Sebastian Vettel war auch beim GP von Monaco der Souverän - Witali Petrow und Sergio Pérez wurden am Wochenende bei Unfällen verletzt
Monte Carlo - In der 72. von 78 Runden wachelten die Streckenposten
mit
roten Flaggen, brachen den Grand Prix von Monaco zunächst einmal ab. Zu
diesem Zeitpunkt führte Sebastian Vettel im Red Bull knapp vor Fernando
Alonso im Ferrari und Jenson Button im McLaren. Ursache für den Abbruch
war ein Unfall des Russen Witali Petrow, der mit seinem Lotus-Renault in
die Leitschiene krachte. Petrow kam mit einem verstauchten Knöchel glimpflich davon.
"Es war ein heftiger Einschlag", zitierte der Rennstall Petrow
auf
seiner Pressemitteilung nach dem Grand Prix. "Ich konnte meine Beine
nach dem Crash nicht gut spüren." Er habe sich sicherheitshalber von
den Rettungskräften aus dem Wagen heben lassen, da die Beine
eingeklemmt waren. "Ich habe nicht das Bewusstsein verloren, aber ich
hatte im Auto große Schmerzen", sagte der 26-jährige Russe.
Das Rennen wurde 21 Minuten später hinter dem Safety Car neu
gestartet,
und Sebastian Vettel kurvte souverän zum Sieg. Es war sein erster im
Fürstentum, sein fünfter im sechsten Saisonrennen, der 15. in seiner
Karriere. Der 23-Jährige, der als jüngster Weltmeister der bisherigen
Formel-1-Geschichte amtiert, baute seine WM-Führung deutlich aus, hat
sich bisher bemerkenswerte 143 von 150 möglichen Punkten genommen.
"Danke, Jungs. Ihr habt es vorbereitet, wir haben es geschafft", sprach
Vettel nach der Zieldurchfahrt in den Boxenfunk.
"Unglaublich. Ich bin extrem glücklich, dass nun auch mein Name in
der
Siegerliste dieses Rennens steht", sagte er später in der Fürstenloge.
Dort hörte er von Fürst Albert: "Ich bin glücklich, dass Sie es sind."
Und von der angehenden Fürstin Charlene erhielt er zwei Bussis auf die
Wange.
Der Grand Prix war durchaus turbulent verlaufen, und nicht immer sah
es
nach einem Sieg für Vettel aus. Von der Poleposition enteilte der
Champion dem Feld zügig, nach vier Runden hatte er schon vier Sekunden
Vorsprung auf die Verfolger. Nach 15 Runden begann er mit dem Überrunden
der Nachzügler. Wenig später verpatzte Red Bull den ersten Boxenstopp.
Button übernahm die Führung. Auf den schnellen Supersoft-Reifen baute
der Ex-Weltmeister die Führung zunächst kontinuierlich aus, auf bis zu
15 Sekunden. Noch schlechter verlief der erste Stopp beim Teamkollegen
Mark Webber, der dadurch schon nahezu alle Chancen auf eine
Podiumsplatzierung einbüßte und am Ende lediglich Vierter wurde.
Das Safety-Car kam erstmals in dem Moment heraus, als Vettel durch
den
zweiten Boxenstopp von Button und Alonso wieder die Führung übernommen
hatte. Alonso und Button kamen in der Folge immer näher. Der Deutsche
entschied deshalb, trotz anderslautender Anweisung aus der Box mit dem
härteren Reifensatz fertig zu fahren. "Meine Reifen waren zwar
langsamer, haben aber auch länger gehalten", erklärte Vettel. "Wir haben
riskiert und gewonnen." Button musste noch ein drittes Mal in die Box,
später hielt Vettel zum zweiten Mal an.
In der Schlussphase lief das Trio auf einen großen Pulk Überrundeter
auf, die Karambolage mit zwischenzeitlichem Rennabbruch sorgte wieder
für ein völlig neues Bild. Die Teams durften Reifen wechseln, Vettel war
sein entscheidendes Problem los.
Der Fortschritt
Im Qualifying am Samstag war Sauber-Pilot Sergio Pérez schwer
verunglückt. Der Mexikaner prallte nach der Tunnelausfahrt, wo bei fast
300 km/h in die Bremsen gestiegen wird, gegen die gepolsterte
Streckenbegrenzung, erlitt eine Gehirnerschütterung und eine
Oberschenkelprellung. Er wurde ins Spital verfrachtet, wo er noch bis
heute, Montag, unter Beobachtung bleibt.
An der gleichen Stelle hatte 1994 der Tiroler Karl Wendlinger,
ebenfalls
in einem Sauber, einen schweren Unfall, lag daraufhin 19 Tage lang im
Koma. Damals war die Leitschiene an dieser mittlerweile etwas
veränderten Passage noch mit einem Reifenstapel gesichert. Und die Autos
hatten noch nicht die heutigen Sicherheits-Standards. (bez, APA, sid, DER STANDARD Printausgabe 30.05.2011)