"Jede Veränderung ist ein Risiko"

26. Mai 2011, 21:11
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Grasbewuchs und Kabelbehang: Wie Google spielt die Telekom nun mit ihrer Universalmarke A1 - Konzernboss Hannes Ametsreiter über Marke, Mass Response und Meischberger - Mit Ansichtssache und Spot

Wien - Ihr eigenes A sollen schon tausende Mitarbeiter im internen Designbewerb entworfen haben. Donnerstagabend präsentierte ihnen Telekomchef Hannes Ametsreiter die vielen Gesichter der neuen Konzernmarke A1, entwickelt mit der Markenagentur Saffron. Freitag läuft der erste TV-Spot, preisaggressive Kombiangebote sollen folgen. Branchenkenner schätzen den Aufwand für neue Marke und Bewerbung auf einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag. Ametsreiter will das Investment in einem Jahr einspielen, eine Marke (bis auf Bob) ermögliche mehr Effizienz. Die Telekom-Gruppe war 2010 mit brutto 53 Millionen Euro laut Focus drittgrößter Werber Österreichs.

STANDARD: Sehen Sie kein Risiko, die Marke zu verwässern?

Ametsreiter: Jede Veränderung einer Marke ist ein Risiko. Wir haben viel Vorarbeit gemacht, unsere Kunden gefragt, für die A1 die stärkste Marke ist. Darauf wollen wir aufbauen und uns weiterentwickeln. Eine Marke braucht immer Selbstähnlichkeit. Wir glauben, das hier zu erreichen. Der Einser ist das stabile Element, das dreidimensionale, dynamische A kann ich an Situation und Umgebung anpassen. Werbung, Kommunikation soll auch Abwechslung schaffen, unterhalten. Zugleich geht es um Vertrauen, also kombinieren wir Konstanten und progressive Elemente.

STANDARD: Behält die Telekom ihre 26 Prozent an der Mediaagentur Omnimedia? Die anderen Eigner?

Ametsreiter: Das ist in Diskussion. Alle Shareholder diskutieren, wie es weitergehen soll. In den nächsten Wochen wird entschieden, wie es mit der Omnimedia weitergeht. Wie es aussieht, werden wir Shareholder bleiben. Aber vermutlich in einer neuen Konstellation.

STANDARD: Group M, Panmedia, Raiffeisen sollen sich interessieren.

Ametsreiter: Nicht entschiedene Dinge kommentiere ich nicht.

STANDARD: Aon.tv wird zu A1.tv. Ist Ihr aggressiv bepreistes IPTV alleine ökonomisch sinnvoll oder nur als Zusatzangebot für Festnetz?

Ametsreiter: Die Antwort gibt der Markt. Wir haben derzeit 170.000 Kunden und 51 Prozent Zuwachs, der anhalten wird. Damit werden wir in den nächsten Jahren größter Kabel-TV-Anbieter des Landes. Natürlich muss man das im Gesamtpaket sehen. Im TV-Sektor sind wir Newcomer und nicht reguliert, dort haben wir mehr Freiheiten. Wir haben unseren Umsatz deutlich verbessert. Da spielt TV eine Rolle, Breitbandinternet eine viel größere, Mobilfunk eine riesige. Wir sind ein Kommunikationsunternehmen.

STANDARD: Die Staatsanwaltschaft durchsuchte die Noch-Telekom-Tochter Mass Response wegen Betrugsverdachts mit Anruf-Quizzes. Bedingt dieses Geschäftsfeld nicht zweifelhafte Geschäftspraktiken?

Ametsreiter: Diese Entscheidung traf der vorige Vorstand. Ich konnte nur mit dem jetzigen Management die Entwicklung dieses Unternehmens beurteilen. Wir waren damit nicht zufrieden. Es ist eine klare Sprache, dass wir dem früheren Management der Mass die Entlastung nicht erteilten.

STANDARD: Haben Sie die Geschäfte früherer Telekom-Manager mit Peter Hochegger und Walter Meischberger schon aufgearbeitet?

Ametsreiter: Ein "forensic team" von Wirtschaftsprüfern arbeitet das auf, und alle relevanten Informationen gehen weiter an die Staatsanwaltschaft.

STANDARD: Haben Sie Lobbyisten?

Ametsreiter: Ja, und wir haben sehr exakte Richtlinien erstellt. Mit dienstrechtlichen Konsequenzen. (Harald Fidler, DER STANDARD; Printausgabe, 27.5.2011)

HANNES AMETSREITER (43), seit 1996 bei A1, ab 2001 dort Vorstand, seit 2007 der Telekom, seit 2009 Chef der Gruppe.

Mehr zum neuen Markenauftritt
Aus A1 Telekom Austria wird A1,  die Marke präsentiert sich ab Mitte Juni mit neuem Design. Das neue Design wird ab Mitte Juni in den Shops, beim Fuhrpark und in der Kommunikation sichtbar sein. Am 27. Mai startet die erste Werbekampagne, in der das neue A1-Logo eingesetzt wird.

Entworfen wurde das neue Markendesign in Zusammenarbeit mit Saffron Brand Consultants. Die von Wally Olins und Jacob Benbunan gegründete Agentur mit Standorten in London, New York, Madrid und Mumbai ist seit September 2009 auch in Wien vertreten. Partner und Sitz von Saffron Vienna ist die Agentur St. Stephen's. Seit kurzem ist wie berichtet Stefan Schindele neben seinem Job als Client Services Director bei St. Stephen's auch Senior-Berater bei Saffron, er war von 2003 bis 2006 Marketingleiter für Hutchison 3G ("3"). (red)

Ansichtssache
A1: Der neue Markenauftritt - Dreidimensionales A und die Zahl 1: "Alles aus einer Hand"

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    Hannes Ametsreiter mit den neuen A1-Logos.

  • Das neue A1-Logo. Mehr Varianten davon sehen Sie hier in einer Ansichtssache: A1: Der neue Markenauftritt
    foto: a1

    Das neue A1-Logo. Mehr Varianten davon sehen Sie hier in einer Ansichtssache: A1: Der neue Markenauftritt

  • TV-Spot: "Einfach Alles, Einfach A1"

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