Der gute alte Generationskonflikt

26. Mai 2011, 17:16
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Das Finale des Theaterwettbewerbs "Töchter und Söhne" in der Drachengasse

Wien - Sie kommen, um sich zu beschweren: Töchter und Söhne wurden vom Theater Drachengasse im Rahmen des Nachwuchs-Theater-Wettbewerbs 2011 eingeladen, sich an ihren Altvorderen abzuarbeiten. Franz Kafkas Brief an den Vater sollte dabei als Ausgangspunkt für jeweils zwanzigminütige Arbeiten dienen.

Die drei sehr unterschiedlichen ins Finale eingezogenen Projekte zeigen, dass das Nörgeln über eine andere Generation auch für die vermeintlich konfliktscheuen Jahrgänge keine schwere Übung ist. Nun dürfen sie 16 Abende lang um die Gunst von Fachjury und Publikum spielen. Auffällig ist dabei, dass Kafkas Text letztlich kaum von Bedeutung ist, die persönliche Lebensrealität der Auftretenden dafür umso mehr im Vordergrund steht. Die Schlagworte lauten hier Schauspielschule und Prekariat. Wer einen Einblick bezüglich der gerade erst infrage gestellten Generation Praktikum möchte, dem genügt ein Blick auf die Lebensläufe des Theaternachwuchses.

Die den Abend eröffnende Performancegruppe Rosidant stellt ins Zentrum ihrer Arbeit die alte Tante, pardon: Oma, Gender. Traum(a) in Rosa - or: My Grandmother Old Rose zeigt eine junge Frau, die sich mit Erwartungen ihrer Großmutter bezüglich Geschlechterrollen nicht anfreunden kann. Ihr zuckerlrosa Mädchen-Ich sorgt für Radau, der Zuschauer lernt, dass alte Schlagertexte eher wertkonservativ sind.

Die Gruppe Kommentar 2 bedient sich konventionellerer Mittel, wenn sie in dem Generationsreigen Tadschikistan zwei Jungmenschen und deren Väter Lebensanschauungen ausdiskutieren lässt. Der Geist der Prager Dohle ist hier am deutlichsten zu spüren. Der Liebling des Premierenpublikums war indessen die Gruppe Bureau mit ihrem Hochgeschwindigkeitsritt Outperform Yourself: Treten Sie Sich Ein. In seiner jugendlichen Zügellosigkeit macht der von einem Schauspielerinnendoppel vorgetragene Text viel Spaß. Wie viel Sinn tatsächlich dahinter steckt, lässt sich vielleicht am 10. Juni eruieren, wenn sich alle zu einem Round-Table-Gespräch treffen. (Dorian Waller / DER STANDARD, Printausgabe, 27.5.2011)

Bis 11. Juni

 

  • Raus aus dem Gender-Strumpf: "Traum(a) in Rosa".
    foto: a. friess

    Raus aus dem Gender-Strumpf: "Traum(a) in Rosa".

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