Neunmal so heiß wie die Sonne, drei Millionen Mal so hell

27. Mai 2011, 18:15
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Der Stern VFTS 682 in der Großen Magellanschen Wolke hat sich als interessanter entpuppt als zunächst gedacht

Heidelberg - In einer Satellitengalaxie der Milchstraße, der Großen Magellanschen Wolke, haben Astronomen mit dem Very Large Telescope der Europäischen Südsternwarte (ESO) einen außergewöhnlichen Stern entdeckt: VFTS 682 (das Namenskürzel rührt vom ESO-Großprojekt "VLT-FLAMES Tarantula Survey" her). Er ist sehr hell, heiß und massereich - Eigenschaften, die nicht so recht zu dem Umstand passen wollen, dass er in seiner kosmischen Umgebung isoliert ist.

Der Stern schien bei seiner Entdeckung zunächst nicht sonderlich bemerkenswert zu sein. Die neue Untersuchung mit dem VLT ergab dann allerdings, dass der Großteil seines Lichts von Staubwolken, die zwischen dem Stern und der Erde liegen, absorbiert und in alle Richtungen gestreut wird. VFTS 682 ist in Wirklichkeit viel heller, als die Astronomen vorher angenommen haben, und gehört sogar zu den hellsten bekannten Sternen überhaupt. Rotes und infrarotes Licht von VFTS 682 kann durch den Staub zu uns gelangen, während das kurzwelligere blaue und grüne Licht gestreut wird und daher weitgehend verloren geht. Der Stern erscheint uns deshalb rötlich und nicht sonderlich hell, während er in Wirklichkeit weit heller und bläulich-weiß leuchtet.

Eigenschaften

VFTS 682 ist etwa drei Millionen Mal so hell ist wie unsere Sonne, hat etwa das 150fache ihrer Masse und eine Oberflächentemperatur von geschätzten 50.000 Grad Celsius - zum Vergleich: bei der Sonne sind es 5.500 Grad. Derart massereiche Sterne hat man bisher nur in den dicht bevölkerten Zentren von Sternhaufen gefunden, VFTS 682 dagegen ist ein Einzelgänger. "Wir waren sehr überrascht, einen so massereichen Stern für sich allein und nicht inmitten eines großen Sternhaufens vorzufinden", sagt Joachim Bestenlehner vom nordirischen Armagh Observatory, Erstautor der Studie, die im Journal "Astronomy & Astrophysics" erschienen ist.

Genau genommen befindet sich VFTS 682 in der sehr aktiven Sternentstehungsregion 30 Doradus, dem Tarantelnebel, innerhalb der Großen Magellanschen Wolke. Nur ist es bis zum nächsten Nachbarn ungewöhnlich weit: "Es ist völlig ungeklärt, wie er dort hingekommen ist", so Bestenlehner. Am nächsten liegt noch der große Sternhaufen R 136, der mehrere ähnlich massereiche Sterne enthält. "Unsere Ergebnisse zeigen, dass VFTS 682 nahezu identisch mit einem der beiden massereichen Supersterne im Zentrum des R 136-Haufens ist", fügt Paco Najarro, ein Mitglied des Analyse-Teams, hinzu.

Zwei Antworten, die beide Fragen aufwerfen

Für die Astronomen stellt sich damit die Frage, ob auch VFTS 682 in diesem Haufen entstanden und dann später aus ihm herausgeschleudert worden sein könnte. Die Astronomen kennen einige solcher "kosmischen Vagabunden", aber alle sind kleiner als VFTS 682. Es ist bislang nicht bekannt, ob und wie ein solches Schwergewicht überhaupt durch gravitative Wechselwirkung aus einem Sternhaufen geworfen werden kann.

Aber auch die andere Erklärungsvariante - nämlich dass der Stern vor Ort entstanden ist - passt nicht ganz ins gängige Bild. "Es deutet alles darauf hin, dass die größten und hellsten Sterne sich am ehesten in großen Sternhaufen bilden", sagt Jorick Vink, ein weiteres Teammitglied. "Es wäre zwar auch möglich, dass er für sich allein entstanden ist, aber das wäre schwieriger zu erklären. Deshalb ist VFTS 682 ein wirklich erstaunliches Objekt." (red)

  • 30 Doradus, auch "Tarantelnebel" genannt: Im Zentrum dieser aktiven Sternentstehungsregion liegt der isolierte Stern VFTS 682.
    foto: eso/m.-r. cioni/vista magellanic cloud survey. acknowledgment: cambridge astronomical survey unit

    30 Doradus, auch "Tarantelnebel" genannt: Im Zentrum dieser aktiven Sternentstehungsregion liegt der isolierte Stern VFTS 682.

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