Budgetexperte

Mehr Einnahmen lassen Defizit rascher schmelzen

Andreas Schnauder und Günther Oswald, 27. Mai 2011, 17:45

Budgetexperte Lehner erwartet, dass die Steuern zu Jahresende um 800 Millionen Euro über Plan liegen

Wegen der guten Wirtschaftslage sprudeln die Steuereinnahmen wieder. Der Budgetexperte Gerhard Lehner geht davon aus, dass sie am Ende des Jahres um 800 Millionen Euro über Plan liegen werden.

***

Wien - Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP) ist ihrem Ziel einer Steuerentlastung ein kleines Stück nähergerückt. Ein über den Erwartungen liegendes Steueraufkommen in den ersten vier Monaten 2011 dürfte das Defizit heuer und wohl auch in den kommenden Jahren unter die Planwerte drücken. Im ersten Trimester sind die Einnahmen um sieben Prozent gestiegen, im Voranschlag für das Gesamtjahr wurde ein Plus von fünf Prozent unterstellt.

Vor allem die Körperschaftsteuer läuft wegen der guten Gewinnsituation der Unternehmen besser als erwartet. Budgetexperte Gerhard Lehner rechnet allein bei diesem Posten mit einem Mehraufkommen von 400 Millionen Euro im Gesamtjahr. 

Ausreißer Tabaksteuer

Der hohe Zuwachs bei der Lohnsteuer ist zwar statistisch etwas verzerrt, da im Vorjahr große Eingänge erst im Mai verbucht werden konnten, doch über den Planwerten liegt sie allemal. Dazu kommen noch einige positive Abweichungen wie beispielsweise bei der motorbezogenen Versicherungssteuer. Einen statistischen Ausrutscher nach unten gibt es hingegen bei der Tabaksteuer, wobei hier im Mai ebenfalls eine Glättung erfolgen sollte.

Unter dem Strich erwartet Lehner um 700 bis 800 Millionen höhere Einnahmen als budgetiert. Im Finanzministerium will man keine Euphorie aufkommen lassen. Der Budgetfahrplan sei "gut abgesichert", meint Sprecher Harald Waiglein.

Konjunktur zieht an

Klar ist jedenfalls, dass die Konjunktur weit besser läuft als zum Zeitpunkt der Budgeterstellung angenommen. Zuletzt hat die OECD die Wachstumsprognose auf 2,9 Prozent angehoben. Lehner rechnet nun damit, dass auch die Ausgabenseite gut läuft, weil die positive Beschäftigungslage die Pensionsversicherung entlastet und den Bundeszuschuss reduziert. Statt des geplanten Defizits von 3,9 Prozent könnte Fekter heuer bei einem Abgang von 3,5 Prozent zu liegen kommen, erläutert Lehner.

Mit Argusaugen beobachtet wird die gute Entwicklung der Steuereinnahmen in roten Gewerkschaftskreisen. Wünsche für die nächste Steuerreform gibt es - Stichwort Vermögens- und Erbschaftssteuern - bereits, auf einen Zeitpunkt hat man sich aber noch nicht geeinigt. Eine Festlegung auf das Jahr 2013 könnte aber noch heuer folgen, ist zu hören, was die SPÖ-Regierungsmannschaft wiederum unter einen gewissen Zugzwang bringen würde.

Dort will man derzeit jedenfalls noch überhaupt nicht von Entlastung reden, im Gegenteil: "Wir haben noch lange keinen Spielraum für große Geschenke", sagt Finanzstaatssekretär Andreas Schieder zum STANDARD. "Die Stabilität der Finanzen ist unsere vorrangige Aufgabe." 

Fekter will Vereinfachungen

Wobei auch immer die Frage ist, was man unter Entlastung versteht. Für eine Strukturreform des Steuersystems plädiert Schieder nämlich sehr wohl. Also Faktor Arbeit entlasten, dafür Kapital belasten. Unterm Strich wäre das aber nach SP-Plänen aufkommensneutral. Wann man offiziell die Diskussion darüber startet, will Schieder erst mit der ÖVP besprechen. Die nächste Gelegenheit böte sich bereits kommenden Montag bei einer Regierungsklausur am Semmering.

Gegen Strukturreformen hätte nämlich auch Fekter nichts, allerdings meint sie damit etwas anderes. Höhere Steuern auf Kapital lehnt sie entschieden ab. Ansonsten blieb die Ministerin bisher ähnlich vage wie die SPÖ. Die nächste Reform solle Vereinfachungen bringen, Familien müssten profitieren. Der Zeitpunkt für das Inkrafttreten blieb offen. Wahrscheinlich komme sie erst nach der Wahl 2013, lieber wäre Fekter schon davor. (Andreas Schnauder und Günther Oswald, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28./29.5.2011)

Kommentar posten
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eign_artig
00
14.6.2011, 18:47
Griechenland ist erst der Anfang

und ein Ablenkungsmanöver.

Alle, die glauben, dass Griechenland so weit weg wäre, empfehle ich folgenden Beitrag der Wissensmanufaktur.

Film ca. 10 min:
http://www.youtube.com/watch?v=G... re=related

Ursache der gegenwärtigen Krise, die zu einem Systemzusammenbruch führen wird, ist das Geldsystem.

Warum wird jetzt so viel Geld nach Griechenland gepumpt bzw. weltweit gedruck (ohne Gegenwert) ? Weil ein finanzieller Zusammenbruch Griechenlands vor allem Banken in Zentraleuropa treffen würde. Deren Forderungen müssten dann wertberichtigt (=abgeschrieben) und somit gelöscht werden.

Kurz gesagt:
Die Schnapp-Atmung des Geldsystems setzt gerade ein, der Patient lebt noch, aber nicht mehr lange.

eign_artig
00
14.6.2011, 18:35
Griechenland ist erst der a

drnknbois
 
00
28.5.2011, 20:22
Oje, schade, keine Geschenke

Was hättens uns denn geschenkt, Herr Schieder, von unserem Geld?

Woodpecker
10
28.5.2011, 15:59
Was wäre, wenn ...

... der "Staat", also WIR, mal beschließen würden, keine Zinsen für Staatsschulden zu bezahlen, sondern nur mehr Kapital zurückzuzahlen? Also ein Gesetz "Nullzinsen für Staatsanleihen"?
Klar könnten wir dann keine neuen bekommen, aber alleine die Einsparung dadurch würde das - zusammen mit ohnehin gebotener Sparsamkeit - überflüssig machen.
Ich bin für ein Ende der Zins- und Zinseszinswirtschaft.

... Warum denkt kein Politiker daran? Weil jeder daran (an den Zinsen, Zinseszinsen, Bankprovisionen usw.) knabbert und knuspert ...

Dr. Lari and Mr. Fari
 
01
28.5.2011, 17:02
Dann würde der Staat, also wir, wegen Vertragsbruch geklagt

und würden wird das Verfahren 100 pro verlieren.
Übrigens würden wir selbst gegen uns klagen, weil die österr. Staats- und Landesanleihen etc. zu einem großen, wahrscheinlich überwiegenden Teil im Inland gekauft werden.

Dein Gedanke ist also der eine Hohlkopfes.

Woodpecker
10
28.5.2011, 22:42
"War I Se und Se warn I, Se dann pfeifert I auf mi"

Wer ist "WIR" hier WIRklich? Ja, wir müßten uns selbst klagen wegen Gehirnwäsche und langjähriger Indoktrination: es klingt ja so logisch, daß für das "Verborgen" von Geld Zinsen zu zahlen sind. Trotzdem ist es wert, das zu hinterfragen. Einfach, weil das Finanzsystem schon viel zu lange Geld nur aus Schulden und den Zinsen und Zinseszinsen dafür erschaffen hat - mittlerweile ist die Summe der Schulden bereits ein mehrfaches der Summe der dem gegenüberstehenden Realwerte ... damit das einigermaßen ausgeglichen werden kann, entsteht Inflation. Die wiederum erhöht die Zinsen auf Anleihen, trotz aller Sparpakete kann nie und nimmer das Kapital zurückgezahlt werden, am Ende steht immer die "Wertberichtigung". Bis dahin geht es den Banken gut.

Dr. Lari and Mr. Fari
 
00
29.5.2011, 10:49
naja, daß Spechte

ihr Hirn durch das ewige Geklopfe zermerschern wie ein Boxer, ist eh bekannt. Das brauchst net no so klar darlegen, das wissmer eh schon.

re flexion
01
29.5.2011, 09:33
Es sagt ja niemand

dass für das Verborgen von Geld Zinsen zu zahlen sind. Sie können ihr Geld gerne auch ohne Zinsen herborgen bzw. sich Geld ohne Zinsen ausleihen soferne sie wem finden der ihnen eines borgt.

Nur wenn sie sich Geld für Zinsen ausgeborgt haben, dann ist das ein Vertrag mit dem Verborger den sie nicht einseitig einfach ändern können.

Aber sie können ja gerne mit ihrer genialen Idee zum Finanzministerium kommen und denen vorschlagen, all die bösen verzinsten Kredite sofort zurückzuzahlen mit dem Geld, welches sie sich von den Zinsenlos-Verborgern ausborgen!

sociovation
01
28.5.2011, 16:26
Das liegt hauptsächlich daran, das WIR

also die begüterten Staatsbürger, die Zinsen für die Staatsanleihen nicht bezahlen, sondern kassieren.
Ach so, Sie gehören nicht zu den WIR?
Na, da haben Sie halt zu wenig gearbeitet und sind kein Leistungsträger. Müssen Sie sich halt a bissi mehr anstrengen!

Woodpecker
00
28.5.2011, 18:22
Glauben und Hoffnung

Wenn Sie die Zinsen von einigen Prozent kassieren, bleibt nach Abzug der Steuern nicht mehr als die reale Inflation übrig - also jedenfalls keine Wertsteigerung.
Schließlich ist die Geldwirtschaft auch kein Perpetuum Mobile.
Wenn Sie es dann versäumen, rechtzeitig vor der "Wertberichtigung" (vulgo Crash) die Anleihen noch zu verscherbeln, sind sie grad noch das Papier wert, wie auch (unser aller) Pensionsbeiträge, Lebensversicherungen usw..
Wenn allerdings die Bank, welche den Großteil der Anleihen zeichnen mußte, Ihnen gehört, gibt es nach dem Reset einen flüssigen Neustart. Ihnen bleiben die Realvermögen und vor allem das Wissen, welcher Politiker auf Ihren Rat über Ihre Bank noch vorher seine Schäfchen (wo) ins Trockene brachte.

f l o
 
00
28.5.2011, 15:58

ich hoffe, es kommt nicht irgendein wahnsinniger auf die idee, das geld jetzt in schädliche dinge wie wissenschaft, forschung und bildung zu investieren.

stattdessen könnte man wieder einen tunnel bauen. vorzugsweise auf einer strecke, die niemand befährt, dann wird er nicht so rasch abgenutzt.

Dr. Lari and Mr. Fari
 
00
28.5.2011, 17:03
Nachdem Eisenbahn IMMER gut ist (frag die Grünen)

ist ein neuer Eisenbahntunnel eine GROSSARTIGE investition!

Arbeiterführer Kuhaltinger
 
00
28.5.2011, 15:08
Denken Sie nicht in Kategorien wie Bildung oder Soziales

sondern denken Sie in Power Budgeting Kategorien: das Budget als Machtinstrument, als Belohnungsfüllhorn, als Versorgungsmelkkuh, aber auch Instrument des Liebesentzugs. Störend und daher so billig wie möglich zu produzieren, öffentliche Güter wie Landesverteidigung, Sicherheit, Bildung und Soziale Wärme für den Nichtparteiadel.

Luise Rache
00
28.5.2011, 14:54
soviel zu dem artikel

http://youtu.be/naAXenVmEOQ

docw
10
28.5.2011, 14:49

ich bin beeindruckt: eine verringerung der staatsschulden von derzeit 210.600.000.000€ (abgerundet) auf 209.800.000.000€. wenn das nicht wert ist, eine flasche champagner zu öffnen.

oh und übrigens
01
28.5.2011, 14:54

Schön wärs. Tatsache ist, dass der Schuldenstand steigt, sonst gäbs ja kein Defizit. Er steigt bloß nicht ganz so stark.

nie wieder
00
28.5.2011, 14:39
mehr Steuereinnahmen...

..was sagt uns dies -nichts! De nwir geben noch immer mehr Geld aus als wir einnehmen- also warum wird es medial positiv dargestellt, wenn sich an der Dyamik nicht wirklic hwas ändert???

noldman
13
28.5.2011, 13:55
Ähm was bitte ist an Schulden machen positiv?!?

Oder habe ich was falsch verstanden? Wir machen 3,5 % Schulden dieses Jahr und das soll positiv sein? Wie wärs mit endlich mal mindestens 1% Überschuss pro Jahr! Mit diesem Geld dann mal einen kleinen Teil unserer Schulden zurückzahlen.

Wir zahlen derzeit mehr Zinsen für unsere Schulden als für alle Schulen und Unis zusammen. Ich würde das als Katastrophe bezeichnen und nicht als positiv.

ocelote
10
28.5.2011, 16:18
4,5 % des BIP

... entspricht knapp 4000 Euro pro Erwerbstätigen. Ihr Vorschlag wäre also im Durchschnitt eine zusätzliche Belastung in dieser Höhe. Ausgabenseitig sind das etwa die Bildungsausgaben eines Jahres. ich finds positiv, dass trotz zu weniger Einnahmen zB Schulen und Unis nicht einfach geschlossen weden und 10.000 Lehrende vor dem nichts stehen. Oder das gesamte Bundespersonal (derzeitige Kosten etwa die Hälfte davon) entlassen werden würde und zusätzlich jegliche Arbeitsmarktleistung für die gesamte Bevölkerung eingestellt wird. Selbst Vermögenssteuern kann in dieser Höhe niemand wollen. Die rechtliche und politische Durchsetzbarkeit stell ich mir zudem schwierig vor.

Insofern find ich es sehr positiv, dass diese Schulden gemacht werden.

Dr. Lari and Mr. Fari
 
01
28.5.2011, 17:05
oh, ein schuldengeiler Sumpfbewohner!

Süß!

W.Hammerl
00
28.5.2011, 14:19

Wenn Sie keine Staatsschulden wollen, dann dürfen Sie vom Staat auch nicht verlangen, dass er alles finanziert, was das Leben angenehm macht - vom Kindergarten bis zur Altenpflege.

Dr. Lari and Mr. Fari
 
00
28.5.2011, 17:09
DES STAAT MUSS DIE LAUFENDEN AUSGABEN OHNE SCHULDEN ZU MACHEN FINANZIEREN!!

Die von Dir genannten Dinge gehören zum täglichen Bedarf und dürfen NIEMALS auf Schulden laufen!!
SEHR WOHL Schulden kann man für Investitionen in Infrastruktur (auch Schul- und Kindergartenbauten) machen, weil die ja eine Betriebsdauer von 30 oder 50 Jahren haben, und daher die Finanzierung auf eine ebensolche Zeitdauer verteilt werden kann. Nicht muß, aber kann.
Aber der Betrieb MUSS aus den laufenden (Steuer)Einnahmen bestritten werden.

re flexion
10
29.5.2011, 09:23
Definierens

einmals den "täglichen Bedarf" - und darum geht's?

Ist Gratiskindergarten ab 1-Jahr täglicher Bedarf oder erst ab 3, 5?

Ist unser Pensionssystem mit Milliardenstützung täglicher Bedarf oder würde eine Volkspension ab 65 reichen?

Ist Rund-Um-die-Uhr-Plegeheimbetreuung täglicher Bedarf oder ein Platz in einem 4-Bett-Pflegeheimzimmer?

Also sagens nicht so Pauschal dass Kindergarten und Alterspflege "täglicher Bedarf" sind der vom Staat finanziert werden muß.

Dr. Lari and Mr. Fari
 
00
29.5.2011, 10:47
Ob ab 1. oder 3. Lj ist wurscht

Es geht darum daß laufende Ausgaben durch laufende EInnahmen bestritten werden und NIEMALS durch Schulden finanziert werden dürfen.

re flexion
00
29.5.2011, 12:42
Da bin ich

bei ihnen!

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