Razzia der Justiz bei Telekom-Ablegern

24. Mai 2011, 18:10
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Staatsanwaltschaft Wien ermittelt wegen Verdachts des gewerbsmäßigen Betrugs gegen Ex-Chefs - Hausdurchsuchungen

Wien - Der Verkauf der Wiener Mass Response durch ihre Mutter Telekom Austria dürfte sich nun schwieriger gestalten als gedacht. Vorigen Donnerstag bekamen Geschäftsleitung und Mitarbeiter der Gesellschaft, die bis 2009 Call-In-TV-Shows produziert hat (bei Konsumentenschützern laufen die unter "Abzock-Shows"), unangemeldeten Besuch in großem Stil: Hausdurchsuchung.

Staatsanwaltschaft Wien, Kriminalpolizisten und zwei Gutachter waren gekommen und beschlagnahmten in der etliche Stunden dauernden Aktion jede Menge Unterlagen. Die Staatsanwaltschaft Wien bestätigt das. Ihr Verdacht richtet sich gegen die zwei Exgeschäftsführer des Unternehmens, Andreas Krenn und Herbert Dvoracek: gewerbsmäßiger Betrug. Aufgrund mehrerer Anzeigen von Privaten geht die Behörde dem Verdacht nach, dass bei Fernsehshows auf einem Schweizer Kanal getrickst wurde. Es sei ausgemacht gewesen, wer telefonisch in die Sendung kommt und gewinnt, diese Personen hätten dann den Gewinn (Cash) wieder an Mass Response zurückgezahlt. "Unsinn, da war nicht einmal irgendetwas in diese Richtung, wir haben nichts Unrechtes gemacht und nichts zu verbergen", weist Dvoracek die Vorwürfe zurück. Die Anzeige sei 2009 von einem Schweizer Mitspieler eingebracht worden, "die Leute fühlen sich halt betrogen, wenn sie nicht gewinnen", erklärt er. Krenn, der bis 2010 Telekom-Beteiligungsmanager war, weist den Verdacht ebenfalls von sich.

Eine Hausdurchsuchung gab es auch bei die Marx Media Vienna GmbH auf dem Areal des ehemaligen Schlachthofs St. Marx. Die Gesellschaft, die zu etwas mehr als 25 Prozent der Telekom gehört und deren Mehrheit treuhändig von einer Rechtsanwältin gehalten wird, hat für Mass Response die Produktion der TV-Shows besorgt; etwa Studios, Kameraleute und Moderatoren bereitgestellt.

Ihr Chef, Christian Bodizs (er ist nicht beschuldigt), ist übrigens gut bekannt mit Dvoracek: Beide sitzen unter der Ehrenpräsidentschaft von Adolf Wala im Präsidium des Fußballclubs Vienna.

Zwei Gutachter

Tatsächlich war bei der Justiz im Mai 2009 eine erste Anzeige eingetrudelt; aber das Verfahren wurde eingestellt. Nach weiteren Anzeigen wurde das Verfahren wieder aufgenommen - und nun machen die Ermittler offenbar Nägel mit Köpfen. Inzwischen wurden zwei Gutachter bestellt. Einer, der die technischen Belange analysiert, und einer, der die Buchhaltung unter die Lupe nehmen soll: Gerhard Altenberger, bekannt auch aus den Causen Immofinanz und Buwog/Grasser.

Telekom-Sprecherin Elisabeth Mattes bestätigt die Ermittlungen gegen die Exgeschäftsführer ebenso wie die Hausdurchsuchungen, man kooperiere mit der Behörde. Zudem führt die Mass-Response-Mutter, wie berichtet, interne Prüfungen durch. Weder Krenn (schied Ende 2009 aus) noch Dvoracek (ist seit Mitte März weg) wurden bisher entlastet.

Aus den umstrittenen Call-in-Fernsehshows ist die Telekom-Tochter Mass Response schon ausgestiegen. Trotzdem muss sie sich nun mit ihrer Vergangenheit beschäftigen: Die Justiz ermittelt gegen zwei Exmanager wegen des Verdachts des gewerbsmäßigen Betrugs. Für alle Genannten gilt die Unschuldsvermutung. (Renate Graber, DER STANDARD, Printausgabe, 25.5.2011)

  • Aus den umstrittenen Call-in-Fernsehshows ist die 
Telekom-Tochter Mass Response schon ausgestiegen. Trotzdem muss sie sich nun mit 
ihrer Vergangenheit beschäftigen: Die Justiz ermittelt gegen zwei Exmanager 
wegen des Verdachts des gewerbsmäßigen Betrugs.

    Aus den umstrittenen Call-in-Fernsehshows ist die Telekom-Tochter Mass Response schon ausgestiegen. Trotzdem muss sie sich nun mit ihrer Vergangenheit beschäftigen: Die Justiz ermittelt gegen zwei Exmanager wegen des Verdachts des gewerbsmäßigen Betrugs.

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