Das Leben danach

Leser-Kommentar | 27. Mai 2011, 12:36

Die westliche Welt hat anscheinend schon die Ereignisse im japanischen Fukushima verarbeitet. Haben wir nichts daraus gelernt?

Als ich das erste Mal den Namen Fukushima gehört habe, bin ich in meinem Bett gelegen. Ich habe Radio gehört, es waren gerade Nachrichten. Ich habe gehört, dass von dem Erdbeben und der Flutwelle in Japan ein Kernkraftwerk betroffen ist. Und dann habe ich mir gedacht, dass wir sehr lange von diesem Ort reden würden. Nun, ich habe mich offenbar geirrt. Wir in der westlichen Welt sprechen schon länger kaum noch von dem havarierten Atomkraftwerk, zumindest nicht in meiner näheren Umgebung. Für uns hat wohl schon "das Leben danach" begonnen. Wir haben die Katastrophe schon mehr oder weniger aufgearbeitet, denn was können wir noch großartig tun? Ja, wir können Grün wählen. So geschehen in Deutschland. Ja, wir können Geld an Japan spenden. Ja, Fukushima ist passiert. Und nun? Leben wir damit? Einfach so?

Die ganze Welt ist von einem Reaktorunfall betroffen

Rede ich mit Bekannten darüber, erlebe ich immer wieder Reaktionen, die von "Nein, wie schrecklich!" über "Was soll ich machen?" sogar bis hin zu "Ich kann's schon nicht mehr hören!" reichen. Nun ja, wir können es uns leisten, es nicht mehr hören zu wollen. Wir schon, die wir tausende Kilometer entfernt von dem havarierten Atommeiler leben. Die Japaner können das nicht. In der Provinz Fukushima ist ein riesiges Gebiet verstrahlt. Es ist für Generationen unbewohnbar. Uns war klar, dass der Unfall in Japan einer riesigen Katastrophe gleichkommt. Wir haben die Japaner bemitleidet, wir haben mit ihnen gefühlt und im gleichen Moment haben wir uns gedacht: Gott sei Dank ist es nicht bei uns passiert. Und langsam verdrängen und vergessen wir die Ereignisse. Dabei haben wir doch schon erlebt, wie es ist, wenn sich in unmittelbarer Nähe eine Atomkatastrophe ereignet. Gerade wir sollten wissen, wie das ist. Damals, 1986. In der damaligen Sowjetunion. Tschernobyl. Die ganze Welt ist von einem Reaktorunfall betroffen, wir dürfen so etwas nicht auf die leichte Schulter nehmen. Sei es durch erhöhte Toleranzwerte der Radioaktivität im EU-Raum bis hin zu verstrahlten Lebensmitteln. Doch wir müssen daraus Konsequenzen ziehen, für uns und unsere Nachwelt.

Und was sind die Konsequenzen?

Konsequenzen zu ziehen, ist einfacher zu sagen als zu tun. Momentan sieht es so aus, als kämen wir um den Atomstrom nicht herum. Es gibt zu wenig Innovationen auf anderen Gebieten, zu wenig großflächige Lösungen. Einer der Mitbegründer von Microsoft, Bill Gates, erklärte etwa in einem Interview mit dem Wired Magazine, dass er kaum Alternativen zur Kernenergie sehe, da es an ebendiesen großflächigen Lösungen, wie Solaranlagen in der Wüste oder Windkraftanlagen auf dem offenen Meer, mangle. Es werde an den falschen Ecken und Enden investiert, was dazu führe, dass es kaum brauchbare Alternativen gäbe. Eine Energiekrise wäre mit der aktuellen Politik nicht zu meistern. Wie dann? Durch uns, durch die Konsumenten.

Um Atomstrom überflüssig zu machen, können wir einen immens großen Beitrag leisten: Wir sparen Strom. Und was wir alles tun können, um Energie zu sparen, haben wir schon sehr oft gehört. Wir tun es oder wir lassen es, mehr Möglichkeiten gibt es auch schon nicht mehr. Ob man stromsparende Maßnahmen trifft oder nicht, ob man auf alternative Energien setzt oder nicht, ist jedermanns eigene Entscheidung. Aber eines muss uns allen klar sein. Was wir tun können mag nicht nach viel klingen. Doch irgendwo muss man anfangen. Irgendjemand hat einmal gesagt, dass jede Reise mit dem ersten Schritt beginnt. Und es liegt in diesem Fall an uns, an niemandem sonst, diesen ersten Schritt zu setzen. Denn wenn wir es nicht tun, wer tut es dann? Solange sich hier in unserer Einstellung und im internationalen Bewusstsein nichts ändert, solange wird es immer wieder neue Fukushimas und Tschernobyls geben. Und das betrifft letztlich uns alle. (Leser-Kommentar, Raphael J. Spötta, derstandard.at, 27.5.2011)

Autor

Raphael J. Spötta, zurzeit Zivildiener, möchte Politik- und Rechtswissenschaften studieren.
Facebook: https://www.facebook.com/profile.php?id=100001165299332;
Blog: www.blogschriftksj.wordpress.com

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Palmenpolizist
00
29.5.2011, 12:44
Nötiger erster Schritt. So redet die Industrie zb auch, wenn es ganz allgemein um Nachhaltigkeit geht: "Erster Schritt, wir haben eh schon dies und jenes konkret getan, weite Reise, das dauert, die Konsumenten müssen ihren Beitrag leisten,

wir stehen im Wettbewerb, die Bedingungen müssen für alle gleich sein ..."

Nachvollziehbare Argumentation, aber der nötige erste Schritt ist ein ganz anderer:

Wer verbraucht welchen Strom zu welcher Tageszeit mit welchen Geräten, wieviel Energie steckt in welchen Dienstleistungen und Produkten drin?

Den Konsumenten zu Verhaltenänderung aufzurufen ist ein einfacher Schritt, letztlich aber nur eine fadenscheinige Entlastung der Wirtschaft und vor allem der Politik. Besonders dann, wenn der Konsument gar nicht über alle Informationen verfügt um sein eigenes Handeln zu beurteilen.

Beispiel: Die E-Wirtschaft will keine intelligenten Stromzähler, denn wenn der Konsument seinen Stromverbrauch nachvollziehen kann, ist das geschäftsschädigend.

Morpheus DerStandard
11
29.5.2011, 10:55
was wissen wir schon über folgeschäden von tschernobyl

diverse krankheiten welche heute im alltagsbild "normal" geworden sind

ob es diese auch (in diesem ausmaß) geben würde wenn wir nicht als kinder der austrittsstrahlung von tschernobyl ausgesetzt gewesen wären?

niemand kann es beweisen, oder widerlegen.

Roter Baron
00
29.5.2011, 09:21
was heißt danach ?

der supergau in fukushima ist noch immer voll im gange !
die ruinen emittieren nach wie vor jede menge radioaktivität !

roter baron

Karl Heiden1
00
28.5.2011, 21:56
"Wir sparen Strom"

und unterlassen es, den "Standard" online zu lesen sowie den PC überhaupt hochzufahren ...
... oder vielleicht doch nicht? (Zeitgenössische Schizophrenie)

günter frank
00
29.5.2011, 08:37
also Strom hat man schon...

...verbraucht bevor er durch Kernenergie erzeugt wurde -- und man wird noch Strom verbrauchen wenn kein Reaktor mehr liefert.

Sie tun so als ob Stromerzeugung ohne diesen Atommist unmöglich wäre, das ist nicht wahr und verzerrt die Wirklichkeit.

Um Missverständnissen vorzubeugen, ich bin sehr für´s Strom sparen, als zweites Standbein für eine saubere Erzeugung.

märchenonkel
00
28.5.2011, 21:47
In Wien steht ein Forschungsreaktor, absolut sicher, kein Problem. Wenn aber ein Besucher auf die Idee kommt, eine Hand voll Graphitminen reinzuschmeissen, in das ach so sichere Gerät, dann wird's lustig ...

Erstversuch
00
30.5.2011, 10:48
Was wird denn dann passieren?

Gerhard Bichler1
30
28.5.2011, 09:27
Die aufklärende Wirkung von Fukushima.,.

Nun sind wenigstens die Hysteriker widerlegt und ruhig welche bei jeder Diskussion über Atomenergie von Millionen Toten gefaselt haben.

Solus Ipse
10
28.5.2011, 14:39
inwiefern widerlegt?

Millionen Tote durch Tschernobyl oder Fukushima lässt sich ebensowenig widerlegen wie die Existenz Gottes.
Es ist eine Glaubensfrage.

Widerlegen lässt sich nur: Millionen Sofort-Tote durch akute Strahlenschäden. Über die globale Langzeitwirkung kann aber fast beliebig spekuliert werden.

cash cow1
00
28.5.2011, 14:03

das mio tote zitat hätte ich aber jetzt gerne irgendwo belegt?

WBR
00
29.5.2011, 11:14
Google macht´s möglich:

"Millionen Tote" und "Fukushima".
Mehr Treffer gibt´s aber wenn man statt Fukushima Tschernobyl nimmt.
Ein Beispiel:
http://www.tagesschau.sf.tv/Nachricht... schernobyl

günter frank
00
28.5.2011, 09:13
lasst alle Hoffnung fahren.....

Zuallererst, - ich hab auch grün gewählt, nicht weil ich denen was zutrau, mehr weil es endlich zu einem Wandel kommen muss indiesem Schmierentheater einer duch die Wirtschaft korrumpierten Politik..

zum Thema, ich seh´s mal pragmatisch
(hier eine Zeitraffer)

Als Tschernobyl in die Luft flog und und die Kinder nicht mehr in die Sandkisten der Spielplätze durften hat die öffentliche Erregung nicht ausgereicht die Regierungen dorthin zu bewegen wo sie längst sein müssten.
Fokushima war dann nach nur Wochen schon kein Gesprächsthema mehr.

In Deutschland hat´s heuchlerisch einen populistischen Regierungsruck gegeben der ihr das Leben retten soll, kurz zuvor hatten die die Laufzeiten von Schrottmailern verlängert.

Gates hat schon recht...

Chris Quast
00
28.5.2011, 17:45

dickes fettes rot !! für die ewig gleiche leier !
bzgl. kein gesprächsthema und so ! was für ein gesprächsthema beackerst denn du für gewöhlich über jahre. wetter ! aber sonst wüsste ich nix.

ok bei tschnobyl war ich zu jung, als dass ich die direkten folgen gesehen hätte. aber war es nicht so, dass seit dem die kernkraft in europa quasi tot war. moratorien etc. und genommen haben wir ihn ja gerne den strom !

in deutschland schreibst von heucherlischen politikänderung. aber fakt ist ja wohl, dass durch fukushima, die laufzeit in d um jahrhunderte (17 * x jahre) reduziert wurde.

würde schon sagen, dass das ein erfolg ist, wenn man nicht gerade aktienbesitzer von atomanlagenbauer ist.

günter frank
00
28.5.2011, 22:21
sorry ich probier´s nochmal...

...ich habe davon geschrieben, dass die deutsche Regierung Schröder (Rot Grün) unter dem Druck der Bevölkerung Termine für den Atomausstieg festgelegt hat und daraufhin Ruhe eingetreten ist bis die Schwarz Gelbe Regierung plötzlich die Laufzeit für diesen Mist aufgrund des Drucks der Wirtschaft verlängert hat.
Die Reaktoren sind sicher, das ewige Matra der Kraftwerksbetreiber...

...bis plötzlich die Reaktoren in Fokushima schmolzen..

eigentlich ein Vorfall der nüchtern betrachtet nichts mit den deutschen Reaktoren zu tun hat, Tsunamis gibts bei und nicht.
Weil die Regierung weiss, dass die Bevölkerung sie Killen wird bei de rnächsten Wahl hat sie Hals über Kopf Reaktoren stillgelegt...
Das isk keine Art verantwortl. Politik zu betreiben

ChesneyB
00
29.5.2011, 07:58
"Tsunamis gibts bei uns nicht"

Sie haben aber schon mitbekommen, daß Tepco endlich zugegeben hat, daß die Kernschmelze in den drei Reaktoren schon vor dem Tsunami passiert ist, oder?

günter frank
00
29.5.2011, 08:32
Sie...

...wollen es nicht verstehen oder-?

Palmenpolizist
00
29.5.2011, 12:35

Wenn Sie sich unverstanden fühlen, suchen Sie doch bitte den Fehler bei sich selbst und schreiben klarer.

Mir ist auch nicht klar, was Ihnen am Statement des Vorposters nicht passt.

Anmerkung: Die Kombination Flutwelle und Erdbeben kann auch europäische KKW betreffen, da diese meist an Flüssen liegen.

no_milk_today
00
27.5.2011, 22:50

http://www.heise.de/tp/artike... 831/1.html
Tepco konnte die Kernschmelze in Echtzeit verfolgen

molekühl
23
27.5.2011, 16:46

Eigentlich wollte ich jetzt was boshaftes schreiben, aber was solls, ich war ja auch einmal 18 Jahre alt.

Freedom to the people
12
27.5.2011, 15:17
Wieso "danach"?

Fukushima bläst doch noch lustig Radioisotope in die Welt....das ist noch lange nicht vorbei...also warum "Das Leben danach"?

Sir100
Raphael Spötta
01
28.5.2011, 09:01

Stimmt, aber es geht in dem Artikel darum "dass das Leben danach für uns" schon begonnen hat also dass die Katastrophe für den Westen quasi schon vorbei ist weil wir kaum Auswirkungen spüren.

BioHorst Schlemmer
11
27.5.2011, 14:33
Infos rund um AKW´s

AKWs rund um Österreich OHNE Containment http://atomar.soup.io/post/1178... nt-Schutzh

Liste Unfälle in kerntechnischen Anlagen http://de.wikipedia.org/wiki/List... en_Anlagen

Infos über Zwischenfälle in Deutschland http://de.wikipedia.org/wiki/List... en_Anlagen

Infos zur Laufzeitverlängerung - durch Vertragsbruch erreicht
http://de.wikipedia.org/wiki/Lauf... kraftwerke

Liste AKWs in Europa
http://de.wikipedia.org/wiki/List... _in_Europa

BioHorst Schlemmer
10
27.5.2011, 14:32
Du bist deine eigene Grenze. Erhebe dich darüber :)

doku film über neues endlager – gebaut für 100.000 jahre,60min
http://www.youtube.com/watch?v=8AWcle6lM_Q

neue akw doku - über risikozunahme durch privatisierungen,58min
http://www.youtube.com/watch?v=TzqO16L6VuQ

TÜV Atomkraftwerke,8min
http://www.youtube.com/watch?v=6KniumsmSMs

Vertragsbruch Atomlobby,3min
http://www.youtube.com/watch?v=XU0MJwdlbUE

atomindustrie verdient am eigenen müll,6min
https://www.youtube.com/watch?v=Ln99zLDa9ic

die nachwirkungen
http://www.heise.de/tp/r4/art... 647/1.html

alternativen verhindert,6min
http://www.swr.de/report/-/... index.html

bericht
http://www.profil.at/articles/... geschaefts

BioHorst Schlemmer
10
27.5.2011, 14:31
Nachfolge 1986

Nachfolge 1986: Österreich zählt im internationalen Vergleich zu den vom Tschernobyl-Fallout am stärksten betroffenen Ländern - wegen des Fallout Regens

damals wurde uns gesagt, ist nicht so schlimm, 2min http://www.youtube.com/watch?fea... 7yDE#at=11

Besonders betroffen sind folgende Gebiete: Ein von Norden bis zu den Hohen Tauern verlaufender Streifen: Teile des Wald-, Mühl-Viertels, die Gegend um Linz, die Welser Heide, die Pyhrngegend, Salzkammergut, westliche Niedere Tauern und Hohe Tauern bis zu den Zillertaler Alpen.

caesium verseuchung
da findet ihr messungen von waldprodukten und lebensmittel verschiedener jahre
http://www.umweltinstitut.org/radioakti... smittel--u

Zenon
00
28.5.2011, 10:26
Österreichs Opferrolle

"Damals wurde uns gesagt, es sei nicht so schlimm." Und was ist daran heute anders?

Österreich war zwar mehr betroffen als manche andere Länder, aber trotzdem ist es nicht schlimm. Mit Fukushima ist das nicht zu vergleichen!

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