Entschleunigte Obsession

30. Mai 2011, 10:45
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"La Robe du soir" gleicht einer zum Leben erweckten Eifersuchtsmörderballade von PJ Harvey - Beeindruckendes Drama von Myriam Azizias

Myriam Azizias erzählt in "La Robe du soir/The Evening Dress" eine Geschichte, die viele selbst durchlebt haben: Die pubertierende Schwärmerei für die/den LehrerIn wird zur Verliebtheit. Im Debutfilm der Regisseurin wird diese Verliebtheit jedoch zur Obsession.

Juliette, eine zwölfjährige Schülerin, verliebt sich in ihre Lehrerin (Madame Solenska). Diese weiß um ihre Attraktivität, scheint die Zuneigung der gesamten Klasse, aber auch Anspielungen auf ihr Äußeres zu genießen. Juliette konkurriert dabei mit einem Klassenkollegen um die Gunst der Lehrerin. Sie hegt den Verdacht, dass ihr Klassenkollege mit Madame Solenska schläft. Als sie ihren Verdacht artikuliert, beginnt die Eskalation des sich anbahnenden Dramas.

Weniger Worte als viel mehr Blicke und Gesten von Juliette entschleunigen diesen Film ungemein. Alba Gaïa Kraghede Bellugi (Juliette) erbringt eine faszinierende schauspielerische Leistung, die in Kombination mit dem gekonnten Einfangen der Kleinstadt-Idylle durch die Regisseurin zu einem grandiosen Filmerleben wird. Das Drama wirkt, wie es Avery Hudson treffend formulierte, als hätte die Regisseurin eine der "Eifersuchtsmörderballaden von PJ Harvey zum Leben erweckt". (eks, dieStandard.at, 30.5.2011)

"La Robe du soir/The Evening Dress", 10.6. 2011, 20:00 Uhr, Filmcasino, Margaretenstraße 78, 1050 Wien

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Identities

  • Die Lehrerin Madame Solenska wird von der belgisch-portugiesischen Sängerin Lio dargestellt.
    foto: identities 2011

    Die Lehrerin Madame Solenska wird von der belgisch-portugiesischen Sängerin Lio dargestellt.

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