Schwimmer verweigert Kontrolloren der NADA die Abgabe eines Tests -Zweifachen Kurzbahn-Europameister droht Sperre - Schwimmverband hält sich bedeckt
Wien - Spitzenschwimmer Dinko Jukic soll am Dienstag gegen 16 Uhr im
Rahmen einer Trainingseinheit im Wiener Stadionbad zwei Kontrollore der
Nationalen Anti- Doping-Agentur (Nada) einen Harn- und Bluttest
verweigert haben. Laut einem Kurier-Bericht rechtfertigte der zweifache
Kurzbahn-Europameister sein Tun mit mangelhaften sanitären Bedingungen
im Stadionbad. Der Schwimmverband OSV führte zudem Unstimmigkeiten über
den methodischen Ablauf der Kontrolle ins Treffen. Der 22-jährige Wiener
habe sie nach dem Ende seines zweistündigen Trainings absolvieren
wollen. Der Kontrollor und die anwesende Ärztin hätten das Bad aber
davor verlassen.
Die Verweigerung des Dopingtests wird - ähnlich wie bei einer
Alkoholkontrolle - als positive Probe gewertet und hat die Einleitung
eines Verfahrens zur Folge. Jukic, der sich in der Vorbereitung für die
Langbahn-WM im Juli in Schanghai befindet, droht eine Sperre von bis zu
zwei Jahren. Auch die Teilnahme an Olympia 2012 in London ist in Gefahr.
Die Nada berief sich nach dem Vorfall auf die gesetzliche
Verschwiegenheitspflicht. Laut Statuten muss sich der Schwimmer jetzt
einem Verfahren vor der Nada-Rechtskommission unter dem Vorsitz des
Rechtsvertreters Gernot Schaar stellen. Der Schwimmverband OSV wurde von
Jukic vom Vorfall unterrichtet, hält sich aber noch bedeckt. "Ich weiß,
dass derzeit Tests durchgeführt werden", sagte Generalsekretär Thomas
Gangel. "Wenn etwas vorgefallen sein sollte, werden wir sicher
informiert. Bisher haben wir keine Informationen erhalten. Für Dinko
gilt die Unschuldsvermutung, und wir erwarten, dass die Vorfälle rasch
aufgeklärt werden."
Erst im Februar hatte sich Jukic einen Monat lang in den USA
vorbereitet. Trainingspartner im Uni-Becken von Gainesville, Florida,
war unter anderem US-Superstar Ryan Lochte. Ziel der kraftraubenden
Einheiten mit Weltklasse-Schwimmern war eine WM-Medaille bei den
Langbahn-Bewerben im Juli in China. Zuletzt hatte der Lagen- und
Delfin-Spezialist wieder mit seinem Trainervater Zeljko in Wien
gearbeitet. Bei den Wiener Gemeinderatswahlen 2010 verpasste er als
Kandidat der ÖVP das angepeilte Grundmandat im Bezirk Meidling. (DER STANDARD Printausgabe, 27.5.2011)
UPDATE:
Dinko Jukic erklärte in einem ORF-TV-Interview, er habe längere
Zeit mit den Kontrolloren diskutiert. "Die Diskussion hat 45 Minuten
gedauert und hat ergeben, dass ich das Training absolvieren darf",
sagte Jukic. 15 Minuten vor Trainingsende seien die Kontrollore aber
gegangen.