Wiener SP-Parteitag

Häupl mit nur 89 Prozent als Landes-Parteichef bestätigt

28. Mai 2011, 18:10

Vizebürgermeister Ludwig bekam die meisten Stimmen - Brauner bekam 12 Prozentpunkte weniger als 2009

Wien - Wiens Bürgermeister Michael Häupl ist am Samstag als Vorsitzender der Landes-SPÖ bestätigt worden - allerdings mit einem deutlich schlechteren Ergebnis als 2009. Beim 66. Parteitag im Austria Center erhielt Häupl nur noch 89,2 Prozent oder 794 von 890 gültigen Delegiertenstimmen. Bei der vergangenen Wahl im Jahr 2009 konnte der neue alte Landesvorsitzende noch mit 98,1 Prozent sein bis dahin bestes Ergebnis einfahren.

Häupl ist seit 1993 Chef der roten Landesgruppe. Bei seiner ersten Wahl kam er auf 83,1 Prozent Zustimmung. Alle späteren Ergebnisse lagen deutlich darüber - und auch über dem heutigen, das somit das zweitschlechteste in der Karriere des Wiener SPÖ-Chefs darstellt.

Noch weiter in der Gunst der SPÖ-Delegierten stürzten Vizebürgermeisterin Renate Brauner und Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely ab. Sie lagen sogar deutlich unter 80 Prozent. Wohnbaustadtrat Michael Ludwig konnte hingegen in der Wahl des Vorsitzenden und der fünfköpfigen Stellvertreterriege überraschenderweise die meisten Stimmen einfahren. Er schaffte auf Anhieb 90,3 Prozent.

Mehr Stimmen für Ludwig als für Brauner

Michael Ludwig, der nach der Wien-Wahl seinen Vizebürgermeistertitel verlor, erzielte in der Vorstandswahl somit um beinahe 20 Prozentpunkte mehr als Vizebürgermeisterin Renate Brauner. Sie konnte lediglich 72,1 Prozent der Delegierten hinter sich versammeln. Das sind um 12,7 Prozentpunkte weniger als 2009, wobei die Finanzstadträtin bereits damals deutliche Stimmenverluste hinnehmen musste. Brauner erhielt somit das schlechteste Resultat im Führungsteam der Wiener SPÖ-Landesgruppe.

Der Vergleich ist deshalb nicht uninteressant, da sowohl Brauner als auch Ludwig als potenzielle Kandidaten für den Bürgermeister-Sessel gehandelt werden. Dass der Wohnbaustadtrat - er rückt als Stellvertreter Johann Hatzl nach, der im April verstorben ist - die meisten Stimmen erhielt, ist zudem bemerkenswert, da neue Mitglieder der Stellvertreterriege bei ihrer ersten Wahl für gewöhnlich ein eher niedriges Ergebnis einfahren.

Nicht nur Brauner, auch Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely wurde von den Genossen merkbar abgestraft. Sie fiel um 11,4 Prozentpunkte auf nunmehr 76,3 Prozent.

Verluste mussten auch die übrigen Stellvertreterinnen hinnehmen. Ruth Becher, die erstmals in dieser Funktion kandidierte, kam auf 97,1 Prozent. Das Ergebnis von Kathrin Gaal lag bei 79,6 Prozent (2009: 82,2).

Lügen offensiver entgegentreten

Häupl hat sich beim Wiener SP-Parteitag am Samstag dafür ausgesprochen, der FPÖ künftig stärker Paroli zu bieten. Man werde verstärkt daran erinnern, was unter Schwarz-Blau passiert sei, kündigte Häupl an: "Zu viel bleibt in der Auseinandersetzung mit der FPÖ und den Freiheitlichen einfach im Raum stehen." Man müsse den "Lügen" von FP-Chef Heinz-Christian Strache "viel offensiver" entgegentreten, forderte der Wiener Bürgermeister.

Häupl warnte vor einem "nicht unerheblichen Frustpotenzial" in der Stadt. "Sündenbockphilosophen" und Hetzer würden sich dieses zunutze machen. Vieles erinnere ihn an "Kampf um Berlin" von Joseph Goebbels: "Wer sich dieses Buch vor Augen führt, fühlt sich bedauerlich an heutige Zeiten erinnert, das ist fast ein Deja-Vu." Damals seien die Juden das Feindbild gewesen: "Heute heißt es wohl allgemein Ausländer."

Die Diskussion darüber, wer die wirklichen Sozialschmarotzer seien, lohne allemal. Man müsse Klartext sprechen und sagen, wie die Wirklichkeit aussieht: "Es hat keinen Sinn, ihm was nachzubrabbeln oder von der anderen Seite mit Unwahrheiten zu kommen. Es ist völlig genügend, seinen (Straches, Anm.) Lügen die Wahrheit gegenüber zu stellen."

Gerade die Freiheitlichen hätten es "absolut notwendig", den Solidarbeitrag für Griechenland im Ausmaß von 1,2 Mrd. Euro zu kritisieren, so Häupl sarkastisch. Denn der Einsatz für die Hypo in Kärnten habe 20 Mrd. Euro gekostet. "Der Herr, der sich am meisten drüber aufregt, der hat so viel Butter am Kopf, dass er wie ein Germknödel ausschaut. Diese Heuchelei sollte man auch in aller Deutlichkeit benennen", forderte Häupl.

"Grüne immer vernünftiger"

Er sprach sich für ein gemeinsames Vorgehen in Sachen Integration und Zusammenleben aus, zu dem er auch "ehrliche Christlichsoziale" und die Grünen, die er in diesem Zusammenhang einen "immer vernünftiger werdenden Partner" nannte, einlud: "Dieses gesellschaftliche Bündnis in den Fragen der Integration von allen, die guten Willens sind, das ist von uns herbeizuführen und von uns zu schmieden."

Und natürlich werde man die Leute erinnern, was die schwarz-blaue Regierung getan habe: "Man hat das ja alles erlebt. Die Hypo ist nur ein Teil, Buwog, Bereicherungen ohne Ende." Wer aus Frust FPÖ wähle, dürfe danach nicht jammern. Aufgabe der Sozialdemokraten sei es nun, dafür zu sorgen, dass man nicht nur die Köpfe der Menschen erreiche. Denn wenn man frage, wer die besten Konzepte habe, dann würden viele sagen: die SPÖ. Wenn man die Leute frage, wer sie besser verstehe, laute die Antwort jedoch: die FPÖ und der Herr Strache.

"Nicht die Herzen, nicht die Emotionen"

"Das heißt, wir erreichen nicht die Herzen und nicht die Emotionen", beklagte Häupl. Zusatz: "Wenn mir jemand sagt, wie man das lösen kann, dann werde ich ihn küssen und ihm zwei Stunden lang zuhören. Das wäre ein Wunderwuzzi." Wichtig sei jedenfalls, sich der Frage der sozialen Gerechtigkeit zu widmen, in Wien, aber auch in Europa bzw. in der Europäischen Union.

Was er nicht nachvollziehen könne, sei die "Weinerlichkeit unserer Banken", verriet Häupl weiters. Man solle gelegentliche Anfälle eines Bankers nicht auf die Goldwaage legen. Ein Depp sei man jedoch dann, wenn man sich eine solche Beschimpfung auch noch gefallen lasse. "Das wäre eine Spur zu viel", befand Häupl, ohne den Chef der Erste Bank, Andreas Treichl, namentlich zu erwähnen. Treichl hatte Politiker zuletzt unter anderem als ahnungslos und blöd bezeichnet.

Die Wiener SPÖ veranstaltet am Samstag, im Austria Center ihren 66. Landesparteitag. Es ist der erste nach Bildung der rot-grünen Koalition im vergangenen Herbst. Das Motto lautet: "Damit was weitergeht. Der Wiener Weg. SPÖ." (APA)

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Nathaniel Winerib
00
18.8.2011, 17:05

Wehsely schadet immer noch die weiche Ausländerlinie, die sie als "Integrationsstadträtin" gefahren ist.

Auto Bus
26
31.5.2011, 01:51
wien ist die schoenste und lebenswerteste stadt

gruen(natur, parks), sozial, friedlich, gepflegt, mit super oeffentlichen verkehr, breites kulturelles angebot, fahradfreudlich, sauber usw. usf.

wiener spoe ist sicher nicht eine 100% perfekte partei, und die wiener buergermeitster auch keine supermaenner
- die gibt es nur in maerchen und in neurotischen negativistischen koepfen und natuerlich in oppositionellen gehirnen, welche glauben ihre partei ist 100% super und ihre mitglieder die potentiellen retter vor zu viel sozialer friede und zu viel eierkuchen fuer die unersaetliche unterschicht)-

dass fasziniert mich immer wieder, warum leute, die das glueck haben unter besseren bedingungen zu leben als in den meisten anderen staedten etc. unbedingt den drang haben diese zu zerstoeren?

S. Aynf
00
12.10.2011, 09:07

Wien ist eine Stadt, in die ich, wenn's nicht sein muss, keinen Schritt mache.Wien ist anders. Und damit haben sie vollkommen recht.

Der Busfahrer
01
das müssen die bewohner und deren kinder...

...und enkel und urenkel auch bezahlen. die stadt schenkt uns nichts, die milliarden schulden werden wien noch auf den kopf fallen.
allein wr. wohnen hat zw. 2 und 2,4 milliarden euro (dazu gibt es widersprüchliche aussagen) schulden. geld fehlt hinten und vorne und nach dieser legislaturperiode wird es richtig bitter.
aber offenbar rechnet die spö damit, dann nicht mehr zu regieren, daher ist´s wurscht.
aufgrund der aktuellen ereignisse am finanzmarkt wird der spardruck aber vermutlich bereits vor 2015 gewaltig, daher ist in bälde mit zusätzlichen belastungen zu rechnen. die bereits angekündigte gebührenerhöhung wird nicht lange reichen.
und mit ein paar eingesparten gemeinderäten lässt sich das leider auch nicht mehr richten...

Lorenzo von Matterhorn
 
23

weil diese menschen einfach DUMM sind,...

sie haben es selbst gesagt... es geht ihnen zu gut, also brauchens keine schule, lesen ist out, fussball spielt man auf der play station und über die gemeindebau-matratze kann er mit 15 auch schon hüpfen...

später mit 18-19, wenns bei Bewerbungsgesprächen ein "nein, danke" gibt, sagt ihnen dann wer, dass die pösen ausländer, der häupl und die gefährlichen grünen schuld sind...
und aja, die heute/krone stärkt ihnen auch den rücken,...

bei uns in bagdad
00
30.5.2011, 17:48
schade,

schade das sie nicht über die laura abgstimmt haben!

bei uns in bagdad
00
30.5.2011, 17:48
schade,

schade das sie nicht über die laura abgstimmt haben!

stretfordender
21
30.5.2011, 13:23
die Grünen, die er in diesem Zusammenhang einen "immer vernünftiger werdenden Partner" nannte

herrlich!
Keine Wahlrechtsreform, das ausgeweitete Parkpickerl wird den Grünen umgehängt ... kann mir schon vorstellen, dass die Grünen für die SPÖ "vernünftig" sind. Hörig würde besser passen.

des is mei extra
03
29.5.2011, 20:13

"Wenn mir jemand sagt, wie man das lösen kann, dann werde ich ihn küssen und ihm zwei Stunden lang zuhören. Das wäre ein Wunderwuzzi."

- weg mit der freunderlwirtschaft
- postenbesetzung in der partei nach leistung und nicht nach stammbaum
- höhere steuern auf vermögen nicht nur verlangen sondern durchsetzen
- verwaltungsreform nicht nur ankündigen, sondern auch umsetzen
- generell mehr machen und probieren als "arbeitsgruppen einsetzen"
- politik fürs volk und nicht für gesiba, novomatic (unfassbar das häupl gegen das verbot des kleinen glückspiels ist) und co. machen
- bei großprojekten wie dem hauptbahnhof vielleicht doch die bürger und nicht die eigne eitelkeit (seilbahn, kein zweiter u-bahnanschluss, etc.) entscheiden lassen

das ist fix
22
29.5.2011, 19:44

für einen vernünftigen menschen ist häupl eigentlich untragbar, so gesehen kann man vor 89 nicht das wort "nur" setzen

Markus KA
01
30.5.2011, 17:09

Er ist untragbar weil?

das ist fix
01

ich schreibe nur: spritzwein

Ein Fan von der Bambi
00
na und? Da ist er nicht der einzige

Der Wein u. der Gspritzte hatten in Wien schon immer tradition

per verser
21
29.5.2011, 18:29

da hat die faymann-truppe sich im anpatzen versucht - die "nur" 89% hat sich der neoliberale faymann bestellt. da sieht man, wie verkommen die partei schon ist, die sich sozialdemokratisch nennt.

vogel von der walterweide
02
30.5.2011, 14:58

und sie glauben der faymann hat mehr zu sagen als der häupl? in welchem universum leben sie nochmal?

Tom93
11
29.5.2011, 19:01
häupl=faymann

da ist doch politisch null unterschied. und streichungen für häupl musste man sich nicht bestellen, denn für unzufriedenheit und kritik gibts genug anlass. siehe thema wehrpflicht und studiengebühren.

bei uns in bagdad
00
30.5.2011, 17:47
desstimmtsonedganz!

beide gehört, kein vergleich

CrangerMan
10
29.5.2011, 18:25

Die SPÖ Wien muss sich wieder erneuern und evtl. einen noch klareren Gegenpunkt zur FPÖ darstellen. In den letzten Jahren ist die Arbeit immer langsamer geworden und in der Koalition macht man es genauso. Alles schön gemütlich. Doch das darf es nicht spielen.

Ich denke aber, dass die Partei sich keine Sorgen machen muss. Bei der nächsten Wien-Wahl 2015 wird Rot-Grün wieder dazugewinnen, denn dann werden wir schon mindestens zwei Jahre die FPÖ in die Regierung haben.

des is mei extra
03
29.5.2011, 20:15

"einen noch klareren Gegenpunkt zur FPÖ darstellen."

sorry, aber ich kanns nicht mehr hören. die spö braucht nur ihre traditionellen werte konsequent umsetzen und nicht die vom fähnlein im wind oder der muthgasse.

nicht die fpö ist schuld, dass es der spö so dreckig geht. die spö ist schuld, dass es der fpö so gut geht.

Der große Mann
30
29.5.2011, 16:37

Mir sind die Linken viel zu konservativ - wie kann man nur 20 Jahre lang den gleichen Vorsitzenden haben?
Wollte in dieser unglaublich langen Zeit wirklich kein anderer Sozi mal Chef sein???

vogel von der walterweide
01
30.5.2011, 14:59

na klar, bei der övp geht das schneller, alle zwei jahre gibts einen neuen. und bei der fpö dann wenn sies aus unfähigkeit wiedermal zerbröselt.

kuschi-futschi
01
29.5.2011, 15:45

89 % zum nachdenken
warum nur 89%?

Der junge Jim Kirk
00
29.5.2011, 17:35

Weil viele Deligierte vor der letzten Wahl schon dachten sie können danach die Felle neu aufteilen wenn der alte zurücktritt. Jetzt in der Koalition mit den Grünen macht es ihn aber wieder spass und er macht keine anstalten aufzuhören.

Section Control
00
29.5.2011, 16:36
Man stelle vor es wären 88 %

Mister 88...

Litschi Monster
23
29.5.2011, 15:14
Nur 89?

Sind doch eh Werte wie zu guten alten DDR-Zeiten. Was will der Mann mehr?

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