Irrtum: Das Plagiat ist eine Kunstform

27. Mai 2011, 15:13
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Neuerscheinung: "Von der hohen Kunst ein Plagiat zu fertigen" - Die Plagiatoren jüngster Zeit sind verhinderte Künstler, unvollkommene zumindest

Das Plagiat als Kunstform wissenschaftlichen Tuns ist in den letzten Monaten und Jahren in Mode gekommen. Guttenberg, Hahn, Koch-Merin - vor allem die Politikerkaste scheint von der Methode zur Erreichung eines wissenschaftlichen Abschlusses offenbar begeistert. Anlass genug für Roland Schimmel das Thema aufzugreifen und einen satirischen Ratgeber zu verfassen. 

Das Buch mit dem Titel „Von der hohen Kunst ein Plagiat zu fertigen" ist vor kurzem im LIT-Verlag erschienen. Darin bietet der Autor eine Anleitung in zehn Schritten hin zum fertigen Plagiat, gibt Ratschläge welche ProfessorInnen zu bevorzugen sind, welche Themen und welche Quellen sich  für die Plagiatserstellung eignen, welche Fehler passieren und wieviel Arbeit ein gutes Plagiat eigentlich erfordert.

Plagiat - das perfekte Verbrechen

Vor allem hebt Schimmel in seiner Überhöhung die Mühen des guten Plagiats hervor. So schreibt er:
"Der Ehrgeiz des Plagiators sollte immer darin bestehen, das perfekte Verbrechen zu begehen - und zwar nicht den Typ, bei dem der Mörder nicht gefasst wird, sondern den Typ, bei dem die Leiche nicht entdeckt wird."

Wie verpuddelt man nun die wissenschaftlichen Leichen in seiner Bachelor-, Magister - oder Doktoratsarbeit? Ein paar Hilfestellungen: Eher kleine, wenig veröffentlichte Texte nehmen, sich mit der Frage auseinandersetzen wer die Arbeit lesen wird oder lesen könnte. Texte im Internet zum Vergleich zu suchen, minimiert die Plagiatstreffer von ProfessorInnen und Laien. Und eine Grundregel gilt es zu befolgen: Der abgeschriebene Text wird nie zitiert. Denn: "Die sogenannte Bauernopfer-Referenz - dabei werden zum Kaschieren flächiger Plagiate punktuelle Belege gesetzt - ist eine Technik für Fortgeschrittene; in normalen Prüfungsarbeiten ist von ihrer Verwendung abzuraten"

"Zeit, Sorgfalt, Sachkenntnis"

Also Vorsicht, zum Profi der Abkupferer braucht es Übung. Heben Sie sich solche Fähigkeiten doch lieber für später auf. Plagiate sind keine schnelle Sache. Ein gutes Plagiat - so Schimmel - erfordert "Zeit, Sorgfalt, Sachkenntnis und Konzentration - ähnlich wie eine gute wissenschaftliche Arbeit." Wer glaubt er erspare sich Zeit, der irrt also. Vielmehr muss der für das Schreiben erlangte Zeitgewinn für die Vertuschung der Tat aufgewandt werden.

Ertappt- Was tun?

Doch auch mit dem Fall des Auffliegens des Plagiats gibt Schimmel auf ironische Weise Einblick. Man kann leugnen, ein Teilgeständnis ablegen, den Rechtsweg einschlagen. Ist man prominent so wie die anfangs erwähnten, dann muss man auf ein Krisenmanagement zurückgreifen. "Ab hier kann es teuer werden. Nur ganz ausnahmsweise funktioniert Aussitzen. Sorry, aber das haben Sie sich selbst eingebrockt."

Beschränkte Lebenszeit

Der Autor des Büchleins, Roland Schimmel, ist Rechtsanwalt und lehrt an deutschen Unis. Er entlarvt in dem unterhaltsamen Text, wie verlockend Plagiate einerseits und wie weitreichend Plagiatsfragen im wissenschaftlichen Abschlussarbeiten heute sind. Nicht zuletzt lässt der Autor den Leser am Schluss erröten: "Sollten Sie aber bis hier gelesen haben, wüsste ich trotzdem gern, warum Sie alles das so sehr interessiert, dass Sie ihre beschränkte Lebenszeit in die Lektüre investiert haben." (Sebastian Pumberger, derStandard.at, 26.5.2011)

Zum Buch: 

Roland Schimmel: "Von der Kunst ein Plagiat zu fertigen", LIT-Verlag, 2011.

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    Ein zu früh entdeckter Meister seines Fachs.

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    foto: verlag
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