Ein Geisterschloss am Wörthersee

26. Mai 2011, 18:09
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In der Gemeinde Maria Wörth herrscht Unmut über Frank Stronach – Man will Schloss Reifnitz zurück, weil Magna dort keinen touristischen Leitbetrieb für die Wörthersee-Region realisiert hat

Klagenfurt - Magna-Gründer Frank Stronach, einst vom verunfallten Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider zum Neo-Kärntner geadelt, macht sich rar in seiner neuen Heimat. Verlassen steht sein Schloss Reifnitz am Wörthersee. Den Schlossherrn, der derzeit als möglicher Finanzier einer neuen österreichischen Wirtschaftspartei gehandelt wird, haben die Reifnitzer schon lang nicht mehr gesehen.

Groß waren die Versprechen gewesen, als Stronach, beziehungsweise die Magna Projektentwicklungs GmbH & Co OHG 2005 das halb verfallene Schlösschen von der Gemeinde Maria Wörth-Reifnitz kaufte. Einen touristischen Leitbetrieb der Luxusklasse für die gesamte Wörthersee-Region wollte der damalige Magna-Boss rund um Schloss Reifnitz errichten: ein Wellness-Hotel für Magna-Kunden samt 14 Luxusvillen für betuchte Manager. Mindestens 70 Arbeitsplätze hätte das Projekt bringen sollen.

Doch nichts davon ist passiert. Es wurde lediglich das Schloss um etliche Millionen saniert. Nun fühlen sich viele Reifnitzer gewissermaßen betrogen. Denn Stronach hatte seinerzeit das gesamte Schloss samt Areal und umliegendem Wald, insgesamt 69.141 Quadratmeter öffentlichen Grund, zum Schnäppchenpreis von 6,4 Millionen Euro erworben, was einem Quadratmeterpreis von rund 92 Euro entspricht - für beste Lage am Wörthersee, die heute um 3000 Euro gehandelt wird.

Rückkaufsrecht

Der Kaufvertrag enthielt allerdings ein Rückkaufsrecht für die Gemeinde, wenn die vereinbarte Tourismusinvestition nicht innerhalb von fünf Jahren realisiert wird. Die Frist verstrich Ende 2010. Nun hat der Gemeindevorstand von Maria Wörth mehrheitlich beschlossen, das Rückkaufsrecht wahrzunehmen. Dazu hätte die Gemeinde drei Jahre Zeit. Doch Bürgermeister Adolf Stark (FPK) legt sich quer. Und auch das Land Kärnten hat weder Geld noch Interesse am Rückkauf.

"Das ist Vertragsbruch. Die Gemeinde ist massiv geschädigt worden", ärgert sich der Maria Wörther Vizebürgermeister und Obmann der Reifnitzer Bürgerliste Helmut Rothe im Standard-Gespräch. Zumal auch schon ein Interessent aufgetaucht sein soll, der Schloss Reifnitz aus seinem Dornröschenschlaf erwecken und daraus das erwartete Luxushotel machen will. Das behauptet zumindest ein Wiener Immobilienmakler. Den Name des Interessenten - er soll Russe sein - will er aber nicht preisgeben. Der soll angeblich 20 Millionen für Stronachs Schloss am Wörthersee geboten haben.

"Neinsager ohne Visionen"

"Die Gemeinde hat kein Geld für einen Rückkauf", entgegnet Bürgermeister Adolf Stark. Außerdem entscheide der Eigentümer, ob er verkaufen wolle oder nicht. Laut Stark habe die Magna-EntwicklungsgesmbH noch immer Ausbaupläne. Diese seien nur gescheitert, weil die Bürgerliste die von Stronach geforderte Straßenuntertunnelung vor der Schlosseinfahrt abgelehnt hätten. "Das sind doch alles nur Neinsager ohne Visionen. Mit denen rede ich darüber überhaupt nicht mehr", poltert Stark. "Sollte nichts mehr passieren, hätte Stronach auf unsere Kosten einen goldenen Schnitt gemacht", ärgert sich eine Reifnitzer Pensionsbetreiberin. Schon 2005 habe man gemunkelt, dass das Schloss Haiders Morgengabe für eine Magna-Betriebsansiedlung in Klagenfurt gewesen sei. (Elisabeth Steiner, DER STANDARD, Printausgabe, 27.5.2011)

  • Frank Stronach findet selten Zeit für sein Schloss Reifnitz am 
Wörthersee. Die versprochene Luxusherberge für Manager blieb der 
Magna-Gründer den Reifnitzern bisher schuldig.
    foto: eggenberger

    Frank Stronach findet selten Zeit für sein Schloss Reifnitz am Wörthersee. Die versprochene Luxusherberge für Manager blieb der Magna-Gründer den Reifnitzern bisher schuldig.

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