"Mars-Maulwurf" in engerer Auswahl für künftige NASA-Missionen

28. Mai 2011, 17:55
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Vom DLR gebautes Gerät enthält einen Grazer Sensor - 2012 fällt die NASA ihre Entscheidung

Graz - Drei von 28 Vorschlägen für eine weitere Mission im Rahmen des "Discovery"-Programms der NASA sind in die engere Auswahl gekommen - einer davon nennt sich "Mars-Lander GEMS" (Geophysical Monitoring Station) und soll Struktur und Zusammensetzung des Marsinneren untersuchen. Dieser "Maulwurf" enthält einen Sensor, den Experten vom Institut für Weltraumforschung (IWF) in den vergangenen Jahren entwickelt haben. 2012 soll die Entscheidung fallen, ob die Mission durchgefüht wird, so Günter Kargl vom Grazer Institut.

Der "Maulwurf"

Die US-Raumfahrtbehörde NASA will 2016 eine Mission zum Roten Planeten starten und ist noch auf der Suche nach einem passenden Konzept. Unter den Bewerbern war auch der Mars-Lander, auf dem sich u.a. der vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) gebaute vollautomatische "Maulwurf" mit der Bezeichnung "HP3" (Heat Flow and Physical Properties Package) befindet. Dieser soll bis zu fünf Meter in den Marsboden eindringen und dort mit dem Grazer Sensor den Wassergehalt testen.

Bisher habe die Entwicklung des Sensors rund 500.000 Euro gekostet, wobei 100.000 Euro vom Land Steiermark zum Kick-off finanziert wurden. Entscheide sich die NASA 2012 für den Mars-Lander, könnte der Bau der Flugmodelle und die Feinabstimmung für die NASA-Mission eine weitere Million Euro kosten, schätzte Kargl. Im Gegenzug erhält das IWF alle Missionsdaten in Rohform noch vor allen anderen Wissenschaftern, was für die weitere Forschung und die Reputation viel wert sei.

Die Konkurrenz

Die beiden Konkurrenten des Mars-Projekts sind der "Titan Mare Explorer", eine Raumsonde, die auf einem Methansee des Saturnmonds Titan aufsetzen soll, und der "Comet Hopper", der auf einem Kometen landen und mehrfach den Standort wechseln soll, um Veränderungen des Kometen zu dokumentieren. Beide Projekte klingen spektakulärer als der marsianische Bodenwühler, sind deshalb aber auch riskanter - weshalb sich Kargl gute Chancen für das GEMS ausrechnet. Außerdem sei die NASA wegen Budgeteinsparungen gezwungen, auch vermehrt ausländische - vor allem europäische - Partner miteinzubeziehen.

Nicht geklappt hat dagegen der Einsatz des Sensors bei der Exo-Mars-Mission der Europäischen Weltraumorganisation (ESA), die 2013 starten soll. Aus Kostengründen wurden Pläne für große Teile der Mission aufgegeben, darunter auch der Einsatz des "Maulwurfs". Umso erfreulicher wäre es für Kargl, wenn der für den Mars entwickelte Sensor nun doch noch zum Einsatz käme, aber eben für die NASA. (APA/red)

  • Wird als "Maulwurf" gehandelt - ähnelt aber mehr einer irdischen Gelse, die die Haut des Mars anbohrt: Der Mars-Lander GEMS.
    foto: iwf

    Wird als "Maulwurf" gehandelt - ähnelt aber mehr einer irdischen Gelse, die die Haut des Mars anbohrt: Der Mars-Lander GEMS.

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