Wie Fische zwitschern

Adrian Lobe , 24. Mai 2011, 17:58
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    foto: m. a. marchater

    Der Froschfisch beherrscht unter anderem Grunzgeräusche und langgezogene Schreie.

Auch im Meer bei den vermeintlich stummen Fischen ist akustisch einiges los: Forscher haben herausgefunden, dass Froschfische ähnlich komplexe Laute erzeugen wie Vögel - und sogar zwei Töne gleichzeitig

Wer mit offenen Ohren durch die Natur wandert, kann wahre akustische Darbietungen erleben: Vögel zwitschern, Frösche quaken, Hirsche röhren. Die Tierwelt ist voller Geräusche. Anders verhält es sich bei einer Schnorcheltour. Unter Wasser kann man zwar auch die atemberaubende Vielfalt der Natur beobachten - nur: Man hört nichts.

Heißt das, dass Fische stille Zeitgenossen sind, die keinen Mucks von sich geben? Nein. Ganz im Gegenteil. Fische veranstalten einen Heidenlärm. Sie grunzen, trällern und brüllen. Ihr Repertoire ist von beeindruckendem Reichtum. Manche Arten, wie der nordamerikanische Kaulkopf, stimmen regelrechte Arien an, um ihre Partner zu umgarnen.

Große Diversität an Tönen

"Bei Fischen findet man die größte Diversität an Tönen", sagt Frédéric Bertucci, Doktorand am neuro-ethologischen Labor in Saint-Etienne. Er analysiert die Laute von Meerestieren und transformiert sie in hörbare Sequenzen. Denn: Das menschliche Gehör kann Frequenzen nur innerhalb einer gewissen Bandbreite wahrnehmen.

Unser Hörspektrum reicht von etwa 16 Hertz bis 20 Megahertz. Alles, was darunter oder darüber liegt, können wir nicht mehr hören. Mithilfe spezieller Darstellungsformen wie Oszillogrammen lässt sich der Schall aber aufzeichnen und in fonetische Einheiten übertragen.

Wie aber entstehen bei Fischen solche Laute? Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten, wie sich Fische artikulieren können. Entweder, sie klappern mit ihrem Kiefer oder sie bewegen ihre Blase. Meeresbiologen haben schon vor längerer Zeit herausgefunden, dass das mit Gas gefüllte Organ nicht nur dem Auftrieb dient - durch das Leeren der Blase werfen die Fische Ballast ab und gelangen an die Oberfläche -, sondern auch als Kommunikationsmittel.

Indem die Fische in kurz aufeinanderfolgenden Intervallen ihre Muskeln anspannen, entstehen Schallwellen. Die Schwimmblase trägt diese Schwingungen weiter - und fungiert damit als Verstärker. Auf diese Weise können Signale an andere Individuen gesendet werden.

Trotzdem ist noch wenig über den Inhalt bekannt. Welche Botschaften übermitteln die Schallwellen? Dieser Frage ging eine Forschungsgruppe der Universität Cornell im US-Bundesstaat New York nach. Ihr Ergebnis, publiziert in den Proceedings der Royal Society B (11.5.): "Die Töne des Froschfischs offenbaren ein Komplexitätsniveau, das mit Vögeln und Primaten vergleichbar ist", sagt Aaron Rice, der Leiter der Studie.

Die Fische sind in der Lage, zwei Töne gleichzeitig zu erzeugen. Wie die Forscher herausfanden, machen sich Fische durch kurzwellige Grunzgeräusche und langgezogene Schreie bemerkbar. Eine solche Simultaneität wohnt auch Vogelstimmen inne. Vögel erzeugen Geräusche zum einen durch die Luftröhre, zum anderen durch die Bronchien. Durch dieses Zusammenspiel entsteht ein spezifischer Zweiklang, mit dem Gruppenmitglieder verständigt werden können. Bemerkenswert: Die Trommelmuskeln eines Froschfischs - sie liegen in der Innenwand der Schwimmblase - schlagen dreimal schneller als die Flügel eines Kolibri.

Ähnlich wie bei Landtieren dienen die Signale dazu, Weibchen anzulocken, das Revier zu markieren oder den Schwarm bei Gefahren in Alarmbereitschaft zu versetzen. Wenn es hart auf hart kommt, können auch Fische mitunter ganz schön laut werden. (Adrian Lobe, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25. Mai 2011)


Abstract
Proceedings der Royal Society B: Nonlinear acoustic complexity in a fish 'two-voice' system

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 42
1 2
Micha Do
 
00
31.5.2011, 21:01
Also unser Gehör reicht von 16 Hz bis maximal 20 KILO-Hz

Nix für ungut, aber ich bin froh, dass wir NICHT bis 20 MEGA Hz hören..... ;-)

Synchronschachklub "Rudolf Nurejew"
00
25.5.2011, 13:04

heißt der grunzbarsch also so, weil er grunzt?

Michael Schmied
04
25.5.2011, 11:29
durch das Leeren der Blase werfen die Fische Ballast ab und gelangen an die Oberfläche

Müßte das nicht heißen:

Durch das *Füllen* der Blase werden die Fische leichter und gelangen an die Oberfläche (?)

Im Kontext handelt es sich um die Schwimmblase.

Wurde da Schwimmblase mit der Blase (Urin) vermischt?

MBR
00
27.5.2011, 13:47

das stimmt schon so

Kanzleiposten
00
25.5.2011, 10:44

muss ein arger Lärm sein wenn ein Schleppnetz durchs Meer pflügt.

obstbau1
04
25.5.2011, 08:16
Ich ...

... möchte gerne wissen,
ob sich die Fische küssen:
Ober Wasser tun sie's nicht
und unter Wasser sieht man's nicht

K. Weber
00
25.5.2011, 14:30

Die Küssenden Gouramis machen's, aber nur die Männchen, und es ist ein Akt der Aggression...

Mike Brummi
00
25.5.2011, 09:59

.. die sind alle selbstverliebt und küssen nur ihr Spiegelbild.

Kann man im Aquarium gut beobachten.

fearandlebowski
 
06
25.5.2011, 00:34
ca. 16 Herz bis ca. 20 Kiloherz, nicht Megaherz :-)

hänk muhdi
01
25.5.2011, 10:53
Es wären ausserdem

Hertz, nicht Herz.

Wenn schon erbsenzählen, denn schon ;)

radioguy
01
25.5.2011, 01:57
das wäre mega...

bis megaherz. danke standard.at.

Stephan T.
 
00
25.5.2011, 09:50

Bei beiden: Hertz ;)

kapitän nemo
10
24.5.2011, 21:38

aber sind die geräusche der fische denn nun tiefer oder höher als der menschliche hörbereich ?

delphine und wale kann man ja hören, und haben eine eher hohe tonlage

zauberlehrling70
05
25.5.2011, 03:59
Wale und Delphine

sind auch keine Fische !

kapitän nemo
20
25.5.2011, 09:13

danke sie schlaumeier, aber das weiss ic slesbt seit meiner volksschulzeit!
delphine und wale bewegen sich und kommunizieren aber im selben medium.
daher wäre es plausibel dass meeressäuger und fische sich beide in einer frequenz unterhalten, die im wasser gut übertragbar ist, auch wenn sie biologisch nicht miteinander verwand sind

radioguy
02
25.5.2011, 02:00
am besten

abtauchen und lauscher aufsperren. bis ~80herz, spürst du den basssss....

Jane Lane
 
01
24.5.2011, 21:25
N aber doch hoffentlich nicht zu irgendeiner unchristlichen Zeit?!

Orkus
02
24.5.2011, 20:43
Und was sag ich jetzt statt "stumm wie ein Fisch"?

certhas
01
25.5.2011, 07:34

plasmatisch wie das FS3 wär jetzt mein Vorschlag

denkender Mensch
17
24.5.2011, 22:27

Tja..."Blind wie ein Maulwurf" ist auch nicht korrekt...
Wie wärs mit: "Dumm wie die Masse"
Das ist zwar tragisch, aber zumindest nicht gelogen.

wizenstain
52
24.5.2011, 22:44
na gut, sie haben aber auch nicht gerade viel nachgedacht

Fernando António Nogueira Pessoa
13
24.5.2011, 20:35
Was mich wundert:

Weder den Autor, noch die Postergemeinde scheint die Frage zu interessieren, wie denn Fische hören können.
Denn: Frequenzen erzeugen reicht nicht.

Das tu ich nämlich selber auch, etwa wenn ich zittere. Ich werds einmal aufzeichnen und ins Hörbare transponieren. Vielleicht komm ich dann ins Naturhistorische.

Zinnmo
 
05
24.5.2011, 21:56

Fische können hören. Sie haben zumindest ein Innenohr. Manche, z.B. Karpfen und Weißfische, hören sehr gut. Sie haben den sogenannten Weberschen Apparat, der das Innenohr mit der gasgefüllten Schwimmblase verbindet. Froschfische werden wohl eher zu den besser Hörenden gehören.

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