Google Deutschland: Keine Dotcom-Blase in Sicht

Zsolt Wilhelm, 24. Mai 2011, 21:30

Stefan Tweraser: "Natürlich wird sich in Zukunft die Spreu vom Weizen trennen"

Die fulminanten Börsen-Debüts von Internet-Unternehmen sind nach Einschätzung von Google-Deutschlandchef Stefan Tweraser kein Zeichen für eine zweite Dotcom-Blase. "Natürlich wird sich in Zukunft die Spreu vom Weizen trennen, aber wir können nicht von einer Blase sprechen", sagte Tweraser der Nachrichtenagentur Reuters. Der 42-jährige Manager geht davon aus, dass die derzeit mit Milliardensummen bewerteten Konkurrenten ihr Versprechen halten. "Vor zehn Jahren wurden die Bewertungen häufig rein mit dem potenziellen Wachstum begründet. Die Unternehmen, die heute an die Börse gehen, haben ein substanzielles Geschäft."

Überbewertungen

Google wird derzeit am Markt mit dem Sechsfachen des Jahresumsatzes gehandelt, bei der frisch an der Nasdaq notierten russischen Suchmaschine Yandex sind es 18-mal so viel und das Online-Karrierenetzwerk LinkedIn erzielte in der vergangenen Woche auf Anhieb einen Börsenwert, der um das 34-Fache über den Erlösen des vergangenen Jahres lag.

Viele Experten sehen darin Zeichen für einen überhitzten Markt - wie zur Jahrtausendwende, als die Börsen wegen ausbleibender Gewinne der Internetfirmen in einen dramatischen Kursrutsch bei Technologie-Werten rauschten. Milliarden-Investitionen wurden über Nacht vernichtet. Das Netz gilt heute wieder als gigantischer Wachstumsmarkt. Allein der Umsatz mit Werbung soll Marktforschern zufolge in diesem Jahr erneut mit zweistelligen Raten zulegen.

Bewährte Geschäftsmodelle

"Der große Unterschied zur Dotcom-Blase ist, dass sich die Geschäftsmodelle beispielsweise von Facebook, Groupon oder LinkedIn seit Jahren bewähren", erklärte Tweraser. Das Soziale Netzwerk Facebook sammelt unter anderem Produktempfehlungen seiner Millionen Nutzer und füttert damit die Werbeindustrie. Das Schnäppchen-Portal Groupon vermittelt über Rabattangebote Kunden an lokale Anbieter wie Restaurants. Tweraser betonte zugleich, Google habe inzwischen bewiesen, dass man im Internet Geld machen könne. "Sie können heute nicht mehr nur Ideen verkaufen."

Kritiker warnen, Konzepte wie das von Groupon seien leicht zu kopieren und damit könne der Traum von einem rasanten Wachstum schnell platzen. Google unternimmt seinerseits derzeit einen Vorstoß ins Schnäppchen-Geschäft in Nordamerika und will damit seine Dominanz bei der regionalen Internet-Werbung absichern. (Reuters)

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