Türkischer Rock trifft auf Bob Dylan

    28. Mai 2011, 11:03
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    Die Band "Spades" tritt am Wochenende am Stadtfest in Wien auf. Allerhöchste Zeit für eine Vorstellungsrunde

    Spades, das ist eine vor zwei Jahren gegründete Band, die sich auf "Pop-Rock mit türkischen Nuancen" spezialisiert, so Leadsänger und Gitarrist Mehmet Özsoy. Er ist eigentlich von Beruf Urologe am AKH Wien. Die Medizin war es auch, die ihn nach seinem Studium in der Türkei, 2003 nach Wien gebracht hat. "Musik ist neben meinem Beruf meine zweite Leidenschaft", erzählt Özsoy, der schon mit dreizehn Jahren starkes Interesse für das Gitarrespielen zeigte.

    Früh übt sich...

    Sehr früh zeigte sich das musikalische Talent auch bei den anderen Bandmitgliedern. Leadgitarrist Deniz Şaṣkın hielt bereits mit neun Jahren seine erste Gitarre in der Hand. Bassist Adil Baktır begann mit sechs Jahren Klavier zu spielen, im Alter von vierzehn Jahren sattelte er auf die Bass-Gitarre um. Er ist in Österreich geboren und aufgewachsen und hat vor kurzem das Musikgymnasium erfolgreich abgeschlossen. Sologitarrist Şaṣkın studiert in Wien am Prayner Konservatorium und Efe Turumtay, zuständig für Keyboard-Sounds und virtuose Geigenklänge hat das Studium der Violine am staatlichen Konservatorium in Istanbul absolviert. Zurzeit studiert er an der Technischen Universität Wien.

    Der fünfte in der Truppe, Yusuf Topçu, ist nur nicht das älteste Bandmitglied, sondern auch Autodidakt. Der Drummer hat sich das Schlagzeug-Spielen selbst beigebracht. Das war 1984 in Istanbul, seit 1988 lebt er in Wien. Neben seiner Hauptbeschäftigung als selbstständiger Unternehmer, rockt er seit mehr als zwanzig Jahren auf der Bühne ab, zuerst in Istanbul, dann in Wien, wo er auch mit der Band "Lakis&Achwach" mediterrane Weltmusik zum Besten gibt.

    Viele musikalische Einflüsse

    So unterschiedlich die musikalische Geschichte der Spades-Mitglieder ist, so verschieden sind auch die musikalischen Einflüsse. Leadsänger Özsoy nennt Eric Clapton, Bob Dylan und Sting als musikalische Vorbilder. Drummer Topçu mag Jeff Beck und Frank Zappa besonders, aber auch Hans Söllner und Andy Baum. Bassist Baktır, mit 21 Jahren der Jüngste in der Band, hat überhaupt wegen den Red Hot Chili Peppers angefangen Bassgitarre zu spielen und mag die türkischen Rockbands Athena, Duman und Mor ve Ötesi sehr.

    Die Liebe zur westlichen und türkischen Rockmusik ist ihnen allen gemeinsam. In ihrer Musik versuchen sie die verschiedenen Einflüsse und individuellen Vorlieben miteinander zu kombinieren. "Unsere Musik ist eine Synthese aus West und Ost, aber auch mit Elementen der klassischen Musik, für die Efe mit seiner Violine sorgt", erklärt Leadgitarrist Şaṣkın.

    Fans zum Abtanzen bringen

    Die Band hat sich mit mehreren Auftritten auf Wiener Bühnen wie in der "Local"-Bar in den Stadtbahnbögen oder bei den Feierlichkeiten zum 30-Jahr-Jubiläum im U4 eine kleine Fangemeinde aufgebaut. Dabei haben es den österreichischen Fans besonders die orientalisch geprägten Einlagen angetan. "Wenn ich auf einmal türkische Rhythmen in meinem Solo unterbringe, dann hält es die Zuhörer nicht mehr auf ihren Plätzen. Da können sie nicht anders als zu tanzen, selbst wenn es nur mit den Schultern ist", berichtet Şaṣkın über die Reaktionen des Publikums.

    Türkische Rhythmen kommen beim österreichischen Publikum also besonders gut an. "Das ist immer noch exotisch für sie", so Şaṣkın. Auch Leadsänger Özsoy ist begeistert, "wenn die Leute zu türkischer Melodie voll abgehen." Aber das Besondere am Musikmix von Spades sind nicht nur die "exotischen" Rhythmen. Turumtay bringt mit seiner Violine Jazz-Elemente mit ein, während Bassist Baktır, der die Menschen zum Abtanzen bringen will, auch für funkige Klänge sorgt.

    Spaß an der Musik

    Der Bandname ist auf die Pik-Kartefarbe zurückzuführen. "Weil das im Kartenspiel die wertvollste Karte ist und irgendwie auch den Orient für mich symbolisiert", erklärt Özsoy, der mit Turumtay und Saskin die Band gegründet hat. Geld und Ruhm ist für Spades zweitrangig. Wichtiger ist ihnen der Spaß am Musikmachen. "Um der Musik willen spielen wir", betont Drummer Topçu.

    Gesungen wird auf Englisch und Türkisch, noch hat die Band nicht viele eigens komponierte Songs. Bei ihren Auftritten -durchschnittlich stehen sie alle zwei Monate auf der Bühne - geben sie ihre Interpretationen von klassischen Rocksongs wider. Ein Plattenvertrag ist für sie auch noch nicht denkbar. "Wir wollen uns diesen Underground-Geist erhalten und frei sein von jeglicher Einflussnahme in unseren kreativen Prozess", sind sich alle einig.

    Den inneren Tune finden

    Diesen Sommer werden die Fünf aber öfter auf der Bühne zu sehen sein. Begeisterte Konzertbesucher haben die Veranstalter des Stadtfests Wien auf Spades aufmerksam gemacht. Samstagabend treten sie vor dem Hauptact - Christina Stürmer und Band - auf. Im Juni steht wieder ein Konzert in den Stadtbahnbögen an. Und vielleicht geht es dann auch weiter in die Türkei, wo türkische Rockmusik großen Anklang findet, was sich auch an den steigenden Verkaufszahlen der Alben von Bands wie Mor ve Ötesi widerspiegelt. Auftritte im renommierten "Hayal Kahvesi" im belebten Stadtviertel Beyoğlu sind in Planung.

    Einmal auf dem Nova Rock-Festival auf der Bühne zu stehen kann sich Özsoy auch gut vorstellen, aber erst in ein paar Jahren. Spades will es langsam angehen, Schritt für Schritt. "Wir sind noch in einem Reifungsprozess, es ist wie eine Entdeckungsreise, bis wir unseren inneren Tune, unseren eigenen Rhythmus finden", so Özsoy. "Ja, wir haben bis dorthin noch viele Knödel zu essen", ergänzt Topçu und bringt damit seine Kollegen zum Lachen. Schließlich heißt es in einem türkischen Sprichwort, dass diejenigen, die noch viel dazulernen müssen, noch viel frisches Bäcker-Brot essen müssten. In Österreich sind es dann halt Knödeln statt türkischem Weißbrot aus dem Steinofen.

     


    SPADES. The Band. Zu sehen...
    @Stadt.Fest.Wien, 28. Mai 2011, 17: 45 Uhr, Bühne am Heldenplatz
    @Local-Bar, 12. Juni 2011, 21:30 Uhr, 1190 Wien

    Mehr Info unter www.spades.at

    • Bassist Adil, Violonist Efe, Gitarrist Deniz, Drummer Yusuf und Sänger Mehmet  (v.l.n.r.)
      foto: privat

      Bassist Adil, Violonist Efe, Gitarrist Deniz, Drummer Yusuf und Sänger Mehmet  (v.l.n.r.)

    •  Spades uf der Suche nach dem inneren Tune.
      foto: privat

      Spades uf der Suche nach dem inneren Tune.

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