Dumm gelaufen

Meri Disoski, 6. Juni 2011, 17:00

Unterschenkel sind prädestiniert für das schmerzhafte Kompartmentsyndrom - Amputationen drohen nur bei der akuten Form

Knochenbrüche, Muskelrisse, Kompressionen oder zirkuläre Verbrennungen - Das akute Kompartmentsyndrom ist die typische Komplikation eines Traumas im Bereich der unteren Extremität. Unerkannt oder inadäquat behandelt kann es schwerwiegende Folgen haben. Nekrosen und kompletter Funktionsverlust zwingen manchmal zur Beinamputation.

„Der Unterschenkel ist in vier wenig dehnbare Kammern (Kompartimente oder Muskellogen, Anm. Red.), aufgeteilt, in denen sich die Muskulatur befindet", erklärt Christian Gäbler, Facharzt für Unfallchirurgie und Sporttraumatologie, die anatomische Beschaffenheit dieser Region. Faszien umgeben die Kammern und sind auch Wurzel allen Übels. Geflechtartig verwobene Kollagenfasern verleihen diesen Bindegewebsplatten wenig Elastizität. Wenn infolge einer Verletzung Muskeln anschwellen und Blut beziehungsweise Flüssigkeit in die Logen eindringen, dann wird es eng.

Viel Druck, wenig Platz

Der akute Platzmangel lässt den Druck in den Kammern ansteigen und Muskeln, Blutgefäße und Nerven werden dadurch in Mitleidenschaft gezogen. Lähmungen und Gewebeuntergang (Nekrose) sind Ausdruck der geschädigten Nerven und der mangelnden Blutversorgung. Bei ausgedehnten Muskelschäden kann es über freiwerdendes Myoglobin sogar zum Nieren- und Lungenversagen kommen.

Die Diagnose eines akuten Kompartmentsyndroms wird in erster Linie klinisch gestellt und erfolgt im Idealfall so früh wie möglich. Die Patienten beschreiben die Schmerzen als klopfend und auch die Gabe starker Analgetika zeigt oft wenig Wirkung. Neben einer Schwellung und Druckschmerzen treten Sensiblitätsstörungen, ebenso wie Blässe und Temperaturminderung der Haut, als Zeichen einer verminderten Durchblutung, auf.

Bereits der Verdacht rechtfertigt eine Notfallfasziotomie. Dieser operative Eingriff schafft Raum, indem der Chirurg die Logen eröffnet und bereits abgestorbenes Gewebe entfernt. „Setzt die Behandlung zu spät ein, sind Muskeln und Nerven unter Umständen bereits irreparabel geschädigt, und die funktionslose Extremität muss eventuell amputiert werden", weiß der Gäbler.

Schnelles Muskelwachstum

Neben dieser akuten Variante gibt es auch eine chronische Form des Kompartmentsyndroms. Vor allem ambitionierte Langstreckenläufer machen damit Bekanntschaft. „Es tritt aber nicht sehr häufig auf", betont Gäbler, ärztlicher Leiter des Vienna City Marathons. Konkret bekommt es der Sportmedizinier einmal jährlich zu sehen.

Hohe Belastungen sind ursächlich für das chronische Kompartmentsyndrom verantwortlich. „Wenn die Läufer ihre Muskulatur zu schnell auftrainieren, dann ist bald zu wenig Platz für die Muskelmasse vorhanden, weil weder Logen noch Faszien mitwachsen", erklärt der Sporttraumatologe. Die Athleten bekommen es als Schmerzen und Spannungsgefühl zu spüren. In Ruhe lassen die Beschwerden meist sofort nach.

Schonung und Prophylaxe

Nur in seltenen fortgeschrittenen Fällen macht das chronische Kompartmentsyndrom eine druckentlastende Spaltung der Muskelfaszie erforderlich In aller Regel reichen einfache Maßnahmen zur Behandlung und Schmerzlinderung aus. Gäbler verordnet seinen Patienten eine Trainingspause oder -reduktion und bietet ergänzend elastische Kompressionsverbände an. „Bis zu einem gewissen Grad" ist auch Prophylaxe möglich. Mit qualitativ hochwertigen Laufschuhen, einer kontinuierlichen Kräftigung der Bein- und Wadenmuskulatur, sowie der richtigen Lauftechnik lässt sich die Entwicklung eines Kompartmentsyndroms im Laufsport weitgehend verhindern. (derStandard.at, 07.06.2011)

gut zu wissen,

um vorzubeugen, also das training nicht zu übertreiben.

und we oft kommt das vor? so seltenwie ein lotto sechser

Stimmt, und ich habe ihn gewonnen!

Mir wurde im Zuge einer Studie über mich gesagt, ich sei einer von 7 weltweit. Gespürt habe ich gar nichts, der Muskel hatte sich einfach heimlich, still und leise verabschiedet. Ohne Grußworte. Das Resultat wird von Medizinern immer wieder gerne bestaunt, aber tun können sie nichts. Man kann damit aber trotzdem weiter (überdurschschnittlich) Sport treiben; ich schätze, es kostet 10sec/Km an Tempo, und das dürfte auch der Grund sein, warum ich den Marathon unter drei Stunden nicht mehr schaffen werde. Aber wer weiß: ich habe auch ein Ritter-der-Kokosnuß-Syndrom, so verstümmelt kann ich gar nicht werden, daß ich weiß, wie man das Wort fbAuaeg buchstabiert.

wow.gratuliere!

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.