Raucherentwöhnung

Wenn jede Zigarette zählt

29. Mai 2011, 16:56
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    foto: apa/herbert pfarrhofer

    Die meisten Raucher wollen ihren Konsum reduzieren.

Wer sich von der Nikotinsucht befreien will, muss nicht gleich ganz mit dem Rauchen aufhören - Schrittweise Entwöhnung ist möglich

2,3 Millionen Österreicher und Österreicherinnen rauchen. Der Gedanke "Wenn ich doch nur aufhören könnte" bewegt gut die Hälfte von ihnen. Oder wie es im Fachjargon heißt: Sie möchten ihr Rauchverhalten ändern. Was das konkret bedeutet, erläutert Sozialmediziner Ernest Groman vom Wiener Nikotininstitut: "Ein Drittel ist mit dem Rauchen unzufrieden, zwei Drittel wollen ihren Konsum reduzieren, aber nicht aufhören."

Einen reduktionswilligen Raucher "so weit zu bekommen, dass er einen ernsthaften Versuch unternimmt", sei das Wichtigste, sagt Groman. Schaffe es ein Raucher, seinen Zigarettenkonsum zu reduzieren, stelle sich ein Erfolgserlebnis ein, das wiederum motiviere zu weiterer Reduktion bis hin zum Rauchstopp.

Bei einem starken Raucher sei eine Reduktion auf zehn bis zwölf Zigaretten pro Tag ein Erfolg. Groman: "Die Leute stehen sich oft selbst im Weg." Die Angst, nie mehr im Leben eine Zigarette rauchen zu können, wiege für einen, der 40 Zigaretten am Tag raucht, schwerer als der Gedanke ans Aufhören. Zwei bis drei Selbstversuche hätten Raucher hinter sich, bevor sie professionelle Hilfe suchen. Von einem Tag auf den anderen höre keiner auf zu rauchen, verweist Groman Geschichten vom wundersamen Ausstieg ins Reich der Fabeln: "Jeder, der aufhört, hat sich schon längere Zeit mit dem Gedanken herumgeschlagen, vielleicht auch schon erfolglos probiert. Er erzählt halt dann, dass er plötzlich aufgehört hat, weil das die bessere Geschichte ist." Die Angst vor dem plötzlichen Entzug könne man den Abhängigen nehmen, indem man sie dabei unterstütze, schrittweise auszusteigen: "Zuerst ein paar Tage, dann ein paar Wochen, dann länger." Dennoch müsse man wissen, dass jede Zigarette schade.

Ersatznikotin

Wer sich von der Zigarette befreien möchte, ist mit einer Vielzahl an Therapieangeboten konfrontiert. Neben psychotherapeutischen Methoden, Hypnose, Akupunktur und etlichen Wundermitteln bieten auch die Pharmafirmen ihre Helfer an. Ihre Nikotinersatzprodukte, die auf dem Wirkstoff Nikotin basieren, können den Abschied erleichtern, weil sie Entzugserscheinungen mildern.

Bei der Nicotine Replacement Therapy (NRT) gelangt Nikotin über die Haut, Schleimhäute und Atemwege in den Körper und löst aus, was man von der Zigarette gewöhnt ist: Glücksgefühle, Konzentrationsstärke, Entspannung. Nur alles ein bisschen langsamer. Groman: "Die Zigarette wirkt in zehn Sekunden, die Präparate brauchen zehn Minuten und länger."

Ersatznikotin kann man sich aus Depotpflastern, Sprays, Kaugummis, Tabletten oder Inhalatoren holen. Bei all diesen Produkten ist es wichtig, sich den Gebrauch vom Arzt oder in der Apotheke erklären zu lassen. Groman: "Wie wild auf dem Kaugummi herumzukauen, damit man gleich die Wirkung spürt, bringt gar nichts. Man muss langsam kauen, damit das Nikotin über die Schleimhäute aufgenommen wird."

Die Sublingualtabletten schiebt man sich bei jedem Gusto auf eine Zigarette unter die Zunge. In der ersten Phase bis zu 30 Stück am Tag, stufenweise wird dann reduziert.

Der Inhalator soll die psychischen Entzugserscheinungen jener mindern, "die etwas in der Hand haben müssen" oder, wie es in der Fachsprache heißt, "das Hand-zu-Mund-Ritual vermissen". Je nach Abhängigkeit pafft man täglich bis zu zwölf Inhalatorfüllungen. Der Inhalator wird wie eine Pfeife verwendet, für Lungenzüge ist er nicht geeignet.

Nebenwirkungsfrei sind die Mittel nicht, wer an chronischen Erkrankungen leidet, sollte sich mit seinem Arzt beraten.

Einmal jährlich versuchen Produzenten und Apotheken, den Absatz von Nikotin-Kaugummi und Co durch Raucherberatungswochen anzukurbeln. Dann werde Ersatznikotin zu reduzierten Preisen angeboten - je nach Jahreszeit mit wechselndem Erfolg. "Deutlich mehr Nachfrage haben wir, wenn wir diese Wochen zu Jahresbeginn veranstalten. Da sind die Leute durch gute Vorsätze mo- tiviert", sagt Jutta Pint von der Apothekerkammer. Umsatzzahlen kann sie keine nennen, die würden nicht erfasst, da Nikotinersatzprodukte nicht rezeptpflichtig seien. Auch von den Produzenten sind kei-ne Zahlen erhältlich. In Deutschland ist man weniger geheimnisvoll. 2010 lag der Umsatz bei rund 41 Millionen Euro, ein Prozent über dem Vorjahr, so die Marktforscher von Inside Health.

Wenig Erfolg ist bislang den rezeptpflichtigen Entwöhnungspillen beschieden. Champix oder Chantix, bei ihrer Markteinführung als Wunderpillen angepriesen, sind mittlerweile wegen ihrer starken Nebenwirkungen, die sogar bis zu Suizidgedanken reichen können, in Verruf geraten. Zyban, ein Antidepressivum, das entwöhnende Wirkung hat, kann zu Übelkeit führen. (Jutta Berger, DER STANDARD Printausgabe, 30.05.2011)

 

Kommentar posten
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Franziska Pfleum
00
24.11.2011, 21:46
.. ist es Begierde

Seit über drei Jahrzehnten begehre ich den Nikotingeschmack. Jede Zigarette zählt nicht, kann auch einige Zeit darauf verzichten und freue mich wieder auf die nächsten Lungenzüge. Mir ist bewußt, es schadet meiner Gesundheit, nur merke ich nichts davon, mein Hausarzt sieht mich seit Jahren nicht mehr und bin beschwerdefrei. Soll kein Appel zum Rauchen sein, nur Nachteile sehe ich nicht, sie dient mir als Medizin, andere nehme ich nicht ein.
Zigaretten absetzen? an Reduzierung habe ich nachgedacht und getan, während der Schwangerschaft und der Stillzeit. Wollte damit einem Nikotinentzug entgegen wirken, bei mir und der Tochter. Trotz Nikotingenuss, ist das Töchterchen Nichtraucherin und leidet nicht an Entzugserscheinungen. Ich freue mich.

internetlady
00
17.6.2011, 20:46
Ich rauchte 28 Jahre lang

...und seit 1996 keine einzige mehr.
Ich hörte von einem Tag auf den andern auf.
Die aufdringliche Werbetrommel dieser schäbigen Tabak-Lobby gaben den Anlass dazu.
Ich habe nicht zugenommen und es sind laut letzten Untersuchungen keine Folgeschäden zu erwarten.
Glück gehabt!!

che ernesto himmelfreundpointner
00
10.8.2011, 21:53
ich

habe 15 kilo zugenommen (((((((

Hairy Tongue
42
ganz einfach: verbieten!

die zigaretten nämlich, nicht nur das rauchen.

und den "und dann den alkohol"-aufstöhnern sei gesagt: es gibt das gesunde (zumindest nicht schädliche) glas rotwein, die gesunde, unschädliche zigarette gibt es nicht. nicht für den raucher, nicht für den unfreiwilligen mitraucher.

Ramba Zambas Sohn
00
Schon interessant, dass bei jedem Anti-Raucher-Artikel unzählige Poster nur EIN EINZIGES POST gegen Rauch absetzten....

Bei jedem neuen Rauch-Artikel ist wohl Gross-Post-Tag im Sheriff-Verein....wegen der Vortäuschung der ´Mehrheit´.

Patrick_Bateman_1
11
ich denke man muß

wirklich ganz aufhören. Reduzieren funktioniert vielleicht eine Weile, aber meistens fällt man dann doch wieder zu seinem alten Rauchverhalten zurück! Man denk sich: oh, ich kann weniger rauchen - da rauch ich heute etwas mehr und morgen dann wieder weniger. Ebenso hört man auf diese Weise nie auf. Man muß sich eine Deadline setzen, einen Tag an dem man die letzte Zigarette raucht und dann alles wegschmeißen was verleiten könnte (wie Feuerzeug oder Aschenbecher). Nur so konnte ich aufhören denn sobald ich noch ein Feuerzeug daheim hatte, dachte ich mir: was solls, ich geh zum Automaten und rauch heute doch noch und morgen hör ich dann auf!

Interessen-Board.com
31
Sagenhaft lest ihr auch eure Beiträge?

Schwachsinn das dürfte ein sehr beliebtes Wort bei einigen sein, darum nenne ich es auch Schwachsinn mit einer solchen Aggressivität zu schreiben und alles besser zu wissen.
Schwachsinn ist auch diese verbohrte Ansicht von Antirauchern. Schaut mal ob ihr nicht ein Laster bevorzugt das ebenso diesen Begriff verdient. Ich finde es gut wenn man sich dieser Thematik annimmt und versucht die Gedankengänge der Raucher zum positiven zu wenden.
Ich selbst bin ehemalige Raucherin von 40-60 Zigaretten pro Tag und habe viel zu lange dazu gebraucht um aufhören zu können immer wieder wurde ich zwischen den dritten und vierten Monat zurückfällt. Wenn ich nicht einen so tollen Arzt und mancherlei psychische Unterstützung von meiner Umwelt gehabt hätte.

wirdeinlichtleinseinamendedestunnels
20
30.5.2011, 21:03
...Wenn jeder atemzug zählt...

c.lehner
36
30.5.2011, 18:19
Ich kann das Buch "Endlich Nichtraucher"...

...von Allen Carr sehr empfehlen.
Ich hab's gelesen und dann aufgehört zu rauchen, von ca. 25 Tschik am Tag auf 0, vor ca. 4 Wochen, nach ca. 9 Jahren.
Reduzieren bzw. gar Nikotinersatz bringen m.M.n. eher das Gegenteil, man will es noch mehr.

Ein paar Zuckerl für unterwegs, am Pc statt dem Aschenbecher jetzt ein Glas mit Soletti und es klappt.

Die reine Nikotinsucht is eh sehr harmlos, nach 3 Tagen sind 99% des Zeugs aus dem Körper raus, "Entzugserscheinungen" vor denen sich ja so viele fürchten gibt es bei Nikotin einfach nicht !
Ok, Manche Leute haben Kopfweh oder leichten Schwindel - aber manche Raucher glauben ja sie müssten leiden wie ein Heroinsüchtiger....wobei, gehören würds einem ja nach dem was man sich jahr(zehnt)e angetan hat

Wrdl Wrldbrmpfd
03
31.5.2011, 16:42
So isses

Habe auch mit diesem Buch aufgehört, vor etwa 12 Jahren. von 2 Packerln auf 0. Dauerhaft. Und in meiner Gegenwart darf geraucht werden.

emga86
11
30.5.2011, 17:50

es geht nur von einem tag auf den anderen, meiner meinung, denn reduzieren ist sehr schwer wenn man gewohnt ist 30-40 tschick zu rauchen, also aus eigener erfahrung: reduzieren hat noch nie geholfen (oder nur für sehr kurze zeit) der totalstop auf 0 tschick hält noch immer, nur beim cafe denk ich manchmal daran, aber denn denk ich an mein bankkonto und es geht mir wieder gut;-)

gscheiter007
14
30.5.2011, 16:28
schwachsinn ist das...

reduktion der Zigaretten bringt kein erfolgsgefühl. sondern eher das gefühl, dass der raucher seine Zigarette als noch "kostbarer" empfindet...

Ramba Zambas Sohn
02
30.5.2011, 19:58
schwachsinn ist das...

Ich hab meinen Zigarettenkonsum mithilfe von Qui Gong-Kugeln von 1-2 Packerln täglich auf 3-4 im Monat reduziert und halte das jetzt seit Jahren....
Die ´Sucht´ ist eher psychisch wenn man sieht wie ein Anderer eine Schachtel öffnet, wenn man ein Feuerzueg klicken hört...das war der Moment die Kugeln in der Hand zu rotieren und nach spätestens einer Minute war auch der Rauchgedanke weg.
Trotzdem bin ich für freie Selbstenscheidung.
Es gibt genügend Lokale für beide Gruppen.

lumpi1001
12
30.5.2011, 16:45

ich stimme ihnen voll und ganz zu.
als ehemaliger raucfher muss ich sagen, das mit dem reduzieren funktioniert nicht

amendo
45
30.5.2011, 15:31

Es gibt nichts schlimmeres als verrauchte Lokale/Pubs/Gasthäuser, wenn man gerade bei der Raucherentwöhnung ist. Von daher bitte mal das Rauchergesetz komplett durchziehen!! Dann braucht man vielleicht auch nicht so viel Geld für die teuren Ersatznikotin-Dingerl ausgeben ...

coolio
42
30.5.2011, 16:19
na und dann gleich auch ein alkoholverbot

für die auf alkoholentzug sind. gehts noch?

geordie
13
31.5.2011, 14:04

ja, absolut, her mit dem Alkoholverbot. Das allseits bekannte und durch zahlreiche Studien als gefährlich eingestufte Passivtrinken muss endlich ein Ende haben!

amendo
43
30.5.2011, 16:30

Schon mal was von Passivrauch gehört?
Oder sind Sie etwa bei Alkoholentzug dazu gezwungen das Bier Ihres Tischnachbarn mitzutrinken? Hab mal noch nie was von Passivrausch gehört, aber Sie können mich ja eines besseren belehren ;)

xxx...yyy...
32
ja der passivrauch

millionen von lungenkrebstoten jedes jahr, weil sie ein-, zwei-mal die woche ein paar stunden passivrauch ausgesetzt waren. wer's glaubt...

coolio
21
31.5.2011, 09:41

und sie sind gewzungen während ihrer entwöhnung verrauchte lokal/pubs/gasthäuser zu besuchen? im übrigen ist passivrauch nicht die einzige emission, die dritte passiv schädigt. genauso ist es mit lärm. und ihre forderung ähnlich eines tinitus-erkrankten, der in club/bars/discotheken musikbeschallung verbieten will.

amendo
10
31.5.2011, 20:08

Nein, eh nicht. Außer ich geb mein soziales Leben auf ;)

Und gegen Lärmschutzbestimmungen ist ja auch nichts einzuwenden, so würd sich in erster Linie schon mal die Entwicklung von Tinnitus vermeiden lassen ;)

xxx...yyy...
31
interessant, dass

jeder nichtraucher ausschließlich schwere kettenraucher als freunde hat.

obwohl nur 30% der bevölkerung raucht. erstaunlich...

The_new_number_2
00

Diese Zahl weist offensichtlich starke Fluktuationen auf. Bei (argumentativem) Bedarf stieg sie im Standard-Forum schon bis auf 53%...

WLG
11
31.5.2011, 11:14

in diesem Fall geht es nicht um passive Schädigung, sondern um das Erwecken der Sucht

coolio
01
31.5.2011, 12:21

genauso wie beim tinnitus. lärm kann ihn auslösen. die emission löst also die symptome der erkrankung aus.

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