Eidgenössischer Disput um Zuwanderung

Klaus Bonanomi aus Bern , 24. Mai 2011, 18:28
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    foto: reuters/arnd wiegmann

    SVP-Exponent Christoph Blocher will per Volksbegehren die Zuwanderung in die Schweiz begrenzen.

SVP für Volksbegehren - Gewerkschaft rechnet mit Arbeitskräftemangel

Die Schweizer Arbeitnehmergewerkschaft TravailSuisse schlägt Alarm: Doch diesmal warnt sie nicht etwa vor Arbeitslosigkeit, sondern vor einem drohenden Arbeitskräftemangel. In zwanzig Jahren, so rechneten die Ökonomen vor, würden in der Schweiz bis zu 400.000 Arbeitskräfte fehlen, weil es zu wenig Nachwuchs gebe und die geburtenstarken Jahrgänge in Pension gingen.

Wirtschaft und Staat müssten deshalb alles unternehmen, um den Arbeitsmarkt attraktiver für Schweizer Arbeitnehmer zu gestalten: mit Teilzeitstellen und Kinderkrippen die Erwerbsquote der Frauen fördern; mit innovativen Arbeitszeitmodellen dafür sorgen, dass Ältere tatsächlich bis zum regulären Pensionsalter von 65 Jahren arbeiten können; mit mehr Weiterbildung die beruflichen Qualifikationen fördern und mit besseren Löhnen gegen den Nachwuchsmangel beim Pflegepersonal und im Lehrerberuf ankämpfen.

Viele dieser Gewerkschaftsforderungen klingen bekannt, sind es auch - neu ist aber die Begründung dafür: Mit all diesen Maßnahmen könne man immerhin 200.000 Stellen mit Schweizern besetzen; und damit müssten "nur" noch 200.000 - und nicht 400.000 - ausländische Arbeitskräfte einwandern.

Das Beispiel zeigt: Die Kritik an der starken Zuwanderung ist mittlerweile nicht mehr nur den konservativen Kräften vorbehalten. Doch noch will niemand so weit gehen wie die SVP, die auf einem Parteitag am Samstag ein Volksbegehren zur Begrenzung der Zuwanderung starten will. "Die Initiative ist ein Frontalangriff auf die Personenfreizügigkeit mit der EU", kommentiert die liberale Neue Zürcher Zeitung. "Die SVP geht im Wahljahr auf Konfrontationskurs mit der politischen Konkurrenz und mit der Wirtschaft."

Wegen der Zuwanderung wächst die Bevölkerung in der Schweiz jährlich um rund 70.000 Personen. Zwar sind die meisten Zuwanderer gut qualifiziert und halten die Wirtschaft in Schwung. Doch dies ist nur die eine Seite der Medaille. Die Kehrseite illustriert etwa das Sachbuch Aufruhr im Paradies, das von zwei linksliberalen Publizisten herausgegeben wurde: Wohnungsnot, steigende Mieten, Zersiedelung, überlastete Infrastrukturen und überfordertes Bildungswesen. Auch Sozialdemokraten und Gewerkschaften fordern angesichts des zunehmenden Lohndumpings schärfere Kontrollen. Und auch die Arbeitgeber und die Parteien der bürgerlichen Mitte haben die Probleme erkannt, verweisen aber noch unverdrossen darauf, dass der freie Personenverkehr der Schweiz mehr genützt als geschadet habe. (DER STANDARD, Printausgabe, 25.5.2011)

 

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15 Postings
Agnostiker1
11
Das ist wieder auf dem Mist des xenophoben Nationalisten....

...Blocher gewachsen. Deutschland wird froh sein, wenn die Iniative von Blocher durchgeht. Ist doch damit das Brain Drain von Deutschland in die Schweiz beendet. Die Forschungslabors und die Krankenhäuser sind voll mit hochqualifizierten deutschen Forschern und Ärzten.

ichsageuchwas
00
10.6.2011, 02:29
multikulturell

Wir haben alle Möglichkeiten für eine erfolgreiche und GESUNDE Schweiz
http://weltdorf.ch

Ratten Heinzi
00
25.5.2011, 17:38
Lohndumping??

In der Schweiz von "zunehmenden Lohndumping" zu sprechen ist sehr weit hergeholt und wohl ideologisch verblendet. Eine Putzfrau bekommt einen Stundenlohn von ~CHF 30.00, ein Lagerarbeiter verdient so um die CHF 20.00 bis 25.00 in der Stunde... Und das ganze ist dann noch nur sehr gering besteuert.

dre
00
27.5.2011, 17:09

Ich arbeite in einem der grössten CH Unternehmen in Basel. Putzfrauen bekommen hier CHF 17.- die Stunde. Vor 10 Jahren wahren es noch CHF 25.-. Ist am Lohndumping vielleicht doch etwas dran?

Ratten Heinzi
00
29.5.2011, 09:54
Nein

CHF 25 - 30 ist einfach zu hoch. CHF 17 ist ein realistischerer Lohn. Das hat nichts mit Dumping zu tun.

In der Zentralschweiz sind es immer noch ~CHF 30 die Stunde.

kresse halten
00
28.8.2011, 11:44
stimmt einfach nicht

Ich weiss nicht woher du diese Information hast??? Putzfrauen verdienen kaum über 20 und wenn's noch eine Ausländerin ist kannst du 5.- abziehen.

Ratten Heinzi
00
29.8.2011, 09:12

Ich zahl im Kanton Zug CHF 30/ Std für eine Portugiesin...

Herbert Novak1
01
25.5.2011, 14:57
Ein reiches Land

Die Schweiz ist zwar ein reiches Land, aber in einer unter Christoph Blocher regierten Schweiz möchte ich, ehrlich gesagt, nicht leben.

Warentester
21
25.5.2011, 15:17

Da kann ich beruhigen. In der Schweiz regiert immer das Volk, denn sie ist eine wahrhafte Denmokratie. Im Gegensatz zu den Demokratietheaterbuden ringsum.

Herbert Novak1
22
25.5.2011, 16:29
Schweizer Demokratie

Zu Warentester, die schweizer Demokratie:= die Mehrheit entscheidet über die Rechte der Minderheit. Danke Herr Blocher, diese Einstellung ist einen Rechtsstaat nicht würdig. Bin zwar kein Freund von den linken Gutmenschen, aber soweit in den rechten Rand muss ich mich nicht begeben.

denke
01
25.5.2011, 11:34

Händeringen nicht vergessen!

Bonobo
50
24.5.2011, 22:42
Zur engstirnigen SVP passt wunderbar folgender Artikel aus der NZZ ;-)

Eine Firma aus dem Emmental will die Schweizer Löhne vom Euro-Kurs abhängig machen und hat damit die Gewerkschaften auf die Palme gebracht. Am Montag reichten Gewerkschafter eine Klage ein. Der Disput legt grundsätzliche Fragen offen.

Bin gespannt wie lange sich die Schweizer noch heraushalten.
Aber denen traue ich zu, dass die Wirtschaft flächendeckend den EURO einführt und mit Schweizer Franken nur noch im Bankenbereich gedealt wird.

ordy
03
25.5.2011, 11:34

Und was hat das jetzt mit der "Engstirnigkeit" der SVP zu tun?

lagrangian
50
25.5.2011, 09:35

es wäre sowieso gut, wenn die schweizer den euro einführen.

the man who shot liberty valance
00

tolle satire, vielen dank :)

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