Die Hoffnung der Autobranche lautet, in den derzeit noch weniger entwickelten Ländern im Laufe der Zeit auf über 500 wie bei uns aufschließen wird
Dass Michelin nun schon seit mehr als zehn Jahren eine ganze Menge Geld ausgibt, um der Verknüpfung von Verkehr und Umwelt mehr Raum in der menschlichen Denkwelt einzuräumen, ist wohl grundsätzlich lobenswert. Man darf das aber nicht falsch verstehen. Denn im Untertitel der Challenge Bibendum steht klipp und klar geschrieben: "Gemeinsam für eine nachhaltige Mobilität im Straßenverkehr." Nicht etwa: "Für eine vernünftige multimodale Mobilität."
Das ist nur logisch: Michelin ist ein Reifenkonzern, und außer ein paar Zügen der Pariser U-Bahn fährt kein schienengebundenes Fahrzeug mit Gummireifen, Magnetschwebebahnen schon gar nicht. Und Flugzeuge sind auch nur ein kleiner scharf umrissener Markt. Da konzentriert man sich schon lieber auf das Wachstumspotenzial beim zwei- und vierrädrigen Individualverkehr in den Bric-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China). Dort geht es nämlich künftig um die Wurst, und zwar um eine dicke Wurst.
Die Hoffnung der Autobranche lautet nämlich, dass man auch in den derzeit noch weniger entwickelten Ländern im Laufe der Zeit von einer einstelligen Zahl Autos je 1000 Einwohner auf über 500 wie bei uns aufschließen wird. Glänzende Geschäfte also.
Einige Prognosen sprechen aber auch gegen diesen Boom. Die zunehmende Zahl und Größe der Megacitys erleichtert, ja fordert geradezu die Installation dichter Netze öffentlicher Verkehrsmittel. Die Autoindustrie und wohl auch die Reifenhersteller wollen sich da aber keinesfalls ausbremsen lassen. (Rudolf Skarics/DER STANDARD/Automobil/27.05.2011)