Drunt' am Fluss

25. Mai 2011, 12:18
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Die Raiffeisen Vikings demolieren in der Blue River Bowl V das Meister-Chassis der Danube Dragons. Gröbere Unfälle hatten auch die Equipes von Prag und Salzburg in Graz bzw. Innsbruck

Die Blue River Bowl - fast so jung, wie fast Mythos - war sie seit ihrer Einführung im Jahre 2009 fest in den Händen der Drachen Transdanubiens. Das letzte Spiel vor der fünften Auflage gewannen die Vikings im Jahre Schnee, exakt am 24. Juni 2007. Die Abkürzung "BRB" sollte dann für die Wikinger aber auch für „Be Right Back" stehen, denn was am Sonntag vor rund 3.600 Zuschauern den Dragons widerfuhr, das fällt fast in die Kategorie Rückkehr zur Norm. Zu einer Zeit bevor die Dragons so richtig in der Bundesliga mitspielen konnten und nicht nur brav auf ihrem Platz Nummer 4 Stuhl hockten. Unten am Fluss wartete aber nach vier Jahren an dem Tag wieder ein blaues Wunder auf die gründen Drachen, deren Mitgliedschaft im Klub der großen Vier ein zweites Mal (nach dem 0:28 vom Tivoli) in Frage gestellt wurde. Ein fulminantes Halbfinale ist damit gefragt, eher verlangt.

Apropos tausende Zuseher: Einige Bezirke südlicher fand ein anderes grün-violettes Derby statt. 26 Minuten lang zumindest. Wohl auf Grund der Terminkollision kürzte die Wiener Polizei ihr Personal auf der Hohen Warte. Statt dem üblichen Polizisten Duo war kein einziger Beamter in Döbling dieses Mal dabei. Die 22 gesichteten Holligans konnten von sechs Zebras aber weitgehend in Schach gehalten werden.

Peter Tutsch eröffnete die Partie für die Vikings mit einem Kickoff Return Touchdown und brachte die Drachen damit von Beginn an in eine Klemme, in der sie 48 Minuten feststecken sollten und ohne Eile, aber mit Bestimmtheit unter die Räder kamen. Dragons Quarterback Thomas Haider durfte, von fast jeglicher Protection durch seine Offensive Line befreit, den Mann auf der Flucht mimen, denn so herzhaft wurde selten noch ein Spielmacher von seinen eigenen Leuten im Stich gelassen. Die D-Line der Wikinger war der etwas in die Jahre gekommen und weichen O-Line der Gäste eine Übermacht. Sieben Mal machte Haider so Bekanntschaft mit dem Grün des Döblinger Stadions, die Sacks erzielten Simon Blach und Roman Meklau (je zwei), so wie Chris James, Florian Grünsteidl und Brandon Collier. Die Dragons selbst konnten keinen einzigen Sack landen, jedoch mussten die Vikings nach einem Personal Foul an QB Christoph Gross den Spielmacher des Nationalteams (Knöchel) zur Sicherheit raus nehmen. Status ist day to day, man hofft das Beste. Für ihn kam Chauncey Calhoun, später noch der dritte QB Stefan Holzinger.

Laurinho Walch und Daniel Stanzel machten in Hälfte eins die weiteren Touchdowns für die Vikings zum 21:0. Von den Dragons sah man offensiv wenig, denn der Druck der Defense wie erwähnt war hoch und so unterliefen den Dragons Fehler. Ein Fumble von Andrej Kliman folgten in der zweiten Halbzeit zwei Interceptions von Haider, der überhaupt nur sieben seiner 21 Passversuche an den Mann brachte. Dabei schauten 103 Yards raus, kein Score bei zwei Picks. Bezeichnend für das Spiel der einzige Drive der Dragons im zweiten Quarter. Er dauerte über sieben Minuten, führte mit 14 Plays über 57 Yards zur Vikings 1. Dort gingen die Dragons vier und aus. Das war ihre beste Chance im Spiel auf Punkte.

Hälfte zwei verlief dann noch eindeutiger. Nach einem Onside Kick der Vikings, der die Dragons völlig überraschte, bediente Calhoun seinen Receiver Stefan Holzinger mit einem Touchdown Pass zum 28:0. Danach hatte man das Gefühl die Drachen geben dieses Spiel auf, oder sie wurden müde. Von Gegenwehr war jedenfalls nur wenig zu sehen. Die logische Folge waren weitere Scores. Fullback Florian Hiess und Holzinger, der dann - als QB am Feld - zum Endstand von 42:0 lief. Alle sechs Extrapunkte verwertete Peter Kramberger. Seit 1993 ist er Kicker der Vikings, wird heuer seine Karriere nach der WM beenden und wurde vor dem Spiel von den Vikings zum "Player Of The Decade" ausgezeichnet. (Walter Reiterer, derStandard.at)

Raiffeisen Vikings vs. Danube Dragons 42:0
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Tags zuvor gab es schon zwei Spiele, die ebenfalls sehr einseitig verliefen. Die Swarco Raiders Tirol hatten, wie zu erwarten war, keinerlei Probleme mit den Salzburg Bulls und siegten am Tivoli mit 81:0. Es war gleichzeitig der höchste Sieg der Raiders in ihrer Vereinsgeschichte. Nebenbei hatte Junioren Runningback Andreas Hofbauer mit 171 Offense Yards und drei Touchdowns sein bestes AFL Spiel bisher.

Swarco Raiders Tirol vs. Salzburg Bulls 81:0
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Im Schnellverfahren erledigten auch die Graz Giants ihre Aufgabe am Samstagnachmittag. Die Prague Panthers gastierten im Stadion Eggenberg und waren als solche nur Passagiere im Grazer Express. Chris Gunn warf schon vor der Pause fünf Touchdown-Pässe auf seine Receiver Armando Ponce de Leon, Wolfrum Hofbauer (2), Dominik Szecsi und Charles McCrea. Als Gunn zu Beginn des dritten Quarters erneut Hofbauer in der Endzone fand, hatte Head Coach Rick Rhoades nach 18 Completions bei 26 Versuchen für 297 Yards und sechs Touchdowns genug gesehen und schickte für die verbleibende Zeit die Grazer U-19 aufs Feld. Endstand 43:17.

Graz Giants vs. Prague Panthers 43:17
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Die Playoffs in der Austrian Football League stehen damit fest. Die Swarco Raiders Tirol (#1) konnten den Grunddurchgang für sich entscheiden und empfangen die Nummer 4, die Danube Dragons, die zuletzt am Tivoli ebenfalls deutlich mit 0:28 den Tirolern unterlagen. Im zweiten Halbfinale gastieren die Graz Giants (#3) bei den Raiffeisen Vikings (#2). Die Giants haben den Vikings ihre bislang einzige Saisonniederlage zugefügt.

Erklärungsbedürftig ein wenig die Reihung. Vikings, Raiders und Giants stehen jeweils bei fünf Siegen und einer Niederlage. Wenn mehr als zwei Teams den selben Win-Loss Record haben, dann werden direkte Begegnungen außer Acht gelassen und als nächster Tiebreaker das Punkteverhältnis herangezogen. Hier ergibt sich eben diese Reihenfolge: 1. Raiders (+139), 2. Vikings (+137) und 3. Giants (+92).

Austrian Bowl Playoffs:

Swarco Raiders Tirol vs. Danube Dragons
11. Juni 11 | 17:00
Tivoli | Innsbruck

Raiffeisen Vikings vs. Graz Giants
12. Juni 11 | 15:00
Hohe Warte | Wien

Davor stehen aber am kommenden Wochenende die EFL (Euro Bowl) Halbfinalspiele an. Die Titelverteidiger Berlin Adler empfangen Samstagabend (Live auf Football-Austria) die Graz Giants. Am Tivoli kommt es zwischen den Swarco Raiders Tirol und den Raiffeisen Vikings zu einem rein österreichischen Duell. Auch dieses Spiel wird auf Football-Austria via raidersTV  live zu sehen sein.

Euro Bowl Playoffs:

Berlin Adler vs. Graz Giants
28. Mai 11 | 18:00
Friedrich-Ludwig Jahn Sportpark | Berlin

Swarco Raiders Tirol vs. Raiffeisen Vikings
28. Mai 11 | 20:00
Tivoli | Innsbruck

  • Chauncey Calhoun führte nach dem Ausfall von Quarterback Christoph Gross
 die Vikings zum ersten Sieg in einer Blue River Bowl.
    foto: stefan wilfinger - afl headset

    Chauncey Calhoun führte nach dem Ausfall von Quarterback Christoph Gross die Vikings zum ersten Sieg in einer Blue River Bowl.

  • Gunn-Sixpack gegen Prag. Nachdem Giants Spielmacher Chris Gunn sechs Touchdown Pässe gegen die Panthers warf, war sein Arbeitstag zu Beginn der zweiten Hälfte beendet. Die Grazer spielten mit ihrem Nachwuchs weiter.
    foto: niki pommer

    Gunn-Sixpack gegen Prag. Nachdem Giants Spielmacher Chris Gunn sechs Touchdown Pässe gegen die Panthers warf, war sein Arbeitstag zu Beginn der zweiten Hälfte beendet. Die Grazer spielten mit ihrem Nachwuchs weiter.

  • Nationalteam-Kicker Peter Kramberger, der seit 1993 für die Vikings spielt, wurde von den Vikings zum "Player Of The Decade" geadelt. Kramberger ist erst der dritte Spieler der diese Auszeichnung erhalten hat.
    foto: photokratky.com

    Nationalteam-Kicker Peter Kramberger, der seit 1993 für die Vikings spielt, wurde von den Vikings zum "Player Of The Decade" geadelt. Kramberger ist erst der dritte Spieler der diese Auszeichnung erhalten hat.

  • Ab ins Europa-Wochenende. Berlin empfängt Graz und Innsbruck Wien.
    foto: montage

    Ab ins Europa-Wochenende. Berlin empfängt Graz und Innsbruck Wien.

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