Zwei Opfer

Wieder Proteste in Innerer Mongolei

27. Mai 2011, 15:37

Zwei Tote bei Auseinandersetzungen um Kohleförderung

Peking - Die Innere Mongolei kommt nicht zur Ruhe: Nach teils tödlichen Streitigkeiten über die chinesische Kohleförderung in dem weiten Grasland in Nordchina demonstrierten am Freitag erneut hunderte Mongolen vor den lokalen Behörden in Zhenglanqi, wie das in den USA ansässige südmongolische Menschenrechtszentrum (SMHRIC) berichtete. Seit dem gewaltsamen Tod von zwei Mongolen Mitte Mai brechen an verschiedenen Orten der Region von Xilinhot immer wieder solche Proteste aus. Bewohner dementierten am Freitag allerdings Berichte über die angebliche Verhängung des Kriegsrechts.

"Es gibt keinen Ausnahmezustand, aber es sind viele Polizisten auf den Straßen, die Ausweise kontrollieren", sagte eine Hotelangestellte in Zhenglanqi telefonisch der Nachrichtenagentur dpa in Peking. Die Behörden wollten sich nicht äußern. "Ich weiß nichts", sagte ein Sprecher auf Anfrage. "Wir haben zu tun." Unklar war, wie viele Verletzte und Festnahmen es bei Zusammenstößen zwischen protestierenden Mongolen und der Polizei schon gegeben hat.

"Verteidigt die Rechte der Mongolen"

Mit den Protesten der Mongolen ist nach dem Aufstand der Tibeter 2008 und der muslimischen Uiguren 2009 im nordwestlichen Xinjiang ein weiterer, lange schwelender ethnischer Konflikt offen ausgebrochen. Mongolische Kritiker werfen den Chinesen die Plünderung ihrer Bodenschätze, die Zerstörung des Graslandes und Umweltverschmutzung vor. Demonstranten trugen Spruchbänder mit der Aufschrift "Verteidigt die Rechte der Mongolen" und "Verteidigt das Heimatland".

Besonders die Konvois von chinesischen Kohlelastern, die aus Mangel an Straßen quer über das Grasland fahren und Weiden zerstören, hatten Empörung unter Hirten ausgelöst. Zu den Problemen gehören auch sinkende Grundwasserspiegel durch den Bergbau. Das Menschenrechtszentrum SMHRIC forderte Chinas Behörden auf, "das Recht der Hirten auf ihr Land und auf Wahrung ihrer traditionellen Lebensweise zu respektieren".

Mongolische Studenten hätten am Freitag an dem Protest in Zhenglanqi teilnehmen wollen, seien aber daran gehindert worden, berichtete das SMHRIC-Zentrum aus New York. Nachdem diese Woche schon einige tausend Studenten auf die Straßen gegangen waren, hätten Sicherheitskräfte Lehreinrichtungen abgeriegelt. Ein Mitarbeiter eines Teehauses in Xiwuqi berichtete, Mitte der Woche hätten in der Stadt hunderte Studenten demonstriert. "Jetzt ist wieder Normalität eingekehrt", sagte der Mann telefonisch der dpa. "Die Polizei hat es unter Kontrolle gebracht."

Das Menschenrechtszentrum berichtete unter Berufung auf Informationen in sozialen Netzen und andere Quellen, dass am Donnerstag ein Polizeiwagen in eine Protestgruppe gefahren sei und vier mongolische Studentinnen schwer verletzt habe. Das Fahrzeug sei einer Studentin über die Beine gefahren. Zehn weitere Studenten seien bei Zusammenstößen mit der Polizei verletzt worden. Um die Unruhen einzudämmen, hätten die Behörden auch die Kontrolle von sozialen Netzwerken, Kurznachrichten und Email-Verkehr verschärft.

Die Innere Mongolei ist 2009 zum größten Kohleproduzenten Chinas aufgestiegen. Die Mongolen beobachten einen weiteren Zustrom ethnischen Chinesen mit Sorge und fürchten um ihren traditionellen Lebensstil. Die meisten der vier Millionen Mongolen in China leben in der Inneren Mongolei, wo sie aber nur noch ein Fünftel der gut 20 Millionen Einwohner ausmachen. (APA)

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11 Postings
AntiFa201
00
29.5.2011, 14:27

leben roma und sinti in deutschland oder österreich heute traditionell? mh, komisch, der westen ist doch viel viel besser als china, und setzt sich doch immer ohne eigennutzen für die traditionelle lebensweise von tibetern und mongolen ein... aber die indigenen nordamerikas haben sie fast ausgerottet, die paar überlebenden haben sie entwurzelt. doppelmoral und heuchelei. nicht mal im 21. jahrhundert haben die indigenen nordamerikas so viele rechte wie die mongolen in china. dabei gehörte die mongolei zu china, da hat noch kein weisser mann nordamerika betreten, noch nicht mal die wikinger.

frischling
00
31.5.2011, 01:58
@AntiFa201

Dass der Einsatz des Westens nicht ohne Eigennutz ist moechte ich nicht bestreiten, aber dass die Mongolei zu China gehoerte bevor ein weisser Mann Nordamerika betrat schon. Vielmehr hat China zur Mongolei gehoert, nachdem im 13. Jahrhundert Dschingis Khan weite teile eroberte vollendeten das seine Soehne. Die Einverleibung eines Teils der Mongolei geschah unter den Mandschu Herrschern - auch keine Chinesen aber im Gegensatz zu den Mongolen vermischten sich die Mandschu mit den Chinesen was zu deren Machtverlust fuehrte. Es gibt keine Begruendung aus der Geschichte warum die Mongolei zu China gehoeren sollte, selbst die Chinesische Mauer ist suedlich, die ja bekanntlich als Grenzschutz gegen die Mongolen gebaut wurde. Erst unter den Kommuni

AntiFa201
00
31.5.2011, 12:19

aus meinem kommentar weiter unten können sie entnehmen, dass dies für mich keinen unterschied macht. die mongolen saind in china einmarschiert, china hat die mongolei besetzt, mongolen in china, chinesen in der mongolei. ganz egal wer die vorherschaft hatte, beide länder gehörten irgendwie immer zusammen. in diesem jahrhundert haben nun mal die chinesen die vorherschaft, so what.

Nachdenken
12
28.5.2011, 02:04

Kann mich der vermeintlichen Argumentation von "DerKluge" nicht anschließen.

1. Was hat die vermeintliche "Islamisierung Europas" mit dem ethnischen Konflikt in China zu tun? ...
2. Was hast die Ein-Kind-Politik mit diesem Konflikt zu tun???...
3. In China gibt es genauso wenig Religionsfreiheit wie Transparenz in der österreichischen Politik...

Ich finde den Artikel sachlich und bringt die Probleme auf dem Punkt.

Die ethnischen Konflikte in China sind hauptsächlich nicht intergruppaler Natur, sondern Resultat des politischen Systems in China, welches eben nur eine gewisse Guppe bevorzieht.

Der Kluge
42
27.5.2011, 22:13

Die Mongolen beobachten einen weiteren Zustrom ethnischen Chinesen mit Sorge und fürchten um ihren traditionellen Lebensstil.

___________

1. Für Nicht Han-chinesen gilt die Ein Kind Politik nicht
2. Es gibt ethnische Gewalt zwischen alle Ethnien, also etwa auch zwischen Uighuren und Tibetern
3. Opfer dieser ethnischen Gewalt sind oft arme, arbeitssuchende Han Arbeiter, die angegriffen werden
4. Die innerchinesische Migration in die nicht-Han Gebiete ist geradezu lächerlich im Vergleich zur europäischen Islamisierung, quantitativ und qualitativ
5. Die alten, feudalen Strukturen werden von der effizienteren kapitalistischen Produktionsweise verdrängt werden.
6. Es gibt weitgehend Religionsfreiheit

Micha Do
 
00
@ Der Kluge Erlauben Sie mir einige Anmerkungen: Teil 1

ad 1. Naja,nicht alle Minderheiten sind von der Ein Kind Politik ausgenommen.Die Gründe für diese "Notbremse" kennen Sie? Und auch die-zuerst nicht bedachten Folgen?Mittlerweile ist das ja auch schon im Begriff gelockert zu werden.Die Methodik und Konsequenz dieser Maßnahmen sind für europäische Begriffe indiskutabel aber es gab wohl kaum Alternativen.
ad 2. Dafür können aber die Han nix.Da sind sehr alte historische Gründe.Deutschland und Frankreich haben auch ein paar Jahrhunderte und einige Millionen Tote gebraucht um sich einigermaßen zu vertragen.

Micha Do
 
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@ Der Kluge Anmerkungen Teil 2

ad 3. Klar, weil diese die angreifbarsten und verwundbarsten Opfer sind.Oft werden diese wegen der Suche nach Arbeit in ausweglose Situationen gebracht.In Tibet hab ich wenige Han erlebt,die wirklich glücklich waren dort.Stellen Sie sich eine nicht angepasste Bevölkerungsgruppe ständig in ca 4000 m Höhe vor,überwiegend höhenkrank,von den Einheimischen schlecht gelitten,das fördert nicht grade das "Heimatgefühl", auch wenns mittlerweile zugewanderte Mehrheit sind, wenn die Statistiken einigermaßen stimmen.
ad 4. Da widerspreche ich Ihnen aus denselben Gründen wie frischling unten: Auf die Gesamtzahl der Han bezogen ist es wenig, im Großraum Beijing allein leben mehr Leute. Auf die Zahl der Einheimischen bezogen ist es relevant.

Micha Do
 
00
@ Der Kluge Anmerkungen Teil 3

ad 5. Sie sehen die kapitalistischen Strukturen falsch.Im Grund sind die SEHR feudal,die Protagonisten sind nur häufig andere.Von Effizienz würd ich auch nur in bestimmten Teilen sprechen.Es verdrängt also eher eine Feudalstruktur die andere.Außerdem:Verachten Sie mir nicht Lebensformen die auf Gund bestimmter Klima-,Landschafts-,Handels-,etc-gegebenheiten entstanden sind.Diese sind in der jeweiligen Gegend oft SEHR effizient,weil die Menschen sonst zB in extremen Klimazonen nicht überlebt hätten.
Die Infrastruktur zu verbessern ist allerdings(zB in Tibet)nötig unabhängig von den politischen Hintergrundgedanken in Beijing.
ad 6. Das ist richtig. Probleme gibts nur wo Religion engen Konnex hat mit politischer Identität (Tibet,Xinjiang)

frischling
01
31.5.2011, 02:06
der Kluge Punkt 4

das ist ja wohl das duemmst was ich je gelesen habe. vor etwa 60 jahren waren die Han eine Minderheit von ca. 20% was etwa eine halbe Millionen entspricht, in der Inneren Mongolei, nun sind sie eine 80% Mehrheit, was ca 18 Millionen entspricht.

h 90
00
28.5.2011, 07:28

Das Problem ist die Liberalisierung.
Solang die Religionen niedergehalten wurden und jeder Angst vor der Staatsmacht hatte war es ruhig.

RTA
 
00
28.5.2011, 00:33
Danke für dieses

Lehrstück an Posting Propaganda.

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