Wenn die Unbelehrbaren im Vormarsch sind

27. Mai 2011, 18:23

Wer in Europa an den Nationalsozialismus anstreift, ist politisch erledigt - nur noch eine Partei leistet Widerstand

Jahrzehnte sind vergangen, die "Kriegsgeneration" ist zum größten Teil schon ins Grab gesunken, Tonnen von wissenschaftlichen Dokumentationen über die NS-Verbrechen sind veröffentlicht worden (aber auch Tonnen von geschichtsfälschender Revisionsliteratur). Wer in Europa nur irgendwie an den Nationalsozialismus anstreift, ist in Minutenschnelle politisch erledigt (ganz besonders in Deutschland) - nur in Österreich leistet noch eine (gar nicht mehr so) kleine Partei Widerstand.

Die Realität dieser seit 1945 aus der Zertrümmerung des Nationalsozialismus entstandenen Republik ist in Wirklichkeit abenteuerlich: Eine 27-Prozent-Partei, die zweimal in der Regierung war, schafft es bis heute im Jahre 2011 nicht, sich geistig vom Nationalsozialismus freizuhalten.

Die Gründungsväter der FPÖ (bzw.der Vorläuferpartei VdU) waren in der Wolle gefärbte Nazis. Der Geist blieb bis heute erhalten.

Heinz-Christian Strache trieb als junger Mann Wehrsportspielchen mit amtsbekannten Neonazis. Er ist kein Nationalsozialist im engen Sinn, aber noch 2004 betrauerte er mit rechtsextremen Burschenschaftlern am Heldenplatz den Untergang des Dritten Reiches. Jetzt hätte er das wieder tun sollen - weil ihm seine rechtsextreme Basis seinen Israel-Besuch übelnahm(!), zuckte er aber im letzten Augenblick zurück.

Aber in diesem Zusammenhang ist nicht einmal das Führungspersonal so wichtig. Entscheidend ist, dass die Funktionäre der FPÖ in regelmäßigen Abständen mit NS-Nostalgien, NS-Verharmlosungen und anderen konkludenten Handlungen auffallen. Das jüngste Beispiel ist die Weigerung der Amstettner FPÖ, für die Aberkennung der Ehrenbürgerschaft Hitlers zu stimmen. Bei der Gelegenheit kam heraus, welches Geschichtsbild die FPÖ-Stadträtin Brigitte Kashofer hat: "Noch heute werden die Kriegsverlierer pausenlos zu einseitigem Schuldbekenntnis aufgefordert, während in Vergessenheit gerät, dass England den Krieg begonnen hat."

Das ist im Grunde ein Fall für das Verbotsgesetz. Und solche wie Frau Kashofer gibt es in der FPÖ Tausende, wenn nicht Zehntausende in Österreich. Mittlere Funktionäre mittleren Alters, die immer wieder einschlägig auffällig werden. Die Zeitungsarchive sind voll davon.

Die heutige FPÖ ist eine Partei der Protestwähler (meist aus der Unterschicht) mit einem Kern von Honoratioren-Funktionären, die den Nationalsozialismus ganz gut finden. Sie wissen um die monströsen Verbrechen, aber sie wollen es letztlich nicht wahrhaben. Auch die jüngeren nicht. Sie sind unbelehrbar.

Die fundamentale Krise der österreichischen Demokratie ist, dass diese FPÖ immer wieder zu beachtlicher Stärke anwächst. Ihre Wähler wissen nichts vom NS-Hintergrund, bzw. wollen nichts davon wissen. Und immer noch schließen namhafte Politiker von SPÖ und ÖVP eine Koalition mit dieser FPÖ nicht absolut aus - obwohl das immer dramatisch schiefgegangen ist. Auch sie - die "Protestwähler" und die Koalitionsspieler - sind unbelehrbar. (Hans Rauscher, DER STANDARD; Printausgabe, 27./28.5.2011)

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Der Blaue Messias !

Gewisse Medien hämmern ja täglich, daß alle regierenden Politiker unfähig und korrupt sind. Wenn die Freiheit der Medien zu Paparazzitum führt und die Verantwortung der Multiplikatorwirkung ignoriert wird, wird der Staat Österreich mit seinen gewählten Politikeren in den Dreck gezogen. Wenn dann die Wut am Höhepunkt ist und das Denken im Bauch (oder noch weiter unten) stattfindet, dann ist die Zeit reif für den "Blauen Messias". Nach vorgezogenen Wahlen wird unter den Klängen der Carmina Burana die neue Zeitrechnung eingeleitet. Zuerst das Chaos und dann die "Blaue Ordnung" !

Stärke der FPÖ ist das Ergebnis von Schwäche der anderen

Der momentane Höhenflug der FPÖ kommt einzig und allein von der Unfähigkeit der verbleibenden Parteien, das Thema Migration und vor allem dessen Probleme klar und deutlich anzusprechen.

Aus Angst, sofort in's rechte Eck geschoben zu werden und sicherlich auch aus Bequemlichkeit, werden die tatsächlichen und realen Ängste der Bevölkerung vor "Ausländern" einfach ignoriert.

Bis auf eine kleine Gruppe linker Idealisten, weiß heute jeder, dass es zum Teil große Missstände in der Gerechtigkeitsfrage gibt. Ein arbeitsloser Vater mit 3 Kindern hat viel mehr Geld zur Verfügung als ein durchschnittlicher Facharbeiter ohne Kinder - bei Immigranten ist das subjektiv auffallender.

Solange sich die Großen nicht trauen, diese Probleme zu erkennen, wi

....weil der Großteil unserer gewählten...

...Volksvertreter korrupte dü**liche Gierhansln sind (wie viele MRD alleine 2000-2010 versenkt/in eigene Taschen wander lassen?) und Propaganda gegen Bauernoper "Ausländer" treiben oder noch nicht genug, ist es logisch die FPÖ zu wählen?

Nein, nein und nochmal nein!

Weil es ist Selbsthass (gegen die eigene Person), der bei Menschen mit Angst (vor Fremden, oder dass Fremde das Allgemeine/Eigene berauben) auf andere gespiegelt wird, also kranker/fehlgeleiteter Narzissmus!

Wenn ich die Wahl habe zwischen zwei schlechten, unbefriedigenden Alternativen, such ich mir eine dritte Möglichkeit, von der ich mit Sicherheit weiss, dass sie noch schlechter, unbefriedigender, unqualifizierter und korrupter ist ? Wie blöd muss man sein, um dieses Argument zu glauben ? Es gibt halt 20 %-plus Nazis in Österreich.

Herr Rau, ich weiss was!

Heute im 6.Bezirk im Schaufenster gesehen: Ein Gartenzwerg mit erhobener Hand zum H...gruss...nein, die Tastatur verweigert den Dienst dieses...dieses Wort zu tippen.
Allerdings müssen Sie ausblenden, dass daneben auch Zwerge mit Stinkefinger und ähnlich humoresken Gesten standen. Aber mit (Ausblenden dürften Sie kein Problem haben).

Wehret den Anfängen. Deshalb ist es mir ein Anliegen diese Mitteilung jemandem zu machen, der bekannt ist für das mutige Anpacken der brennenden Themen der Zeit, jemandem, dessen schier endloser Horizont reicht von Nazis (ehemalig und kontemporär) über Schüssel bis hin zu Grasser.

Schon lange keinen so treffenden artikel von rauscher gelesen !

Dieser hohe anteil (27% !!!) der protestwähler ist leider unzurechnungsfähig, oder hat im geschichtsunterricht nicht aufgepasst.

Eine vernünftige alternative zur kapitalisten-interessen-schutz-partei ÖVP und der nach rechts gerückten substanzlos gewordenen SPÖ wären die GRÜNEN.

Aber dafür sind die protestwähler leider zu dumm.

Sie vertrauen lieber auf die parolen der populistischen "blau-braunen schutzpatrone" des "kleinen mannes" !

Das wird eine menge roter balken geben, ändert aber nichts an den traurigen fakten.

Die treiben uns dafür in einen Ökö-Marxismus

mit Quotenregelungen, ungezügelter Zuwanderung und Umverteilung für alle.

nicht die fpö-wutbürger-wählerInnen sind zu "dumm" für die grünen, sondern die grünen zu intellektuell, zu abgehoben für die "kleinen leute". diese sind auch nicht ihr politisches subjekt. die grünen sind eine linksbürgerliche klientelpartei. wieso sollte jemand aus den unteren schichten so jemanden wählen? sozialpolitik wird bei den grünen leider noch immer an 2. oder 3. stelle gereiht.

Ihre kritik ist sicher teilweise berechtigt. Dass die Grünen sich um die unteren schichten nicht kümmern, bedarf der präzisierung. Die unterste schicht im lande, sind zweifellos die immigranten und asylanten, mit denen oft sehr brutal und umbarmherzig umgegangen wird (kinder vor abschiebung in gefängnissen....)
Gegen diese ärmsten unter uns, betreibt die FPÖ, mit erfolg, wie man sieht, eine hetz und hasspropaganda (Islam, strache mit kreuz !!! ) und macht sie verantwortlich für den untergang des abendlandes und alles üble an dem die unterschicht leidet überhaupt. Dass hier menschenrechte gewahrt bleiben, darum kümmern sich die GRÜNEN sehr wohl, neben CARITAS und frau BOCK.
Fortsetzung folgt.

Den GRÜNEN, als kleine partei, stehen auch nicht die finanziellen mittel zur verfügung groß propaganda zu machen. Davon abgesehen ist das auch nicht ihr stil, das mag sie abgehoben erscheinen lassen, ich finde das eher sympathisch !
Schuld daran, dass es vielen aus der unterschicht heute schlechter geht, als vor dem EU-beitritt, sind nicht die immigranten, sondern die neoliberale globalisierungspolitik der EU (Jean ziegler: Raubtierkapitalismus ).
Ich beharre darauf, dass jene 27 % aus der unterschicht DUMM sind, aus folgendem grund :
Wer jetzt noch nicht weiß, dass die FPÖ braunes gedankengut pflegt und nur deshalb als schutzpatron des "kleinen mannes" auftritt, um an die macht zu kommen, dem mangelt es sichtlich an intelligenz.
Forts

Man kann von ÖVP, SPÖ und Grünen halten was man will. Für eine Wahl einer dieser Parteien muss man sich allerdings nicht schämen, während man sich bei der FPÖ lieber ganz tief im Sand vergräbt.

"Dieser hohe anteil (27% !!!) der protestwähler ist leider unzurechnungsfähig..."

Die Mutter allen Irrtums.
Die Leute haben-neben diversen handfesten Gründen- die erhobenen Zeigefinger der ewig Rückwärtsgewandten wie Rau satt.

Prägnant auf den Punkt gebracht!

Hervorragender Artikel wie man es leider viel zu selten liest! Ich würd sogar noch einen Schritt weitergehen und das vorhandensein menschlicher Intelligenz in Frage stellen wenn solche Menschen realitätsverweigernd, gehirngewäscht gedankenlose Hetze und Propagande betreiben aus tiefer meist übernommener frustrierter Emotion heraus und dem eigentlichen Unvermögen produktive, gerechter, sozialer Interaktion. Die Gesellschaft hat ein moralisches Problem dessen Wurzeln ich in einer viel zu tiefen Egozentrik sehe. Viel beanspruchen gottähnlichen Status, das Gemeinschaftliche ist verloren gegangen. Nächstenliebe ist reduziert auf entweder bist du mit mir oder gegen mich. Die Durchbrechung dieser geistigen Schranken wünsch ich mir als Lösung.

Und das alles lesen Sie aus diesem Artikel?

Partei der Protestwähler

sehe ich anders rum. nach knittelfeld haben viele der 30% f-stammwähler aus protest nicht f gewählt.

Gpassig

Wir haben soviele Protestwähler.

Im Grätzel wird gebaut - und sofort gibt es Protest -> zu hoch / zu nieder / zu viele oder zu wenig Parkplätze (Garagen)

Ein Fußballverein verliert - und schon werden die Barrikaden gestürmt.

Eine Gebietskörperschaft (beliebig welche) gestaltet einen Platz, eine Gasse, Park, etc. - und schon wird protestiert, weil es oder doch nicht gemacht wird.

Unzufriedenheit ist höchst aktuell. Wir erwarten uns, dass bei allen Dingen des Lebens unsere, vor allem UNSERE, Wünsche berücksichtigt werden. Die des Nachbarn sind uninteressant. Und dabei gibt es entweder/oder Unzufriedene. Und wenn dann Schreier dumme Sprüche von sich geben, gibt es natürlich UNZUFRIEDENE, die die Protest-Heimat gefunden haben...

Es gibt zum Glück einen breiten Konsens (bis auf die F) was den Nationalsozialismus angeht.

Leider gibt es aber noch eine andere Partei die einer faschistischen Diktatur immer noch nicht abgeschworen hat.

Die ÖVP hat es bis heute noch nicht geschafft sich vom Austrofaschismus zu distanzieren bzw. wird dem Faschismus sogar offen gehuldigt.

Danke für ihren brillanten beitrag !

Gäbe es nicht auch menschen wie sie, es wäre zum verzweifeln.

......."Es gibt zum Glück einen breiten Konsens (bis auf die F) was den Nationalsozialismus angeht. "....

Wie breit ist noch dieser antifaschistische konsens, wenn fast 1/3 der wähler blau-braun wählt, und ein teil der schwarzen dem autoritärem austrofaschismus nachtrauert ???

Korrektur : dem autoritären

Dieser breite Konsens wurde als erstes vom Populisten Kreisky gebrochen!

Er war es der gezihelt Wiesenthal verunglimpfte, er war das als erstes (und einziger) mit ehemaligen SS-Mitgliedern koalierte, er war es der als erstes Außenpolitisch die Israelis/Amerikaner agriff. (also die Feinde eines jeden NS-Ewig-Gestrigen)

Kreisky hat auch immer die Opfer-These vertreten jegliche Vergangenheitsaufarbeitung vermieden hat

Es ist vor allem auch seine Schuld, dass ein Haider im Gegensatz zu Deutschland so aufhausen konnte, weil er hat ihn in jeder Beziehung (auch bei den Schulden) den Populistischen Weg geebnet.

Das österreichische Elend

Wenn schon die Grünen in ihrer wahnhaften Zuwanderungseuphorie samt intellektuell lächerlicher Islamverharmlosung verharren wollen, die Roten ihren Emanzenwahn nicht loslassen und die Probleme der islamischen Zuwanderung von ungebildeten Integrationsverweigerern und Parallelgesellschaftern nicht sehen wollen, die Schwarzen zu feige für klare Worte in diesen Fragen sind (sie könnten damit ja auch die katholische Kirche und deren Anmaßung treffen),

und ein Geert Wilders in Österreich nicht in Sicht ist, nicht einmal eine nationalkonservative Partei wie die Schweizer SVP,

dann bleibt all denen, die Probleme so oder ähnlich sehen wie oben genannt, nichts Anderes übrig als zu Hause zu bleiben oder halt den Strache zu wählen. Anders kommen die

Nur eine Partei?

Jobbik? NPD? BNP? LDPR? Front National? Lega Nord? Kansallissosialistinen työväenpuolue?

Die Lega Nord, die "Padanien" praktisch in jenen Grenzen errichten möchte, die Hitler-Deutschland nach dem ersten Sturz Mussolinis durch Einmarsch erzwungen hat, ist sogar in Regierungsverantwortung...

Der Nationalstaat ist böse

Sieht man in der EU und den Globalisierungsdiskussionen, Nationalismen sind immer die bösen. Eine Partei die sich national positioniert, muss böse sein, es geht garnicht anders, oder?

Ich behaupte, das Problem ist dass es kein positives Bild für Nationalität gibt. Darum greift man dann auf alte Bilder zurück, die sind auch böse, aber das ist eh schon wurscht, es gibt ohnehin nix zu verlieren.

Eine Partei die sich national positioniert,

ist dem Wesen nach inhuman, oder, wenn sie so wollen: Der Feind jeder humanen Gesellschaft.

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