Lokal im 8. Bezirk

Josefs Stadt

28. Mai 2011, 11:00
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    foto: gerhard wasserbauer

    Wiener Küche kann so verdammt gut sein.

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    foto: gerhard wasserbauer

    Vor allem wenn sie von Josef Hohensinn gekocht wird.

Ein hinreißender Innenhof, ein charmantes Restaurant - Josef Hohensinn ist im Achten angekommen

Man wird kaum einen anmutigeren Hofgarten finden als jenen, der seit ein paar Wochen das Glück hat, zum Restaurant von Josef Hohensinn und Annabelle Borchard zu gehören. So die Sonne scheint, darf der Gast den Eingang zum Restaurant rechts liegen lassen und durch das gastfreundlich geöffnete Haustor direkt in den Garten treten, wo weißgedeckte Tische unter alten Bäumen stehen und am Ende des Hofes ein bezauberndes Salettl darauf wartet, wachgeküsst zu werden. Ist das schön! Wenn alles glattgeht, sollen darin bald intime Diners und Ähnliches stattfinden dürfen - Hohensinn verhandelt gerade.

Aber auch so ist dem langjährigen ersten Mann in Reinhard Gerers Küchen zu gratulieren: Das Lokal in der Josefstadt erscheint als idealer Ort, um die hohe Schule der Wiener Küche auf jene souveräne Art zu zelebrieren, die Hohensinn eigen ist.

Größe der Wiener Küche

Noch ist es nicht zu heiß, um auch tagsüber jene Herrlichkeiten zu genießen, die er aus Innereien zu fertigen weiß. Ein schaumig pochiertes Kalbshirn mit brauner Butter etwa, dass in der Kombination mit Blattspinat und Kräuterseitlingen selbst notorische Angsthäschen vom kulinarischen Mehrwert solch angeblich niederer Genüsse zu überzeugen wüsste - so sie sich nur trauen würden.

Dasselbe gilt auch für die Kutteln, das Beuschel, die sautierten Kalbsnieren: Hier geraten sie zu Delikatessen, die jene Größe der Wiener Küche offenbar werden lassen, welche andere nur zu gern für ihre Fritterschnitzel und zerkochten Rindfleischbrocken reklamieren.

Ganz große Fischküche

Aber keine Sorge: Hohensinn kann auch ganz federleicht kochen. Ein lauwarmer Fenchelsalat mit allerhand frischen Kräutern gerät zur duftigen Ahnung von Sommerfrische. Sauer marinierte Saiblingsfilets auf Tomaten-Gurkentartare (siehe Bild) klingen nur so, als ob Essig ihnen allen Saft entzogen hätte - tatsächlich sind sie zart und vermitteln nur eine animierende, appetitanregende Idee von delikater Säure.

Finessen wie diese stehen auf der Karte oder Tafel. Noch besser isst aber, wer Hohensinn freie Hand lässt. Dann kann da plötzlich ein pochierter Wels im Ganzen aus der kupfernen Turbotière auftauchen, der bei Tisch in zart glasige Portionen zerteilt, mit Petersilerdäpfeln, Spinat und nicht zu wenig zerlassener Butter versehen und mit ein par Krenflocken bestreut wird - ganz große Fischküche, ganz puristisch dargebracht. Was nicht fehlen darf: Der Hinweis auf das beste Gulasch der Stadt! (Severin Corti/Der Standard/rondo/27/05/2011)

Hohensinn
Fuhrmannsg. 9
1080 Wien
Tel.: 01/533 64 64
Di-Fr 11-24, Sa 17-24 Uhr
VS EURO 4,20-12,90 HS EURO 12,90-24

Fotos: Gerhard Wasserbauer

Kommentar posten
11 Postings
Tron 2.0
00
19.7.2011, 03:26
wo weißgedeckte Tische unter alten Bäumen stehen

Werde ich altersblind? Ich sehe vor lauter Tischen keine Baeume mehr

aereo
00
14.6.2011, 13:17

Zu Bild 2:
Ist das zum Essen oder zum an die Wand hängen?

Weiss schon daß Ästhetik und Kochkunst zusammenpassen, ich finds trotzdem aufdringlich sophisticated, generell, nicht nur an diesem Beispiel

Klaus HENNING
00
Liebe Mitposter! Darf ich etwas anmerken?

Ich bin übrezeugt, dass das ein gutes Lokal ist/sein wird, und ich werde auch demnächst einmal die Kutteln probieren, die ja ein besonderer LecKerbissen sind.

Aber: Weil vom Hof mit schönen alten Bäumen die Rede ist, wüsste ich gern, ob mein Problem auch das anderer Leute ist.

Ich lebe (19. Bezirk, wo genau, ist egal) in einer Wohnung mit wunderschönem Innenhof, geradezu parkartig und herrliche Bäume. Aber dann kommt der Baummord, getarnt als Baumschnitt. Und dann wird die Krone abgesäbelt; das Ganze sieht seither aus wie ein überdimensionierter Ribiselstrauch.

Ich habe nun bemerkt, es sind gar nicht die - meist jugoslawischen - Arbeiter: Es sind die Leute aus den Parterrewohnungen mit dem Extra-Schmattes für die Arbeiter! Wem gehts so?

The Dude
03
30.5.2011, 09:16

Man muss dann zwar genauer schauen wo man hintritt, aber die alten Pflastersteine hätten mir besser gefallen als der geschleckte Wellness-Tropenholz-Untergrund, den man da auf dem Foto erkennt.

Muh Kuh
 
33
29.5.2011, 12:55
Kalbshirn.......Kutteln.....konnte nicht mehr weiterlesen....würg

Peter Hammer 06
00
15.6.2011, 22:57
Strenger Veganer ??? ;-)

meineMeinung1969
00
Würden Sie ...

... mit verbundenen Augen Kutteln essen - Sie würden das als sehr gut befinden. Versuchen Sie es mal mit wertfreiem Verkosten. :)
Abgesehen davon sind Kutteln das vitaminreichste Teil vom ganzen Viecherl ...

mM

Meyer Lansky
21
30.5.2011, 11:31

Dann bleibens halt beim Kebab, Pleskawiza, oder wie das ganze Glumpert noch heisst.

Peppermint Betty
12

Es gibt auch noch andere sehr gute Dinge, außer Innereien und Ihre Polemik!

Philodoofi
00
29.5.2011, 19:44
hirn ist sehr gesund!

der cholesteringehalt von 1000g hirn entspricht dem von etwa von 800 eiern!

Reversi
 
04
28.5.2011, 12:03
So verdammt gut kann Wiener Küche sein...

... im Gegensatz zu Cortis Ausdrucksweise.

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