Bier, Würstel und Beratung

25. Mai 2011, 19:53
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Was machen StudienvertreterInnen abseits vom Wahlkampf? DaStandard.at hat mit vier ÖH-MitarbeiterInnen über ihr Engagement gesprochen

Wenn die Wahlplakate, ob zerfetzt, überschrieben oder unversehrt, rund um die Universität Wien wieder Wildwuchs betreiben, dann weiß jede/r Studierende, die ÖH-Wahlen stehen an. Zwischen all den Wahlparolen gerät dabei außer Acht, was StudienvertreterInnen abseits des Wahlkampfes so machen.

Damir Joldić ist Obmann der Österreichischen Medizinerunion, die den Vorsitz der ÖH an der Meduni Wien stellt. Der gebürtige Bosnier, der 1992 mit seiner Familie nach Österreich flüchtete, ist seit mittlerweile vier Jahren im Team dabei. Dass er sich "gut mit den Leuten verstanden hat", war ein zusätzlicher Grund für seine Tätigkeit als Studienvertreter. Den Mitstudierenden zu helfen ebenfalls. Ihn interessiert vor allem "wie die Studenten die Meduni erleben und was uns belastet". Wenn sich die Studierenden zum Beispiel bei Prüfungen unfair behandelt fühlen oder Rückendeckung im Rektorat brauchen. "Erst durch solche Fälle lernen die Leute, die ÖH zu schätzen", erzählt Joldić.

Ehrenamtlich und zeitaufwendig

Neben der täglichen Beratung von Studierenden gehört auch die zeitaufwendige Arbeit in Gremien zum Alltag von StudienvertreterInnen. "Studenten bekommen unsere Arbeit oft nicht mit," bedauert Joldić. Dabei arbeiten die meisten Studienvertreter ehrenamtlich. Es gibt zwar eine Aufwandsentschädigung, die ist laut Joldic aber "sehr minimal". Als Vorstandsmitglied der Studienvertretung der Meduni gehört zwar nicht mehr die persönliche, dafür aber die Beratung per Mail und das Organisatorische zu seinen Aufgaben. Angefangen hat er im EDV-Bereich der ÖH, dabei ist ihm besonders die Weiterentwicklung des Forums ans Herz gewachsen ist. Dort werden die Studierenden nicht nur rund um die Uhr virtuell beraten, sondern können auch Fragensammlungen zu Prüfungen herunterladen. "Wir versuchen immer da zu sein für die Studenten, immer etwas zu tun für sie, nicht nur im Wahlkampf", betont Joldić.

Goodies und Gratis-Essen

So gibt es nicht nur zu Wahlkampfzeiten Gratis-Bier und Würstel beim Mittagessen der Medizinerunion. Über das ganze Jahr verteilt gibt es beispielsweise das "Info-Frühstück" mit Kaffee Kuchen und belegten Broten, aber auch Informationsveranstaltungen zum Studienfach. Um die Studierenden zur Wahl zu motivieren setzt man auch bei der ÖH an der Meduni Wien auf Goodies. Neben Traubenzucker für die Konzentration werden aber auch spezielle berufsrelevante Goodies wie ein Mundspiegel für die Zahnmediziner und Beatmungstücher für die Humanmediziner verteilt. "Irgendwie muss man die Studenten zur Wahl bringen", meint Joldić. Dabei greift die Medizinerunion aber nicht nur auf kulinarische Verkostung zurück, sondern auch auf den guten Zweck. "Pro Wählerstimme wird ein Euro an das Kinderdorf in Wien gespendet", erzählt Joldić.

Palatschinken als Belohnung

Auch bei der Fakultätsvertretung Jus werden die Studierenden verköstigt. Vor den Räumlichkeiten der Studienvertretung im Juridicum macht sich am ersten Wahltag der Geruch von Palatschinken breit. "Das ist eine alte Tradition. Wir belohnen sie während der Wahl", erklärt Adrian Korbiel, geboren im polnischen Krakau. Er ist durch eine Freundin zur FV Jus gekommen. Das war vor vier Jahren. Rund acht Stunden pro Woche ist er in der Beratung tätig, zu Wahlkampfzeiten sei der Zeitaufwand aber naturgemäß viel höher berichten seine KollegInnen in der Fakultätsvertretung.

"Non-Stop unterwegs"

Davon kann auch Anne-Aymone McGregor ein Lied singen. Sie ist eine der SpitzenkandidatInnen der FV Jus und "non-stop unterwegs". Eigentlich stammt sie aus dem Ruhrgebiet, aus Oberhausen. Nach dem Jus-Studium in Düsseldorf zog es sie vor zwei Jahren nach Wien, da gefiel ihr es aber so gut, dass sie blieb. "Weil mir die weltoffene Stadt so gefällt. Man steigt in die Bim und hört so viele Sprachen", ist McGregor begeistert, deren Vor- und Nachname auf den schottischen Großvater und den Vater aus den Bahamas zurückzuführen sind. Seit zwei Jahren ist sie auch bei der Fakultätsvertretung dabei. Als sie im zweiten Studienmonat in Wien Hilfe beim Problem mit dem Computer suchte, lernte sie die FV Jus kennen und machte schließlich selbst mit. Sie leitet auch den Bereich der Lerngruppen und Tutorien, "um der Anonymität einer Massenuni entgegenzuwirken."

"Engagierte Leute"

Für McGregor ist das soziale Gefüge auf der Universität wichtig, weniger die politischen Ziele. "Wir wollen keine Politik betreiben, sondern dazu beitragen dass die Studierenden bessere Studienbedingungen haben", sagt McGregor. Die parteipolitische Nähe zur ÖVP, die der Aktionsgemeinschaft immer nachgesagt wird, kann sie nicht bestätigen. "Nicht jeder, der in der FV Jus ist, ist auch in der AG", so McGregor. Es gehe weniger um Parteinähe oder einen guten Notendurchschnitt, wenn man in der Studienvertretung tätig sein will, sondern um das Engagement. "Der Fleiß ist ausschlaggebend. Was wir bereit sind für unsere Mitstudierenden zu tun", betont McGregor.

Gesellschaftspolitik an der Uni

Auch Kristian Kelam, Kandidat der JuLis, der Jungen Liberalen, der an der Wirtschafsuniversität Wien kandidiert, sieht das Team der JuLis als "einen Haufen engagierter Leute." Mit der AG sieht er zwar wirtschaftspolitische Gemeinsamkeiten. Der gebürtige Kroate mit oberösterreichischem Dialekt fühlt sicher aber "gfrozelt von der Klientelpolitik" und meint damit die Nähe der roten, schwarzen und grünen Fraktionen zu den Mutterparteien. Für Kelam ist die Universität nicht der Ort, "um Weltanschauungen zu diskutieren." Gesellschaftspolitik steht für ihn im Hintergrund. Damit ist er mit Joldić von der Studienvertretung Medizin einer Meinung. "Bei uns gibt es auch Sozial- und Gleichbehandlungsreferate, aber wir richten nicht den Wahlkampf danach aus. Es ist sowieso klar, dass jeder, der studiert, mit dem Bildungssystem so wie es jetzt ist, nicht zufrieden ist", meint Joldić.

Kübra Atasoy, die Sprachwissenschaften studiert und für den Verband sozialistischer StudentInnen kandidiert, ist da gänzlich anderer Meinung, für sie schließen sich Gesellschaftskritik und Bildungspolitik nicht aus. "Unis sind ein Teil der Gesellschaft, beides kann man nicht getrennt betrachten. Man kann nicht das Bildungssystem kritisieren, ohne die Mechanismen der Benachteiligung dahinter zu analysieren", so die Tochter einer allein erziehenden Mutter aus der Türkei. Das Bedürfnis Dinge zu verändern, hat sie schon während der Schulzeit begleitet. Nicht politisch aktiv zu sein, kann sie sich gar nicht vorstellen.

Die ehemalige Vorsitzende der Aktion Kritischer SchülerInnen (AKS) ist aber von der österreichischen Parteipolitik nicht so sehr begeistert. Auch nicht von der SPÖ. Sie ist seit zwei Jahren im Referat für ausländische Studierende tätig und weiß wie schwer es diese mit Aufenthalts- und Arbeitsbewilligung haben. "Mir kommt es so vor, als ob die Behördenschikanen zugenommen haben", berichtet sie aus ihrem Beratungsalltag.

Nicht alle dürfen wählen

Plakate kleben und das Ansprechen von Studierenden vor der Hauptuniversität gehört in den heißen Wahlkampfzeiten auch zu Atasoys Alltag. "Da steht man schon mal sechs Stunden vor der Uni", so Atasoy. Während sie vor einer der vielen Fraktions-Hütten vor der Hauptuni Wien versucht, Studierende zum Wählen zu bringen, gibt es auch Studierende die wählen wollen, aber nicht dürfen.

Wie die Studentin, die mit einem Lächeln höflich die Flyer der Studienvertreter abweist. "Ich darf nicht wählen, weil ich den Studienbeitrag nach dem Stichtag, nach dem 5. April eingezahlt habe", erzählt die berufstätige Studentin. Sie hat die Mindeststudienzeit schon überschritten, ihr mickriger Teilzeitverdienst ließ ihr das Einzahlen des Studienbeitrags, in dem auch der ÖH-Beitrag inkludiert ist, aber nicht früher zu. "Das ist halt so, wer kein Geld hat, wird überall ausgeschlossen", meint sie achselzuckend und mit einem Seufzer.

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    Die ÖH Wahl 2011 findet an allen österreichischen Universitäten von 24. bis 26. Mai statt.

  • Anna Berghof und Damir Joldić von der Österreichischen Medizinerunion.
    foto: privat

    Anna Berghof und Damir Joldić von der Österreichischen Medizinerunion.

  • Kübra Atasoy studiert Sprachwissenschaften und kandidiert für den Verband sozialistischer StudentInnen.
    foto: privat

    Kübra Atasoy studiert Sprachwissenschaften und kandidiert für den Verband sozialistischer StudentInnen.

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