Exakt wirkende Vakzine sollen Therapie verbessern
Einen Umbruch in der Allergiebehandlung verspricht ein Impfstoff des
Biotech-Unternehmens Biomay, der sich seit wenigen Tagen im Sicherheitstest an
Patienten befindet. Das Vakzin basiert auf Arbeiten des Teams rund um Rudolf
Valenta, Leiter des Doppler-Labors für Allergieforschung an der Med-Uni Wien.
Nachdem schon vor vielen Jahren die ersten Pollenallergene - am Anfang stand
Bet v 1 aus der Birke - in ihrer Aminosäurezusammensetzung und räumlichen
Struktur charakterisiert werden konnten, starteten Valenta und seine Mitarbeiter
den Versuch, exakt gegen bestimmte Pollenallergien wirkende Impfstoffe mit
verbesserten Eigenschaften zu entwickeln. Die herkömmlichen
Desensibilisierungsimpfstoffe bestehen aus mehr oder weniger gut
charakterisierten Pollenbestandteilen, die nicht sehr zuverlässig wirken und
selbst allergische Reaktionen auslösen können. Die Behandlung dauert an die drei
Jahre und macht zahlreiche Injektionen notwendig.
Der von Biomay entwickelte BM32-Impfstoff besteht aus Peptiden mit 20 bis 30
Aminosäuren, die aus den Pollenallergenen von Gräsern abgeleitet wurden. Sie
werden gentechnisch hergestellt und an ein virales Trägerprotein gebunden.
"Dieses Konstrukt wird laut bisheriger Studien nicht von dem allergieauslösenden
Antikörpern erkannt, auf der anderen Seite führt es zu einer starken schützenden
Immunantwort", sagt Rainer Henning, Geschäftsführer von Biomay.
Die Vakzine sollen nun bis Ende Juni an insgesamt 60 Allergiepatienten an der
Med-Uni Wien getestet werden, im Herbst ist der Start einer "echten"
Phase-II-Studie an Probanden geplant. Dabei erhalten Gräserpollenallergiker in
der pollenfreien Zeit drei Impfungen in drei verschiedenen Dosierungen. Damit
sollen Daten über die notwendige Dosis und die Immunantwort gewonnen werden.
"Die Probanden werden in einer Klimakammer mit Gräserpollen provoziert. Dann
wird ihre Reaktion darauf gemessen", erläutert Henning. Wenn alles gutgeht,
könnten die BM32-Vakzine im Jahr 2017 auf den Markt kommen.
Weitere Pläne
Darüber hinaus gibt es Pläne für weitere Projekte zur Allergiebekämpfung:
"Wir wollen ein Portfolio mit Impfstoffen zur Behandlung von Gräserpollen-,
Birken-, Ragweed-, Hausstaubmilbenallergien und solche gegen japanische Zeder
entwickeln. Schließlich geht es auch um eine prophylaktische Vakzinierung von
besonders gefährdeten Kindern", sagt Henning. Sie könnten eventuell in den
ersten Lebensmonaten dauerhaft vor Allergien geschützt werden. (APA, red, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25. Mai 2011)