Hitler als Ehrenbürger

"Lüge an die Öffentlichkeit gebracht"

Rosa Winkler-Hermaden, 25. Mai 2011, 10:58
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    foto: fpoe amstetten

    "Nur um Amstetten anzuschwärzen."

Amstetten: FPÖ-Stadträtin Kashofer verteidigt ihre Stimm­enthaltung bei der Aberkennung von Hitlers Ehrenbürgerschaft

Die FPÖ hat sich am Dienstag ihrer Stimmen enthalten, als es darum ging Adolf Hitler die Ehrenbürgerschaft abzuerkennen. Den Antrag hatte SPÖ-Bürgermeister Herbert Katzengruber eingebracht. Brigitte Kashofer, FPÖ-Stadtparteiobfrau in Amstetten, erklärt im Interview mit derStandard.at: "Die Bevölkerung hat nun den Eindruck, Hitler war bis jetzt Ehrenbürger von Amstetten. Er war es aber nicht." Der Antrag der SPÖ mache - auch wenn er nur symbolischer Natur war - einen "ganz falschen Eindruck", so die FPÖ-Politikern.

Warum sich die Leute vor 1945 an Hitler "angebiedert" haben und weshalb sich Kashofer wünscht, dass die FPÖ bald wieder in der Regierung ist, sagt sie im Interview mit derStandard.at.

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derStandard.at: Warum hat sich die FPÖ ihrer Stimme enthalten?

Kashofer: Weil Hitler nicht Ehrenbürger von Amstetten ist, schon seit 65 Jahren nicht mehr. Es wäre eine Zustimmung, einem Einverständnis gleichgekommen, dass er noch Ehrenbürger wäre. Er ist es aber nicht. Es ist rechtlich ein Widerruf gar nicht möglich. Ich habe da sogar eine Rechtsauskunft.

derStandard.at: Sie haben auf Ihrer Homepage geschrieben, dass die Aktion ein Profilierungsversuch von Rot und Grün sei.

Kashofer: Wenn ich was widerrufe was nicht existiert, ist es ein Eingeständnis, dass es existiert, das war aber nicht so. Ich weiß nicht, warum sie das gemacht haben. Sie haben eine Lüge an die Öffentlichkeit gebracht. Ich weiß nicht, was das für einen Sinn haben soll. Nur um Amstetten anzuschwärzen.

derStandard.at: Es wurde argumentiert, dass es ein symbolischer Akt sei, die Ehrenbürgerschaft abzuerkennen.

Kashofer: Ich glaube, dass man auch bei symbolischen Akten immer auf dem Boden der Wahrheit und der Realität bleiben muss. Die Bevölkerung hat nun den Eindruck, Hitler war bis jetzt Ehrenbürger von Amstetten. Er war es aber nicht. Der symbolische Akt macht einen ganz falschen Eindruck.

derStandard.at: Sie kritisieren, dass die SPÖ das erst überhaupt bekannt gemacht hat.

Kashofer: Nein, nicht bekannt gemacht, sondern einen falschen Eindruck hinterlassen hat.

derStandard.at: Das Rechtsgutachten von dem Sie sprechen, was steht da drinnen?

Kashofer: Das ist eine Direktive des Alliierten Kontrollrats. Allen Kriegsverbrechern ist die Ehrenbürgerschaft überall aberkannt worden. Das war 1946.

derStandard.at: Bis zu dieser Direktive war Hitler aber Ehrenbürger. Finden Sie das gerechtfertigt, dass er früher Ehrenbürger war?

Kashofer: Das war von 1938 bis 1945, da war er Ehrenbürger. Damals, da hab ich noch nicht gelebt. Dazu kann ich mich nicht äußern. Damals haben die Leute halt gefunden, dass er Ehrenbürger sein soll. Sie haben sich angebiedert. Ich will da aber nicht näher darüber reden.

So wie man sich heute halt auch anbiedert an die Mächtigen. Eine reine Anbiederung war das.

derStandard.at: Wie sind jetzt die Reaktionen von den Leuten in Amstetten?

Kashofer: Bis jetzt habe ich noch nichts vernommen. Die Sitzung war ja erst gestern. Die Leute kennen mich in Amstetten und sie wissen, dass ich mit sowas nichts am Hut habe. Und ich glaube, dass ich eigentlich einen ganz guten Ruf hab. Aber ich möchte halt immer auf dem Boden der Wahrheit und seriös bleiben.

derStandard.at: Haben Sie schon eine Reaktion von der Bundespartei erhalten?

Kashofer: Ja, sie haben gesagt, das passt, wie ich das alles auf der Homepage erklärt habe. Es wäre ein Eingeständnis gewesen, dass Hitler Ehrenbürger von Amstetten gewesen wäre und das wollte ich nicht.

derStandard.at: Der FPÖ wird ja eine Nähe zum Nationalsozialismus nachgesagt.

Kashofer: Nein, das haben wir sicher nicht.

derStandard.at: Aber was sagen Sie zu dem Vorwurf? Vor allem wird das Argument jetzt wieder hergenommen, weil sich die FPÖ nicht distanzieren will.

Kashofer: Ja, wer genau liest, der weiß das. Wenn man nur die Überschriften liest, kommt es zu solchen Missverständnissen.

derStandard.at: Wie kommen die Menschen immer darauf, dass die FPÖ eine Nähe zum Nationalsozialismus hat?

Kashofer: Das wird aufgebauscht, das wird gemacht. Um die Partei ins rechte Eck zu stellen, werden absichtlich diese Dinge verbreitet. Es ist eigentlich ein Dauerwahlkampf.

derStandard.at: Zuletzt hat es heftige Debatten wegen des Totengedenkens am 8. Mai am Heldenplatz gegeben. Bundesobmann Strache hat nicht teilgenommen.

Kashofer: Das beurteile ich nicht. Ich bin für Amstetten zuständig.

derStandard.at: Soll die FPÖ in Zukunft in der Regierung sein?

Kashofer: Ja sicher, natürlich. Da würde sich vor allem im Familienbereich sehr viel ändern. Das ist mir ein besonderes Anliegen, dass Familien unterstützt werden, dass man Kinder haben kann und dass sich Frauen auch wieder Zeit nehmen können für die Kinder. Ein ganz großes Anliegen ist mir auch der Naturschutz. Wir kämpfen in Amstetten gerade um die Forstheide. (Rosa Winkler-Hermaden, derStandard.at, 25.5.2011)

BRIGITTE KASHOFER, geboren 1948, ist Leh­re­rin in Pension. Sie ist ver­hei­ra­tet, hat fünf Kinder und ist Obfrau der FPÖ Amstetten.

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Posting 1 bis 25 von 993
MartiniS
00
4.11.2011, 21:10
„Wir hatten vor über zehn Jahren diese Diskussion. Es gab die Meinung, dass die Ehrenbürgerschaft mit dem Tod automatisch erlischt. Das hat sich dann verlaufen.....“ Aussage des Bürgermeister Herbert Katzengruber. Natürlich SPÖ....

Markus Finster
31
18.7.2011, 12:01

Im 15. Bezirk hat die FPÖ eine Resolution angestengt, die Wandschmierereien ablehnt, obwohl solche Vandalenakte eh gesetzlich verboten sind.
Da hatten sie nichts gegen einen "symbolischen Akt".

ThonhauserM
00
28.10.2011, 17:12
Wandschmierereien sind ein aktuelles Problem. Warum sollte sich eine Partei nicht dazu äußern? Auch mit einem symbolischen Akt.

Diese Ehrenbürgerschaft hat sich schon lange selbst erledigt. Das manche in der FPÖ bei so einem Kasperltheater nicht mitmachen wundert mich nicht.

rechtsstaat
20
28.5.2011, 17:17
Ich vermute Seelenverwandtschaft

Ich finde diese Frau hat von ihren Neigungen, Vorlieben und Veranlagungen unglaubliche Ähnlichkeit mit der weiblichen Hauptdarstellerin Kathy Bates aus dem Film *Misery*.

karl ingwer
68
28.5.2011, 13:11
klingt plausibel was sie sagt.

Vorher dachte ich auch, sehr seltsam, warum ziehen sie nicht mit, aber die Argumentation hat was.
Da hätte der ORF auch genauer nachfragen können anstatt nur einseitig davon zu berichten...

FalscherProphet
42
28.5.2011, 22:11
Diese FPÖ Kashoferin

ist einfach eine durchschnittliche FPÖ-Rechtsextremistin, die (wie alle FPÖ-ler) ab und an Signale an die Neonazi-Szene senden muss.

Um sich die Neonazis als Wähler warmzuhalten.

Mehr ist da nicht dran.

Völkischer_Bauernbua
11
30.5.2011, 13:15

So oa Bledsinn... De Braunen wöhlent jo sowiaso de Freiheitlichen, o wonns hiatz im System sant. Do brauchats koane "Zeichen".

Adolf Ogi
00
31.5.2011, 03:52
Wikipedia

behandelt oft österreichische Themen unvollständig oder gar nicht.

Ajaccio
00
31.5.2011, 07:55

kommt mir auch so vor, als ob wikipedia ausschließlich von großdeutschen autoren geschrieben wird.

khaleb
56
28.5.2011, 14:00
ist ganz einfach falsch

eine typische blaune Halbwahrheit,
denn der Alliierte Kontrollrat war nur für Deutschland zuständig.
In ihrer Logik vielleicht ok, weil sich Effen ja als Deutsche fühlen.
http://de.wikipedia.org/wiki/Alli... ontrollrat

bbbbbbb
54
28.5.2011, 11:03
so lange

der Westen unter der Führung der englischen und amerikanischen Kriegstreiber, unter anderen Vorzeichen, einen Völkermord nach dem anderen begeht, ist diese Debatte einfach nur zynisch!

Josef Dvorak
01
27.5.2011, 14:55
In ihrer Not haben erfolglose Politiker das Nekrodil wiederbelebt.

Nun fürchten sich wieder alle vor ihm. So hoffen sie darauf, daß ihnen das vom Publikum registrierte Drohverhalten des Ungeheuers eine sommerliche Galgenfrist verschaffen kann. Aber ob ihnen danach endlich etwas Ordentliches einfallen wird?
("Das Nekrodil" ist eine Wortschöpfung von Manfred Ach, und der Titel seines lesenswerten Buches, in dem er beschreibt, "wie Hitler wurde, was er war".)

Johann Ross
44
27.5.2011, 07:09
Tolles Ablenkmanöver................

Tolles Ablenkmanöver … aber schön unsere Vertreter einmal arbeiten zu sehen!

Jedoch wird Hitler trotz allem gebürtiger Österreicher bleiben und seine Wurzeln werden immer nach Braunau führen! Hitler hat nun mal die Judenmorde begangen und er hat den zweiten Weltkrieg angezettelt - vor und MIT unseren Augen und das ganz ohne Hilfe der FPÖ! Ihm frohlockten damals „andere“ Parteien und da könnt ihr alle noch so viel herumschmieren und radieren, die Geschichte lässt sich nicht ändern!!
Schließt endlich das Kapitel unserer dunklen Ära! Versuchen wir mit Herz und Liebe zum Land Sinnvolleres im Jetzt zu gestalten, als dem spukenden (und anscheinend nicht tot zu kriegenden) Geist aus längst vergangener Zeit nachzujagen!

per verser
43
27.5.2011, 13:29

das eigentliche verbrechen österreichs ist aber nicht
die herkunft hitlers - wer das sagt, leugnet die aktivste mittäterschaft der bevölkerung während der jahre im dritten reich.

außerdem beginnt österreichs faschismus mit dollfuß und seipel, nicht mit hitler.

hm, opfermythos, leugnung der vorgängerpartei der övp... sie müsen ein schwarzer sein.

dr MICHAEL beer
42
27.5.2011, 01:23
Braune ...

Es geht doch nicht darum, ob dem Kriegsverbrecher die Ehrenbuergerschaft bereits nach Kriegsende aberkannt wurde oder nicht. Es geht um die Gegenwart. Ich haette mir von den ...Recken erwartet, dass sie sich klar und deutlich von der (seinerzeitigen) Ehrenbuergerschaft distanzieren. Aber dann haetten sie ja einige 100.000 Stimmen in der Zukunft verloren.

Alexander Patjomkin
49
26.5.2011, 22:16
Hitler war praktisch in jeder österreichschen Stadt zwischen 1938-45 Ehrenbürger,

seit 1945 ist er aber nirgendswo Ehrenbürger.
Die Sache ist damit erledigt, es ist absolut überflüssig diesbezüglich Aktionismus zu betreiben

Hornhifi
20
28.5.2011, 07:24
AKTIONISMUS?

Die Stimmabgabe zu verweigern?

Josef Dvorak
01
27.5.2011, 12:29
Beschäftigungstherapie anstelle von Realpolitik.

Hornhifi
20
28.5.2011, 07:24
Realpolitik anstelle von Beschäftigungspolitik.

Vendetta
25
27.5.2011, 06:26

seh ich auch so. Es gibt wichtigeres!

Ronaldo Cator
12
27.5.2011, 01:12

Es spräche aber auch nichts dagegen, jedes Mal daran zu erinnern, dass er kein Ehrenbürger mehr ist. Es sei denn, Ihnen geht das auf die Nerven, dass da einige Leute sich freuen, dass Hitler kein Ehrenbürger mehr ist.

Josef Dvorak
15
27.5.2011, 13:01
... und nur mehr mit "Nieder mit Hitler" grüßen,

statt mit "Hallo", "Freundschaft" oder "Grüß Gott"! 1943 bekam ich dafür in einem HJ/DJ-Lager der "Kinderlandverschickung" in der Slowakei gnädigerweise nur eine Woche Dunkelhaft. Ältere Burschen wurden vom "Lagermannschaftsführer"
im Keller schwerstens mißhandelt. Heute völlig ungefährlich, haben solche Symbolhandlungen (wie dieser pedantische Ehrenbürgerrummel) die Funktion
einer Ablenkung von eigenem politischen Versagen.

tablespace65
74
26.5.2011, 22:06
Wenigstens weiß man jetzt, wie eine "alte Nazi-Braut" aussieht...

FalscherProphet
20
26.5.2011, 23:28
Wie eine "Mittelalte" aussieht,

wissen "wir" ja bereits seit der letzten Bundespräsidentenwahl -
natürlich ebenfalls von der FPÖ stammend...

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