Japans Aktienmarkt ist "günstig bewertet"

26. Mai 2011, 18:34
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Trotz der Naturkatastophen in Japan investieren ausländische Investoren wieder. Die Bewertung des Marktes ist laut Yoshiharu Hashimoto attraktiv

Wien - Die Folgen der dreifachen Krise (Erdbeben, Tsunami, Nuklearkatastrophe) sind für Japans Wirtschaft noch nicht absehbar. "Niemand kann derzeit sagen, wie lange es bis zur Erholung dauert und wie genau der Prozess besonders im Norden des Landes aussehen wird", sagt Yoshiharu Hashimoto, Portfolio-Berater bei dem Vermögensverwalter Daiwa Asset Management. Wegen des Erdbebens im März ist die Wirtschaft um 0,9 Prozent im ersten Quartal geschrumpft. Doch Hashimoto rechnet zumindest für die Industrie mit einer relativ raschen Rückkehr zur Normalität. "Wir werden einen Wiederaufbau der Fabriken sehen, bis September wird 90 Prozent der Produktion zurück sein." Das sei nur deswegen möglich, weil das Gros der Fabriken nicht im schwer getroffenen Norden des Landes liegt.

Doch jüngste Unternehmensdaten deuten Negatives an. So ist die Toyota-Aktie seit dem Erdbeben um 15 Prozent gefallen. Sony überraschte zuletzt mit deutlich schlechten Zahlen. Doch für Hashimoto sind die Verluste insbesondere ein Ausdruck des starken Yen. Er hält den Yen für "signifikant überbewertet" und erwartet daher in naher Zukunft mit einer Abwertung gegenüber des Dollars. Der Yen steht mit 81,34 nur knapp vier Prozent unter dem Rekordhoch gegen den Dollar.

Bewertung lockt Investoren

Wegen der jüngsten Stärke der Währung würden daher erstmals auch alteingesessene japanische Unternehmen öffentlich Pläne wälzen, den Firmensitz zu verlegen. Denn gerade die Konkurrenz in Asien sei sehr groß. "Unsere Wettbewerber um Marktanteile in der Auto- oder Elektronikindustrie sind keine US-Konzerne, sondern koreanische Unternehmen,"

Doch für japanische Aktien spreche die günstige Bewertung. Seit Monaten notieren die Titel nahe an ihrem Buchwert, "Japan ist günstig bewertet, gerade im Vergleich mit anderen Märkten", betont Hashimoto. Das locke Anleger an. "Ausländische Investoren haben in den vergangenen 28 Wochen Geld in japanische Aktien investiert, ein neuer Rekord."

Die Wachstumsstory in Japan hätte sich hingegen nicht geändert: "Industrieunternehmen mit Exportfokus Japan sind weiterhin auf ausländisches Wachstum angewiesen", glaubt der Experte der Daiwa, die etwa in Österreich mit der Erste Sparinvest kooperiert. Tatsächlich liege ein großes Risiko für Japan in den Schwellenländern. Angesichts der Inflationstendenzen, insbesondere in China, rechnet Hashimoto mit weiteren Zinsschritten der Notenbanken, "früher oder später werden wir eine Abkühlung der Wirtschaft sehen".(Lukas Sustala, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 27.5.2011)

  • Der Yen ist "signifikant überbewertet", glaubt Hashimoto.
    foto: standard/corn

    Der Yen ist "signifikant überbewertet", glaubt Hashimoto.

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