The European: Eberhard Lauth

Die Gurken können nichts dafür!

Eberhard Lauth, 28. Mai 2011, 09:52

Nahrung kommt meist im Rahmen einer industriellen Verwertungskette in unsere Mägen. Verseuchte Gurken können da schon passieren – als Kollateralschaden unserer Esskultur

Ob es nun in Spanien oder Hamburg passiert ist - egal. Ob auf ihr Bio draufsteht oder nicht - auch egal. Ob es die Gurken waren oder vielleicht doch was anderes - nebensächlich. Verantwortung zu übernehmen ist hier ja in der Tat kompliziert. Alle haben supersauber gearbeitet, keine Fehler gemacht, tipptopp Hygiene, keine Ahnung, wie das passieren konnte. Und so sterben Menschen an einem wenige Mikrometer messenden Darmbakterium aus Schlachtvieh, das auf den Namen EHEC hört, und keiner versteht warum.

Wir haben es so gewollt

Dabei ist die Antwort einfach: Wir haben es so gewollt. Wir haben den Bezug zu unserer Nahrung verloren. Sie kommt gewaschen, geschält und geschnitten ins Haus. Sie ist kein Rohprodukt mehr, sondern praktisch und convenient. Und wir haben uns dazu entschieden, billig - oder im Idealfall: noch billiger - zu essen.

Beides funktioniert nur im Rahmen einer industriellen Verwertungskette mit langen Reisewegen und komplexer Logistik. Im Supermarkt liegen Zwiebeln aus Neuseeland. Das vorgeschnittene Suppengemüse kommt aus Ägypten und Spanien. Und der Speck aus Tirol war irgendwann einmal ein Schwein, das aus Kostengründen in China geboren wurde. Man hat mit diesen absurden Auswüchsen unseres Lifestyles leben gelernt, man hat sich vielleicht bei Dokumentarfilmen wie Erwin Wagenhofers "We Feed The World" darüber echauffiert, und man hat dann doch wieder an einem verschneiten Jännertag irgendwo eine frische Erdbeere genascht.

Wegen dieser Sorglosigkeit wirkt es dann auch immer wie eine Seuche aus vergangenen Zeiten, wenn in der industriellen Verwertungskette Fehler passieren. Was, es gibt ungesunden Dreck da draußen? Wie, Gemüse gehört gewaschen? Echt, eine Gurke kann auch irgendwo wachsen, wo es vielleicht nicht sauber ist? Ein Skandal ...

Die Verhältnisse unserer Existenz sind aus den Fugen geraten

Nahrung ist über die Jahre mehr und mehr zu einer gesichts- und geschichtslosen Massenware geworden. Und Nahrung ist damit nicht nur immer und überall verfügbar geworden, sondern auch völlig unwichtig. Hauptsache, billig produziert, die Umstände interessieren da nicht näher - trotz aller Slow-Food-Bewegungen und Bioboom in gentrifizierten Stadtteilen.

Wozu diesen Zugang zur Nahrung auch ändern? Wenn das Recht darauf kostengünstig gestillt scheint, können wir ungleich wichtigere Rechte für uns beanspruchen. Das kann das Recht auf Fernreisen sein. Oder das auf die unbegrenzte Mobilität, die wir mit dem Besitz eines Autos verbinden, und auf die wir unser Leben täglich abstimmen.

Dass hier schleichend die Verhältnisse unserer Existenz aus den Fugen geraten sind, zeigt sich nur nebenbei. Zum Beispiel, wenn ein Darmbakterium aus Schlachtvieh in Gurken aus Spanien landet. (derStandard.at, 28.5.2011)

Autor

Eberhard Lauth, The European, der Journalist arbeitete viele Jahre als freier Autor und in den Chefredaktionen der Magazine "WIENER" und "Seitenblicke". 2009 gründete er das Meinungsmagazin ZiB21

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 53
1 2
aereo
01
29.5.2011, 09:40

Was hab ich mir unter Bakterien von Schlachtvieh vorzustellen? Kann mir das jemand erklären? Der Verfasser verrät mir das nicht.

Harry Humboldt
00
29.5.2011, 09:34
Idefix der zweite
 
01
29.5.2011, 11:02

Das Schwächste, was ich bisher von ihm gesehen habe. Wenn im Kabarett auch durchaus überzeichnet werden darf, derart fundamentalistische Positionen sind einfach nur dumm (auch wenn manches, was er sagt, richtig ist).

Hossam Hassan
00
29.5.2011, 09:22
Typisch European: ein gequirrlter Schwachsinn hoch 3

Als ob sich in rohem und frisch geerntetem Gemüse keine Bakterien befinden würden.
"Wir haben den Bezug zu unserer Nahrung verloren." Was soll dieser Quatsch?
Magen-Darm Bakterien, die ins Blut gelangen können tödliche Auswirkungen haben, und es ist prinzipiell nicht verhinderbar, dass sich neue Bakterienstämme bilden, das ist das was Bakterien tun: sich anpassen und vermehren.
Keine Lebensmittelkontrolle wird verhindern können, was mit diesen Gurken geschah. Den Blödsinn, "wir essen so unnatürlich" soll er jemanden erzählen, den es interessiert.

Gary Grantscherbn
10
29.5.2011, 09:09

Das Recht auf das Dritthändi mit 100 Spielen als Apps haben Sie vergessen...

Gebüschdieb
14
29.5.2011, 00:49
Komischerweise sterben die meisten Menschen...

...ausgerechnet dort an mangelnder Hygiene, wo es keinerlei komplexe Verwertungsketten gibt und alle zwangsläufig bio und slow essen, und die wenigsten genau dort, wo die pöse Industrie-Nahrung der Normalfall ist.

Aber was stört die Realität, wenn man gerade so beim großen Rousseau'schen Zivilisations-Wehmut ist.

knuuuut
01
29.5.2011, 00:21
was mich an der ganzen diskussion schon seit beginn wundert,

waschen die leut heutzutag nicht mehr obst und gemüse, bevor sie es essen? also wir tun das und zwar gründlich.

Gary Grantscherbn
10
29.5.2011, 09:10

Piefkonen: Raffgier und Effizienzweltmeister = Zeit und Geld sparen...

der erleuchtete
11
29.5.2011, 00:14
das interessante an EHEC ist doch,

dass sich hier aus einem bis dato für tier&mensch recht harmlosen kuhmagen/kuhfladen bewohnender ein hochvirulenter (10-100 bakterien genügen, um infektion auszulösen!) bazillus entwickelt hat... so ganz übernacht und unbemerkt...
ein schelm, wer da an ein paar entwichene biologische kampfstoff-viecherl denkt, oder?
denn hätten diese Coli-Baktertienstämme eine spontane Neigung zu solch bösartigen Mutationen- warum sind die nicht in jahrtausenden der rindvieh-haltung und kuh-mist-düngung aufgetreten?
und ein noch grösserer schelm, wer jetzt denkt, die medien.hysterie um EHEC käme just den spekulanten zugute, die spaniens zentralen export - obst&gemüse - just kurz vor der staatspleite des landes lahm legen wollen?

Armin Bierbauer
01
29.5.2011, 11:02

Ich glaub zwar auch dass z.B. der Pharmaindustrie mal was auskommt damit man nachher was gutes dagegen verkaufen kann, in diesem Fall muss ich allerdings sagen, dass die "Jahrtausende" der Rindviehhaltung nicht so richtig ziehen - wir propfen das Vieh erst seit einigen Jahrzehnten (und immer mehr und mehr) mit Medikamenten voll, wo's früher "nur so rumstand".

X Y
15
28.5.2011, 23:33
Tote durch Keime im Gemüse sind schon im Mittelalter laufend vorgekommen, ganz ohne Interkontinentaltransport.

Damals war jeder Dünger willkommen, menschlich, tierisch,egal. Hygiene war unbekannt. Und es hat niemand gewusst, woran denn die Leute eigentlich erkrankten. Oder umgedreht: Seit tausenden Jahren schon sterben Menschen an verseuchten Nahrungsmitteln; im Zeitalter der Industrialisierung haben diese Todesfälle aber deutlich abgenommen. Es ist ja auch nur die hochgerüstete Nahrungsmittelforschung, die so schnell draufgekommen ist, was da los war und dadurch wahrscheinlich viele Erkrankungen noch verhindert hat.
Ich nehme an, der Autor will unsere industrialisierte und internationalisierte Landwirtschaft ändern. Das steht ihm auch zu. Den Aufhänger mit den Gurken hat er aber verhaut; weil er nämlich selbst etliche Zusammenhänge nicht versteht.

Johannes Paul II, bitte für mich!
02
29.5.2011, 00:54
Da stimme ich ihnen großteils zu,

wenn sie mir plausibel erklären können welche Zusammenhänge der Autor nicht versteht, dann stimme ich ihnen vollkommen zu.
Ich werde hoffentlich ihre Antwort lesen.

X Y
01
29.5.2011, 06:29
Das Darmbakterium aus dem Schlachtviech ist kein Symptom der Schlechtheit unserer Zeit, also falsch gewählt für den Artikel.

Industrialisierung und Internationalisierung ebenfalls nicht. Wir leben davon, wir alle. Ohne Exportwirtschaft wäre Österreich nicht gut dran. Die Zerstörung der afrikanischen LW ist ein großes Übel, da stimme ich zu. Aber dieses naive "zurück zur Natur" funktioniert so nicht. Wissenschaft ist international, so ist die Wirtschaft, so ist vieles, was wir tun. Es ist nicht, das ich die Klage des Autors über "gesichtloses" Essen nicht verstehe. Aber es wird schwer sein, ein Rad eines Uhrwerkes zurückzudrehen, das wird der Mechanismus nicht zulassen. Gemüse aus Spanien ist nicht per se schlecht, genauso wenig wie Autos aus der Slowakei. Aber wenn VW weniger Autos verkauft, drosseln sie die Produktion. Die LW tut das nicht.... Platzmangel...

erkelteter tiger
00
29.5.2011, 06:42
doch

denn das bakterium ist gegen die meisten antibiotika resistent und kommt bei artgerechter fütterung in viel kleiner anzahl vor.

ilrio xxxxx
 
00
28.5.2011, 22:13
das sind die folgen

der globalisierung.

Gebüschdieb
16
28.5.2011, 20:04
Öko-NLP

Ja, so kann man den Tod von Menschen benutzen, um seine Sichtweise darzustellen. Auch wenn es überhaupt keinen Zusammenhang gibt.

Der Keim ist nicht wegen einer modernen Verwertungskette gegessen worden, sondern schlicht und einfach, weil er auf Gurken war.
Die Gurken hätten auch aus dem eigenen Privatgarten oder von einem Super-Öko-Fuzzi-Biobauern und dem Bauernmarkt kommen können.

Alles, was Sie sagen, ist im Prinzip richtig. Aber es hat nunmal nichts mit der Sache zu tun.
Einfach mal wieder Öko-NLP.
Das selbe, wie wenn man nach einem Raubüberfall die Gelegenheit nutzt, um mal schnell auf Ausländer allgemein und pauschal hinzuhauen, weil die Eltern des Täters zufällig aus Bosnien kommen.

Fredl Huber
00
29.5.2011, 08:28

danke für ihren beitrag! sie treffen den nagel auf den kopf!

furman
01
28.5.2011, 19:15

Alle Elemente sind unsere Feinde. Die Erde erzeugt allerorten Gewächse der verschiedensten Art, die dem Menschen schädlich sind; sie nährt und pflegt gleichzeitig zahllose Geschöpfe, die ihn verderben können und birgt noch ausserdem ein wahres Heer von Giften in ihrem Inneren.

Ist es den Menschen denn gelungen, einen Schutz gegen das rasende Wüten der Natur zu entwickeln?

Die Naturgegenstände nämlich sind mächtig und leisten mannigfachen Widerstand.

Fredl Huber
00
29.5.2011, 08:36

für parodie ein plus!

der erleuchtete
00
29.5.2011, 00:16
niemand wütet rasender gegen die natur

als der nackte aff! !

Mokka Sinn
53
28.5.2011, 18:13
Wäre die Menschheit schon auf dem hohen Niveau der veganen Lebensweise,

wäre das und so ziemlich alles andere Destruktive und Gesundheitsbedenkliche NIE ein Thema.

Anton Jesus Poster
00
29.5.2011, 07:27

Veganismus hilft auch gegen Naturkatastrophen, Kernschmelzen und Hansi Hinterseer. Ausserdem bekommen Veganer kein Aids, keine Pickel und keinen Schnupfen...

Mokka Sinn
00
29.5.2011, 19:21

Die Pointe muss ich jetzt aber nicht erklären, oder?
;-)

sonja1978
00
28.5.2011, 21:32

Veganer würden die Gurken auch essen... :-o

(Stimme Ihnen ansonsten vollkommen zu - vegane Ernährung --> das wärs! Aber brauchen Kindern nicht Fleisch?!)

prävention
01
28.5.2011, 18:01
es muss sich nicht jeder angesprochen fühlen

...aber hier steht schon recht viel mist in den postings

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