Ex-Präsident Zelaya aus dem Exil zurückkehrt

29. Mai 2011, 08:53
  • Artikelbild
    foto: reuters/edgard garrido

    Triumphaler Empfang für den möglichen künftigen "First Husband" von Honduras.

Nach Versöhnungsabkommen mit derzeitigem Präsidenten Lobo - Militär putschte 2009 gegen den Staatschef in Verfassungskonflikt

Tegucigalpa - Fast zwei Jahre nach dem Militärputsch in Honduras ist der frühere Präsident des Landes, Manuel Zelaya, aus dem Exil zurückgekehrt. Der 58-Jährige landete am Samstag an Bord einer venezolanischen Maschine auf dem Flughafen der Hauptstadt Tegucigalpa. Das mit Zelaya geschlossene Versöhnungsabkommen sichert dem mittelamerikanischen Staat Zugang zu internationalen Hilfen.

Der ehemalige Rinderzüchter Zelaya traf aus Nicaragua ein, wo er zuvor eine Nacht verbracht und dann von Präsident Daniel Ortega feierlich am Flughafen von Managua verabschiedet wurde. "Wir kommen voller Optimismus an und wollen einen Weg aus dieser Krise suchen", sagte Zelaya, der unter anderem von seiner Ehefrau Xiomara Castro begleitet wurde. Zehntausende in Rot gekleidete Menschen hatten bei Temperaturen von 30 Grad Celsius auf einem Platz neben dem Flughafen auf Zelayas Rückkehr gewartet. Einige Menschen erlitten wegen der Hitze einen Kreislaufkollaps.

Chavez gratuliert

Der linksgerichtete venezolanische Staatschef Hugo Chavez feierte die Rückkehr Zelayas als "großen Sieg" für das honduranische Volk. "Nieder mit Diktaturen! Lang lebe die Macht des Volkes, lang lebe die wahre Demokratie", schrieb der Populist über den Internet-Kurznachrichtendienst Twitter.

Zelaya hatte 16 Monate lang im Exil in der Dominikanischen Republik gelebt. Er war im Juni 2009 von der Armee aus dem Amt geputscht worden. Soldaten nahmen den 2006 gewählten Staatschef mit Billigung des Kongresses (Parlament) und des Obersten Gerichts des Landes fest, um zu verhindern, dass Zelaya eine Verfassungsänderung durchsetzt, die einem Präsidenten die Kandidatur für eine zweite Amtszeit ermöglichen sollte. Seine Gegner hatten befürchtet, Zelaya wolle sich dadurch so wie sein Verbündeter Chavez dauerhaft die Macht sichern.

Lobo versprach sicheres Geleit

Zelayas Rückkehr wurde möglich durch die Entscheidung eines Gerichts, das Anfang Mai die gegen ihn laufenden Verfahren wegen Korruption und Verrats gestoppt hatte. Zelayas Nachfolger Porfirio Lobo hatte daraufhin versprochen, Zelaya wieder einreisen zu lassen und seine Partei zu Wahlen zuzulassen. Im Gegenzug wird das Land wieder in die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) aufgenommen, aus der es nach dem Putsch ausgeschlossen worden war.

Nach dem Treffen mit seinen Anhängern wurde Zelaya von Lobo im Präsidentenpalast empfangen. Beide hatten am vergangenen Wochenende in Kolumbien ein Versöhnungsabkommen unterzeichnet. Damit soll das bisher diplomatisch isolierte Land auch wieder Zugang zu internationalen Hilfen und Investitionen erhalten - dringend nötig in einem Staat, in dem 70 Prozent der knapp acht Millionen Einwohner von weniger als drei Euro pro Tag leben müssen. "Er war der einzige Präsident, der an uns, die Armen, gedacht hat", sagte die 75-jährige Bäuerin Maria Elisa Ferrufino, eine der vielen Anhänger Zelayas, die eigens mit Bussen und Autos nach Tegucigalpa gekommen waren.

Ehefrau soll Präsidentin werden

Zelaya selbst kann wegen der Verfassung voraussichtlich kein weiteres Mal Präsident werden, seine Anhänger wollen daher seine Ehefrau als Kandidatin für die Wahl 2013 vorschlagen. "Heute beginnen wir mit der wahren Versöhnung in Honduras", sagte die 51-Jährige bei ihrer Ankunft. Eine Möglichkeit bleibt jedoch noch für Zelaya selbst: Eine im Februar verabschiedete Verfassungsreform sieht Referenden zu bestimmten Themen vor; dies könnte auch die Aufhebung des Verbots einer zweiten Amtszeit für einen Präsidenten sein. (APA/AFP)

Kommentar posten
12 Postings
salman
 
04
31.5.2011, 21:09

Personen mehr oder weniger stets mit bestimmten "Beinamen" (meistens in Attributform) zu bedenken, die ein Werturteil beinhalten (prowestlich, liberal, linksgerichtet, populistisch, autoritär usw) gehört ebenso zu den Manipulationsmethoden der Medienbranche wie die Auswahl der Termini (Diktatoren sind bsp. je nach politischer Gemengelage Präsidenten, (autoritäre) Herrscher oder Machthaber

Stalo Ramón
18
29.5.2011, 13:41

Immer heißt es Chavez sei ein Populist. Das wird in jedem Artikel wo er erwähnt wurde genannt! Was soll das heißen? Welche Politik macht ein Populist? Nur weil Chavez die Leute mitreißt, ist er deeshalb ein Populist. Im Gegensatz zu Häupl ist Chavez ja nicht der, der vor Wahlen unbedingt Sachen aufwirft, wo er nicht mal nen Einfluss hat. Und trotzdem habe ich noch nie "der populistische Wiener Langzeitbürgermeister Michael Häupl" gelesen!

DuesselDoofer
30
31.5.2011, 11:46
läuft der Zelaya....

am helligten Tag immer noch im Nachthemd rum??

auf dem Foto schaut´s fast so aus.

lg

Davy Jones
03
29.5.2011, 17:06
Definition von politischem Populismus:

Parteiführer kennt den "Volkswillen" und artikuliert ihn auch, hat einen "direkten Draht" zum Volk. Die Mehrheit hat immer recht, einen Schutz der Minderheit(smeinung) wird nicht als notwendig erachtet.

Meist Protestpartei (Kritik an polit. System, Steuerdruck, Steuerverschwendung, Immigration, Kriminalität. Hang zu Negativallianzen, sprich findet immer Probleme, aber nennt keine Lösungen, andere Parteien werden nicht als Partner, sondern als Gegner wahrgenommen)

NONE
12
29.5.2011, 15:53

Propagandadienste wie APA versuchen eben ein gewisses Meinungsbild zu formen. Das ist nichts neues.

andkos
05
29.5.2011, 10:19
der linksgerichtete chavez

tja, das chavez linksgerichtet ist, wissen wir, das zelaya auch linksgerichtet ist und von den rechtskonservativen geputscht wurde, wird scheinbar mit purer absicht in dem artikel nicht erwähnt (man sollte politiker schon zuordnenen können)

die wahl von lobo ist mehr als nur umstritten!

na ja,...wenn´s so is.
83
29.5.2011, 11:22
auch sollta mann wissen

dass zelaya als mitte rechts liberaler gewählt wurde und nicht als links radikaler und deswegen seines amtes enthoben wurde.

Plagiator
26
29.5.2011, 15:40

Zelaya war von den wirtschaftsliberalen Faschisten so lange geduldet, bis sie eine Einschränkung ihrer Macht fürchteten.
Ist man schon linksradikal wenn man das Volk demokratisch abstimmen lassen will?
Sagen wir mal, Zelaya ist ein Mann des Volkes und deshalb wurde er von der Oligarchie weg geputscht.
Die Unterstützung der USA war wie immer in solchen Fällen obligatorisch.

emma goldman
00
29.5.2011, 15:35

...quasi ein missglückter wahlschwindel

Ernst Guevara
17
29.5.2011, 09:49
worüber die desinformationsmedien nichts schreiben..

Honduras: Landkonflikte verschärfen sich
http://www.oneworld.at/start.asp?ID=244653

Fritz Wunderlich
13
30.5.2011, 10:22

naja, der standard versteht sich als wirtschaftsliberale und multikulturale zeitung, und nicht als zeitung der kleinbauern, der gewerkschaft, der armen usw.

*space
00
24.6.2011, 16:30

ja eben, neoliberal...

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.