Vom Naschmarkt auf die Seebühne

24. Mai 2011, 18:04

Roland Geyer wird Chef der Bregenzer Festspiele

Als Roland Geyer vor zwei Jahren das Silberne Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien überreicht wurde, hob Laudator Tobias Moretti Ehrgeiz, Fleiß und Zielstrebigkeit des Geehrten hervor, wobei er damit vor allem Geyers Tätigkeit als Intendant des Theaters an der Wien gemeint haben wird. Nicht zu Unrecht: Der 58-jährige Wiener hat es geschafft, ein Musicalhaus innerhalb von nur ein paar Jahren zu einem der wichtigsten Opernhäuser Europas umzuformen.

Das ist umso beachtlicher, als es sich dabei eigentlich um eine Neuschöpfung handelt - mit Opernstrukturen, die an die 14 Premieren pro Saison zu bewältigen haben. Dass der "Gründungsintendant" (Geyer über Geyer), der in Wien unentwegt eine Auslastung weit über 90 Prozent abliefert und mittlerweile mehr als 4000 Abonnenten an sein Haus binden kann, für die Bregenzer Festspiele interessant wurde, ist also verständlich.

Es hätte ihn allerdings auch ein Teil seiner "Vorgeschichte" zum Kandidaten machen können. Geyer hat mit dem Studium von Wirtschaftsmathematik und Sportwissenschaft zwar einen exzentrischen Umweg genommen, um beim Kulturmanagement (das er natürlich auch studiert hat) zu landen. Allein, ab jenem Zeitpunkt, da er in Amstetten (1982) die Möglichkeit bekam, das städtische Kultur- und Sportwesen neu aufzubauen, ging es langsam, aber stetig hinauf: Geyer wurde Chef der Jeunesse Musicale Österreich, anschließend Intendant des etwas verschlafenen Klangbogen-Festivals, das er nach gewissen Anlaufschwierigkeiten erneuerte, bis er danach auch das Theater an der Wien übernahm, in dem Kapazitäten wie Dirigent Nikolaus Harnoncourt Stammgäste wurden.

Geyer ist kein angriffig polternder Impresario, wie es Ioan Holender war; auch kein Theatraliker wie einst Gerard Mortier. Es zeichnen ihn glaubwürdiges Interesse für zeitgenössisches Musiktheater und Managementeffizienz aus, die in Spitzenzeiten 80 Wochenstunden lang durchgehalten werden muss. Das bisschen Entspannungszeit verbringt Geyer im steirischen St. Jakob, wo er mit seiner Frau ein altes Forsthaus gemietet hat. Wie viel Zeit für die Natur bleiben wird, muss sich weisen.

Ab 2015 wird Geyer Intendant in Bregenz, sein Vertrag in Wien läuft bis 2016. Und in Wien will er, bevor er geht, insgesamt auf 100 Opernproduktionen kommen. Das lässt auf eine temporäre freizeitlose Doppelbelastung schließen. (Ljubisa Tosic/DER STANDARD, Printausgabe, 25. 5. 2011)

Tschikist
10
25.5.2011, 11:07
Bravo!

Neidlos

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