Feš und falsch

25. Mai 2011, 12:02
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Mit dem T-Shirt-Label vajt und brajt soll die Doppelsprachigkeit im Wiener Stadtbild sichtbar werden

In den letzten Wochen sind auf Wiens Straßen oft Menschen zu sehen, die schlichte weiße und schwarze T-Shirts mit offenkundig falsch buchstabierten Beschriftungen tragen: feš, integracionsvilig, şön oder ferštendnisfol. Hinter der Idee mit der falschen Rechtschreibung steckt der Autor und Sprachlehrer Goran Novaković, der seine "tširts" unter dem Label vajt und brajt vertreibt. Sein Ziel sei es die "Vermischtheit" in Wien sichtbar zu machen. "In unserer Stadt leben viele (insbesondere) junge Menschen, die doppelsprachig sind. Andererseits gibt es eine immer größer werdende Anzahl von 'waschechten' ÖsterreicherInnen, die sich für die Kulturen der ZuwanderInnen und ihre Sprachen interessieren", erklärt Novaković.

Poetische Ziele

Bei den seltsam anmutenden Beschriftungen handelt es sich um "konsequente Anwendung der von mir systematisierten Lautschriften aus BKS, Türkisch und Deutsch", meint der Sprachlehrer. Auf die Idee kam er durch die Tätigkeit als Lehrer an der VHS. Er machte sich Gedanken darüber, "wie man den Menschen das Lesen erleichtern könnte und kam darauf, dass die Lautschrift, die aus der eigenen Muttersprache herkommt, der beste Weg dazu ist".

Neben dem kommerziellen verfolgt Novaković auch ein poetisches Ziel: Er wünscht sich "dass TürkInnen oder Ex-JugoslawInnen mit wenig Ausbildung tadellos Goethe, Schiller, Kafka lesen können. Und dass ein Österreicher unsere oder türkische Dichter im Original vortragen kann". Das nennt Novaković "Drang nach fremdem Klang".

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