Fall Jukic

Das Ringen um Schuld und Unschuld

David Krutzler , 27. Mai 2011, 17:54

Nach dem Eklat um den verweigerten Dopingtest von Dinko Jukic rudert die Anti-Doping-Agentur zurück - Dass ein Vergehen vorliege, müsse erst bewiesen werden - Verbandsboss Schauer warnt vor Spekulationen

Wien - Vor einem Jahr, im Mai 2010, war Andreas Schwab, der Chef der Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada), ein Mann der harten und präzisen Worte. "Die Verweigerung eines Dopingtests ist als positiver Dopingtest zu werten. Da fährt der Zug drüber."

Die Marathonläuferin Eva-Maria Gradwohl hatte zuvor Kontrolloren der Nada in Kroatien einen Test verweigert. Ein Verfahren wurde eingeleitet, Gradwohl kam dem Ergebnis zuvor und beendete ihre Karriere freiwillig.

Ein Jahr später hat mit Dinko Jukic erneut ein prominenter österreichischer Sportler mit einem verweigerten Dopingtest für einen Eklat gesorgt. Im Gegensatz zur 38-jährigen Leichtathletin, die ihre Verfehlung selbst eingestanden hat, kämpft der 22-jährige Wiener Schwimmer um seine Unschuld. Der zweifache Kurzbahn-Europameister hat seine Sicht der Dinge der Nada mittels einer Sachverhaltsdarstellung dargelegt. "Der Fall wird behandelt wie jeder andere auch", sagte Schwab diesmal und legte Wert darauf, dass der Fall Jukic nicht mit dem Fall Gradwohl verglichen werden kann. "Die Situation ist eine andere." Schwab "ist wichtig, dass Jukic nicht vorverurteilt wird. Es ist absolut nicht gesagt, ob er ein Vergehen begangen hat oder nicht."

Jukic, der am Dienstag vor einer Trainingseinheit im Wiener Stadionbad von zwei Kontrolloren zu einem unangekündigten Test gebeten wurde, begründete seine Weigerung mit mangelhaften sanitären Bedingungen - nicht im Bad, sondern bei der geplanten Durchführung der Blutabnahme. Der streitbare Sportler soll ins Treffen geführt haben, dass die Ärztin keine sterilen Handschuhe gehabt habe. Schwab wollte den Vorwurf nicht kommentieren, meinte aber: "Der Arzt trägt Handschuhe zu seinem eigenen Schutz, um sich nicht zu infizieren."

Infektionsrisiko soll auch der Grund dafür gewesen sein, dass Jukic den Test nach seinem zweistündigen Training im Wasser durchführen wollte. Die Kontrollore hätten das Bad aber 15 Minuten zuvor verlassen.

Im Anti-Doping-Bundesgesetz ist diesbezüglich eine "versäumte Kontrolle" genau definiert: "Versäumnis des Sportlers, an dem Ort und zu der Zeit innerhalb des 60-minütigen Zeitfensters, das er für diesen Tag angegeben hat, für eine Dopingkontrolle zur Verfügung zu stehen".

Sollten die Kontrollore also fehlerlos nach Protokoll vorgegangen sein, sieht es nicht gut aus für Jukic. Der Sportstudent steckt in der Vorbereitung auf die Langbahn-WM im Juli in Schanghai und gilt als Medaillenkandidat für Olympia 2012 in London. Wird er verurteilt, kann er sich beide Events aufzeichnen. Im schlimmsten Fall droht eine zweijährige Sperre.

Paul Schauer, der Präsident des Österreichischen Schwimmverbandes (OSV), will "die Sache ruhig und sachlich prüfen. Alles andere sind Spekulationen." Schauer habe bereits mit Schwab telefoniert, am Montag kommen die Berichte. Sollten sich die Befürchtungen bewahrheiten, wäre Schauer darauf gefasst. "Natürlich hätte niemand eine Freude mit einer Sperre. Aber eine derartige Bedrohung steht immer im Raum", sagte er dem Standard.

Die Geschichte freilich zeigt, dass verweigerten Dopingtests nicht immer Sperren folgten. Im April 2008 zog der deutsche Eishockey-Nationalspieler Florian Busch ein Essen mit seiner Freundin einem Test vor - und meldete sich 24 Minuten später beim Kontrollor. Das Ergebnis war negativ, Busch musste dem Eishockey-Bund 5000 Euro Strafe zahlen.

Am 7. Februar 2009 wurden Doping-Gerüchte gegen den Salzburger Kicker Andreas Ibertsberger laut. Der Legionär in Diensten von Hoffenheim kam mit Teamkollege Christoph Janker nach dem Spiel in Mönchengladbach zehn Minuten zu spät zur Kontrolle. Das Verfahren wurde eingestellt, weil "kein klassisches Dopingvergehen" vorgelegen sei. Der Klub wurde wegen Verstößen gegen Anti-Doping-Richtlinien zur Zahlung von 75.000 Euro verurteilt. (DER STANDARD Printausgabe, 28./29. Mai 2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 111
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Sybil
10
30.5.2011, 14:10
ein bisserl ungeschickt

ist die nada ja schon. sie hätten die blutabnahme gut und gerne von vornherein ohne viel gerede auf einen zeitpunkt legen können, der für den athleten leichter akzeptierbar ist.
unter zeifelhaften hygienischen bedingungen würde ich mir zudem auch keine nadel in den arm stecken lassen.

vielleicht etwas übertrieben von jukic, aber sicher ungeschickt von der nada.

Captain Smoker
00
29.5.2011, 22:34

Echt peinlich die ganzen Poster die meinen er sei "ein Böser" nur weil er bei der ÖVP ist.

zol ex
00
17.6.2011, 10:26
aber wenn's war ist?

sind die nicht alle böse?

http://www.nachrichten.at/oberoeste... t70,651261

jeff5
00
29.5.2011, 21:52
er hätte die probe schon längst nachholen können.

warum wohl nicht?

aber die spanier lassen contador auch weiter fahren.....

Cannondale27
00
29.5.2011, 10:45
@Mayreder, wo bist du??!?

docw
11
29.5.2011, 08:58

was für eine aufregung wegen eines (nicht bewiesenen) dopings von jukic, während contador (bewiesenes doping) gerade den giro gewinnt.
verkehrte welt.

Johnny Rep
01
28.5.2011, 16:34
ich glaube er hat gedopt.

er ist profi-sportler, weiß über die konsequenzen (sperre, medienberichterstattung, imageschaden...) eines verweigerten tests bescheid. warum hätte er dieses risiko eingehen sollen, wenn er unschuldig ist?

joergipoergi
10
29.5.2011, 16:01
kuerzerer argumentationsstrang:

ich glaube er hat gedopt.

er ist profi-sportler

citystar1
72
28.5.2011, 14:52
für alle ÖVPbasher...

Herr Stefanie Graf = SPÖ
Es Elmar Lichtenegger = FPÖ
Die Grünen = können "Sport" nach wie vor nicht buchstabieren.

Also hat die ÖVP nun auch ihre sportliche Quotendrecksschleuder in ihren Reihen. So what. Passt ganz gut in das Bild der Politik des 21. Jahrhunderts: Schwachmatiker wohin man blickt!

Ivan Fedorov
04
28.5.2011, 19:24
ich finde es witzig

wie sie versuchen, die grünen anzupatzen, nur weil die es nicht nötig haben, irgendwelche minderbemittelten quereinsteiger mit großem namen aufzustellen...

citystar1
10
29.5.2011, 17:04
das haben...

Sie dann falsch verstanden. ich habe WENN, dann wohl ALLE Parteien angebatzt.

"Schwachmatiker wohin man blickt".

Aber Sie können mich ja gerne vom Gegenteil überzeugen und mir aus dem aktuellen Parteiprogramm Grünen etwas zur Thematik "Sport" herausfiltern.

Klump Fuss
00
28.5.2011, 14:38

Angeblich jauken sich die härtesten der harten in der kurzen Verzögerung, die sie durch die 60 Minuten haben, ein, zwei große Spritzerln mit sauberem Urin in die Blase.

Ist da was dran und wie kann sowas verhindert werden? (Blutproben zeigen bzw. beweisen Doping ja nur sehr unzureichend da kurzfristig und veränderte Blutwerte tlw. anderwertig erklärbar)

super nackt
00
29.5.2011, 13:25

Erst kürzlich hat ein deutscher Dopingjäger in einer TV-Diskussion bestätigt, dass Frauen vor der Dopingkontrolle die Blase entlehren und via Schlauch mit Fremdurin wieder füllen. Aufgeflogen ist das mal, weil ein aufmerksamer Laborant bei mehreren Frauen eines Leichtathletikteams bemerkt hat, dass alle den selben (!) männlichen (!!!) Urin abgegeben haben.

_oHo_
00
28.5.2011, 13:47
Wo wor mei Leistung?

...sollte man den jungen ÖVPler nun fragen!

lemon1
03
28.5.2011, 15:59

ok, das gabs jetzt in den 3 Artikeln zu dem Thema ca. 50 x in allen möglichen Varianten zu lesen. Wird das nicht langweilig ?

Thomas Steiner
02
28.5.2011, 11:25
Verlogenheit

Mich regt diese Verlogenheit der Medien und Funktionäre auf. Es muss alles immer "spektakulärer" werden, siehe Giro 2011 , mit ich weiß nicht wie vielen Etappen über 200 km. Ja wie soll das den funktionieren ohne "optimale medizinische Versorgung". Die Stars werden selbstverständlich geschützt, daneben gibt es ein paar Bauernoper für die Öffentlichkeit.

Nizza
00
28.5.2011, 11:51

Bestes Beispiel Michael Phelps. Dem sind man das Doping direkt an. Der Tpy wird aber vom IOC und der WADA geschützt.

Prof. Primus von Quack
10
28.5.2011, 18:47

woran sehen sie das?

Anna Purna
 
02
28.5.2011, 11:15
Vielleicht war's umgekehrt?

"Die Kontrollore hätten das Bad aber 15 Minuten zuvor verlassen."
Jukic hat 15 Minuten gewartet, um sicher zu sein, dass sie auch tatsächlich weg sind, bevor er rausgestiegen ist.

smea_gol
00
28.5.2011, 10:30

hehe, hat sich der dj wohl bei den hrn. strasser, grasser und schüssel, also alles parteifreunden, anleihen geholt.

Würgen Metzler
00
28.5.2011, 10:05
NADA L

irgendwie witzig,daß d nr1 im tennis fast so heißt wie unser verein - in spanien definitiv im fuenteslabor/quervergleich Graf/ertappt,kam Rafa mit Jukic ähnlichen ausreden davon,worauf in spanien 'brav' verschleiert wurde ... im welttennis hat er,wie die williams-sisters mehrfach monatelang pausiert.interne sperren,die nicht öffentlich werden sind dank entsprechender finanzspritzen+connections bei Weltstars offensichtlich.bei uns blattlt man medial schneller auf,was dann-bei denen die sich freikaufen od protektion von oben haben-langsamst unter d tisch gekehrt wird!!!Doping=scheinheiligkeit-weltweit geht man klüger damit um als bei uns !

Peter Griffin13
00
28.5.2011, 15:47

Phelps, Bolt, Nadal.
Alle mit langen Pausen nach ihren Karrierehöhepunkten.

Ernesto Chavez
21
28.5.2011, 09:50
Vorschlag für ÖVP-Werbung: das Dop-O-Mobil mit Dinku J. am Steuer

Sebastian Kurz' Geil-O-Mobil hat ausgedient.

Oder eine Dop-O-Geil-O-Mobil-Variante für ältere ÖVP-Mandatare: zuerst Viagra, dann ins Bett...

Jagatee
10
28.5.2011, 06:57
Versäumnis des Sportlers

Genau definiert, interessant, an
dem Tag und der Zeit zur
Verfügung steht und 60 Minuten
ZeitFenster etc etc etc - - eine
angemeldete Doping Kontrolle
entspricht Datum und Zeit,
hingegen unangemeldet ist
überraschungs Effekt, also von
Tag und Zeit abzusehen, nur
wird dies hier widerlegt ---

naked man
00
28.5.2011, 11:18

Der Sportler nennt für die Trainigssaison für jeden Tag ein Zeitfenster in dem er zu Verfügung stünde, sollte er kontrolliert werden wollen. Die Überraschung liegt darin, ob der Kontrolleur auftaucht oder nicht. Wenn er nun überraschend auftaucht und der Sportler in dem von ihm selbst genannten 60 minütigem Zeitfenster nicht zum Test zu Verfügung steht, ist es sein eigenes Versäumnis. Ist doch logisch.

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