Fordert Studiengebühren und werdet auch gewählt

Sebastian Pumberger, 27. Mai 2011, 13:21

Die JuLis überraschen mit einem Erfolg - Die Königsmacher sitzen jedoch auf den Fachhochschulen

Die Wahlen der Österreichischen HochschülerInnenschaft sind geschlagen. Es war ein kurzer, zäher Wahlkampf ohne Aufreger, ohne Höhen, ohne Tiefen. Im Groben hat sich nicht viel verändert. VSStÖ und GRAS haben ein paar Mandate ausgetauscht, die Fachschaftliste und die AG bleiben stark. Überraschend war lediglich der deutliche Einzug der JuLis in die Bundesvertretung. Mit drei Mandaten haben wohl selbst die optimistischsten Jungen Liberalen nicht gerechnet. Diese Mandate zeigen indes, dass man mit der Forderung nach Studiengebühren selbst bei Studierenden bei Wahlen dazugewinnen kann, das ist überraschend, lässt sich jedoch erklären: Thematisch ähneln sich viele Fraktionen, die Lager schienen ausgemacht. Inmitten dieser Unklarheiten ist es den JuLis gelungen mit klaren entgegengesetzten Forderungen inhaltlich zugespitzt aufzutreten. Das hat ihnen wohl die drei Mandate verschafft. Für die Liberalen in Österreich ist dies nun ein Hoffnungsschimmer, der rettende Anker ist jedoch weiterhin nicht in Sicht.

Die ÖH-Wahl hat gezeigt , dass es um die politische Partizipationsbereitschaft bei den Studierenden nicht so schlecht steht. Ein Wachstum bei der Wahlbeteiligung ist durchaus positiv. Ein Teil des Wachstums lässt sich durch die Uni-Proteste der vergangenen Jahre erklären. Die Studierenden wurden repolitisiert. Es ist zu wünschen, dass dieser Trend anhält, die Beteiligung von unter 30 Prozent ist jedoch weiterhin bedenklich niedrig. Bedenklich ist es auch, dass die Wahlkommission aufgrund von Zuspätkommenden Beamten erst nach rund 1 ½ Stunden valide Daten bestätigen konnte. Wenn so etwas bei einer Wirtschaftskammerwahl vorkäme, nicht auszudenken.

Stark dazu gewinnen konnte der VSStÖ. Hier haben sich die Stimmen teilweise von den GRAS zum VSSTÖ bewegt. Das ist eine der Überraschungen des Abends, dass nach einer durchaus lautstarken und erfolgreichen ÖH-Exekutive unter GRAS Führung eben jene Fraktion an Mandaten verliert, die dafür federführend verantwortlich zeichnete. Mitschuld war aber auch das Wahlrecht, welches die Direktwahl nicht ermöglicht.

Gezeigt hat diese ÖH-Wahl wieder einmal, wie absurd das derzeitige Wahlrecht ist. Warum es keine Direktwahl der Bundesvertretung gibt, ist nicht verständlich. Sicher, die Arbeit der Uni-Vertretungen ist wichtig, doch eine gute Studierendenvertretung wird nur dann gegenüber der Politik ihre Interessen entsprechend vertreten können, wenn die Legitimation direkt von den Betreffenden ausgeht. Dies würde auch zu einer erhöhten Identifizierung der Studierenden mit der ÖH-Spitze beitragen.

In den nächsten Wochen werden die Koalitionsgespräche aufkochen. Es ist nicht leicht Vorsitzende oder Vorsitzender zu werden, schon gar nicht bei der Konstellation. Alle großen Fraktionen beanspruchen den Chefsessel. Wohl unwahrscheinlich ist, dass Bernhard Krall von der Aktionsgemeinschaft Vorsitzender wird. Neben ihn haben aber sowohl Martin Schott von den Fachschaftslisten, Angelika Gruber vom VSStÖ als auch Janine Wulz und Maria Clar Chancen. Alles entscheidend werden nun wie letztes Mal die FH-VertreterInnen. Das Wahlrecht sieht vor, dass sie sich erst nach der Wahl einer Liste zuordnen. Die Königsmacher kommen somit aus den Fachhochschulen, dessen Vertreter erst in den nächsten Wochen feststehen. Bis zur konstituierenden Bundesvertretung Ende Juni bleibt es also spannend.(Sebastian Pumberger, derStandard.at, 28.5.2011)

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Posting 1 bis 25 von 75
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der letzte leser
01
29.5.2011, 18:36

Die Julis haben 4% der Stimmen. Das soll ein Erfolg sein?

sokra
11
29.5.2011, 18:00

Es kann doch nicht sein dass jeder Studiengebührenbeführworter gleich als verwöhnter Abkömmling reicher Eltern abgestempelt wird, der den "Pöbel" am Boden halten will.

Wenn ich mir so mein Umfeld anschaue bezweifle ich sogar eine Korrelation zwischen Einkommen der Eltern und Meinung zur Studiengebühr;

By the way: Studiengebühren halten arme Studenten ganz sicher nicht vom Studieren ab- weil sie nie welche gezahlt haben! Sie können also nicht der sozialen Selektion dienen (Aber damit wird natürlich sehr gerne polemisiert...)

Studiengebühren treffen Studenten der Mittel- und Oberschicht, die von ihrem Elternhaus nicht ausreichend unterstützt werden - aber nochmal: nicht die Armen!

Flip
03
29.5.2011, 17:14

Grün: Ich habe auf den Artikel geklickt, um ein Foto von der Claudia Gamon zu sehen.

Rot: Ich bin eine Frau.

chezgarando
00
29.5.2011, 15:03
mücke=elefant

q.e.d.

Truhe
 
12
29.5.2011, 14:18

Was ich an der Debatte noch nie wirklich begriffen habe ist warums zwischen den ideologisch-dogmatischen Ja oder Nein zu Studiengebürendoktrinen überhaupt keinen Platz für lösungsorientierten Pragmatismus gibt. Ein einziges Wort schafft es seit über einem Jahrzehnt alles und jedes zu blockieren und in Klump und Asche zu schießen das eine konstruktive, zukunftsorientierte Arbeit am Problem ermögliche könnte. Die einen schreien dass ohne Studiengebüren überhaupt nichts geht ohne auxch nur einen Ton darüber zu verleiern warum und was g'scheiterweis damit gemacht werden soll während die anderen sozi parolen aus den Zwanzigern aufwärmen um revulutionär aus Prinzip zu sein - seid's ihr alle komplett deppert?!

Plabutsch
23
29.5.2011, 15:13
warums zwischen den ideologisch-dogmatischen Ja oder Nein zu Studiengebürendoktrinen überhaupt keinen Platz für lösungsorientierten Pragmatismus gibt.

Weil es gar nicht um die Studiengebühren geht. Sondern darum, Hürden für einkommensschwache Schichten einzubauen. Die öffentlichen Unis werden kaputtgespart - während private Einrichtungen (wo man nur mit viel Geld sich ein Studium leisten kann) gefördert werden. Dort gibt es - ausser dem Geld - keine Hürden - und dort kann auch der minderbegabte Elite-Sprößling sich seinen Titel ersitzen. (Dissertationen etc. muss man ja auch nicht mehr selber schreiben, sondern kann sie zukaufen.)

Truhe
 
11
29.5.2011, 15:59

Das halte ich aber auch für eine reichlich einseitige Sichtweise - ein dogmatisches "Nein!" Das die Studiengebühren und alles andere zu nichts anderes da ist als einkommensswache Schichten gezielt von Bildung fernzuhalten halte ich für einen genauso ausgemachten Blödsinn wie die Ansicht allein durch Privatfinanzierung alle Probleme lösen zu können. Solang es beide Seiten für gemütlicher und gescheiter halten in ihren jeweiligen Tabus einbetoniert zu verbleiben und sich dafür feiern lassen dass sie geistig so flexibel wie Randsteine sind wird sich für die Studierenden am täglichen Chaos nichts ändern, da helfen dien Klassenkampfparolen einen feuchten Sch....

Plabutsch
12
29.5.2011, 16:23
einkommensswache Schichten gezielt von Bildung fernzuhalten

Studiengebühren sind ja nicht das Einzige :

- Kürzung und Streichung von Heimbeihilfen

- altersmäßige Begrenzung der Familienbeihilfe

etc.

Auch : den Studiengebühren wurde ja keine Leistung gegenübergestellt. Die Studiensituation hatte sich verschlechtert - und nun musste man noch zusätzlich dafür zahlen. (Das ist ja die Frechheit - dass man mit der Studiengebühr keinen Anspruch auf irgendwas bekommt.)

---

Heutzutage ist es bereits für mittelständische Familien extrem schwer, mehr als ein Kind studieren zu lassen. (Das wird ja auch ständig in der Diskussion negiert - dass es Familien gibt, wo mehrere Kinder studieren. Und alle Belastungen mehrfach anfallen.)

Studenten werden dazu genötigt, nebenbei zu arbeiten - gleichzeitig werden str

Truhe
 
00
29.5.2011, 16:51

Darum sollte man sich ja endlich einmal ordentliche Gedanken über eine sinnvolle Finanzierung der Lücken machen anstatt sich grundsätzlich und kategorisch anhand des status quo auf etwas festzulegen. Möglicherweise könnten dann diese Probleme gelöst werden. Solange es in der Diskussion ausschließlich um einen ideologischen Stellungskrieg geht werden Kürzungen als Druckmittel eingesetzt werden, das ist zwar nicht nett aber eine Tatsache. Es ist Pragmatismus und Beweglichkeit gefragt um die Probleme zu lösen - von allen Seiten.

Plabutsch
13
29.5.2011, 13:19
dass man mit der Forderung nach Studiengebühren selbst bei Studierenden bei Wahlen dazugewinnen kann, das ist überraschend

Nachdenken wäre nicht schlecht.

Natürlich gibt es Studenten aus der monetären "Elite", die sich die Konkurrenz aus der "Unterschicht" gerne vom Hals schaffen würde.

Zahlen sollen für die Uni alle (über Steuergelder) - aber in Anspruch nehmen sollen sie nur die Reicheren können. Genau das ist der Sinn der Studiengebühren.

120 Jahre Karl Schranz
11
29.5.2011, 17:56
bitte beschäftigen sie sich mit dem konzept der julis, bevor sie so daher reden

die studiengebühren werden durch bildungskredite bezahlt, die nach dem studium zurückgezahlt werden, allerdings erst ab einem bestimmten einkommen.

Hackbrett Schorsch
01
29.5.2011, 13:18
Fordert gratis Bier und ihr werdet ebenso gewählt.

_oHo_
01
29.5.2011, 15:07
...AG

AG-Programm: Cocktailstand

Steverino
00
29.5.2011, 12:34
Schade, daß es die JES nicht mehr gibt!

Vor allem deren Hang zum Lodenwetterfleck hat mit sehr gut gefallen.

Der Oley
25
29.5.2011, 09:37
Aber wer wähl sie?

Doch nur "leistungsorientierte" Menschen aus dem monetär abgesicherten Milieu.

stefan1981
12
29.5.2011, 12:43

das sind die die alles bezahlen müssen...

na_derdingseben
75
29.5.2011, 01:22
Gratulation an die JuLis!

Wenigstens ein kleiner Haufen selbstständig denkender Studenten die verstanden haben das dieses emotionale Gewäsch welches von den anderen Parteien abgezogen wird nicht die Zukunft ist.

Es ist angenehm zu sehen das nicht alle in dieser "alles für alle am besten umsonst" Blase leben die dzt. gerade in Spanien und Griechenland explodiert und das sich wenigstens ein kleiner Haufen Studenten darüber Gedanken macht das - zweckgebundene - Studiengebühren zur Summe A die wir heute zahlen garantieren können das unsere Kinder eines Tages ebenfalls mit einer erträglichen Summe an Studiengebühren studieren können. Wenn Österreich diesen Einstieg verschläft wird es eines Tages das Studium tatsächlich nur mehr für die Schönen und Reichen geben.

Dieter Diskovic
77
29.5.2011, 10:30

Die JuLis sind so nötig wie ein Kropf - mehr Neoliberalismus braucht Österreich bestimmt nicht.

120 Jahre Karl Schranz
10
29.5.2011, 17:55
neoliberalismus in österreich???

dem land der kammern, der sozialpartnerschaft und den zwangsmitgliedchaften?

wo denn bitte??!!

Dieter Diskovic
00
29.5.2011, 23:38

Es ist trotzdem eine Diktatur des Marktes. Man braucht nur anschauen, wie die Unis nach den Forderungen der Wirtschaft umgeformt werden. Es geht doch nur noch darum unkritisches fachidiotisches "Humankapital" heranzuzüchten.

na_derdingseben
00
30.5.2011, 19:28

"Fachkritisches Humankapital" wäre dann in diesem Fall jener Personenkreis der nicht wahrhaben will das Geld (der böse Euro) eine Wertigkeit besitzt die von anderen durch Leistung und Arbeit geschaffen wird.

Wir leben nicht im Kommunismus, wobei: nichtmal dort war es egal ob man seine Staats-Verschuldung beachtet oder nicht.

Das Problem in Österreich ist das Gebühren die erhoben werden - trotz Gesetz das dies eigentlich einfordern würde - nicht zweckmässig verwendet werden.

Sie denken sehr kurzfristig und schreiben davon das die Wirtschaft die Uni's beeinflusst - genau diesen Umstand würden Studiengebühren mit Mass und Ziel aber beenden. Weil dann der Brötchengeber der Student ist - und nicht Coca Cola etc.

Dieter Diskovic
00
30.5.2011, 23:00

Freie, kostenlose Bildung inkludiert nicht automatisch einen Verkauf der Unis an die Konzerne! Studiengebühren bewirken gar nichts, ausser mehr Druck, mehr Verschuldung der Studenten, mehr soziale Selektion.
Die Parteien, die Studiengebühren fordern, sind doch nicht von ungefähr der Wirtschaft am hörigsten.

der letzte leser
00
29.5.2011, 18:38

Damit haben sie wieder eines der Probleme des Neoliberalismus formuliert. Der Neoliberalismus, der eigentlich ein Neoliberalismus ist tendiert zur Zerstörung von Institutionen und Strukturen.

Truhe
 
02
29.5.2011, 16:01

Der Gedanke dass Liberale nicht zwangsläufig Neoliberale sein müssen ist dir noch nicht gekommen oder?

Dieter Diskovic
00
29.5.2011, 23:34

Naja, es geht hier um die Julis, und die schätze ich schon neoliberal ein.

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