Abchasiens Präsident gestorben

29. Mai 2011, 09:11

Nach Lungenoperation in Moskau starb Oberhaupt der von Georgien abtrünnigen Region

Moskau - Der Präsident der von Georgien abtrünnigen Region Abchasien, Sergej Bagapsch, ist im Alter von 62 Jahre nach einer Lungenoperation in einem Moskauer Krankenhaus gestorben. "Dies ist ein großer Verlust für das ganze abchasische Volk", sagte Interimspräsident Alexander Ankwab am Sonntag nach Angaben der Agentur Interfax. Bagapsch führte seit Jänner 2005 das international nur von Russland, Venezuela, Nicaragua und Nauru als unabhängiger Staat anerkannte Gebiet am Schwarzen Meer.

Während Bagapschs Amtszeit als Regierungschef von 1997 bis 1999 wurden Tausende Georgier aus Abchasien vertrieben und ihre Häuser zerstört. Die georgische Regierung sprach von "ethnischer Säuberung". Nach dem fünftägigen Südkaukasus-Krieg 2008 gegen Georgien, der auch auf Abchasien übergriff, erkannte Russland auch die Unabhängigkeit der ebenfalls von Tiflis abtrünnigen Region Südossetien an. Für die EU und USA, die den pro-westlichen georgischen Präsidenten Micheil Saakaschwili unterstützen, gehören Abchasien und Südossetien völkerrechtlich weiterhin zu Georgien.

Die Ärzte hätten Bagapschs Zustand nicht mehr stabilisieren können, nachdem vor drei Tagen Komplikationen aufgetreten seien, sagte Bagapschs Sicherheitschef Andrej Bobua. Bagapsch hinterlässt eine Frau, zwei Kinder und zwei Enkel.

Die Sowjet-Führung hatte Abchasien 1931 Georgien zugeschlagen. Als sich Georgien beim Zerfall der Sowjetunion 1991 für unabhängig erklärte, sandte es Truppen nach Abchasien, um einen Abfall der Region von Tiflis zu verhindern. Damals waren die Bewohner noch mehrheitlich ethnische Georgier. Dies scheiterte aber. Rund 7.000 Menschen kamen um, mehr als 200.000 Georgier flüchteten ins Kernland.

Nach einem Waffenstillstand wurden UNO-Friedenstruppen (mehrheitlich Russen) in Abchasien stationiert. Für unabhängig erklärte sich Abchasien, das in Sowjet-Zeiten vor allem als Urlaubsort der Eliten bekannt war, 1999. Ein internationales Wirtschaftsembargo hatte zur Folge, dass sich Abchasien weiter an Russland band.

Die Wiederherstellung der territorialen Integrität Georgiens gehört zu den Zielen von Präsident Saakaschwili. Das ist ihm nur im Fall von Adscharien gelungen. Der Südossetien-Krieg war jedoch ein herber Rückschlag für Saakaschwili: Nicht nur, dass Moskau Südossetien und Abchasien anerkannte, es stockte auch seine militärische Präsenz dort auf. Die Grenzen zu Georgien kontrolliert ebenfalls Russland, das sich einer Verlängerung der UNO-Blauhelm-Mission widersetzt hat.

Mit 8.600 Quadratkilometern ist Abchasien etwas kleiner als Kärnten, es hat rund 200.000 Einwohner, knapp die Hälfte davon sind Abchasen. Die meisten Bewohner Abchasiens besitzen einen russischen Pass. Die Hauptstadt ist Suchumi. (APA)

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Posting 1 bis 25 von 62
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cremeflöte
 
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nicht lächerlich sondern tragisch

Die ethnischen Säuberungen der abchasischen separatistischen Marionettenregierung, die lediglich für 15 Prozent der angestammten Bevölkerung der georgischen Region Abchasien sprechen kann, haben Hunderttausende zu Flüchtlingen gemacht.

Die UNO fordert ein Rückkehrrecht. Russland fürchtet aber zu Recht, dann keine Macht mehr über Abchasien zu haben, wenn die Leute in ihre angestammte Heimat zurückkehren.

cremeflöte
 
30
August 2008 griff über?

So kann man es natürlich auch nennen. Die Wahrheit sieht allerdings anders aus.
Georgische Sicherheitskräfte versuchten Anfang August 2008 auf eigenem (georgischen) Boden, und zwar in der Region Zchinwali (so genanntes "Südossetien") die verfassungsmäßige Ordnung wiederherstellen wollten.
Russische Truppen waren auf einen Einsatz vorbereitet und schlugen daraufhin unmittelbar zu (sie waren schon nach wenigen Stunden komplett mit Mann und Gerät in Zchinwali).

Sie schlugen aber gleichzeitig in Abchasien zu, das gleichfalls zum georgischen Territorium gehört. In Abchasien agierten die georgischen Sicherheitskräfte aber gar nicht.
So etwas nennt man einen Eroberungsfeldzug, eine feindliche Invasion.

Kapba
 
12
Ausser

dass die Georgier den oberen Teil des Kodor-Tals entgegen der Abkommen, das unter UNO-Führung unterzeichnet wurde, 2006 militärisch besetzt haben. Und das die Georgier eine Militärbasis in Vasiani, unweit der georgisch-abchasischen Grenze gebaut haben.

Als die Pläne für eine Invasion in Abchasien bekannt wurden und die Russen eine Spezialeinheit von 350 mann in Abchasien stationerten, wurden die Invasionspläne aufgegeben. Danach haben sich die Georgier auf Südossetien konzentriert.

Diese Pläne sind auch den meisten westlichen Regierungen und der UNO bekannt.

cremeflöte
 
40
sehr geehter kapba

Im Kodori-Tal gab es georgische Polizeikräfte, keine Armee.
Abchasien wurde nicht angegriffen. Dennoch hat Russland ohne zu zögern zunächst Abchasien besetzt und von dort Kerngeorgien angegriffen. Ohne Veranlassung. Ohne Not.

Es ist dem Kreml gelungen, die jahrtausendealte Freundschaft zwischen den georgischen Völkern und den Abchasen zu zerstören. Aber das Blatt wird sich wieder wenden.

Friede, Freiheit und Wohlstand den Abchasen und Georgiern.

Kapba
 
02
Ich kenn

die Lage in Abchasien etwas besser als Sie. Ich bin Abchase und bin Mitglied der abchasischen Delegation bei den Genfer Gesprächen. Und das seit 1994. Ich weiss auch was die Abchasen bei der Rückeroberung des oberen Kodor-Tals an Waffen und Munition vorgefunden haben. Das geht weit über das hinaus was Polizeikräfte brauchen können. Es hätte gereicht um eine kleine Armee damit auszurüsten.

Versuchen Sie nicht stänndig die Russen als das eigentliche Problem zwischen den Abchasen und georgier bzw. Osseten und Georgier darzustellen. Die Georgier sind ganz allein für die ethnischen Probleme verantwortlich. Gibt es überhaupt eine einzige Minderheit in Georgien das keine Probleme mit Tiflis hat?? Nein, gibt es nicht.

cremeflöte
 
10
sehr geehrter kapba

Die Einwohner Georgiens sind zwar sind zu mehr als 70 Prozent ethnische Georgier, dennoch ist das Land quasi ein Abbild des Kaukasus. Viele Völker finden sich unter dem georgischen Dach zusammen.

Die Völker und Religionen sind unterschiedlich gut integriert. Aber seit die Regierung ein Programm zur Minderheitenförderung aufgelegt hat, kann man eigentlich nicht mehr von großen Problemen sprechen.
Selbst die Armenier hielten sowohl im August 2008 als auch bei den aktuellen Krawallen still.

Raptor Jesus
06
30.5.2011, 14:22
Lieber Standard

Ich kann es verstehen, das Sie Abchasien unter Georgien führen. Ich verstehe auch, das "Freie Presse" ein sehr elastischer Begriff ist, vor allem, wenn es gegen die Interessen Österreichs oder der EU gehen, (die beide Abchasien nicht anerkannt haben und es international isolieren) und eventuell Ärger mit diesen Instanzen kriegen, sollten Sie aus der Reihe tanzen.
Aber bitte zensieren Sie nicht meine Postings. Ich bin nicht der Standard. Ich übernehme Verantwortung für meinen Posting. In meinem Posting habe ich niemanden beleidigt. Gewährleisten Sie den freien Fluss an Information!

Johannes Braunias
 
03
30.5.2011, 10:25
Google Maps und ?????? ?????

Interessanter Vergleich:

Yandex Maps:
http://maps.yandex.ru/-/CBQrvB.B

Google Maps:
http://maps.google.com/?q=Georgi... .54248&z=6

carl guggelhupf
18
29.5.2011, 22:08
Interessant ist ja auch,

dass hier Meldungen zu Abchasien unter Georgien geführt werden.

cremeflöte
 
40
worunter denn sonst?

Die internationale Gemeinschaft erklärt eindeutig, dass Abchasien zu Georgien gehört. Lediglich Nauru und Russland sehen das anders.

Abchasien ist seit seiner Entstehung mehr und mal weniger aber immer eng mit Georgien verbunden.

Seit 1000 Jahren gehört Abchasien zur georgischen Kirche!!!!

Kapba
 
01
Dass die

internationale Gemeinschaft die Lage in der Region mittlerweile anders beurteilt, aber es nicht offen sagen kann, wissen auch viele Insider. Das Regime von Saakaschwili wird von vielen westlichen, sogar von ihren stärskten Partnern nicht mehr als Vertrauenswürdig angesehen.

Aber was sollten sie dagegen unternehmen? Nichts, denn die haben ihn ja an die Macht gebracht und politisch wie militärisch aufgebaut.

Kapba
 
02
Plus

Venezuela, Nikaragua und seit 3 tagen auch Vanuatu.

Abchasen hatten das Christentum bereits im 5. Jahrhundert zur Staatreligion erklärt. Da waren die Georgier weit vom Christentum entfernt.

cremeflöte
 
00
jetzt

bewegen Sie sich aufs Glatteis, mein Freund!

Das Christentum war zunächst im dritten Jahrhundert in Armenien und im weiteren Verlauf in Westgeorgien offizielle Religion geworden.

Ab etwa dem Jahr 1000 (+/- ein paar Jahre) war ganz Georgien unter dem Dach der einen georgischen Kirche verient. Und Abchasien war mit dabei!!!

Kapba
 
01
Das

bezweifle Ich aber stark. Ich bleibe dabei. Abchasen waren ab dem 5. Jahrhundert offiziell Christen.

cremeflöte
 
00
genau

das bestreitet ja auch niemand. Georgien war insgesamt in dieser Zeit christianisiert.

cremeflöte
 
20
ein bisschen Geschichte

In Westgeorgien war u. a. das Königreich Kolchis und später das Fürstentum Egrisi bzw. Lazika beheimatet. Im 4. Jhdt. n. Chr. unterwarf Lazika die Apsilen und Abasgen (Vorfahren der heutigen Abchasen). Im 8.Jhdt. entwickelte sich daraus das abchasische Königreich, das fortan bei den Einigungsbestrebungen Georgiens eine führende Rolle spielte.

Lazika wurde im 4. Jhdt. christianisiert. Abchasien unterstand bis zum 10. Jhdt. dem Patriarchat von Konstantinopel und wurde dann Teil der vereinigten georgischen Kirche. Bereits im 9. Jhdt. wurde der Gottesdienst in Abchasien auf gerogisch und nicht auf griechisch (byzantinisch) abgehalten.

Girgl Galgenstein
30
30.5.2011, 00:37
Abchasien ist international nicht anerkannt

Das wird deutlicher wenn man sich die ethnische Zusammensetzung des Landes anschaut. Zur Sowjetzeit stellten die Abchasen 15% der Bevölkerung, die Georgier knapp 50%. Vertrieben wurden die Abchasen übrigens nicht von den Georgiern, sondern von Russen. Zeitweise war es Abchasen sogar verwehrt Grundstücke an der Küste zu erwerben.
Auch nach Vertreibung der Georgier, stellen die Abchasen in ihrer Provinz noch nicht die Mehrheit.

A K3
01
31.5.2011, 01:05
Fortsetzung

Verbunden war damit der Ausbau Abch. als eines Erholungsgebietes für die gesamte SU. Der Aufbau sowohl des eigentlichen Georg. wie auch Abch. fand zeitweilig unter der Leitung des organisatorisch begabten späteren Chefs des sowj. Geheimdienstes des Mengrelen L. Berija statt. (Berija ließ vermutlich den interessanterweise mit Stalin persönlich befreundeten abchasischen Führer Nestor Lakoba in Tiflis vergiften, wobei Stalin den Mord voraussichtlich absegnete - es braucht einen neuen georg. Shakespeare neben dem empfehlenswerten abch. Autor Fasil Iskander)
In den beiden Wendepunkten der russ und georg Geschichte im 20 Jh. - 1917... und 1991.. bezogen die Abch. mehrheitlich eine proruss. Position. Die russ. Blockade von Ab 1994-99 kühlte das

cremeflöte
 
20
stalin? David der Erbauer!

Sie lassen abchasisch/georgische Geschichte immer 1931 beginnen. Tatsächlich beginnt sie aber vor 2000 Jahren!
Die russische Besatzung/Annexion Georgiens (einschließlich Abchasiens) war letztlich nur eine Episode.

A K3
02
31.5.2011, 00:40

Naja, Sie versuchen hier bewußt alles durcheinander zu bringen. Die Aussiedlung der Abchasen fand im 19 Jh. statt. Und obwohl die Verantwortung dafür in der Tat vor allem das Russische Reich trägt, hat das Osman. R. die Abch., wie auch Nordkaukasier nicht nur gerne aufgenommen, sondern zu sich gelockt. 1917 galten die Abch. übrigens nicht mehr als "illoyales Volk" und die von ihnen erwähnten Siedlungsbeschränkungen waren aufgehoben. Noch im Russ. R. und dann in SU wurde Abch. von Russen u.a.Völkern, vor allem jedoch von (mit den Georgiern eng verwandten) Mengrelen und Georgiern "kolonisiert". Insbesondere nach der u. erwähnten Eingliederung Abch. in die Georg. SSR 1931. So entstand die georgische Überzahl.

cremeflöte
 
20
falsch

Die angebliche Kolonisierung Abchasiens mit Georgiern hat nachweislich nicht stattgefunden. Der Zuzug war gering.

Fakt ist seit der russischen Annexion von Georgien (einschließlich Abchasien) hat es keine progeorgische, sondern ausschließlich ein prorussische Politik gegeben. Die Gebiete sollte russifiziert werden.

Kapba
 
12
Sie sollten

nicht über Sachen schreiben wovon sie keine Ahnung haben. Abchasien war schon immer, abgesehen von einer gewissen Zeitspanne, eigenständig. Es hat sogar abchasische Könige gegeben die Georgien unter ihren einflussbereich hatten. Abchasen hatten bereits im 5. Jahrhundert das Christentum zu ihrer Staatsreligion erklärt. Wo waren da die Georgier? Bis 1931 konnte man die Georgier in Abchasien an einer Hand abzählen. Bereits ende der 40'er Jahre stellten die Georgier bereits den grössten Bevölkerungsanteil. Ende der 50'er Jahre sogar die Halfte.

cremeflöte
 
30
sie irren gewaltig

Schon der Zar hatte seine eigenen Pläne mit den ständig um ihre Unabhängigkeit ringenden georgischen Völkern. Schon damals wurden Abchasen, die nie auch nur annähernd die Mehrheit in Abchasien, dem Sochumer Okrug, besaßen, erfolgreicher russifiziert als andere georgische Völker. Zuvor allerdings auch gnadenlos durch den Zar verfolgt.Der "Verbrecherstatus" der Abchasen wurde erst 1878 aufgehoben.

Als in den Dreißigern, Vierzigern und Fünfzigern des letzten Jahrhunderts abchasische Schulen geschlossen wurden (durch Beria und Stalin) war dies im sowjetischen, aber bestimmt nicht im georgischen Interesse. Ohnehin dominierte im abchasischen Alltag weder abchasisch noch georgisch. Es dominierte einzig die russische Sprache.

Die Sowjets wollten ihre Völker

cremeflöte
 
20
...Fortsetzung

Die Sowjets wollten ihre Völker verschmelzen, also russifizieren. Die Politik gegenüber den Abchasen war nicht progeorgisch, sondern prorussisch.
Dennoch wurde und wird Georgien zum Buhmann für die Abchasen. Dies war durchaus im Interesse der Moskauer Zentralregierung.

Die Mehrheit der ethnisch abchasischen (wie auch der ethnisch georgischen) Bevölkerung konnte ihre jeweilige Muttersprache nicht sprechen. Man sprach jeweils russisch.

Es hat keinen Versuch der "Georgisierung" Abchasiens gegeben, wohl aber recht erfolgreiche Russifizierungen der Abchasen.

Ab 1955 förderte der Kreml eine abchasische Ethnokratie mit der Gewährung von Privilegien.

cremeflöte
 
20
Fortsetzung 2

Nicht zuletzt der KGB-General und Erster Sekretär der KP Georgiens, Eduard Schewardnadse (!), verschloss in den siebziger Jahren die Augen vor der ethnischen Schieflage in Abchasien. Als sich die Spannungen zwischen abchasischer und georgischer Elite in Abchasien wegen der Bevorteilung der Abchasen verschärften, ignorierte Schewardnadse dies. Er wollte seine Karriere nicht gefährden.

Die Sowjetregierung unterstützte die Entstehung einer anti-georgischen Ideologie in Abchasien und instrumentalisierte sie als Hilfsmittel im Kampf gegen die georgische Staatlichkeit und territoriale Integrität.

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