürs rennen gespart. und das auf einer strecke wo die pole mehr wert ist als sonst

King Nikochan
21
30.5.2011, 10:53

+1

Wusste ich auch nicht, obwohl ich das Rennen sah - aber der Engl. Kommentar hier ist ähnlich kompetent wie einst der Heinzi, nur weniger unterhaltsam.

War eine harte, gute Entscheidung - auch ohne letzten safety-car stop sahen Button/Alonso nicht so aus als ob sie genug Speed hätten an Vettel vorbeizukommen. Und das wusste er auch genau. Die waren zwar beide schneller aber nicht genug um in Monaco zu überholen. Reichte jede Runde nur "fast", jedenfalls solange V. keine Fehler macht.

Hätte er gewechselt dann wäre er den beiden im gnack gesessen ohne überholen zu können.

re-play
21
30.5.2011, 07:42

Schade, dass der Restart hinter dem SC war, sonst wärs zumindest nochmal kurz spannend gewesen.

theFan
00
30.5.2011, 13:54

restart ist immer hinter dem sc um einen piloten der mit 30 sek führt nicht zu hart zu "bestrafen"

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