Burgenland

SPÖ und ÖVP fordern von Bund Infrastruktur für neue Grenzkontrollen

Rainer Schüller, Benedikt Narodoslawsky, 26. Mai 2011, 10:58
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    foto: standard/newald

    Nickelsdorf, wenige Meter vor Ungarn: Wo Gras über den einstigen Eisernen Vorhang wächst, wollen SPÖ und ÖVP wieder "die notwendige Infrastruktur für temporäre Grenzkontrollen" haben.

Anlässlich "gewaltiger Flüchtlingsströme aus Nordafrika" fürs pannonische Grenzland wieder aktuell

Eisenstadt - Eigentlich wollte Manfred Kölly nur die hässlichen Grenzhäuser im Burgenland schön machen. "Einerseits investieren wir so viel Geld in den Tourismus und geben Geld für Werbung aus, andererseits stehen da noch immer diese Schandflecken an der Grenze. Die Häuser liegen baulich darnieder", sagt der burgenländische Landtagsabgeordnete, einst Freiheitlicher und heute Anführer einer Bürgerliste.

"Gewaltige Flüchtlingsströme aus Nordafrika"

Deshalb brachte er einen Entschließungsantrag ein, der derStandard.at vorliegt: Die zuständigen Bundesbehörden sollten die Grenzposten im Burgenland entweder renovieren, weiternutzen oder schleifen lassen. Kölly, Bürgermeister von Deutschkreutz, hätte schon Ideen für die weitere Nutzung des Grenzhauses seiner Gemeinde: Ein grenzüberschreitendes Cafe könne man daraus machen, oder ein österreichisch-ungarisches Tierheim. Da bekomme man auch tolle Förderungen von der EU.

Die Regierungsparteien SPÖ und ÖVP haben eine andere Idee. Sie haben zu Köllys Entschließungsantrag einen Abänderungsantrag eingebracht, in dem steht: "Temporäre Grenzkontrollen im Schengen-Raum könnten angesichts der gewaltigen Flüchtlingsströme aus Nordafrika wieder an Bedeutung gewinnen."

Konzept für temporäre Grenzkontrollen

Weiter im Text: "Der bauliche Zustand der Infrastruktur an den ehemaligen Grenzübergängen bietet Grund zur Beunruhigung. Der Teils desolate Zustand der Bauwerke würde deren zweckgemäße Verwendung vorweg unmöglich machen." Weil das Innenministerium die Grenzhäuser nicht mehr miete, müsse die Bundesimmobiliengesellschaft die Häuser veräußern oder an andere Interessenten vermieten. "Durch diese gebotene Verwertung stehen die Grenzkontrollanlagen im Bedarfsfall nicht mehr zur Verfügung. Ein Ersatz dafür bzw. eine alternative Strategie ist daher vorzulegen", heißt es im Antrag.

Darum fordert die rotschwarze pannonische Koalition die Landesregierung auf, "an die Bundesregierung heranzutreten, das Konzept betreffend notwendiger Infrastruktur und Personalstärke für die Durchführung temporärer Grenzkontrollen vorzulegen und dessen Umsetzung sicher zu stellen".

Reimon: "Wie paranoid muss man sein?"

"Die beiden Parteien brechen das Thema jetzt auf die Sicherheit herunter und wollen es als ihren Erfolg verkaufen", sagt der ehemalige Freiheitliche Kölly, der sich um seinen Verschönerungsantrag betrogen fühlt. Noch heftiger kritisiert der burgenländische Grünen-Chef Michel Reimon das Vorgehen von SPÖ und ÖVP. "Im burgenländischen Landtag sitzen vier blaue Parteien: eine rotblaue, eine schwarzblaue, eine orangeblaue und die FPÖ. Die müssen überhaupt nichts mehr tun, weil die Regierungsparteien ihr Geschäft perfekt erledigen."

Es gebe kein nordafrikanisches Flüchtlingsproblem an der österreichisch-ungarischen Grenze und es sei auch keines absehbar. "Wie paranoid muss man sein, um das zu konstruieren?", fragt der Grüne.

Strommer: "Brauchen einen Mindeststandard"

Im Gespräch mit derStandard.at kalmiert der burgenländische VP-Klubchef Rudolf Strommer. Grenzkontrollen wie zwischen Dänemark und Deutschland lehne er ab, als überzeugter Europäer stehe er zur Reisefreiheit in der EU. "Ich rechne mit keiner Völkerwanderung. Aber wenn Wien Schauplatz eines internationalen Gipfels wird oder wenn wir wieder eine EM haben, dann brauchen wir einen Mindeststandard für die Sicherung der Grenze." Zumindest ein kleiner Teil der alten Grenzposten sollte erhalten bleiben - also jene Grenzübergänge an Autobahnen und Bundesstraßen.

Vom Einleitungstext des Antrags, in dem von "gewaltigen nordafrikanischen Flüchtlingsströmen" die Rede ist, nimmt er Abstand: "Von Nordafrika geht derzeit keine Gefahr aus. Ich konzentriere mich nur auf die Beschlussformel."

Auf Schengen-Reform vorbereiten

SPÖ-Klubchef Christian Illedits nimmt schriftlich Stellung: "Der zitierte Antrag wurde am 9.5.2011 abgefasst und danach in der Ausschusssitzung eingebracht. Zu diesem Zeitpunkt war eher von einem Ausufern als vom Ende der blutigen Unruhen in einigen nordafrikanischen Staaten auszugehen."

Nachdem Italien Aufenthaltsgenehmigungen an nordafrikanische Flüchtlinge verteilt und Kölly seinen Verschönerungsantrag eingebracht hatte, verspürten die Sozialdemokraten aus dem Flachland Handlungsdrang. Der europäischen Debatte über vorübergehende Grenzkontrollen innerhalb der EU hätte sich auch das Burgenland nicht verschlossen, schreibt Illedits. "Es geht darum, auf neuen EU-Pläne puncto Schengen-Refom vorbereitet zu sein." (Rainer Schüller, Benedikt Narodoslawsky, derStandard.at, 25. 5. 2011)

Kommentar posten
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nosferatus3
00
29.5.2011, 21:39
ich lach mich schief

über diese intelligenten kassandras.

Javert
00
27.5.2011, 20:35

die "gewaltigen Flüchtlingsströme aus Nordafrika" kommen sicherlich alle über nickelsdorf nach ösistan

krawuzl
01
26.5.2011, 23:41
SPÖ und ÖVP fordern von Bund Infrastruktur für neue Grenzkontrollen

Das ist der böseste Burgenländerwitz seit langem.

ricko
00
26.5.2011, 22:57
bevor dies droht eine rein emotionsgeladene grundsatzdiskussion zu werden:

von der stadt lässts sichs leicht reden; vor ort im BGLD gibt es aber ein signifikantes problem mit ostbanden (= ost eu + nicht eu + n-afrika) und die bisher sichere idylle wich für beispiellose einbruchsgewalttäter.

daran trägt weder eine rechte noch linke gesinnung schuld und auch lässt sich so nichts ändern. der fakt, dass die eu schengengrenzen viel zu früh fielen, ist etwas weit undurchdachtes mit brüsselschem nachgeschmack.

in meinem 400 EW kaff triffts nun im jahr einen, letztens fasste ein altes großmutterl mit 80 jahren einen kinnhacken aus, bevor ihr hab und gut gen grenze wanderte. die täter wurden aber gefasst (knapp vor der nicht mehr vorhandenen grenze)

ich bin gegen grenzzäune, aber gut ding braucht weile

drnknbois
 
11
26.5.2011, 22:40
pannonisch popolustische Xenophobie in deren Reinkultur

Walter J. Ferstl
04
26.5.2011, 21:51
"... eher von einem Ausufern als vom Ende der blutigen Unruhen in einigen nordafrikanischen Staaten auszugehen."

Was Klubchef Illedits (jedenfalls bis zum 9.5.2011) anscheinend nicht mitbekommen hat:

In zwei der nordafrikanischen Staaten, nämlich in Tunesien und Ägypten, handelt es sich um Freiheitsbewegungen, und zwar um völlig gewaltlose.

Diese Bewegungen sind derart beispielhaft, dass sie inzwischen auch schon in Spanien als Vorbild dienen. Die Puerta del Sol in Madrid wird auf Transparenten mit dem Tahrir-Platz in Kairo verglichen.

Der Mann sollte gelegentlich auch etwas anders lesen als die Kronenzeitung (oder es zumindestens versuchen).

! Österreichische Verbrecher Partei ?
00
26.5.2011, 21:35
ojee das tut WEEee hHhh korrupte VAUPÄHhhh !!!

na endlich wurde das Problem erkannt.

Österreich wird einen ZOLLSCHUTZ gegen die korrupten Mafia Banden aus dem OSTEN aufbauen, die der integre Innenmnnister Ernsti . Strasser @oevp immer bekämpfte.
BITTe vorher nachfragen, ob der integre ÖvpäHHHHhHhh Korrupte da nicht an gewisse vertragsvorgaben gebunden ist

sorry integer und övpähannhe

erzeugen bei mir ........

b

JP M
20
26.5.2011, 20:56
"Es gebe kein nordafrikanisches Flüchtlingsproblem an der österreichisch-ungarischen Grenze und es sei auch keines absehbar. "Wie paranoid muss man sein, um das zu konstruieren?", fragt der Grüne."

...ja das fragt der Gruene...

Waere ja in etwa so wie wenn man sich um Ehrenbuergschaften von Leuten Gedanken macht die gar keine Ehrenbuerger mehr sind und die ausserdem schon lange tot sind.

Wie paranoid muesste man da erst sein...

Tirol6020
00
26.5.2011, 23:33
Keine mehr sind?

Ui, zu lange in Amstetten gewesen?
Die Anordnung der Allierten, die die Fs fleißig zitieren, ist aus 1946 und bezieht sich auf Deutschland. In Österreich gab es schon seit 1945 eine eigene alliierte Behörde. Deren Existenz wird aber offensichtlich nicht einmal ex post von den Fs zur Kenntnis genommen.

heri13
03
26.5.2011, 20:54
wie wäre es wenn wir vergessen das das burgenland,

vor 90 jahren zu österreich gekommen ist!
geben wir es den ungarn zurück und geben wir ihnen die blauen hassprediger mit!
so würden wir zwei gelsen mit einer klappe schlagen!

seinfeld
01
26.5.2011, 20:44
einfach nicht wählbar

Weder die SPÖ noch die ÖVP sind für mich wählbar. Sie setzen einfach die Anforderungen der Reaktionären um und werden trotzdem bei der nächten Wahl massiv verlieren. Und die FPÖ muss überhaupt nichts tun, nur ab und zu laut rülpsen - den Rest erledigen - aus Angst von der Krone - die Anderen. Was ich in Österreich vermisse ist eine liberale Partei.

Sugar for my honey
07
26.5.2011, 20:31
Na, geh bitte was für Schwachmatiker!

Mach ma doch lieber gleich einen auf "Berliner Mauer Vol.2", anstatt da mit Larifari-Grenzkontrollen rumzupipseln!

Als nächstes rufen sie Burgis Greenpeace zu Hilfe, weils drauf kommen, dass die "Millionen Afrikaflüchtlinge" ihre Haustiere mitbringen und dann Kamele in der pannonischen Tiefebene rumwuseln - die würden sich dann wenigstens nahtlos bei den Einheimischen integrieren^^

Takeshi Kovacs
11
26.5.2011, 19:44
Welcher flüchtling -woher auch immer-,

der keinen schweren dachschaden hat, will ins burgenland?

Keyser
03
26.5.2011, 19:19

Einfach den Atlantikwall nach empfinden, bloß diesmal mit echten Waffen: Eine kilometerlange Plakatwand, mit der Aufschrift "Achtung, Sie betreten nun Ösistan, [in 40 Sprachen], hier regieren wir! Sie haben keine Chance, drehen Sie um, und suchen Sie woanders ihr Glück." Darüber befinden sich Hochglanzaufnahmen, unserer Vorzeige-Politiker, um das Gesamtbild abzurunden.

Zur Deko, ein wenig Stacheldraht, ein wenig Nostalgie muss schon sein, und ein paar Wachtürme, alle 20 oder 30 km. Dazu tun es auch Jägerhochsitze, und diese, kann man sicher aus Pröllistan importieren - falls nötig. Natürlich ganz billig.

Liebe Politkasperln, so ihr es lest, macht das - und ihr habt die perfekte Grenzkontroll-Infrastruktur. :)

Tirol6020
01
26.5.2011, 18:53
Weiter so! Die Panzersperren im Donautal...

... und die Festen Anlagen (verbunkerte Panzergeschütze) wieder errichten, auch im Wipptal, samt Sperrbataillonen, und am Brenner schleifen wir das Outlet Center, damit die Grenzanlagen wieder Platz haben (allerdings denke ich, dass das auf der italienischen Seite steht).
Supi, ich freue mich auch schon auf die Autoschlangen in Kufstein/Kiefersfelden und am Walserberg, die sind ja schon fast nurmehr Schwarzweißfotos im Gedächtnis....

HTK
19
26.5.2011, 17:53
Ja sind die denn waaahnsinnig ?

Nur die Häuschen an den Grenzübergängen wieder aufzubauen reicht doch nicht. Wir brauchen Mauern, Sperranlagen und Todesstreifen. Und das nicht nur zu Ungarn hin, sondern rundherum.

Und jeder Haushalt muss in seinem Haus oder seiner Wohnung mindestens ein Zimmer für die Beherbergung eines Grundwehrdieners freiräumen.

Ausserdem fordere ich auf der S31 die Patrolie mit Leopard-2 Kampfpanzern. Wozu hamma denn die 120 Stück ?

Der Post(ing)mann
 
01
26.5.2011, 18:45

Absolut richtig!
Das ist alles grob fahrlässig, immerhin gehts ja um unsere *doppelpunkt*

...Sicherheit!

Minister für Verwaltungsreformen
01
26.5.2011, 18:40
wassergräben hams vergessen

loundy
 
00
27.5.2011, 00:22

und krokodile in den wassergräben.

HTK
00
26.5.2011, 23:02
Statt Wassergräben:

Da hätt I ja no lieaba in jeda U-Bahn Stazion a Patrouille von zwa 18 jährigen mit Automatik-Puffn.

Wegen de Kirimmnön, waast eh, di Tschu**n, wannst mi vestehst. Da fühl i mi gleich fü sichara.

Wos suin des hassn, "Da Eisatz vom Hea im Inneren is gengn die Fafasssuuung". De steign jo eh net in Wagon ein.

zxj
01
26.5.2011, 17:30
"Gewaltige Flüchtlingsströme aus Nordafrika" an der pannonische Grenze

Es lebe der Burgenländerwitz.

potpüree
10
26.5.2011, 16:17
Fordern ist OK, aber bitte selbst bezahlen, da wir sonst

beim sozialistischen Prinzip sind: "Wollen tun wir viel, aber bezahlen soll es bitteschön wer anderer."

MichelReimon
29
26.5.2011, 14:59

Der Antrag wurde soeben beschlossen, mit Applaus von den Freiheitlichen.

Ein stark abgemilderter Abänderungsantrag von mir wurde abgelehnt, ein SPler, der mir zustimmen wollte, wurde vom Nachbarn zurückgehalten. Klubzwang, diesmal sogar physisch...

##V+##
10
26.5.2011, 16:12
Danke für die Info!

Die Menschen mit Weitblick in dieser Republik wissen schon sehr lange, dass der Zukunft in Österreich sicherlich kein Schwarz, Blau oder Rot zuträglich ist.

Chris.S
00
26.5.2011, 15:54
Traurig...

und peinlich, dass man als Reaktion einen Antrag einbringt, der noch viel mehr nach FPÖ klingt als der Antrag des Ex-FPÖlers.

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