Reformagenda Gesundheit

Schlechter Befund für Elga

24. Mai 2011, 18:07
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    foto: apa

    Alle Gesundheitsdaten auf einen Klick: Für Verfassungsjurist Heinz Mayer eine Einschränkung der Grundrechte. Laut Gesundheitsministerium entspricht das Gesetz aber durchaus den EU-Vorgaben.

Der Gesetzesentwurf für die elektronische Gesundheitsakte (Elga) "stellt den gläsernen Menschen her", heißt es in einem Gutachten des Verfassungsjuristen Heinz Mayer - Grundrechte würden dadurch verletzt

Wien - Der Gesetzesentwurf für Elga, die elektronische Gesundheitsakte, ruft die Ärztekammer auf den Plan: Sie beauftragte den Verfassungsjuristen Heinz Mayer damit, ein Gutachten zu dem Entwurf zu erstellen - und der Befund, der dem Standard vorliegt, fällt ziemlich drastisch aus: Aus verfassungsrechtlicher Sicht führe der Gesetzesentwurf "zu einer massiven Berührung des Rechts auf Datenschutz" .

Das Gesetz beinhaltet die Möglichkeit zum Opting-out - soll heißen: Wer nicht will, dass verschriebene Medikamente und Befunde elektronisch dokumentiert werden, der muss das extra deponieren. Für Mayer eine "erhebliche Einschränkung des Grundrechtsschutzes. (...) Durch welches wichtige öffentliche Interesse das auf diese Weise ausgehöhlte Selbstbestimmungsrecht gerechtfertigt werden kann, ist nicht erkennbar", heißt es in dem Gutachten. Vor allem bei psychisch beeinträchtigten Patienten könne die Wahrung der Grundrechte nicht sichergestellt werden.

Der Verfassungsjurist kritisiert weiters die Definition von "Gesundheitsdaten" . Laut dem Gesetzesentwurf zählen dazu auch "die gesundheitsrelevanten Lebensgewohnheiten und Umwelteinflüsse" . Diese Bestimmung sei "uferlos und wegen ihrer mangelnden Präzisierung verfassungswidrig" . Diese Einflüsse fänden sich im gesamten Privat- und Familienleben, die Daten zu verwenden "stellt den gläsernen Mensch her" .

Datenschutz sei Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) selbstverständlich ein großes Anliegen, heißt es dazu aus dessen Ressort, man habe sich beim Gesetzestext an die EU-Datenschutzrichtlinie gehalten und rechne daher nicht mit verfassungsrechtlichen Problemen. Grundsätzlich hat sich Stöger mit Elga eine Optimierung der Behandlungsprozesse zum Ziel gesetzt, außerdem soll ein "wesentlicher Beitrag zur Sicherung der Finanzierung des österreichischen Gesundheitssystems" geleistet werden - so ist es im Vorblatt des Gesetzesentwurfs festgehalten. "Es mag durchaus sein, dass die Teilnahme an Elga zu Kostenersparnis führt", räumt der Verfassungsjurist Mayer in seinem Gutachten ein; ein besonderes öffentliches Interesse an schutzwürdigen Daten rechtfertige dieses aber seiner Ansicht nach nicht.

Ärztevertreter äußerten schon mehrfach ihre Bedenken zu Elga. Für ungeklärt halten sie etwa die Frage, ob Ärzte für Behandlungsfehler haftbar sind, die entstehen, weil Patienten gewisse Krankheiten nicht in ihrer elektronischen Gesundheitsakte vermerkt wissen wollen. Dies ist möglich, wenn Diagnosen das Risiko "sozialer Stigmatisierung" bergen, beispielsweise bei HIV-Patienten. Ein Sprecher Stögers beschwichtigt: Elga ersetze keineswegs das Arzt-Patienten-Gespräch, sondern solle es unterstützen; den Patienten müsse außerdem klar sein, dass es ein Risiko sei, bestimmte Diagnosen nicht elektronisch dokumentieren zu lassen.

Alle Gesundheitsdaten auf einen Klick: Für Verfassungsjurist Heinz Mayer eine Einschränkung der Grundrechte. Laut Gesundheitsministerium entspricht das Gesetz aber durchaus den EU-Vorgaben. (Andrea Heigl, STANDARD-Printausgabe, 25.5.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 71
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Sarepta
12
27.5.2011, 12:46

Jaja was in zivilisierten Länder schon längst Usus ist, sorgt eben in der Bananenrepublik noch für Diskussionen. Die unzähligen Vorteile die durch ein System wie ELGA gegeben wären, interessieren in Dummösterreich nat nicht...

sirius5one
00
26.5.2011, 14:47
nicht grundsätzlich dagegen...

...aber, ob es wirklich richtig durchdacht ist. Kann ich nicht sagen. Gibt es vielleicht eine Info-Seite die jemand empfehlen würde?
merci, falls jemand antwortet ;-)

aflen
00
27.5.2011, 13:43
Informationen aus erster Hand

finden Sie unter http://www.arge-elga.at/index.php?id=28.
Ich frage mich nur, warum im Gesundheitsakt Informationen hinsichtlich Religion und Familienstand enthalten sein sollen - wenn auch nur optional. Was, bitte sehr, gehen diese Daten einem Empfänger eines, sagen wir, Laborbefundes an?!

sirius5one
01
26.5.2011, 14:41
heiße Luft

jetzt regen sich wieder alle auf und dann passiert ja doch nichts. Und wer hat die Studie in auftrag gegeben? Na bitte. 1 und 1 ist immer noch 2 und nicht 42. Das wäre nämlich die Antwort auf alle Fragen.
www.gesundemeinung.at

ein.leser
00
25.5.2011, 16:17
für alle interessierten poster - ein link

ftp://ftp.freenet.at/privacy/gesetze/stellungnahme-elga-2011.pdf

sirius5one
00
26.5.2011, 14:58
sorry.

sirius5one
00
26.5.2011, 14:59
hat doch geklappt

sirius5one
00
26.5.2011, 14:57
help...

komme nicht an die pdf datei. help

Fritz Meyer
01
25.5.2011, 12:18
Zweifelhafter Nutzen, aber ein Bärendienst an den Grundrechten!

Und die einzigen, die am Ende nachweisbar davon profitieren, werden die Hersteller dieser Karten sein.

Dormouse
01
25.5.2011, 11:05

"Laut Gesundheitsministerium entspricht das Gesetz aber durchaus den EU-Vorgaben."

wie alles, das man unter dieser regierung so beschlossen hat...irgendwann wirds schon so weit kommen: die vp beschliesst den unterdrückungs- und überwachungsstaat und die sp wird ihn dann umsetzen

mfg

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22
25.5.2011, 10:34

der "datenschutz" wird hier doch nur als scheinargument vorgeschoben. in wahrheit ist die ELGA der gesamten gesundheitsbranche ein dorn im auge weil plötzlich transparent wird, welcher patient wie oft wo unnötig dreifachuntersucht wurde, welcher arzt unnötig bei schnupfen antibiotika verschreibt und dadurch resistenzbildungen fördert etc. letztlich wird man auch deutlicher sehen wo fehler gemacht werden. und das ist bei unserer vertuschungsmentalität nunmal unerwünscht.

sprich: ärztekammer und pharmaindustrie haben angst ums geschäft.

meinemeinungdazu
01
25.5.2011, 21:05
immer wieder die alte mär von den doppel-und dreifachuntersuchungen

solange die ökonomen nicht die forensische veratwortung übernehmen, solange wird es eher mehr als weniger untersuchungen geben.

die meisten sind sowieso verlaufsuntersuchungen und kontrollbefunde, die medizinisch absolut notwendig sind.

ich werde sicher nicht vor dem richter stehen, weil ich eine untersuchung zuviel angeordnet habe, kann aber sehr schnell davor landen, mit dem argument ich hätte einen krankheitsverlauf durch eine unterlassene untersuchung besser behandeln oder berteilen können

halvar van flake
01
25.5.2011, 11:07
so ein schmarrn.

den ärzten und pharmafirmen ist das aber herzlichst egal. und diese auswertungen sind reine fantasie. jedoch wenn sie sich mal bei einer pharma firma bewerben, könnten die sehr wohl an Ihren ecard daten interessiert sein. aber da kämen die doch nie ran, oder?

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01
25.5.2011, 15:22

mein guter, man kann sich ja in ländern umschauen wo so etwas wie elga längst umgesetzt ist: schauns nach schweden oder norwegen, dort ist das gesundheitswesen seit dem einführen der dortigen elga billiger geworden, weil die patienten eben nicht doppel- und dreifach untersucht werden, weil man den antibiotikakonsum stark zurückgefahren hat (und somit die resistenzbildung), und die e-medikation wurde auch eingeführt sodass landesweit ersichtlich ist wie oft welches medikament verschrieben wurde und von wem. so kann man auch ärzten die ihr verschreibungsrecht missbrauchen auf den zahn fühlen.

informieren, dann posten.

hot doc
00
26.5.2011, 11:22
informieren, dann posten:

der hauptverursacher für die bildung der antibiotikaresistenzen stellt die industrielle viehzucht dar. nicht ein paar "kleine" praktiker, die großzügig und oft auf druck der eltern antibiotika verschreiben.

xxx...yyy...
00
25.5.2011, 23:55
hm, in norwegen

glaube ich mal gelesen zu haben, ist es aber auch so, dass nicht jeder mit einem eingewachsenen zehennagel gleich ins kh rennt und bei einem schnupfen 3 fachärzte konsultiert...

ein.leser
00
25.5.2011, 16:23

stimmt, in einigen (wenigen) Ländern (oder Regionen) existieren ähnliche Systeme. Ob die aber wie ELGA funktionieren (ungerichtete Kommunikation, x-Datenpools gehostet von 'irgendwem', fragwürdiges Berechtigungskonzept, etc.) wage ich zu bezweifeln.

Gerichtete Kommunikation funktioniert in AT schon sehr gut (und das auch im internationalen Vergleich).

Der junge Jim Kirk
01
25.5.2011, 11:15

Klar, den Ärtzen und Pharmafirmen ist der umsatz mit den patienten egal.

grias
32
25.5.2011, 09:37
weitere gründe warum Ärzte dagegen sind könnten folgende sein:?

Wahrscheinlich weil man dann schnell erkennen kann ob jemand einen Kunstfehler gemacht hat, oder ob ein Arzt generell zu mehr Fehlern neigt. Außerdem dürfte es dann nicht schwer sein die Ärzte herauszufilter, die zu viele medikamente verschreiben.
Kontrolle = verängstigte Ärzte

The man
00
25.5.2011, 11:25
in erster Linie

könnte dann nicht mehr die ganze Familie mit einer einzigen E-Card "einkaufen" gehen.

xxx...yyy...
00
25.5.2011, 10:26
die ärzte kontrollieren können si eja jetzt auch schon

grias
00
25.5.2011, 11:25

Wie geht das im moment im bereich kosten und verschreibung von medikamenten????

meinemeinungdazu
00
25.5.2011, 21:10

die kassen wissen auf punkt und komma welcher vertragsarzt welches medikament verordnet hat.

jeder vertragsarzt bekommt regelmässig die auflistung der kosten der verschreibungen inkl. generikaanteil zugesandt.

die medikamentenkosten und die leistungspositionen werden permanent kontrolliert und mit dem fachgruppendurchschnitt verglichen.

bei größeren abweichungen vom fachgruppendurchschnitt kommt sehr rasch die einladung zum amikalen gespräch

erstaunt?

xxx...yyy...
01
25.5.2011, 12:31
fragen sie die sv-anstalten

jedes rezept das der arzt ausstellt taucht ja am ende des tages wieder bei der sva auf. jede untersuchung ebenso. oder wie meinen sie würde ein arzt, ein kh sonst geld bekommen?

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