Soziale Kontrolle

Kriege und Nöte prägen kulturelle Unterschiede

Kurt de Swaaf, 26. Mai 2011, 20:10

Forscher untersuchen in einer multikulturellen Studie, warum Gesellschaften liberaler oder restriktiver wurden

Washington - Die Klischees kennen wir alle: Asiaten sind obrigkeitshörig und extrem auf Konformität bedacht, Skandinavier liberal und eigenbrötlerisch, Amerikaner individualistisch, aber hilfsbereit. Vieles von dem mag vereinfacht und verzerrt sein, einen wahren Kern gibt es dennoch. Oder?

Den Ergebnissen einer neuen multikulturellen Studie nach zu urteilen, ja. Ein internationales Forscherteam unter Leitung der US-Psychologin Michele Gelfand von der University of Maryland hat insgesamt 6823 Menschen aus 33 Nationen hinsichtlich ihrer kulturellen Eigenheiten und Ansichten befragt. Die Wissenschafter hatten hierzu eine Liste von sechs Standards aufgestellt, die aufzeigen sollen, wie liberal, "locker" oder restriktiv, "eng", eine Gesellschaft ist.

Die Ergebnisse wurden zu einem Index zusammengefasst, jede Nation hat darin seine Benotung. Je höher, desto weniger soziale Freiheiten haben ihre Bürger. Das kulturelle Korsett bestimmt dann das Leben - oft bis in die privatesten Einzelheiten. Die höchste Zahl erreicht demnach Pakistan mit 12,3 Punkten. Österreich liegt mit 6,8 Punkten knapp über dem Mittelwert (6,5). Weitere Details wurden am Donnerstag im Fachblatt Science veröffentlicht.

In einem zweiten Schritt verglichen die Forscher diese Resultate mit der Geschichte der einzelnen Länder und machten dabei eine faszinierende Entdeckung. In den meisten Fällen gibt es offenbar einen Zusammenhang zwischen Restriktion einerseits und historischen sowie ökologischen Aspekten andererseits.

Kooperation und Kontrolle

Völker, die häufig mit Naturkatastrophen, Hungersnöten oder auch Kriegen konfrontiert waren, neigen stärker zur Freiheitsbeschränkung als solche, die weniger heimgesucht wurden. Ähnliches gilt für die Gesellschaften in traditionell dicht bevölkerten Gebieten. Die Erklärung für solche Muster liegt vermutlich in der Notwendigkeit zur engen Kooperation, meinen die Experten. Gemeinsam und straff geführt ließen sich die Probleme wohl am besten bewältigen, man war stark auf einander angewiesen. "Wenn es solche Abhängigkeiten gibt, dann ist es erforderlich, dass die Menschen die Regeln befolgen", erklärt Michele Gelfand. Konformität als Überlebensstrategie sozusagen. Soziale Kontrolle hält sie aufrecht. Aus ähnlichen Gründen tendieren solche Länder anscheinend auch eher zu autokratischen Regimen.

Michele Gelfand ist sich gleichwohl darüber im Klaren, dass die Studienergebnisse keinen kausalen Zusammenhang nachweisen. Zumindest in einigen Fällen dürften sich Restriktion und Probleme gegenseitig verstärken, meint die Wissenschafterin. Diktatoren und Kaiser zettelten bekanntlich immer wieder gerne Kriege an, ausbeutende Herrschaft führt zu Not.

"Es ist essenziell, zu verstehen, warum es kulturelle Unterschiede gibt", betont Gelfand. Vor allem in einer zunehmend globalisierten Welt. Eine Kultur ist nicht unbedingt besser als eine andere, sie ist meist einfach nur anders, angepasst an die ökologischen Bedingungen in ihrer Region und geprägt durch ihre Geschichte. Dem Außenstehenden aber werden die Unterschiede oft unverständlich bleiben oder ihn sogar abstoßen. "Und das heizt Konflikte an." (Kurt de SwaafDER STANDARD, Printausgabe, 27.05.2011)

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RisusSardonicus
 
00
31.5.2011, 08:16
Methodisch ist die Studie Müll

Zuerst stellt man eine Reihung auf, nachher sucht man nach Erklärungen, wie es zu dieser Reihung kam und will davon einen kausalen Zusammenhang ableiten?

Da hat jemand die Statistik Vorlesung geschwänzt...

das kleine Massnahmenpaket
00

So ist es. Und das Ergebnis ist eine no-na Aussage.

freeteknomaden
00
29.5.2011, 14:11

und wo gibts das ranking?

freeteknomaden
00
29.5.2011, 13:55

und wo ist das ranking einsehbar?

Prof. Wolf
00
28.5.2011, 22:22
Und was ist mit der USA?

"Völker, die häufig mit Naturkatastrophen, Hungersnöten oder auch Kriegen konfrontiert waren, neigen stärker zur Freiheitsbeschränkung als solche, die weniger heimgesucht wurden."
Die sind im Dauer Kriegszustand, es gibt pro Jahr mehrere Stürme und knapp 10% der Bevölkerung lebt von Lebensmittelmarken und die können sich trotz des Patriot Act noch sehr frei und tolerant nennen. (Na ja die, die Macht haben.)

Schwedenbåmbe
02
27.5.2011, 18:32

Das widerspricht meiner Beobachtung der Schweden z.B.: seit 200 Jahren gabs hier keinen Krieg, bis in die 30er waren die zwar bitterarm, aber nachdem man die mal halbwegs ausgenuechtert hat gings ja rapide bergauf mit z.B. dem Lebensstandard. Trotzdem gilt hier: Grundsäztlich ist mal alles verboten, ausser es ist ausdruecklich erlaubt.

Find ich interessant.

oblomow II
00
29.5.2011, 18:39
"einerseits und historischen sowie >ökologischen< Aspekten andererseits. "

... ökologisch wären zb lange, kalte, finstere winter, die man nur durchsteht, wenn man zusammenrückt.

ein weiterer grund dürfte die pietistische prägung sein

Annata
00
27.5.2011, 18:15
Freiheiten kann sich jeder leisten

Der rational an Gesellschaftliche Probleme heran geht. Aber dafür muss man auch erstmals die Bevölkerung überzeugen das die wissenschaftliche Methode besser ist all ihre alten Märchen.

Wen es in Österreich schon so schwer ist, im sogenannten Aufgeklärten Europa. Dann braucht man sich nicht wundern warum es in anderen Länder unmöglich scheint

die naive
40
27.5.2011, 09:22
No na.......

In den meisten Fällen gibt es offenbar einen Zusammenhang zwischen Restriktion einerseits und historischen sowie ökologischen Aspekten andererseits.

Von irgendwo bzw irgendwie müssen die diversen Forscher ihr Geld ja herkriegen....

bro
11
27.5.2011, 08:51

Man könnte also folgern, dass sich der Westen die relative individuelle Freiheit leisten kann/konnte, weil er die Ressourcenprobleme und Kriege in andere Teile der Welt ausgelagert hat...

Ich bin bei solchen Studien immer skeptisch - die ausgewählten Variablen beeinflussen ja schon das Ergebnis. Aber es ist wohl jedem klar, dass eine Gesellschaft immer auch ihre Geschichte und ihre Umwelt widerspiegelt.

c_pes
 
02
27.5.2011, 13:07

das trifft aber nur auf den letzten, winzigen abschnitt (6-7 jahrzehnte sind nicht viel) unserer geschichte zu. davor herrschte in europa bis in die römerzeit zurück kein halber tag frieden.

Der Unkurze
00
27.5.2011, 12:25

hier kann man aber zb japan als gegenbeispiel nehmen ;)

Wappen hea
00
27.5.2011, 12:47
?

Gegenbeispiel, weil nicht im Westen (alles relativ), oder weil es seine Kriege nicht nach Korea und China ausgebreitet hat, oder weil es sich nicht Freiheit und zusätzliche Ressourcen (auch Freiheit) auf Grund unterjochter, anderer Völker (ebendiese) geleistet hat?

Japan ist gerade DAS Paradebeispiel im Osten.

Der Unkurze
01
27.5.2011, 14:47

Sie haben mich komplett missverstanden.

Japan ist ein Gegenbeispiel weil Japan all dies, genauso wie "der Westen", getan hat, aber trotzdem, im Gegensatz zum "Westen" sehr geringe individuelle Freiheiten existieren sondern der Alltag von sehr strengen sozialen Regeln bestimmt wird.

12
00
28.5.2011, 01:26

Starke gesellschaftliche und politische Restriktionen wurden in Japan vom Tokugawa Shogunat eingeführt und damit begann eine relativ friedliche Periode von 250 Jahren nach einer langen Zeit der Bürgerkriege.
Das kann schon prägend gewirkt haben.

g. b.2
00
27.5.2011, 16:57
Wie auch das Paradebeispiel des Westens..

Amerika.

Der Unkurze
00
27.5.2011, 20:42

So streng sind Sitten und bräuche in Amerika aber nicht ;)

deus_ex_machina
00
27.5.2011, 08:22
Faszinierende Entdeckungen oder doch nur Binsenweiheiten?

peter schmidt
 
02
27.5.2011, 02:29
Bezüglich Verbieterei holen wir ja schön auf gegenüber den Asiaten.

Wenn wir halt dann den gelichen Freiheitsstandard wie die Asiaten haben und gleichzeitig den gewohnten "Fleiss" aufrechterhalten werdens uns halt um die Ohren fahren.

Ehrlicher
36
26.5.2011, 22:16
"ausbeutende Herrschaft führt zu Not"

ein schöner Appell an unsere Politiker, speziell an den Finanzminister...

Nick Tameer
44
27.5.2011, 07:27

Es barmt mich, im Fernsehen immer diese Bilder mit ausgemergelten österreichischen Steuerzahlern zu sehen. Gibt es ein Spendenkonto? Steuerliche Absetzbarkeit vorausgesetzt, sonst würde ich ein Solidaritäts-Nummernkonto in Liechtenstein bevorzugen.

Ehrlicher
01
27.5.2011, 10:38
oh, ein Finanzbeamter meldet sich zu Wort.

Nick Tameer
00
27.5.2011, 21:03

Mitnichten Ich bin ganz staatsfern, finde es aber lächerlich, wenn vermutlich überdurchschnittlich gut verdiendende Leute den Anschein erwcken, als würden sie ausgepresst wie ein Bauer im Absolutismus, aber verstohlen andeuten, es sei ihnen gelungen, ein paar Dukaten vor dem Zugriff der Schergen in Sicherheit zu bringen.

Ehrlicher
11
27.5.2011, 10:37
oh, ein Finanzbeamter medlet

Pro Freistaat Kärnten!
 
01
27.5.2011, 03:10
eher wohl

an die banker

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