Impfstoff

Allergie-Impfung im Test

24. Mai 2011, 17:56

Exakt wirkende Vakzine sollen Therapie verbessern

Einen Umbruch in der Allergiebehandlung verspricht ein Impfstoff des Biotech-Unternehmens Biomay, der sich seit wenigen Tagen im Sicherheitstest an Patienten befindet. Das Vakzin basiert auf Arbeiten des Teams rund um Rudolf Valenta, Leiter des Doppler-Labors für Allergieforschung an der Med-Uni Wien.

Nachdem schon vor vielen Jahren die ersten Pollenallergene - am Anfang stand Bet v 1 aus der Birke - in ihrer Aminosäurezusammensetzung und räumlichen Struktur charakterisiert werden konnten, starteten Valenta und seine Mitarbeiter den Versuch, exakt gegen bestimmte Pollenallergien wirkende Impfstoffe mit verbesserten Eigenschaften zu entwickeln. Die herkömmlichen Desensibilisierungsimpfstoffe bestehen aus mehr oder weniger gut charakterisierten Pollenbestandteilen, die nicht sehr zuverlässig wirken und selbst allergische Reaktionen auslösen können. Die Behandlung dauert an die drei Jahre und macht zahlreiche Injektionen notwendig.

Der von Biomay entwickelte BM32-Impfstoff besteht aus Peptiden mit 20 bis 30 Aminosäuren, die aus den Pollenallergenen von Gräsern abgeleitet wurden. Sie werden gentechnisch hergestellt und an ein virales Trägerprotein gebunden. "Dieses Konstrukt wird laut bisheriger Studien nicht von dem allergieauslösenden Antikörpern erkannt, auf der anderen Seite führt es zu einer starken schützenden Immunantwort", sagt Rainer Henning, Geschäftsführer von Biomay.

Die Vakzine sollen nun bis Ende Juni an insgesamt 60 Allergiepatienten an der Med-Uni Wien getestet werden, im Herbst ist der Start einer "echten" Phase-II-Studie an Probanden geplant. Dabei erhalten Gräserpollenallergiker in der pollenfreien Zeit drei Impfungen in drei verschiedenen Dosierungen. Damit sollen Daten über die notwendige Dosis und die Immunantwort gewonnen werden. "Die Probanden werden in einer Klimakammer mit Gräserpollen provoziert. Dann wird ihre Reaktion darauf gemessen", erläutert Henning. Wenn alles gutgeht, könnten die BM32-Vakzine im Jahr 2017 auf den Markt kommen.

Weitere Pläne

Darüber hinaus gibt es Pläne für weitere Projekte zur Allergiebekämpfung: "Wir wollen ein Portfolio mit Impfstoffen zur Behandlung von Gräserpollen-, Birken-, Ragweed-, Hausstaubmilbenallergien und solche gegen japanische Zeder entwickeln. Schließlich geht es auch um eine prophylaktische Vakzinierung von besonders gefährdeten Kindern", sagt Henning. Sie könnten eventuell in den ersten Lebensmonaten dauerhaft vor Allergien geschützt werden. (APA, red, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25. Mai 2011)

leaping frog
00
25.5.2011, 13:48
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