3D-TV lässt bei Nadals Aufschlag den Kopf einziehen

26. Mai 2011, 09:44
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Bei Sportevents zeigt 3D-Fernsehen besonders eindrucksvoll, was es kann

Wenn der gelbe Tennisball nach einem Aufschlag von Rafael Nadal mit 232 Sachen auf den Zuschauer zurast, zieht man schon unwillkürlich den Kopf ein: So plastisch wirken dreidimensionale TV-Übertragungen. Erstmals wird heuer die gesamte French Open im Tennis, Roland Garros, in 17 europäischen Ländern ins Wohnzimmer gebeamt - entsprechender 3D-Fernseher und 3-D-Eurosport-Abonnement vorausgesetzt.

Überzeugungsarbeit

Für die Protagonisten der dritten Dimension steht Sport ganz obenauf bei den Argumenten, um Konsumenten vom Wert der 3D-Investition zu überzeugen. "Mit jeder neuen Technologie gibt es auch ein Henne- und Ei-Problem", räumt Panasonics Europachef Laurent Abadie im Gespräch mit dem Standard ein. Zu wenig Geräte in den Haushalten, um Produzenten von der Notwendigkeit teurer 3D-Produktionen zu überzeugen - zu wenig dreidimensionale Sendungen, um Zuschauer dazu zu verführen, ihr Geld in ein 3D-taugliches TV-Gerät zu stecken. Obendrein ist die vorletzte technologische Erneuerungsrunde noch nicht wirklich angekommen: hochauflösendes (HD)TV.

"Die Verbreitung in den Haushalten wird sich rasch entwickeln, heuer sind schon die Hälfte unserer Fernseher 3D, nächstes Jahr bereits 75 Prozent", sagt Abadie. "TV-Stationen müssen über kurz oder lang in 3D produzieren, wenn sie ihre Investitionen zukunftssicher machen wollen", sagt er. Da Produktionen ihre Kosten erst über Jahre hereinspielen sei 3D ein wertsichernder Faktor, auch wenn heute noch zweidimensional ausgestrahlt wird.

Einsparungspotenzial

Was die Erneuerung begünstigt ist Hardware, die zwei- ebenso wie dreidimensional verwendbar ist. Dabei gibt es auch Einsparungen: Im Center-Court in Paris braucht es 13 Kameras für die traditionelle 2D-Produktion, hingegen nur sechs für 3D. "Damit wir räumliche Tiefe zweidimensional darstellen können, brauchen wir mehr Kameras rund um den Platz", erklärt Xavier Devreker von der Produktionsfirma Alfacam.

Dabei feiert auch eine neue 3D-Kamera von Panasonic in Broadcast-Qualität Premiere. Sie ersetzt mit ihrem Zwillingsobjektiv und entsprechender Elektronik in einem einzigen Gehäuse die für 3D-Aufnahmen sonst parallel montierten Kameras. "Bisherige Begrenzungen beim 3D-Filmen verschwinden zunehmend", sagt Devreker. Aber nicht nur fehlende Hardware macht den Weg ins 3D-Zeitalter langwierig: Von der Kamera und der Ausleuchtung bis zur Regie muss die neue Technik erst beherrscht werden, beschreibt Matthias Boliger, der sich als Kameramann auf 3D spezialisiert hat. Etwa müssen 3D-Filmer lernen, mit dem "Konvergenzpunkt" umzugehen - jener Stelle im Raum, an der die Linien zu einem Punkt zusammenlaufen. (Helmut Spudich aus Paris, DER STANDARD/Printausgabe, 26.5.2011)

  • Neue 3-D-Kamera von Panasonic für TV-Produktionen ersetzt bisher doppelt montierte Kameras.
    foto: panasonic

    Neue 3-D-Kamera von Panasonic für TV-Produktionen ersetzt bisher doppelt montierte Kameras.

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