Euro-Schuldenkrise

Griechen-Bashing ist in

András Szigetvari, 27. Mai 2011, 18:26

Die Strategie der Geldgeber, Griechenland über eine Sparkur zu sanieren, geht nicht auf

Die Kommentare der Spitzenpolitiker und Zentralbanker zur griechischen Schuldenkrise hatten zuletzt eines gemein: Sie waren ebenso streng wie entbehrlich. Abwechselnd ließen Frankreichs Finanzministerin Christine Lagarde, Währungskommissar Olli Rehn und ein Dutzend Zentralbanker Athen ausrichten, die Regierung arbeite zu langsam und verschleppe Reformen.

Dabei fördert ein Blick in die Prüfberichte des Internationalen Währungsfonds (IWF) zu Griechenland erstaunliche Erkenntnisse zutage. Noch am 16. März, als der bislang letzte Bericht veröffentlich wurde, sind die Geldgeber Griechenlands voller Lob. Athen habe sein Defizit "signifikant" reduziert, sich mit einer Ausnahme (Einsparungen bei Staatsbetrieben) an alle Vorgaben gehalten.

Was hat sich seither geändert? An der Faktenlage nicht viel. Zwar sind neue Altlasten im Budget aufgetaucht. Aber auch mit diesen hatte der IWF gerechnet. Was sich verändert hat, ist, dass die Strategie der Geldgeber, Griechenland über eine Sparkur zu sanieren, nicht aufgeht. Die Kur wirkt wie eine Bremse, das Land wächst zu langsam, kann sich angesichts der hohen Risikoprämien nicht wie geplant Geld von den Märkten holen. Da schließt sich der Teufelskreis: EU und IWF müssen wieder einspringen.

Solange Europas Spitzen nicht bekennen, dass ihre Strategie nicht klappt, bleibt ihnen nur die Flucht ins Griechen-Bashing. Und Hellas bleibt, wo es ist: in der Krise. (András Szigetvari, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28./29.5.2011)

Kommentar posten
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videoopa
00
10.6.2011, 10:13
Dr.Schratzenstaller: wie ist das in Österreich?

http://www.vimeo.com/21520346

videoopa
00
10.6.2011, 10:12
Einige gute Statements zum Thema gefunden..

http://www.vimeo.com/21911053

Vergib ihnen
10
Danke für die details, bitte mehr davon in die Waagschale

die überheblichkeit der Austriaci ist ja sowas von unappetitlich. niemals möge es wieder sein, dass wir hilfe bruacen, Europa ist informiert und alarmiert über unseren feurigen unsolidarischen Egomanismus

sitting bull
00
30.5.2011, 09:12
Die Griechen haben die grosse Chance, ihren Geldsaugern jetzt zu zeigen, dass Menschen mehr sind, als (Finanz-)Wirtschaftssklaven.

tante koal huaba
00
29.5.2011, 19:24
ich

fahr dort nicht mehr hin, seit sie mir dänische butter, italienische marmelade und coca cola zum frühstück angeboten haben.....

docw
21
29.5.2011, 17:07

bei jeder meiner überweisungen ans finanzamt (und das ist nicht wenig) denke ich mit groll an die griechen und portugiesen. denn es ist logisch, dass ich an diejenigen, die auch mich belogen, betrogen und beschi..en, nicht in liebe denke. ist es verwunderlich und verwerflich?

the troll with no name
02
29.5.2011, 19:06

belogen, betrogen und beschissen wurden die griechen und portugiesen ebenso wie wir, in diesem sinne sollten sie ihren groll eher gegen die banken und korrupten politiker, die an dieser "krise" verdient haben und es immer noch tun, richten.

MacTux
00
29.5.2011, 14:39
alternative

die alternative ist somit den GR die schulden zu erlassen, auf die schulter zu klopfen und dann einfach so weiter zu machen.

tatsache ist dass die griechen eine viel zu grosse armee haben, unsinnig viele geschützte bereiche und industrien, etc. das gilt es zu ändern. so oder so.

wer schulden macht, der muss dafür aufkommen. im privaten ist es ja auch so. wer dagegen ist darf meine schulden gerne übernehmen.

videoopa
00
10.6.2011, 10:15
Über unsere Staatsschulden in Österreich:

http://www.vimeo.com/21520346

Lindovksa
 
00
29.5.2011, 18:32

Aber leider bestehen Frankreich u Dtld darauf, dass die Griechen nicht aus ihren Rüstungsverträgen raus dürfen bzw. die nicht aufschieben dürfen. Daher ist das GriechenBashing, das u.a. von Frau Merkel betrieben wird, ja auch so heuchlerisch...Waffen für die Griechen ja, aber Bildung, Gesundheitswesen und Kultur nein.

Lindovksa
 
12
29.5.2011, 13:33
Odious debt

Dokufilm "Debtocracy"

http://www.dailymotion.com/video/xik... shortfilms

Erklärt das äusserst interessante Konzept "Odious debt"

http://de.wikipedia.org/wiki/Odious_debts

Harald Hörmann
00
29.5.2011, 18:58
Sehr interessant,

aber ich denk, auf Griechenland ist das nicht anwendbar.
Ägypten oder Tunesien hätten da eher eine Chance.

FriedaKistner
00
29.5.2011, 16:16
Danke; ein guter Film

Auch wenn der Dokufilm "Debtocracy" etwas einseitig auf Fakten und Konsequenzen eingeht, empfinde ich ihn als guten Film.

Leider können wir mit solchen Information nicht viel anfangen, weil wir nicht die Macht besitzen, uns gegen diese aggressive Art der Wirtschaftspolitik der Konzerne und Staaten zu wehren.

Es bleibt die naive Hoffnung, dass mehr einflussreiche Politiker an die Macht kommen, die das Rückgrat haben, die Interessen der Bürger zu vertreten, und der wirtschaftliche Versklavung der Arbeitnehmer entgegenzuwirken.

der tueftler
03
28.5.2011, 23:39
verleihen bringt zinsen und...

..fallweise kapitalverluste. das geld, das staaten und banken griechenland geborgt haben, ist verloren. jetzt geht es darum, diesen verlust so sanft wie möglich zu verdauen, und zwar in griechenland ebenso wie in den gläubigerländern.
wenn man jetzt geld nachschießt, so ist das keine hilfe für griechenland, sondern zuallererst eine hilfe für die gläubiger. die haben aber schon ganz gut an den hohen zinsen verdient.
andererseits ist es absurd, dass gegen die, die jetzt retten, was zu retten ist, auch noch gestreikt wird. nicht die europäer sind schuld, da haben schon die griechischen regierungen selbst viel verbockt.
man wird sich einen plan B überlegen müssen, denn die menschen tragen die sanierung nicht mit....

Chrifa
00
29.5.2011, 09:16
Die griechische Regierung

streikt ja auch nicht!

Dhimmi
01
29.5.2011, 02:05
"denn die menschen tragen die sanierung nicht mit...."

Es ist nicht Sanierung gefragt, es ist eine Neudefinition notwendig.

"Griechen Bashing" ist deshalb auch ein Blödsinn.
Ein Staat, der jahrzehntelang von der Nichterfüllung von Verpflichtungen lebte und dessen Bürger präzise dasselbe taten, muss sich neu aufstellen.
Was wäre denn die Rückkehr zur Drachme? Ein (seit Jahrzehnten) gepflegter Betrug an Gläubigern wie Bürgern.

Ich habe durch meine-zugegeben bescheidenen-Direktkontakte sehr wohl den Eindruck, daß dies in GR begriffen wird.

Die EU-macht sinnvollerweise einen griechischen Konsens von weiteren Zahlungen abhängig.

Auch Rom ist nicht an einem Tag gebaut worden.

Die Stimme
13
28.5.2011, 22:57

Das Problem ist in Griechenland prinzipiell dasselbe wie hier: daß das Volk sich die 1000 Vergünstigungen nicht mehr wegnehmen läßt.

Man braucht einfach einen ULF, der 10x teurer ist als ein Rolls Royce. Und wenn man damit nur schwarz aufs Arbeitsamt fährt, um sein Geld abzuholen.

Wie soll diese Rechnung jemals aufgehen? Da müßte man den Mittelstand und die Reichen bis aufs letzte Hemd ausnehmen, es würde immer noch nicht genügen.

Mazzesinsulaner
 
10
29.5.2011, 10:33

möglicherweise ist der ULF (ultra low floor; Niedrigflurstrassenbahn) tatsächlich 10 x teurer als ein RR.

Wahrscheinlich meinen Sie einen SUV (sport utility vehicle), der kostet vielleicht 10-20 % mehr als ein vergleichbares Auto.

Man kann sicher gegen SUVs sein, aber die Griechenlandkrise auf den SUVs aufzuhängen, ist billig.

Hugo Wiesinger
08
28.5.2011, 21:00
Von Griechenland weitreichende Reformen verlangen

uns selbst nicht mehr zusammenbringen als Fahrradpflicht für Kinder.
Splitter und Balken im Auge ist einfach ein Grundgesetz.

Dhimmi
00
29.5.2011, 02:11
Gewisse Dinge haben wir bereits hinter uns, die andere noch erledigen müssen.

Dies ist keine Arroganz, sondern Stand der Dinge.
In anderen Worten: Europäisches Niveau erreichen.
Daran muss man arbeiten, und sie werden das schaffen.

Dass in GR z.B. kaum jemand Steuern bezahlt, ist Dir ja bekannt?

Hugo Wiesinger
02
28.5.2011, 21:48
Fahrradhelmpflicht

natürlich .-)

Karl-Ernbrecht von Stenitzer
 
71
28.5.2011, 19:56
Das Ende ist nahe

Griechenland sofort weg aus dem Euroraum. Ansonsten crasht ganz Europa. Jeder frische Euro ist verloren.

Aber sie (gemeint: die selbsternannten "Eliten" der EU-Anbeter) werden nicht umkehren. Und ganz Europa wird dafür bitter zu bezahlen haben.

Feind der Blasmusik
00
29.5.2011, 13:20
Man müsste den Griechen selbst dann helfen, wären sie nicht in der EU

Zu eng sind wirtschaftliche Verflechtungen als daß man deren Auswirkungen außer acht lassen könnte.

Sollte in Ihrem Wohnblock jemand seine Wohnung anzünden, können Sie das ja ebenfalls nicht einfach ignorieren, weil es schließlich auch Sie betrifft.
Da wäre dann Löschen angesagt, und anschließend die Zündhölzer wegnehmen, damit sowas nicht mehr vorkommen kann!

oblomow II
00
29.5.2011, 08:42
Ihre argumentation

.... ist populär und kleinformatig.

Ich weiß, in so kurze texte passen keine fakten ...
bilder wären nett!

tempa
00
28.5.2011, 19:42

Aus obigen Artikel:
"Noch am 16. März, als der bislang letzte Bericht veröffentlich wurde, sind die Geldgeber Griechenlands voller Lob...Athen habe sein Defizit "signifikant" reduziert, sich mit einer Ausnahme (Einsparungen bei Staatsbetrieben) an alle Vorgaben gehalten."

Aus dem Spiegel vom 28.5.2011:
"Das Expertenteam von Europäischer Zentralbank, IWF und EU-Kommission...zu einem alarmierenden Befund: Griechenland verfehle alle verabredeten fiskalischen Ziele, stellt die sogenannte Troika in ihrem Report... fest."
http://www.spiegel.de/wirtschaf... 80,00.html

Schön wenn man sich aussuchen kann, ob nun Griechenland alle Vorgaben/Ziele ereicht hat oder eben nicht.

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