Geförderte Wohnungen gegen die Abwanderung

24. Mai 2011, 21:22
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Leistbare Wohnungen sind in Tourismusorten wie Saalbach-Hinterglemm Mangelware. Das zwingt Einheimische, in umliegende Gemeinden zu ziehen

Geförderte Wohnungen sollen dem entgegenwirken.

Saalbach-Hinterglemm – Fünf Prozent der Bevölkerung von Salzburgs Hauptstadt der Zweitwohnsitze wandern jährlich in umliegende Gemeinden ab. Die große Nachfrage nach Liegenschaften direkt an der Skipiste treibt die Grundstücks- und Immobilienpreise in die Höhe. Das wirkt sich auch auf die Mieten aus. Viele Saalbacher können es sich nicht mehr leisten, in der eigenen Gemeinde zu wohnen. In den vergangenen acht Jahren hat Saalbach knapp 100 Einwohner verloren.

Rund zwei Drittel der Wohnungen von Saalbach-Hinterglemm sind als Zweitwohnsitz gemeldet. Die 4912 Zweitwohnsitze werden meist als Ferienwohnungen oder Alterssitze genutzt. Nur 2877 Einwohner haben ihren Hauptwohnsitz in Saalbach-Hinterglemm.

Weil die Grundstückspreise zu hoch sind und zu wenige Wohnungen vorhanden sind, hat sich die Abwanderung gebürtiger Saalbacher in den letzten Jahren verstärkt. Die Gemeinde ver- sucht nun, die Abwanderung mit Baulandsicherungsmodellen abzufangen.

360 Euro für 75 Quadratmeter

Ein Wohnbauprojekt wurde im Oktober im Ortsteil Jausern realisiert. 22 geförderte Mietwohnungen konnte die Wohnbaugenossenschaft Bergland an junge Familien und Menschen, die ihre erste eigene Wohnung beziehen, übergeben. Die Gemeinde unterstützte den Ankauf des Grundstücks mit einer Grundkostensubvention von insgesamt 370.000 Euro.

360 Euro Miete zahlen Mieter für eine 75-Quadratmeter-Wohnung. Um eine Wohnung mit Förderung zu bekommen, müssen die Mieter ihren Hauptwohnsitz in Saalbach-Hinterglemm anmelden. Über die Wohnungsvergabe entschied das Meldeamt der Gemeinde. Die Bergland kaufte das Grundstück im Auftrag der Gemeinde einem deutschen Eigentümer ab und errichtete die Holzwohnbauten.

"Eine Unterstützung in solchem Ausmaß hab ich von einer Gemeinde noch nicht kennengelernt", lobt Georg Maltschnig, Geschäftsführer der Wohnbaugenossenschaft Bergland, die enge Zusammenarbeit mit der Gemeinde Saalbach-Hinterglemm. Normalerweise klinke sich die Gemeinde ganz aus dem Wohnbau aus, und geförderte Mietwohnungen würden kaum konzipiert werden. In Saalbach liege aber eine ganz spezielle Situation vor: Die wenigen Liegenschaften, die nicht für Hotelbauten verwendet werden, erzielen Grundstückspreise von 600 Euro pro Quadratmeter und mehr. Für Leute, die in der Tourismusbranche tätig sind, ist das Wohnen in Saalbach daher kaum leistbar.

Deshalb schaue sich die Gemeinde immer nach günstigen Grundstücksverkäufen um und suche nach einem Partner, um weitere geförderte Projekte zu realisieren, erklärt Bürgermeister Peter Mitterer. Noch in diesem Jahr wird mit einem weiteren Projekt begonnen, bei dem 16 geförderte Wohnungen entstehen sollen. Auch 2012 seien 16 Mietwohnungen geplant, um der Abwanderung in angrenzende Gemeinden entgegenzuwirken, sagt Mitterer. Die Nachfrage nach geförderten Wohnungen sei enorm, das gehe aus den Mietbedarfserhebungen der Gemeinde hervor.

"Von Vollgas auf Stillstand"

Die Ausrichtung auf den Tourismus und die zahlreichen Zweitwohnsitze in Saalbach-Hinterglemm wirken sich auf die Lebensbedingungen in der Gemeinde aus. Während der Saison ist in Saalbach enorm viel los; ganz besonders im Winter. "Wenn die Saison vorbei ist, ist es, als würde ein Schalter umgelegt", erläutert Wolfgang Breitfuß, der in Saalbach aufgewachsen ist und auch heute noch im Ort lebt. Ist die Saison vorbei, bleiben nur die 2877 Einheimischen übrig, und der Ort wirke wie ausgestorben. "Es ist ein extremes Kontrastprogramm. Von Vollgas auf Stillstand", fasst Breitfuß die Wohnsituation zusammen. (Stephanie Ruep, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25.5.2011)

  • 22 geförderte Wohnungen hat die Genossenschaft Bergland in Saalbach-Hinterglemm errichtet - für einheimische Jungfamilien, die sonst anderswo eine Bleibe suchen müssten.
    foto: alexander haidinger / wohnbau-gen. bergland

    22 geförderte Wohnungen hat die Genossenschaft Bergland in Saalbach-Hinterglemm errichtet - für einheimische Jungfamilien, die sonst anderswo eine Bleibe suchen müssten.

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