Ein Symposium nahm das Essverhalten männliche Jugendlicher unter die Lupe - Dabei kamen diese auch selbst zu Wort
Was essen junge Männer und wie gesund ist ihre Ernährung? Dieser Frage gingen vorige Woche mehrere Experten auf den Grund. Spannend wurde es, als diejenigen zu Wort kamen, über die den ganzen Tag geredet wurde - die jungen Männer. Sechs Männer im Alter von 15 bis 25 Jahre nahmen am Podium Platz und gaben Einblick in die heutige Jugendesskultur.
Die jungen Männer und Burschen am Podium reden nicht nur gerne, sie essen auch gerne. Gefragt nach ihrer Lieblingsspeise, fallen bei Mustafa, der eine Lehre zum KFZ-Techniker macht, und dem Schüler Alexander, die Antworten unisono aus: Pizza. Für Philipp, den 14-jährigen Gymnasiasten, ist es der Schweinsbraten der eigenen Mutter. Auch für seinen Sitznachbarn am Podium, der Mitte zwanzig und schon berufstätig ist und eigentlich nicht mehr bei der Mutter lebt, schmeckt „das was die Mami kocht", am besten. Der 25-jährige IT-Unternehmer, isst immer auswärts in Restaurants. Daneben sitzt ein 18-jähriger Maturant, der viel Sport macht und Steak mit Salat bevorzugt.
Hotel Mama
Neben der Vorliebe für Fleisch, kommt die allgemeine Bequemlichkeit beim Herrichten der Mahlzeiten zum Vorschein. Schnell muss es gehen, wenn der Hunger auftaucht. Sei es der Kebabstand, der am Schulweg liegt, oder ein Burger bei Österreichs meist besuchter Fast-Food-Kette. „Wo ich halt vorbeigehe", ist von Philipp zu hören.
Vom Kochen halten die jungen Männer generell wenig, überlassen das lieber den Eltern, ebenso wie das Einkaufen. „Das Alltagskochen und das Einkaufen bleiben immer noch Frauen überlassen. Männer sind Event- und Hobbyköche, da steht das Erlebnis im Vordergrund", bestätigt auch die Ernährungswissenschafterin Angela Mörixbauer.
Der Begriff „Kochen" wird großzügig definiert. Ein belegtes Brot wird von den Jugendlichen bereits als Kochvorgang betrachtet. „Wenn Wurst und Fleisch drinnen ist, dann ist das Kochen", sind sich die jungen Männer einig.
Essen als Mittel zum Zweck
Die Aussagen der Männer decken sich mit den Beobachtungen der Ernährungsexpertin und den Ergebnissen aktueller Studien. „Leider gibt es wenig Daten über Ernährungsgewohnheiten von Jugendlichen", bedauert Mörixbauer. Sie nimmt aber Bezug auf den österreichischen Ernährungsbericht 2008. „Fleisch ist ein großes Thema bei jungen Männern. Es gibt ein starkes Ja zu Fleisch, Wurst, Chips und Alkohol und ein großes Nein zu Gemüse und Obst", ergänzt die Expertin.
Essen gilt primär als Mittel zum Zweck, um den Hunger zu stillen. Dabei sind sich die jungen Männer der ungesunden Ernährung durchaus bewusst. "Das theoretische Wissen ist da, aber sie haben wenig Lust es umzusetzen", so Mörixbauer. Die Runde am Podium bestätigt das.
Überschüssige Kilos
Im Alltag finden gesunde Lebensmittel nur gelegentlich Anklang. „Im Fernsehen sieht man, dass alle Marathonläufer Bananen essen. Das muss ja Kraft geben", erklärt Alexander seine Vorliebe für Bananen. Der Maturant, der im Fitnessstudio seine Muskeln trainiert, versucht mehr Proteine statt Kohlenhydrate zu essen. Das hat ihm der Trainer nahe gelegt.
Abnehmversuche haben drei der Männer bereits hinter sich gebracht. „Ich habe es oft versucht, aber es hat nie funktioniert. Länger als drei oder vier Tage halte ich nicht durch", erzählt Philipp von seinen Diäterfahrungen. Vom Problem mit dem Durchhalten berichten auch die anderen zwei, die beide ein paar Kilos zu viel auf den Hüften haben. Mustafa erzählt, dass er als Kind übergewichtiger war und erst durch ein Abnehm-Camp in Niederösterreich erfolgreich und dauerhaft abnehmen konnte.
Männer im Alltag erreichen
Mit ihrem Übergewicht sind die drei jedenfalls nicht allein. Aus dem Ernährungsbericht 2008 geht hervor, dass 17 Prozent der Lehrlinge übergewichtig und 13 Prozent bereits adipös sind. Mehr als die Hälfte der männlichen Lehrlinge nimmt selten oder nie frisches Gemüse zu sich, konsumiert dafür aber regelmäßig Alkohol. Dieses einseitige Ernährungsmuster ist in Kombination mit Alkoholkonsum und Bewegungsmangel gesundheitlich relevant und im Erwachsenenalter nur schwer zu durchbrechen.
Thomas Altgeld von der Akademie für Sozialmedizin in Hannover sieht vor allem im städtischen Bereich Aufholbedarf bei der Verhaltensprävention. Er hofft "über die Gemeinschaftsverpflegung" in Schulen, Kindertagesstätten und Betrieben, mehr junge Männer in ihrem Alltag zu erreichen. (Alkan Güler, derStandard.at, 25.05.2011)