Ausstieg aus Atomkraft

"Wir wollen nicht lehrmeisterhaft sein"

27. Mai 2011, 18:29

Der Atomausstieg in Deutschland müsse in sozialem Frieden erfolgen, sagt Ex-Umweltminister Klaus Töpfer

Standard: Sie leiten die von Bundeskanzlerin Angela Merkel eingesetzte Ethikkommission und legen am Wochenende ihre Empfehlung zum Atomausstieg vor. Was waren Ihre Überlegungen?

Töpfer: Es geht nicht nur einfach um einen Atomausstieg. Dieser Schritt muss so gestaltet werden, dass sozialer Friede gewährleistet ist, der Strom darüberhinaus bezahlbar bleibt und Deutschland auch noch seine Klimaziele erreichen kann. In Deutschland denkt man viel zu häufig nur an die Angebotsseite der Energie, weniger an die Energieeffizienz. Die Produzenten von Windenergie etwa sind außerordentlich gut aufgestellt und exportieren gegenwärtig zehn Prozent ihrer Produktion. Eine Verbreiterung unserer Versorgungsmöglichkeiten macht uns natürlich auch weniger abhängig. Da muss man einfach die Fakten sehen, das hat nichts mit "German Angst" zu tun.

Standard: Aber kein anderes Land der Welt hat auf die AKW-Katastrophe im japanischen Fukushima so massiv reagiert wie Deutschland. Sofort wurden sieben Alt-AKWs vom Netz genommen. Warum ist das Misstrauen gegenüber Atomkraft in Deutschland so groß?

Töpfer: Es gab in Deutschland schon seit der Katastrophe von Tschernobyl einen gesellschaftlichen Konsens. Man will - im Gegensatz zu anderen Ländern wie Japan - raus aus der Kernkraft, dies ist eine Energieform, auf die man verzichten will. Kernkraft wird in Deutschland ja auch als eine Brückentechnologie bezeichnet. Die Diskussion bezieht sich nur auf den Aspekt: Wie schnell soll es gehen?

Standard: Es ist jetzt offenbar viel rascher möglich, als die Regierung noch im Herbst dachte. Da hat sie den Atomausstieg ja noch nach hinten verschoben.

Töpfer: Seit Tschernobyl wurde intensiv an der Entwicklung erneuerbarer Energien gearbeitet. Heute stammen nur noch 22 Prozent des Stroms aus Atomkraftwerken, zehn Prozent aus erneuerbaren Energien, vor allem aus Sonne und Wind. Die Möglichkeit, aus der Kernenergie auszusteigen, ist also deutlich besser als anderswo. Diese Chance will Deutschland jetzt auch nützen

Standard: Die Kommission besteht aus 17 Mitgliedern, darunter sind Wissenschafter, Gewerkschafter und Kirchenvertreter. Entscheiden diese am Wochenende über Deutschlands atomare Zukunft?

Töpfer: Wir sind weit davon entfernt zu glauben, dass wir etwas entscheiden können. Wir können bestenfalls Empfehlungen geben - auch und gerade bezüglich der ethischen Dimension. Das werden wir tun, und dann wird die Bundesregierung einen Vorschlag machen, und letztendlich entscheidet der deutsche Bundestag.

Standard: Soll Deutschland weltweit beim Atomausstieg eine Vorreiterrolle übernehmen?

Töpfer: Das ist keine Frage der Vorreiterrolle. Es geht um die Nutzung gegebener Möglichkeiten. Wir wollen nicht lehrmeisterhaft sein, sondern wir wollen es in Verantwortung gegenüber der eigenen Bevölkerung tun - und im Bewusstsein, dass wir in Europa und in der Welt integriert sind. (Birgit Baumann, DER STANDARD, Printausgabe, 28./29. Mai 2011)

Zur Person

Klaus Töpfer (72) war von 1987 bis 1994 deutscher Umweltminister, von 1998 bis 2006 Exekutivdirektor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (Unep) in Nairobi. Seit 2009 ist er Direktor des Instituts für Klimawandel, Erdsystem und Nachhaltigkeit in Potsdam.

Kommentar posten
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akw nein danke
30
29.5.2011, 11:54
weg mit sakozy!

meine bewunderung gilt der merkel regierung! einem sarkozy käme so etwas nie in den sinn. der wittert jetzt -ohne siemens- geschäftliche morgenluft!

Hans-Peter Dollhopf
00
29.5.2011, 11:53
Wo bleibt diesmal der sonst praktizierte Stresstest?

Phillip Decker
25
28.5.2011, 12:42
Irgendwie...

haben die Deutschen recht mit ihrem Ausstieg aus der Kernenergie. Dann könnte endlich der ungeheure Waren-Exportüberschuss durch durch einen entsprechenden Energie- Import-Überschuss ausgeglichen werden, und die Franzosen könnten dann noch 10 grenznahe AKW´s bauen und die Deutschen mit Strom versorgen...wer könnte es ihnen übel nehmen,und die restlichen 7 bauen dann die Polen
-bleibt alles in der EU, wir sind ja eine große Familie....

nobody00
 
45
28.5.2011, 09:59
Alles eine Lüge!

Es ist eine Lüge, dass Öko-strom teurer ist als Atomstrom!
Im gegenteil!
Langfristig gesehen, wird Strom billiger.
Nur Kurzfristig wird Strom teurer weil in die Netze investiert werden muss. Wobei hier ohnehin investiert werden muss, weil unser Netz in den letzten Jahrzehnten fast kaputt gespart wurde, weil kein Betreiber Geld dafür ausgeben wollte.

Sämtliche "Experten" die man in den Medien sieht, sind von der Atomlobby bezahlt.

Dazu wird durch, die erneuerbare Energie die Wirtschaft angetrieben, Arbeitsplätze geschaffen und wir werden Unabhängier von Importen!

Die einzigen Verlierer dieser notwendigen Entwicklung, sind die großen Energiekonzerne, und deshalb läuft die Propagandamaschine auf Hochtouren!

gigngogn
 
12
31.5.2011, 00:02
Genau, alles gelogen, so z.B. das die kWh 'erneuerbarer' Strom in D bereits 13€Cent an Betriebssubvention kostet, Tendenz steigend.

Das 2010 bereits 67Mrd€(!) nur als PV Betreibssubvention verbrannt wurden, das der Strompreis nach oben rauscht (den Merrit Order Effekt scheints nur im Ökomärchenbuch zu geben), das die Importe nach D steigen, das das Netz am Ende der Fahnenstange angelangt ist was Stabilität, Auslastung durch unerwünschte Spitzen und Importe betrifft, das schlicht nicht mehr genug Kraftwerkskapazität da ist um den *wachsenden* Verbrauch zu decken (so ab 2013), ganz zu schweigen vom Abdecken eines eventuell größeren Ausfalls, das beim Ausbau der Kohlekraftwerke D mittlerweile nach China weltweit an 2ter Stelle steht, das man bei Gaskraftwerken ans Limit des möglichen Imports steht.

Alles nur Lüge :)
Steckt nur weiter den Kopf in den Sand.

andreas wreiser
 
11
29.5.2011, 15:11
Atomstrom ist eigentlich Unbezahlbar

müßten die unterversicherten Meiler nach Marktkonditionen absichert werden,
würde der Preis für eine Kilowattstunde Atomstrom um 0,14 bis 67,30 Euro steigen.

6,1 Billionen Euro,
20-fachen des Bundeshaushalts,
kostet ein SuperGau in Deutschland,
den Steuerzahler,
2,5 Millarden Euro den Stromkonzernen.

Nur durch massive Subventionen durch die Steuerzahler,
kommt deren niedriger Strompreis der Atomkonzerne und deren riesigen Gewinne zustande.

Ja bitte
21
30.5.2011, 01:41
Teil2

Damit können sie so eine Kernschmelze wie in Fukushima haben ohne, dass Sie Land effektiv verseuchen.
passiv heist übrigens, dass der Wasserstoff mit einem Platinkatalysator flammlos oxidiert wird. - ohne, dass das Ding Strom braucht. -deshalb passiv.
http://www.kernenergie.de/kernenerg... ushima.pdf

Ja bitte
13
30.5.2011, 01:37
Was ist eigentlich für all die bezahlten EE

Lobbyisten und Ökostrom Mafiosie wie Sie ein SuperGAU??
Eine Kernschmelze in Deutschland so wie jetzt in den Fukushima Blöcken würde im wesentlichen die Abschreibung des kaputten AKW-Blocks kosten.
Vieleicht kommen noch die Zimmer/Taggeld kosten für die Vorsorgliche aber letztlich unbegründete Evakuierung eines 10km Radius dazu. - Kann nicht mehr als 1Milliarde Konzernintern +100Millionen für den "Zivilschutz" kosten.
Deutsche AKW haben nämlich im Vergleich zu Fukushima ein paar Sicherheitsfeatures mehr: (passive) H2-Rekombinatoren damit hätte es nie die Knallgasexplosionen gegeben! Und effektive "Vor"-filter fürs Damfdruckablassen die ~95% der Radioaktivität zurückhalten.

nix fir unguad
21
29.5.2011, 17:59
Haben Sie beim Frühschoppen etwas zu tief in das Gläschen geschaut?

Einen solch übertriebenen Unsinn hat nicht einmal der Hr. Mittermayer verzapft.

andreas wreiser
 
01
29.5.2011, 18:50
Sind sie ein Lobbiest der Atommafia?

guckst auf NTV:

http://www.n-tv.de/politik/K... 08721.html

chelene chirsch
16
29.5.2011, 10:00
langfristig gesehen...

... wird der euro zerbrechen, die EU zerfallen, die versorgungslage mit allem möglichen bestenfalls unzureichend sein und die erderwärmung sich auch langfristig als ente erweisen.

das einzige, was ganz sicher fix bleibt, ist ein kalter winter. wenn die russen das gas abdrehen oder der strom ausfällt, wird der "back to the roots"-trip der ökos endlich ganz realistisch werden: frieren wie die bauern anfang des vorletzten jahrhunderts...

die zusammenstellung der politisch relevanten gremien spricht doch bände: kirche und lebensfremde theoretiker überstimmen dort techniker. da wird mit zukünftigen technologien fix geplant, mit phantasiezahlen geschoben und mit anderer leute geld "gespielt".

gigngogn
 
11
31.5.2011, 00:07
Ich bitte sie, das ist doch *perfekt*! Was besseres kann man sich als Gegner der Ökos doch gar nicht wünschen!

Deutschland wird entweder ganz ganz massiv auf die Schnauze fallen, wenn sie an ihrem Ökoblabla festhalten und die Physik weiter negieren, oder aber die Deutschen werden nach China zur Nr 2 bei der weltweiten Stromerzeugung aus Kohle. Mit allen Nachteilen wie Luftverschmutzung, Zusatzkosten durch CO2 Zertifikate und teurem Strom.

In 2-5 Jahren können wir mit den Finger auf D zeigen und uns schieflachen während wir uns auf die Schenkel klopfen. Das ist dann das Ende der wahnwitzigen Ökophantasien und es wird rechtzeitig sein, um den Rest Europas vor den Folgen dieser Politik der Schwachköpfe zu bewahren.

Also ich habe mit Freunden erstmal ein paar Flaschen aufgemacht als ich das gehört habe :)

Andreas Mittermayer
51
29.5.2011, 13:01
Da die Versorgung mit Hilfe von 100% erneuerbaren Energieträgern für die Zukunft

.
technisch kein Problem darstellt, ist deren Umsetzung eine reine politische Entscheidung.

Und gerade bei der Entscheidung um die Energieversorgung spielen ethische Überlegungen auch eine große Rolle.

Deshalb ist es völlig legitim (wenn nicht sogar deren Pflicht!) etwa von Kirchenvertretern, Gewerkschaftern etc. sich aktiv in die Diskussion um die zukünftige Energieversorgung einzubringen.

Ihr Vorwurf, es handle sich dabei um "lebensfremde Theoretiker" beweist höchstens Ihr Defizit im Verstehen der Zusammenhänge.

Uniquin
 
43
28.5.2011, 12:11

ökostrom ist teurer weil pro investiertem euro weniger kwh heraus kommen. ein netz ist weniger aufwendig und teuer, wenn man bei der auslegung mit fixen randbedingungen planen kann - also mit genau dem was erneuerbare nicht bieten.
westeuropa incl deutschland lebtr von billigem strom. den großen stromverbrauchenden konzernen kann man keine höheren stromkosten umhängen, dann sind sie sammt zugehörigen zigtausend arbeitsplätzen weg. da wrden ein paar private konsumenten bald recht traurig aus der wäsche schaun

rapidfans.at
00
29.5.2011, 10:49
richtig teuer wird es aber erst, wenn man aussteigt, oder?

denn wenn die kraftwerke nicht mehr produzieren können, sondern nun mit milliarden abgebaut werden müssen - dann benötigt man ja die kohle von irgendwo. die rücklagen, die für den rückbau beiseitegelegt wurden decken die kosten leider nicht ab. somit wird man das dann dem staat umhängen. der wird das dann auf die verbraucher schieben.
jetzt kommts halt raus, dass atomkraft in summe unglaublich teuer ist. die lösung der atomindustrie: die kraftwerke möglichst lange laufen lassen. nach mir die sintflut.

Chris Quast
11
28.5.2011, 16:42

wie schätzt du den kostenanteil von strom ein ? 1,2,5, oder gar 10%. und da sollen steigerungen von 1,2,5 oder gar 10% ein problem sein !!

geh ich bitt dich !! kannst deinen großmüttern erzählen, wenn du noch welche hast.

Uniquin
 
11
28.5.2011, 17:46

hat nichts mit schätzen zu tun. konventionell läßt sich strom um 2 cent pro kwh herstellen, wind wird mit 9 cent vergütet, solar mit 20 bis 30 cent. die von dir genanten prozentsätze wären in der tat kein problem sind aber leider nur derzeit unerfüllbare träume.

Chris Quast
00

im mittwochs (oder war es dienstag) handelsblatt (print), gabs einen netten artikel dazu.

wieviel der gesamtkosten die stromkosten bei gewissen industrien ausmachen. (zementindustrie hoch, maschienbau schon viel niedriger) leider weiß ich die zahlen nicht mehr.

nobody00
 
23
28.5.2011, 13:06

Ökostrom ist eben nicht teurer. Konventioneller Strom ist nur so günstig, weil er durch unzählige Milliarden an Steuergeld gefördert wird!

Hätten die großen Stromkonzerne und auch einige Regierungen ihre Hausaufgaben gemacht und den Netzausbau in den letzten Jahrzehnten nicht auf Eis gelegt, wäre der Umstieg kein Problem.

Große stromverbrauchende Konzerne die Arbeitsplätze abbauen aufgrund von teurem Strom sind Heuchler.

Wenn überhaupt würde ich mir eher um klein und mittelbetriebe Sorgen machen und nicht um die Großen!

Wenn sie billigen Strom wollen würde ich mich eher um die Spekulanten Sorgen machen, als um Ökostrom! Da lauert die wahre Preisfalle!

Uniquin
 
22
28.5.2011, 17:43

wenn salzgitter, vw, mondi etc um 20 % höhere stromkosten in deutschland hat als außerhalb wären sie rasch weg. die stromkosten werden sie aber nie verrechnet bekomme, weil keine deutsche regierung das durchstehen würde was solch eine werkschliesung bedeuten würde -ds hat micht heucheln genau garnichts zu tun.
eine schnuckelige gasturbine für 40mw ist locker um einen zweistelligen millionebetrag zu haben. gleiche leistung erneuerbar eine stelle mehr - ist leider so.

nobody00
 
01
30.5.2011, 09:42

konzerne zahlen für den Strom zu wenig! de facto fast gar nichts...viel mehr kosten verursachen die Arbeitnehmer....
Die Industrie könnte ohne weiteres von heute auf morgen, durch Austausch alter durch neue Technik, ein viertel des Energieverbrauchs einsparen. Macht aber keiner weil Strom zu billig ist!

Uniquin...dann ne schnuckelige Gasturbine alleine läuft aber nicht, die muss auch durch irgendetwas angetrieben werden!

Ein Kohlekraftwerk ist auch sehr günstig in der Errichtung, nur muss ich dazu laufend Kohle abbaun...

Das kostet weit mehr, als die Wartung einiger Windräder...
Von der Verunstaltung und unbrauchbarmachung riesiger Flächen ganz zu schweigen!

3dGeist
85
27.5.2011, 22:10
Abschreckendes Beispiel

"Die Kommission besteht aus 17 Mitgliedern, darunter sind Wissenschafter, Gewerkschafter und Kirchenvertreter."
Was hat die Kirche da verloren, oder die Gewerkschafter?
Anstatt das Thema sachlich zu diskutieren kommen die Berufsmoralapostel zusammen und sagen uns wie böse die Atomkraft ist.
Als Ersatz dienen Braunkohlekraftwerke. Diese sind wesentlich Umweltschädlicher.
Die Erneuerbaren sind nicht grundlastfähig und nur durch massive Subvention wirtschaftlich.
Deutschland wird der Welt mit dem Atomausstieg zeigen wie teuer und Umweltschädigend das ist und weltweit als Abschreckungsbeispiel dienen.
Vielleicht kehrt dann wieder mehr Sachverstand in die Politik ein.

chi
 
32
28.5.2011, 09:47

erneuerbare brauchen nicht subventionen weil sie so teuer sind sondern weil die bisherige stromerzeugung hoch subventioniert ist (kohle und atomenergie in de ca. 400 mia €). dieses geld wäre bei den ee wesentlich besser aufgehoben. auch erneuerbare erreichen sehr hohe volllaststunden siehe biogas.

3dGeist
22
28.5.2011, 12:47

Die 400 Milliarden € glaube ich ihnen nicht. Bitte Quellen.
Die Kohle ist nur dann teuer wenn sie in Deutschland im Untertagebau gewonnen wird, die Australische Kohle ist sehr günstig.
Biogas kann nur sehr begrenzt hergestellt werden und konkuriert um Anbauflächen mit Lebensmitteln.
Und zeigen sie mir bitte wie sie an einem windstillen Wintertag mit EE die Stromerzeugung gewährleisten.
Pumpspeicherkraftwerke sind üblicherweise nur darauf ausgelegt Tagesspritzen abzudecken.

Uniquin
 
13
28.5.2011, 17:48

die auslegung der pumpspeicherkraftwärke wäre nicht das problem, die auslegung der alpen sind das problem - viel zu wenig und viel zu niedrig.

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