Aufruhr im Gefrierfach

26. Mai 2011, 17:18
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"Gloss Drop", das zweite Album der New Yorker Formation Battles

Mit der Sprache haben es die Battles nicht so. Gut, auf ihrem Debüt hört man sie stellenweise singen, aber die Ursprünge des Trios als strenge Formalisten bei Bands wie Don Caballero oder Helmet wirken deutlich nach - bis heute. Zwar hört man nun auch auf dem zweiten Longplayer der New Yorker Formation Stimmen, aber was lautmalerisch übertragene Texturen wie "Mösenchöchödösenchölösendödö" heißen sollen, müsste man eventuell erklären. Andererseits gilt: Nicht alles, was man nicht versteht, ist automatisch ein Blödsinn - was man von vielen Texten, die man versteht, nicht behaupten kann.

Der Musik tut das keinen Abbruch: Gut möglich, dass sich Ian Williams hier dieselbe Freiheit nimmt wie der Sänger von Sigur Rós, der seinerseits in einer selbstgebauten Fantasiesprache brabbelt, die so eher als akustisches denn als narratives Element Einsatz findet. Ansonsten haben Battles mit den ätherischen Sounds des Isländers nichts gemein. Battles - der Name trägt es in sich - sind aggressiv. Ihr weitgehend instrumental gespielter Rock destilliert aus der Ökonomie des Postpunk einen weißen Funk, wie man ihn von Gang Of Four kennt. Dazu bläst der Dreier seine Musik stellenweise mit dem Synthie auf, was zwar nicht gleich zu Bombast führt, aber ein gewisses Pathos zeitigt. Das ist erträglich, weil wenn die Battles links Luft reinblasen, wird sie rechts rausgelassen. Damit bleibt ihr Sound stringent, ohne auf die Wirkung des Synthies zu verzichten. Aus diesem bezieht man aber nicht bloß heiße Luft, sondern auch Rhythmen, die wie Steeldrums aus der Karibik tönen - tiefgefrorene Steel Drums - sowie akustische Spielereien, wie man sie von Gold Panda und seinem verschachtelten Pop kennt.

Zur Coolness und der Ästhetik der Battles passt, dass sie sich für den manifest betitelten Song My Machines Gary Numan als Sänger eingeladen haben, seines Zeichens ein britischer Synthie-Pop-Pionier aus den späten 1970ern, der sich im Gefrierfach bestens auskennt. Die Battles drücken hier dann leider jedes Pedal bis zum Anschlag durch - was überanstrengt wirkt. Besser harmonieren sie im Zusammenspiel mit der Vokalistin Kazu Makino von der befreundeten Band Blond Redheads.

Am überzeugendsten sind die Battles jedoch immer dann, wenn sie zwischen klanglicher Verspieltheit und drückender Härte wechseln. An diesen Schnittstellen fliegen die Funken. Da treten dann zwar Inspirationsquellen wie Bill Laswells Band Material oder die nervösen Funker Liquid Liquid deutlich zutage, aber dafür muss sich ja schon lange niemand mehr schämen. (Karl Fluch/ DER STANDARD, Printausgabe, 27.5.2011)

Battles live: 6. Juli, Arena Wien, 20.00

  • Battles: Gloss Drop (Warp)
    foto: warp

    Battles: Gloss Drop (Warp)

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