Die Strategie der Geldgeber, Griechenland über eine Sparkur zu sanieren, geht nicht auf
Die Kommentare der Spitzenpolitiker und Zentralbanker zur griechischen Schuldenkrise hatten zuletzt eines gemein: Sie waren ebenso streng wie entbehrlich. Abwechselnd ließen Frankreichs Finanzministerin Christine Lagarde, Währungskommissar Olli Rehn und ein Dutzend Zentralbanker Athen ausrichten, die Regierung arbeite zu langsam und verschleppe Reformen.
Dabei fördert ein Blick in die Prüfberichte des Internationalen Währungsfonds (IWF) zu Griechenland erstaunliche Erkenntnisse zutage. Noch am 16. März, als der bislang letzte Bericht veröffentlich wurde, sind die Geldgeber Griechenlands voller Lob. Athen habe sein Defizit "signifikant" reduziert, sich mit einer Ausnahme (Einsparungen bei Staatsbetrieben) an alle Vorgaben gehalten.
Was hat sich seither geändert? An der Faktenlage nicht viel. Zwar sind neue Altlasten im Budget aufgetaucht. Aber auch mit diesen hatte der IWF gerechnet. Was sich verändert hat, ist, dass die Strategie der Geldgeber, Griechenland über eine Sparkur zu sanieren, nicht aufgeht. Die Kur wirkt wie eine Bremse, das Land wächst zu langsam, kann sich angesichts der hohen Risikoprämien nicht wie geplant Geld von den Märkten holen. Da schließt sich der Teufelskreis: EU und IWF müssen wieder einspringen.
Solange Europas Spitzen nicht bekennen, dass ihre Strategie nicht klappt, bleibt ihnen nur die Flucht ins Griechen-Bashing. Und Hellas bleibt, wo es ist: in der Krise. (András Szigetvari, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28./29.5.2011)