Sturm steigt Mitte Juli in die Qualifikation zur Champions League ein - Schildenfeld in Köln im Gespräch
Graz - Ausgerechnet von ihrem
Ex-Präsidenten Hans Rinner bekamen die Spieler von Sturm Graz am Mittwoch den Meisterteller überreicht. "Ich habe mich riesig gefreut, es war ein wunderschöner Moment. Es ist schön,
wenn man sieht, dass man einen Verein übergeben hat, der dann darauf gleich
Meister wird", sagte Rinner, der Ende Mai 2010 als Sturm-Präsident zurückgetreten war.
"Die Spieler haben sich toll entwickelt"
Trainer Franco Foda, der sich die Haare scheren ließ, ist bei den Grazern nun schon seit 1. Juni
2006 im Amt, Kontinuität wird auf dem Trainerposten also groß geschrieben. Mit
ein Grund für den überraschenden Erfolg der "Blackies", die nur als Außenseiter
in die Saison gegangen waren. "Vor der Saison hat niemand daran gedacht, dass
wir so etwas schaffen können. Die Spieler haben sich aber toll entwickelt. Ich
bin überstolz auf diese Mannschaft, es ist unglaublich, was sie geleistet hat",
betonte Foda.
In dieselbe Kerbe schlug auch Sportdirektor Oliver Kreuzer. "Wenn mir jemand
vor der Saison prophezeit hätte, dass wir Meister werden, hätte ich ihn für
verrückt erklärt", meinte der Deutsche. "Unsere Mannschaft hatte kaum
Schwächephasen, war am konstantesten", ergänzte Kreuzer, der auch einen
Vergleich mit Deutschlands Meister Borussia Dortmund zog: "Auch Dortmund hatte
vor der Saison niemand auf der Rechnung."
Auch für Gordon Schildenfeld steht Sturm völlig
zurecht ganz oben. "Wir haben die meisten Tore geschossen und die zweitwenigsten
bekommen, es gibt daher keinen Club, der sich den Titel mehr verdient hätte",
sagte der Kroate.
"Es ist Zeit geworden"
Die Kicker überschlugen sich mit Superlativen. "Es ist ein Traum in Erfüllung
gegangen. Für die ganze Steiermark ist es ein geiles Erlebnis gewesen", betonte
Andreas Hölzl. "Es ist das allergrößte. Sturm hat
zwölf Jahre keine Meisterschaft gewonnen, es ist Zeit geworden", fügte Mario
Kienzl hinzu, der seit seiner Kindheit Sturm-Fan
ist. Und der aufstrebende Florian Kainz sprach von einer "unglaublichen Saison
für mich und Sturm".
Siegtorschütze Samir Muratovic war der "glücklichste Mann der Welt".
Stürmer-Routinier Mario Haas dankte vor allem auch den Fans. "In Graz war eine super Stimmung. Jeder hat auf den Titel
gehofft und an uns geglaubt. Das hat den Ausschlag gegeben", sagte der
36-Jährige, der den Teller als Kapitän als Erster in Händen halten durfte.
Einen kleinen Wermutstropfen gab es nur für Roman Kienast, der die
Torjägerkrone Austria Roland LInz überlassen musste. "Die verlorene Torjägerkrone
ist mir nicht so wichtig, viel wichtiger war der Erfolg des Teams. Es ist ein
geiles Gefühl Meister zu sein", hatte der Stürmer trotzdem Grund zur Freude. Da
stimmte auch Christian Gratzei zu. "Es ist ein fantastisches Gefühl mit seinem
Heimatverein Meister zu werden. Der Titel ist eine Sensation", sagte der
ÖFB-Teamgoalie.
Nächstes Ziel: Champions League
Sturm Graz darf nun also vom Einzug in die millionenschwere Champions League träumen. Die Steirer steigen im Anlauf auf die Gruppenphase der Fußball-"Königsklasse" in der zweiten von vier Qualifikationsrunden ein. Als in dieser Phase gesetztes Team könnte Sturm am 12./13. Juli (Hinspiel) bzw. 19./20. Juli (Rückspiel) unter anderem auf die Champions aus Ungarn (Videoton FC Fehervar), Aserbaidschan (Neftschi Baku) oder Lettland (Skonto Riga) treffen.
Vizemeister Salzburg und die drittplatzierte Austria starten in der Europa League in der zweiten von vier Qualifikationsrunden. Beide Mannschaften sind gesetzt, Spieltermine sind der 14. und 21. Juli. Damit müssen alle drei Europacup-Starter bereits vor dem Meisterschaftsauftakt am 16./17. Juli ein wichtiges Spiel absolvieren.
Der österreichische Cupsieger, der am Sonntag zwischen der SV Ried und Austria Lustenau ermittelt wird, steigt in der Europa League erst in der dritten Qualifikationsrunde (28. Juli/4. August) ein. In der zweithöchsten europäischen Spielklasse wartet nach drei Qualifikationsrunden noch das Play-off, ehe es in der Gruppenphase (ab 15. September) weiter geht.
Schildenfeld vor Abgang
Mit welcher Mannschaft Sturm in die kommende Saison geht, steht freilich noch nicht fest. Zwar dürfte Samir Muratovic dem Verein erhalten bleiben, hinter dem Verbleib von Abwehr-Bollwerk Gordon Schildenfeld steht allerdings ein Fragezeichen. Laut einem Bericht des "kicker" soll er beim 1. FC Köln im Gespräch sein. Die
Ablösesumme soll demnach eine Million Euro betragen. Zudem enden die
Leihverträge von Timo Perthel (zurück zu Werder Bremen) und Patrick Mevoungou,
der wohl bleiben dürfte. Dominic Hassler verlässt den Verein genauso wie Goalie
Daniel Bartosch.(APA)